Theranostik-Gruppe

Krebs ist eine der Hauptursachen für Mortalität und Morbidität in der modernen Welt. Die Übergänge von normalen zu bösartigen Zellen manifestieren sich klinisch mehrere Jahre später durch eine Reihe von komplexen, miteinander verbundenen Veränderungen auf subzellulärer, zellulärer, Gewebe- und Organebene. Dieses Wissen hat zu einer Verschiebung der Forschungs- und Behandlungsstrategien in der Onkologie geführt. Der Schwerpunkt hat sich nun auf die Diagnose und Behandlung unter Verwendung spezifischer Ziele auf subzellulärer, zellulärer und Gewebeebene (daher die Theranostik) verlagert. Radiomarkierte Arzneimittel und das Konzept der Nuklearmedizin sind in einzigartiger Weise geeignet, diese Ziele zur Überwindung der "intelligenten Krebszellen" auszunutzen.  Diese auf Krebszellen überexprimierten Targets sind jedoch nicht einzigartig für sie, da die Krebszellen selbst die Nachkommen "normaler" Zellen sind. Dies stellt die 'Theranostik' vor einige Herausforderungen, die durch radioaktiv markierte Arzneimittel überwunden werden können.

Ein radioaktiv markiertes Arzneimittel hat zwei Komponenten - einen Vektor und ein Radionuklid. Um die diagnostische Leistung zu erhöhen, besteht der erste Schritt bei der Validierung der Spezifität der Vektorkomponente eines radioaktiv markierten Arzneimittels in der Verknüpfung von Methoden zur In-vitro-Detektion und Quantifizierung von Targets, z.B. Immunhistochemie, Fluoreszenz-Bildgebung mit 'molekularer In-vivo-Bildgebung' mittels Positronen-Emissions-Tomographie. Neben der Verknüpfung von in-vitro-in-vivo-Informationen ist es ebenso wichtig, die in-vivo-Verteilung von radioaktiv markierten Arzneimitteln zu charakterisieren, um ihre Pharmakokinetik und Pharmakodynamik zu verstehen. Die zweite Komponente einer radioaktiv markierten Probe, die Radionuklide, sind für hohe Strahlendosen in und um eine Zelle, ein Gewebe und ein Organ verantwortlich.  Um einen optimalen therapeutischen Index, d.h. maximalen Nutzen und geringste Nebenwirkungen, zu erreichen, müssen die Eigenschaften von Radionukliden durch das "Dosimetrie"-Konzept validiert werden.

Ein validiertes radioaktiv markiertes Arzneimittel ist jedoch zu nichts gut, wenn ihre klinische Anwendung nicht in einem interdisziplinären Ansatz richtig ausgewählt wird. Der Somatostatin-Rezeptor auf neuroendokrinen Tumoren (NET) und das prostataspezifische Membranantigen auf Prostatakrebszellen (PCa) haben das Konzept der Behandlung von NET und PCa revolutioniert. Parallel zur Entwicklung radioaktiv markierter intelligenter Moleküle haben mehrere mit dem Tumor-Immunsystem zusammenhängende Pfade eine neue Ära in der individualisierten Medizin eröffnet. Eine der Möglichkeiten, die Wirksamkeit (therapeutischer Index) der Tumorimmuntherapie zu erhöhen, besteht darin, solche Medikamente, die z.B. auf die Mikroumgebung des Tumors abzielen, mit Positronen emittierenden Radionukliden zu radioaktiv markieren, um das Ziel vor der Behandlung zu bestätigen.

Diese Forschungsgruppe wird hauptsächlich daran arbeiten, verschiedene Disziplinen wie Pathologie, Chirurgie, Onkologie, Endokrinologie, Gastroenterologie, Urologie, Radioonkologie und medizinische Bildgebung zusammenzubringen, um die klinische Anwendung von gezielten Radionuklid-Arzneimitteln bei der individualisierten Behandlung von Krebs zu maximieren.

 

Neuigkeiten

Theranostik mit radioaktiv markierten Arzneimitteln wird langsam von Fakultäten anderer Disziplinen als unwiderruflicher integraler Bestandteil der Behandlung von Krebspatienten akzeptiert. Um dieses Konzept den Onkologen näher zu bringen, bieten wir im Rahmen des Master Online-Studiengangs Advanced Oncology an der Universität Ulm Lehrveranstaltungen an.

Gemeinsam mit unserem Partner in der Urologie, Dr. Friedemann Zengerling (Oberarzt, Urologische Klinik, Univ. Ulm), wollen wir geeignete Targets auf der Basis des klinischen Bedarfs herausfinden, um unseren Patienten mit Prostatakrebs, Nierenzellkrebs, Harnblasen- und Hodenkrebs zu helfen.
Dr. Zengerling ist verantwortlich für die Organisation unseres interdisziplinären Tumorboards Urologie unter dem Dach des Comprehensive Cancer Center Ulm.

Profilbild von apl. Prof. Dr. med. Vikas Prasad

apl. Prof. Dr. med. Vikas Prasad

Leitender Oberarzt, FA Nuklearmedizin

Fallstudie

mCRPC (Alter-73 Jahre), GS: 3+4 =7; Erstdiagnose 02/2007.
Histologie von Lebermetastasen: mäßig differenziert mit teilweise neuroendokriner Komponente; G3.
Nach ADT inklusive Abiraterone, 9x Docetaxel, 28x Cabazitaxel

PSMA PET/CT

Kontakt Theranostik

Telefon +49 731 500 - 61301

Telefax +49 731 500 - 61302

Addresse
Universitätsklinikum Ulm
Klinik für Nuklearmedizin
Albert-Einstein-Allee 23
89081 Ulm
Germany