Lungen-/Bronchialkarzinom
Experten
Diese klinisch-onkologischen Experten können Sie am Universitätsklinikum Ulm kennenlernen.
| PD Dr. med. Christian Schumann | ||
Mitarbeiter folgender Abteilung | |||
| Dr. med. Cornelia Kropf | ||
Mitarbeiter folgender Abteilung | |||
| Prof. Dr. med. J. Greiner | ||
Mitarbeiter folgender Abteilung | |||
| Dr. med. Johannes Merk | ||
Mitarbeiter folgender Abteilung | |||
Dr. med. Hans-Günther Bauer | |||
Mitarbeiter folgender Abteilung | |||
| Prof. Dr. med. Thomas Wiegel | ||
Ärztlicher Direktor folgender Abteilung | |||
Häufigkeit und Erkrankungsalter
In Deutschland ist das Lungenkarzinom, früher auch Bronchialkarzinom genannt, die dritthäufigste Tumorerkrankung bei Männern (32.500 Erkrankungsfälle pro Jahr) wie bei Frauen (14.600 Erkrankungsfälle pro Jahr). Die schlechten Überlebensraten des Lungenkarzinoms führen dazu, dass es bei Männern die häufigste krebsbedingte Todesursache ist (26% aller Krebstodesfälle sind durch ein Lungenkarzinom verursacht). Während bei Männern der Gipfelpunkt in Deutschland überschritten ist, ist bei Frauen leider die Tendenz zu einen stetigen Anstieg der Todesfälle mit derzeit etwa 11.900 Todesfällen pro Jahr zu verzeichnen. Das mittlere Erkrankungsalter des Lungenkarzinoms liegt bei 69 Jahren.
Ursachen
Durch jahrelange, weltweite Forschungen konnte bewiesen werden, dass der Nikotinkonsum zu 85% als Ursache für die Lungenkrebsentstehung verantwortlich ist. Aber auch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, Blasenkrebs, Nierenkrebs und Leukämien wird die Krebsentstehung mit dem Rauchen in Verbindung gebracht. Das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken steigt mit der Zahl der gerauchten Zigaretten pro Tag, der Anzahl der Raucherjahre, ob der Zigarettenrauch inhaliert wurde und des gerauchten Zigarettentyps. Wer mit dem Rauchen aufhört, kann das Krebsrisiko nach 5 Jahren um 60%, und nach 15-20 Jahren sogar um 90% senken. Aber auch das passive Einatmen von Zigarettenrauch muss als gesundheitsgefährdend eingestuft werden. Die Nikotinentwöhnung kann auch wenn bereits eine Lungenkrebserkrankung vorliegt für die Effektivität der Therapie und ggf. für das Überleben vorteilhaft sein.
Ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko kann durch den berufsbedingten Umgang mit bestimmten Stoffen wie Radon, Arsen, Asbest, Kadmium, Chrom, Nickel und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) entstehen. In Einzelfällen können auch Umwelteinflüsse und eine erbliche Veranlagung eine Rolle bei der Lungenkrebsentstehung spielen.
Anzeichen und Beschwerden
Im Frühstadium macht das Lungenkarzinom keine typischen Beschwerden und wird häufig nur per Zufall entdeckt. Wenn bei Ihnen folgende Beschwerden auftreten, sollten Sie aber zur Abklärung der Ursache dringend einen Arzt aufsuchen:
- Husten, insbesondere bei lang bestehendem Raucherhusten, der sich plötzlich ändert
- Bronchitis und Lungenentzündung, die sich trotz Antibiotika nicht bessert
- Atemnot
- Schmerzen im Brustkorb
- Allgemeine Abgeschlagenheit und starker Gewichtsverlust
- Bluthusten
- Lähmungen oder starke Schmerzen
Wie auch bei allen anderen Tumorarten gilt auch hier: Je früher das Tumorleiden erkannt wird, umso größer sind die Heilungschancen.
Untersuchungen
Routinemäßig kommen zur Diagnosestellung eines Lungenkarzinoms, neben körperlicher Untersuchung und Laboranalysen, folgende Untersuchungsverfahren zum Einsatz: Röntgenuntersuchungen wie Thoraxübersicht oder Computertomographie (CT), Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie), Positronen-Emissions-Tomographie in Kombination mit der CT (PET/CT) zur Darstellung bösartiger Herde im ganzen Körper, Kernspintomographie (MRT).
