Dazugehören BaWü

Individuelle Unterstützung für benachteiligte Jugendliche im Corona-bedingt erschwerten Übergang zum Erwachsenenalter

           

Projektleitung

  • Profilbild von Prof. Dr. med. Jörg M. Fegert

    Prof. Dr. med. Jörg M. Fegert

    Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie

  • Profilbild von Prof. Dr. med. Isabel Böge

    Prof. Dr. med. Isabel Böge

  • Profilbild von Dr. Dipl.-Psych. Andreas Witt

    Dr. Dipl.-Psych. Andreas Witt

    Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut

Kooperationspartner

                                                           

                       

Projektlaufzeit

Die Projektelaufzeit in den Modellregionen ist der Zeitraum 01.07.2021 – 28.02.2023.

Projektvorhaben

Das Projekt „Dazugehören BaWü: Individuelle Unterstützung für benachteiligte Jugendliche im Corona-bedingt erschwerten Übergang zum Erwachsenenalter“ ist ein vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg im Rahmen des Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg gefördertes Verbundprojekt. Das Projektmanagement sowie die Projektdurchführung und –steuerung liegen bei den seit vielen Jahren eng kooperierenden Arbeitsgruppen Jugendpsychiatrie/Psychotherapie Ulm (Prof. Dr. Jörg Fegert) und Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie Südwürttemberg (Prof. Dr. Isabel Böge).

Ziel des Projektes ist die Stabilisierung und Stärkung von Jugendlichen, die sich im Übergang zum Erwachsenenalter befinden und von Teilhabedefiziten aufgrund seelischer Behinderung bzw. Suchterkrankung betroffen sind, mit Hilfe von Digitalisierung. Durch die Einschränkungen in der Corona-Pandemie haben seelisch behinderte oder suchterkrankte Jugendliche weniger Chancen, ihre Entwicklungsaufgaben im Übergang zum Erwachsenenalter zu bewältigen. Der Gesundheitsstandort Baden-Württemberg reagiert mit einem modernen vernetzten Gesundheitswesen und verhindert durch die Verbesserung der Teilhabechancen beeinträchtigter junger Menschen die Entstehung einer „lost generation“.

In diesem Projekt werden exemplarisch an vier Standorten im Land neue Wege zu einer digital unterstützten Hilfeplanung und digitalen Hilfen für junge Menschen mit seelischer Behinderung oder Suchterkrankung realisiert. Durch Digitalisierung wird eine individuelle, vernetzte Übergangs- und Hilfeplanung ermöglicht, die in Zeiten der Corona-Pandemie eine unabdingbare Ergänzung darstellt. Dies wird zum einen über ein zu erarbeitendes partizipatives Teilhabeinstrument erreicht, zum anderen über ein webbasiertes Gruppentraining, das zur Selbstbefähigung der Jugendlichen beitragen soll. In dem webbasierten Gruppentraining wird die Persönlichkeitsentwicklung dahingehend unterstützt, dass eine selbstbestimmte, eigenverantwortliche und selbständige Lebensführung zukünftig ermöglicht wird (vgl. § 41 SGB VIII [neu]).

Teilprojekt 1: Partizipatives Teilhabeinstrument

Durch digital unterstützte, vernetzte Fallübergaben in Diagnostik und Therapie sowie durch koordinierte Übergänge von der Jugend- zur Erwachsenenhilfe soll erreicht werden, dass trotz der Corona-bedingten Verzögerungen eine zeitnahe Bedarfsfeststellung erfolgen kann. Die Teilhabebeeinträchtigungen und die Unterstützungsmöglichkeiten werden mithilfe der sozialmedizinischen Diagnostik festgestellt und in einem Teilhabeplan zusammengeführt. Im Rahmen des digital organisierten Netzwerks wird durch aktive Teilnahme der betroffenen Jugendlichen/jungen Erwachsenen frühzeitig Selbständigkeit gefördert. Individuelle Hilfen und Unterstützungsangebote zielen auf die Vermeidung von Ausgrenzung aufgrund von Krankheit und Behinderung.

In der Praxis für die Praxis entsteht so ein digital unterstütztes Vorgehen, das in der Teilhabeplanung und –begleitung neue Standards setzt.

Teilprojekt 2: Webbasierte Gruppenintervention

Zusätzlich wird eine begleitende webbasierte Gruppenintervention entwickelt, welche die aktive Partizipation der betroffenen jungen Menschen fördern soll, indem Selbstbestimmung und Mentalisierungsfähigkeit gestärkt werden.

Da die Peergruppe bei Jugendlichen eine zentrale Rolle spielt, Angebote wie Gruppen- oder Selbsthilfeveranstaltungen aber durch die Corona-Krise fast vollständig zum Erliegen gekommen sind, werden im Rahmen des Projekts digitalisierte Maßnahmen entwickelt und eingesetzt, welche die aktive Teilhabe der Jugendlichen im Übergang zur Arbeitswelt und zum Erwachsenenleben unterstützen sollen.

Durch gemeinsam genutzte digitalisierte Instrumente wird eine gemeinsame Sprache geschaffen. Diese zielt darauf ab, eigenverantwortliches Handeln und Teilhabe auch in den die jungen Menschen betreffenden Verwaltungsvorgängen in den Mittelpunkt zu stellen. Junge Menschen als Nutzer von Gesundheitsleistungen im Bereich der (Kinder- und Jugend-) Psychiatrie und Suchthilfe werden zur Eigenständigkeit befähigt und in ihrem Wunsch- und Wahlrecht gestärkt.

