Pflegekinderambulanz
Pflegekinder sind gewöhnlich Kinder mit sehr schwierigen Vorerfahrungen, wodurch der Beziehungsaufbau zu den Pflegeeltern belastet und erschwert sein kann. Psychische Störungen und Entwicklungsverzögerungen sind bei Pflegekindern verbreitet. Häufig werden Pflegeeltern mit Verhaltensauffälligkeiten und Anforderungen im Umgang mit dem ihnen anvertrauten Kind und seinem Umfeld konfrontiert, denen sie sich ohne Unterstützung nicht gewachsen fühlen. Durch die Betreuung des Pflegekindes wird das Beziehungsnetzwerk der Pflegefamilie erweitert, die Zusammenarbeit mit leiblichen Eltern, Jugendamt und weiteren Institutionen (Schule, Tagestätte, pädagogischer Frühförderung, Therapeuten etc.) ist notwendig; dabei kann es ohne Unterstützung schwierig sein für alle Beteiligten zufrieden stellende Vereinbarungen zu treffen. Leibliche Eltern sehen sich in der Situation ihr Kind in eine fremde Obhut zu geben und befürchten mitunter ihr Kind nicht häufig genug sehen zu können und ihre spezielle Rolle als Eltern zu verlieren. Die Pflegekinder wiederum stehen zwischen verschiedenen Bezugspersonen und Institutionen, die sich um sie kümmern, und können sich bei fehlender Zusammenarbeit der Erwachsenen hin und her gezogen fühlen. Wichtig für das Wohlbefinden und für die Wiederherstellung der psychischen Gesundheit der Kinder sind die Herstellung eines klaren und verlässlichen Betreuungsrahmens, die Zusammenarbeit zwischen leiblichen Eltern, Pflegeeltern, Jugendamt und anderen Institutionen, sowie die Berücksichtigung des individuellen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlungsbedarfs.
In diesem Sinne bietet die Pflegekindersprechstunde an der kinder- und jugendpsychiatrischen Institutsambulanz der Universitätsklinik Ulm folgende Leistungen an:
- kinder- und jugendpsychiatrische Diagnostik
- Ermittlung des Entwicklungsstands und des Förder- und Therapiebedarfs des Kindes
- Durchführung der kinder- und jugendpsychiatrischen sowie psychotherapeutischen Behandlung sowie Koordination zusätzlicher pädagogischer und therapeutischer Maßnahmen
- Erstellung von Gutachten zum Bedarf an Eingliederungshilfen für seelisch behinderte Pflegekinder nach §35a des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG)
- Beratung der Pflegeeltern im Umgang mit den Kindern und leiblichen Eltern
- Beratung der leiblichen Eltern im Umgang mit den Kindern und den Pflegeeltern
- Informations- und Gesprächsnachmittage für Pflegeeltern, leibliche Eltern und Fachkräfte zu pflegekindspezifischen Themenschwerpunkten
- Zusammenarbeit und Austausch mit dem zuständigen Jugendamt bzgl. einer am Wohl der psychisch auffälligen Kinder orientierten Hilfeplanung, Umgangsregelung, Gestaltung von Übergängen etc.
- Krisenintervention
- Vermittlung zwischen leiblichen Eltern, Pflegeeltern, Jugendamt und anderen relevanten Institutionen.
Dieses Angebot richtet sich an die betroffenen Kinder, Pflege- und Herkunftsfamilien sowie an die Fachkräfte in den Jugendämtern.
Ansprechpartner:
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PD Dr. med. Andrea G. Ludolph, Sektionsleiterin Institutsambulanz |
Anmeldung: zentrale Ambulanzanmeldung: Tel. 0731-500-61636.