Anamnese und körperliche Untersuchung
Bei einem ausführlichen Gespräch werden dem Arzt alle Beschwerden, berufliche Schadstoffbelastung und Vorerkrankungen (auch familiäre Erbkrankheiten) geschildert. Anschließend wird eine gründliche körperliche Untersuchung vorgenommen.
Die Computertomographie ist eine schmerzlose, spezielle Röntgenuntersuchung (mit Kontrastmittelgabe), die den Körper Schicht für Schicht durchleuchtet und dadurch den genauen Sitz und die Größe des Tumors darstellen kann. Die genaue Tumorausbreitung und eventuell bestehende Metastasen, z.B. in der Leber, Lunge oder den Lymphknoten, können dadurch festgestellt werden.
Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie)
Bei der Bronchoskopie wird eine örtliche Betäubung und oberflächliche Narkose verwendet („Schlafbronchoskopie“). Der Arzt schiebt einen biegsamen Schlauch (Bronchoskop) mit einer Minikamera an der Spitze vorsichtig durch den Mund bis in die Bronchien vor. Der Arzt kann jetzt die Schleimhaut der Bronchien begutachten und gleichzeitig Gewebeproben (Biopsien) entnehmen. Durch die Verwendung eines speziellen Bronchoskopes, in das eine Ultraschallsonde integriert ist (EBUS-Bronchoskopie), kann der Arzt gezielt krebsverdächtige Strukturen im Bereich der Bronchien aufsuchen und weitere Gewebeproben entnehmen. Bei größeren Tumoren in den Atemwegen kann z.B. mit der flexiblen Kryosonde (Kältesonde) diese abgetragen werden. Bei tumorbedingten Stenosen (Engstellen) kann z.B. mit einem Stent (Platzhalter, Röhrchen) der Atemweg freigehalten werden. Derartige Interventionen werden dann vorzugsweise in Narkose und mittels starrer Bronchoskopie durchgeführt.
Positronen-Emissions-Tomographie in Kombination mit CT (PET/CT)
Die PET-Untersuchung ist eine Untersuchung, bei der durch radioaktiv markierten Traubenzucker (in die Blutbahn gespritzt) die Stoffwechselaktivität, die bei bösartigen Tumoren meistens erhöht ist, durch eine spezielle Kamera gemessen wird. Dadurch können oft sogar Tumore oder Tochtergeschwülste (Metastasen), die kleiner als 1 cm sind, im gesamten Körper sichtbar gemacht werden. Die PET-Untersuchung wird heute in Verbindung mit der Computertomographie (PET/CT) durchgeführt, was die Möglichleiten dieses Verfahrens nochmals erweitert (tumorspezifische nuklearmedizinische Diagnostik - FDG-PET/CT)
Kernspintomographie (MRT=Magnetresonanztomographie)
Die MRT ist keine Röntgenuntersuchung, sondern beruht auf Magnetfeldwirkungen. Durch die hohe Bildauflösung ist auch die Darstellung von kleinen Strukturen möglich. Beim Lungenkarzinom findet die MRT hauptsächlich in der Untersuchung auf Tochtergeschwülste im Gehirn ihre Anwendung.
Sonographie (Ultraschalluntersuchung)
Die Sonographie ist eine schmerzlose und strahlungsfreie Untersuchung zur Feststellung von Metastasen. Hierbei kann im Prinzip eine Ausbreitung des Tumors in andere Organe oder bereits vorhandene Metastasen (Tumorabsiedlungen), z.B. in der Leber, festgestellt werden.
Skelettszintigraphie (Knochenszintigraphie)
Durch Gabe einer geringen Menge radioaktiver Substanz in die Blutbahn können Tumorabsiedlungen in den Knochen dargestellt werden. Eine Spezialkamera erkennt die im erkrankten Knochen radioaktiv angereicherten Bereiche. Es handelt sich hierbei um eine schonende Untersuchung, bei der die Strahlung rasch abklingt (tumorspezifische nuklearmedizinische Diagnostik - Skelettszintigraphie und F-18-PET).