Modellstandorte

Für die Durchführung des Projekts werden vier Modellstandorte gesucht. Diese Standorte werden in die Entwicklung des digitalen Instruments und der webbasierten Gruppenintervention einbezogen, um die Nützlichkeit und Handhabbarkeit in der Praxis sicherzustellen. Beides soll den beteiligten Regionen zur Verfügung gestellt werden, um die Anwendung in der Praxis zu erproben und begleitend wissenschaftlich zu evaluieren.

Zunächst profitieren somit Betroffene an den vier Modellstandorten. Bewährt sich das Modell, kann aufbauend darauf die ganze Kommunikation an der Grenze zwischen medizinischer diagnostischer Feststellung und sozialrechtlicher Unterstützung im Kindes- und Jugendalter sowie im jungen Erwachsenenalter in Baden-Württemberg systematisch verbessert werden.

Begleitforschung

Der Einsatz des neu entwickelten Instruments und der Gruppenintervention wird im Rahmen einer Begleitforschung evaluiert. Sämtliche Daten aus der Anwendung der Instrumente werden fortlaufend analysiert und die neu eingeführten Instrumente werden auf der Basis der Erfahrungen im Modellprojekt optimiert. Diese dynamische Entwicklung hat sich auch in der Vergangenheit bewährt und ist in der momentanen, vor allem durch die Corona-Pandemie bedingten Situation eine gute Möglichkeit, möglichst flexibel und praxistauglich mit den sich ständig ändernden Bedingungen umzugehen.

Wir suchen

Wir suchen vier Modellstandorte in Baden-Württemberg, die sich aktiv daran beteiligen möchten, die Problematik des Übergangs seelisch behinderter oder suchterkrankter Jugendlicher über digitale Unterstützung zu verbessern und die betroffenen Jugendlichen selbst in ihrer aktiven Teilhabe zu fördern. Zentral im Projekt wird die Entwicklung des partizipativen Instruments zur digitalen Unterstützung der Hilfeplanung sein. Dieses soll in enger Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort entwickelt und den Modellstandorten zur Verfügung gestellt werden. Ebenso soll das webbasierte Gruppentraining zur Unterstützung der Jugendlichen in enger Zusammenarbeit mit den Experten aus der Praxis entwickelt, durchgeführt und evaluiert werden.

Hierzu ist ein enger Austausch mit den Fachkräften vor Ort geplant, außerdem werden im Förderzeitraum mehrere Projekttreffen stattfinden.

Wir bieten

Nutzen für die Modellstandorte

Die nach der Verkündung sofort in Kraft tretenden Neuregelungen aus dem KJSG erfordern von der Jugendhilfe eine Neuorganisation der Übergänge ins Erwachsenenalter. In diesem Kontext bieten wir neben der Möglichkeit der Mitgestaltung eines digitalen Instruments, das praxistauglich ist und ohne Schnittstellenschwierigkeiten in der kommunalen Praxis angewandt werden kann, einen unterstützten Zugang zur Umsetzung der neuen gesetzlichen Vorgaben.

Sachkosten und Koordination

Um den Aufwand in den beteiligten Stellen zu kompensieren, stehen über das Projekt „Dazugehören BaWü“ Personalressourcen für die Modellstandorte zur Verfügung. Die Organisation der Veranstaltungen wird vom Projekt übernommen. Den Modellstandorten wird eine Kontaktperson aus dem Projektteam zur Verfügung stehen.

Kommunikation und Sichtbarmachung

Das Projekt wird durch hybride oder komplett gestreamte Veranstaltungen, durch einen Newsletter und durch Videobeiträge sichtbar gemacht. Dabei kann auf die jahrzehntelange Expertise der Projektpartner in der Projektdurchführung und Wissenschaftskommunikation zurückgegriffen werden. Neben wissenschaftlichen Publikationen werden über Newsletter und Projekthomepage praxisnahe, für jedermann verständliche Berichte zu den Projektergebnissen und zur Projektentwicklung vorgelegt werden.

Wer kann sich bewerben?

Bewerben können sich Landkreise oder kreisfreie Städte in Baden-Württemberg. Idealerweise besteht in diesen Regionen eine enge Zusammenarbeit zwischen den örtlichen Jugendämtern, in denen das Teilhabeinstrument hauptsächlich angesiedelt sein soll, und weiteren relevanten Institutionen der Jugendhilfe sowie der für die Versorgung zuständigen Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie oder den Zentren der Adoleszenzpsychiatrie.

Auswahlverfahren

Die Auswahl der Modellstandorte, die am Projekt „Dazugehören BaWü“ teilnehmen, trifft das Projektkonsortium. Um eine gleichmäßige Verteilung im Land Baden-Württemberg zu erreichen, ist das Ziel je Regierungspräsidium eine Region zu berücksichtigen.

Mit den ausgewählten Modellregionen wird eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, um die Zusammenarbeit verbindlich festzuhalten. In die Vereinbarung fließen Angaben zur Nutzung der Projektergebnisse und zum Datenschutz ein.

Bewerbungsfrist

Bewerbungen sind bis einschließlich 18.06.2021 in Form eines PDF-Dokuments einzusenden an dazugehoeren.bawue@uniklinik-ulm.de.

Kontaktadresse

Ansprechpartner für Fragen:

Dr. Andreas Witt

Verena Gindele 

 

Projektmailadresse: dazugehoeren.bawue@uniklinik-ulm.de

Projektwebseite: www.uniklinik-ulm.de/kinder-und-jugendpsychiatriepsychotherapie

 

Gefördert von:

Ministerium für Soziales und Integration