Projekt „Traumafolgen bei Pflegekindern“
Projektlaufzeit: 1.07.2009 – 30.06.2011
Projektdurchführung:
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie / Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm
Prof. Dr. Jörg Fegert
Prof. Dr. Lutz Goldbeck
Dr. Sylvia H. Oswald
Dipl.-Soz.päd. Christiane Ernst
Sprechstunde für Tic-Störungen und Tourette-Syndrom
Sprechstundentermine: jeden Donnerstag von 14-17.00 Uhr; nach Vereinbarung
Terminvereinbarungen:
Tel. 0731 / 500-61636
Fax 0731 / 500-61683
Anschrift:
Ambulanz für Tic-Störungen
Institutsambulanz der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie
Krankenhausweg 3
89075 Ulm
Unser Spektrum:
- Erkrankungen:
- Chronische motorische und vokale Tic-Störungen
- Kombinierte Tic-Störung (Tourette-Syndrom)
- Diagnostik
- Beratung und Therapieempfehlung
- Beratung der Kinder/Jugendlichen, Eltern und Lehrer/Ausbilder
- optimierte medikamentöse Therapie
- Verlaufsuntersuchungen und Therapiekontrolle
- Aufklärung und Information, sozialmedizinische Beratung
Ansprechpartner: PD Dr. A. Ludolph, Oberärztin
Tic Störungen und Tourette Syndrom
Tics sind unwillkürliche, rasche, meistens plötzlich einschießende und mitunter sehr heftige Bewegungen. Tic-Störungen können vorübergehend sein und sich in einfachen motorischen Tics wie Augenzwinkern, Gesichtsgrimassen, Augenrollen, Kopfschütteln oder –nicken und/oder Schulterzucken äußern. Komplexere motorische Tics sind zum Beispiel Hüpfen, Treten, Springen, Kratzen, Beißen, Schlagen sowie Echopraxie (Imitieren von Handlungen anderer) und Kopropraxie (Zeigen unwillkürlicher obszöner Gesten). Unter einfachen vokalen Tics versteht man zum Beispiel häufig auftretendes Räuspern, Hüsteln, Spucken, Schnäuzen, Bellen etc. Bei komplexen vokalen Tics handelt es sich um Schreien, Summen, Pfeifen oder auch Echolalie (Wiederholen von Wörtern) und Koprolalie (Herausschleudern obszöner und aggressiver Wörter). Liegen motorische und vokale Tics vor, spricht man vom Tourette Syndrom (nach dem Erstbeschreiber Georges Gilles de la Tourette, einem franz. Arzt). Typischerweise beginnen die Tics im Alter von 3-8 Jahren.
Eine Vielzahl von Verhaltensauffälligkeiten können beim Tourette Syndrom auftreten, insbesondere Symptome einer Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder Zwangserkrankung. Antisoziales/oppositionelles, aber auch selbstverletzendes Verhalten gehen häufig als Zeichen einer mangelnden Impulskontrolle mit dem Syndrom einher. Emotionale Störungen können auftreten, Tourette Patienten scheinen zu Angststörungen und Depression prädisponiert zu sein.
Heute wird die Ursache der Erkrankung, die familiär gehäuft auftreten kann und somit eine erbliche Komponente hat, in einer mangelnden Hemmung in Schaltkreisen im Gehirn (Kortico-striataler-thalamischer-kortikaler Regelkreis) zwischen Hirnrinde und tiefergelegenen Hirnstrukturen gesehen.
Die medikamentöse Therapie des Tourette-Syndroms beinhaltet die symptomatische Behandlung bei schwer beeinträchtigender Tic-Symptomatik mit Dopaminantagonisten. Ebenfalls oft behandlungsbedürftig sind die Symptome der oben beschriebenen Verhaltensauffälligkeiten.
Schließlich kommt der nicht-medikamentösen Therapie in Form einer intensiven Aufklärung und Beratung und ggf. Verhaltens-, Familien- oder supportive Therapien wie Entspannungsverfahren eine hohe Relevanz zu.
Infomaterial kann bei der Deutschen Tourette-Gesellschaft bezogen werden.
Kontaktadresse:
- Tourette-Gesellschaft Deutschland e.V.
c/o Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
von Siebold-Straße 5 37075 Göttingen
Tel. (0551) 39-6727
Fax (0551) 39-8120
http://www.tourette-gesellschaft.de
oder
- G i l l e s D e L a T o u r e t t e S y n d r o m
H o m e p a g e D e u t s c h l a n d
In Zusammenarbeit mit der Tourette Gesellschaft Deutschland e.V.
http://www.tourette.de
Traumaambulanz
Zahlreiche Menschen sind von traumatischen Ereignissen, beispielsweise Unfällen, körperlicher Gewalt, sexuellem Missbrauch, Naturkatastrophen oder dem plötzlichen Tod eines geliebten Menschen betroffen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche. Ein traumatisches Erlebnis löst extreme Angst, Entsetzen und Hilflosigkeit aus, es besteht Gefahr für das eigene Leben oder das eines anderen Menschen bzw. eine Bedrohung der seelischen Gesundheit.
Ein oder mehrere solcher traumatischen Ereignisse, die der Betroffene selbst erlebt oder deren Zeuge er war kann gleichzeitig zu bestimmten körperlichen und psychischen Reaktionen, z.B. Schlafstörungen, Alpträumen, erhöhtem Herzschlag, Konzentrationsschwierigkeiten, Übelkeit, Kopf- und Bauch-schmerzen, Reizbarkeit und erhöhter Schreckhaftigkeit führen. Es ist auch möglich, dass diese Symptome erst einige Zeit nach dem Ereignis auftreten.
Diese Reaktionen treten bei fast allen Menschen auf und gehören zu dem normalen Verarbeitungsprozess von außergewöhnlichen Belastungen. Die meisten Menschen erholen sich von den Folgen eines traumatischen Ereignisses, diese Reaktionen nehmen mit der Zeit ab und verschwinden dann gänzlich.
Wann spricht man von einer posttraumatischen Belastungsstörung?