Möglicherweise wird eine Gewebeprobe des Tumors durch eine Bronchoskopie, eine kleine Operation oder eine Nadelbiopsie entnommen. Die Gewebeprobe ist nötig, um den Tumor klassifizieren (Tumorklassifikation) zu können. Dabei wird der genaue Subtyp des Lungenkarzinoms und der Grad der Bösartigkeit bestimmt. Durch moderne Verfahren der Molekularbiologie und Genetik wird die Tumorprobe weiter untersucht und charakterisiert. Damit gelingt es weitere Eigenschaften des Tumors zu erkennen, um dadurch eine gezielte Tumortherapie entwickeln zu können.
Klassifikation und Stadieneinteilung
Um die am besten geeignete Therapie bestimmen zu können, muss vor Therapiebeginn die Tumorerkrankung genau charakterisiert werden. Wichtig ist die Bestimmung des feingeweblichen Subtyps und des Grades der Bösartigkeit oder Differenzierungsgrad (Grading) des Lungenkarzinoms. Der Grad der Tumorausbreitung wird mit Hilfe der TNM-Klassifikation ermittelt und bestimmt das Tumorstadium (siehe Tabellen unten).
Es gibt "kleinzellige Lungenkarzinome" (SCLC) und "nicht-kleinzellige Bronchialkarzinome" (NSCLC), welche in Plattenepithel-, Adeno- und großzellige Karzinome unterteilt werden. Neben einer rein morphologischen Untersuchung (Größe, Art und Aussehen von Tumorzellen unter dem Lichtmikroskop) unterstützt die Immunhistochemie (Anfärben und Beurteilung der Tumorzellen mit bestimmten Markern) die Festlegung des feingeweblichen Subtyps.
Das SCLC ist ein sehr rasch wachsender aggressiver Tumor, welcher früh Metastasen bildet. Aus diesem Grund hat dieser Tumor eine schlechtere Prognose im Vergleich zum NSCLC und wird entsprechend anders therapiert. Das SCLC spricht in der regel gut auf eine Chemotherapie an.
Die mikroskopische Untersuchung des Tumorgewebes gibt Hinweise auf die Bösartigkeit des Tumors. Hierbei wird die Ähnlichkeit der Krebszellen mit den ursprünglichen Organzellen verglichen.
Grading von Lungenkarzinomen (nach UICC 2009)
G1 | Gut differenziert (d.h. dem ursprünglichen Gewebe noch sehr ähnlich) |
G2 | Mäßig differenziert |
G3 | Schlecht differenziert |
G4 | Undifferenziert (d.h. dem urpsrünglichen Gewebe kaum noch ähnlich, aggressiv) |
Die Tumorausbreitung wird durch die TNM-Klassifikation festgelegt.
T steht für die Größe und Ausdehnung des Primärtumors, N steht für die Anzahl der befallenen regionären Lymphknoten und M steht für das Auftreten und die Lokalisation von Fernmetastasen (Tumorabsiedlungen).
TNM für das Lungenkarzinom (nach IASLC Lung Cancer Staging Project, 2009) | |
Tx | Positive Zytologie (Nachweis von bösartigen Zellen ohne sichtbaren Tumor |
T1 | Tumor < 3 cm größte Ausdehnung, umgeben von Lungengewebe oder viszeraler Pleura (T1a Tumor < 2 cm größte Ausdehnung, T1b Tumor >2 cm aber < 3 cm größte Ausdehnung) |
T2 | Tumor > 3 cm aber <7 cm oder Tumor mit einer der folgenden Eigenschaften: infiltriert den Hauptbronchus, die viszerale Pleura, verursacht eine partielle Atelektase (T2a Tumor > 3 cm aber < 5 cm in größte Ausdehnung, T2b Tumor > 5 cm aber < 7 cm größte Ausdehnung) |
T3 | Tumor > 7 cm oder direkte Invasion von Brustwand, Zwerchfell, mediastinale Pleura, parietales Perikard, < 2cm von der Hauptcarina entfernt, komplette Atelekatse der betroffenen Lunge, zweiter maligner Lungenherd im gleichen Lungenlappen |
T4 | Tumor beliebiger Größe mit direkter Invasion von Mediastinum, Herz, große Gefäße, Trachea, Ösophagus, Wirbelkörper, zweiter maligner Lungenherd in einem ipsilateralen anderen Lungenlappen |
N0 | keine Lymphknoten-Metastasen |
N1 | Lymphknoten-Metastasen in ipsilateralen peribronchialen -, und/oder ipsilateral hilären -, und/oder intrapulmonalen Lymphknoten |
N2 | Lymphknoten-Metastasen in ipsilateralen mediastinalen und/oder subcarinalen Lymphknoten |
N3 | Lymphknoten-Metastasen in kontralateralen mediastinalen, kontralateralen hilären, ipsilateralen oder kontralateralen Skalenus oder supraklaviculären Lymphknoten |
M0 | keine Fernmetastasen |
M1 | Fernmetastasen nachweisbar (M1a Lungenmetastasen im kontralateralen Lungenlobus, Pleurakarzinose, maligner Pleura- oder Perikarderguss, M1b Fernmetastasen in extrapulmonalen Organen) |

Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapiemethoden sind vom Tumorstadium, vom feingeweblichen Subtyp des Lungenkarzinom und der persönlichen körperlichen Belastbarkeit des Patienten abhängig. Je früher ein Lungenkarzinom erkannt wird, umso günstiger ist die Prognose für den Patienten. Durch ausgiebige wissenschaftliche Untersuchungen konnten für das Lungenkarzinom Therapie-Leitlinien entwickelt werden, die international anerkannt sind.
Therapieziele
- Kurative Therapie:
Eine Therapie kann mit dem Ziel der dauerhaften Heilung durchgeführt werden, dann spricht man von „kurativer Therapie“. Dies ist beim Lungenkarzinom in Tumorstadien ohne Fernmetastasen und ohne Nachweis von Tumorzellen in Lymphknoten der Gegenseite möglich, wenn eine intensive Behandlung durchgeführt werden kann. - Palliative Therapie:
Wenn ein Tumor bereits Fernmetastasen gebildet hat, ist die Heilung kein primäres Therapieziel mehr. Dann spricht man von „palliativer Therapie“. Ziele einer palliativen Therapie müssen im Einzelfall definiert werden, häufige Ziele sind die Lebensverlängerung bei geringer Einschränkung der Lebensqualität (palliative lebensverlängernde Therapie) und die Vermeidung oder Linderung von belastenden Symptomen (palliative symptomorientierte Therapie).
Therapie des kleinzelligen Lungenkarzinoms (ca. 20-25% der Lungenkarzinome)
Die kleinzelligen Lungenkarzinome werden unterteilt in
- begrenzte SCLC (limited disease), d. h. der Tumor wächst nur auf einer Seite der Brusthöhle, die Brustwand ist nicht direkt und nur bestimmte Lymphknoten sind beteiligt
- fortgeschrittenes Lungenkarzinom (extensive disease), d. h. jede Ausdehnung des Tumors über die Definition von limited disease hinaus, i. d. Regel mit Befall anderer Organe (Metastasen).
Die Krebszellen des kleinzelligen Lungenkarzinoms reagieren besonders empfindlich und damit wirkungsvoll auf die Chemotherapie. Diese hat die Aufgabe, als Zellgift auf die Teilung der Krebszellen zu wirken und diese zu vernichten. In den meisten Fällen wird eine Polychemotherapie mit mehreren verschiedenen Einzelsubstanzen in unterschiedlichen Kombinationen verabreicht.
Die Patienten können die Chemotherapie in Form von Kapseln, Tabletten, oder als Spritze oder Infusion verabreicht bekommen. Die Behandlung erfolgt in mehreren Chemotherapiezyklen (4-6 Zyklen) nach einem festen Zeitschema. Zwischen den einzelnen Therapiezyklen liegen therapiefreie Intervalle in denen sich der Patient erholen kann.
Leider wirkt die Chemotherapie nicht nur auf Tumorzellen, sondern auch auf gesunde Zellen des Körpers, die sich schnell teilen. Dadurch treten meist vorübergehend, in seltenen Fällen auch anhaltend, Nebenwirkungen wie z.B. Haarausfall, Schädigungen der Darmschleimhaut oder Blutbildveränderungen auf. Regelmäßige Blutbildkontrollen sind erforderlich, um eine Verschlechterung des Blutbildes rechtzeitig zu erkennen und z.B. vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung von Infekten einzuleiten. Außerdem können sie helfen, die Chemotherapie in ihrer Intensität individuell anzupassen.