An die Möglichkeit, dass sich eine sogenannte posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt sollte gedacht werden, wenn Symptome 4 Wochen oder länger bestehen. In wissenschaftlichen Studien hat sich gezeigt, dass jedes dritte bis vierte Kind 4-6 Wochen nach einem traumatischen Ereignis anhaltende Symptome zeigt, die in eine posttraumatische Belastungsstörung übergehen können.
Bei einer PTBS liegen typischerweise folgende 3 Symptombereiche vor:
- Das Wiedererleben des traumatischen Ereignisses, z.B. durch wiederkehrende belastende Erinnerungen, Bilder, Wahrnehmungen, Gedanken und Träume, sowie starke psychische und körperliche Reaktionen, wenn man sich in Situationen befindet, die dem Trauma, manchmal auch auf kaum bemerkbare Art und Weise ähneln.
- Die Vermeidung von Situationen, Orten, Personen, Gedanken, Gefühlen und Gesprächen die an das Trauma erinnern, die Unmöglichkeit, sich an das Ereignis oder Teile davon zu erinnern, sowie die Abnahme von Interessen, Aktivitäten, Gefühlen und Zukunftsplänen.
- Weiterhin erhöhte körperliche Erregung, die sich in Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, übermäßiger Wachsamkeit und Schreckhaftigkeit äußern kann.
Angebot der Traumaambulanz
- ausführliche diagnostische Abklärung und Beratung
- bei Bedarf eine für das Störungsbild angepasste Verhaltenstherapie, individuell auf den Einzelfall abgestimmt
Was wird bei der Diagnostik gemacht?
Bei dem ersten Termin geht es darum festzustellen, was passiert ist, welche Symptome sich in Folge des traumatischen Ereignisses entwickelt haben, welche Belastungen und negativen Veränderungen vorliegen und ob es schon vor dem Ereignis Probleme in manchen Lebensbereichen gab. Wenn sich Hinweise auf eine posttraumatische Belastungsstörung zeigen wird diese in weiteren Terminen mit psychologischen Testverfahren (Interviews und Fragebogen) genauer abgeklärt. Außerdem folgt eine körperliche Untersuchung durch einen Arzt, sowie eine Testung, um die Fähigkeiten bzw. das Entwicklungsniveau des Betroffenen genauer abschätzen zu können.
Nach diesen diagnostischen Terminen folgt ein weiterer Gesprächstermin, bei dem das Ergebnis der Untersuchungen und unsere Einschätzung der Situation mitgeteilt werden. Sollte der Bedarf nach einer Therapie bestehen ist es möglich, diese bei uns durchzuführen.
Warum ist es sinnvoll, eine Therapie durchzuführen?
Wenn eine posttraumatische Belastungsstörung vorliegt und nicht psychotherapeutisch behandelt wird, können daraus schwerwiegende Probleme für den Betroffenen und sein Umfeld entstehen. In vielen Fällen können die beschriebenen Symptome bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben und sich noch verstärken, so dass die Betroffenen nicht mehr zu ihrer alten Lebensweise zurückkehren können. Durch benannte Symptome kommt es zu einer großen Belastung für den Betroffenen und sein Umfeld, meist zu einem Leistungsknick z.B. in der Schule, vermehrten Auseinandersetzungen im Freundeskreis und in der Familie, sozialem Rückzug und Interessenverlust. Oft kommt es zu zusätzlichen Problemen, z.B. Entwicklungsverzögerungen, Leistungsstörungen, die Betroffenen entwickeln aufgrund der veränderten Lebenssituation eine Depression, anhaltende körperliche Beschwerden, Angststörungen oder es entsteht eine Alkohol- oder Drogensucht.
Was beinhaltet eine Therapie?
In unserer Trauma-Ambulanz bieten wir bei Bedarf eine für das Störungsbild angepasste Verhaltenstherapie an, die individuell auf den Einzelfall abgestimmt durchgeführt wird. Diese Therapie findet in ca. 8 bis 20 Behandlungsterminen von je einer Stunde Dauer teilweise allein mit dem Betroffenen, teilweise allein mit den Bezugspersonen, teilweise gemeinsam statt. Inhalte der Therapie sind z.B. Entspannungsübungen und die Auseinandersetzung mit Gedanken und Gefühlen bezüglich des traumatischen Ereignisses.
Ansprechpartner:
Anmeldung: zentrale Ambulanzanmeldung: Tel. 0731-500-61636
Sektion Institutsambulanz
Prof. Dr. Dipl.-Psych. L. Goldbeck
Krankenhausweg. 3
89075 Ulm
Veronica Kirsch
Diplom-Psychologin
Tel. (07 31) 5 00-6 16 36
Fax (07 31) 5 00-6 16 83
Telefonsprechstunde: Donnerstag 12.30-13.30
Veronica.Kirsch[at]uniklinik-ulm.de










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