Bei vielen Patienten konnten durch eine Polychemotherapie eine Teil- oder sogar Vollremissionen (Rückgang/ Verschwinden der Tumormasse) erzielt werden. Die durchschnittliche Überlebenszeit konnte so deutlich verlängert werden. Die besten Heilungschancen haben Patienten mit einem ‚limited disease’ Tumor.
Bei bereits fortgeschrittenem Lungenkarzinom kann eine palliative Chemotherapie Symptomlinderung und Lebenszeitverlängerung, bewirken. Die Auswahl der Zytostatika hängt maßgeblich vom Allgemeinzustand des Patienten ab.
Eine Besonderheit stellt das NSCLC dar, bei dem für einige Subtypen neuere Medikamente für die Behandlung zur Verfügung stehen. Darunter sind insbesondere die Substanzen, die eine zielgerichtete Therapie verkörpern.
Für jeden Tumorpatienten wird der behandelnde Arzt ein individuelles Behandlungskonzept erstellen, dass sich nicht nur an den Gegebenheiten des Tumors, sondern auch an der körperlichen und psychischen Belastbarkeit orientiert und darauf abgestimmt werden kann.
Studien: Es werden fortlaufend zahlreiche neue Medikamente und innovative Therapieverfahren entwickelt. Auch am Universitätsklinikum Ulm stehen neue Medikamente im Rahmen klinischer Studien für die Behandlung des Lungenkarzinoms zur Verfügung.
Strahlentherapie (Radiotherapie)
Die Strahlentherapie hat, wie auch die Chemotherapie, die Vernichtung der Krebszellen zum Ziel. Durch eine hohe, aber gezielte Strahlenkonzentration sollen die Krebszellen geschädigt, das gesunde Gewebe aber verschont werden.
Wenn sich Patienten mit einem begrenzten Tumor nach einer erfolgreichen Chemotherapie in einer Teil- oder sogar Vollremission (Verschwinden des Tumors) befinden, kann die Strahlentherapie zur Stabilisierung des Krankheitsstatus beitragen.
Durch die Kombination von Chemotherapie und Strahlentherapie konnte eine Verlängerung der Überlebenszeit, eine Erhöhung der Heilungsquote und längere rezidivfreie Zeiträume erreicht werden.
Die Bestrahlungstherapie erfolgt meistens ambulant über mehrere Wochen hinweg in kleinen Einzeldosen. Dies gewährleistet eine schonende Behandlung des gesunden Gewebes. Nach einer Strahlentherapie können gelegentlich Nebenwirkungen, wie Hautrötung, Verfärbung der Haut, Verhärtung der Unterhaut, Schluckbeschwerden (Bestrahlungsfeld Speiseröhre), Entzündung von Lungengewebe, Vernarbung von Lungengewebe (Lungenfibrose) mit Hustenreiz und Verminderung der Atemkapazität und in sehr seltenen Fällen eine Herzleistungsminderung sein, wenn das Herz ebenfalls im Bestrahlungsfeld lag.
Vorbeugende Hirnbestrahlung
Durch die Lebenszeitverlängerung der Patienten wächst die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Hirnmetastasen. Aus diesem Grund wird bei Patienten, bei denen nach einer kombinierten Chemo-/Strahlentherapie kein Tumor mehr nachweisbar ist, vorbeugend eine Hirnbestrahlung vorgenommen. Diese führt zu einer deutlichen Verbesserung des Gesamtüberlebens und des rezidivfreien Überlebens. Dieses Vorgehen wird auch beim SCLC praktiziert, wenn die vorangegangene Therapie (Operation oder Chemo-/Strahlentherapie) zu einem sehr guten Therapieansprechen geführt hat.
Als kurative (heilende) Operation kommt eine Entfernung des Tumors nur in seltenen Frühstadien des kleinzelligen Lungenkarzinoms in Frage.
In seltenen Fällen kommt es aufgrund der Tumorausbreitung zu Blutungen oder anhaltenden Infektionen des Lungengewebes. Bei gutem Allgemeinzustand und bei Versagen einer nichtinvasiven Therapie kann eine palliative Operation Linderung verschaffen.
Therapie des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (ca. 75-80% der Lungenkarzinome)
Die Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms hängt vom Tumorstadium ab. In den Stadien I und II ist eine operative Entfernung des Tumors die Standardtherapie. Je nach Tumorstadium kann durch eine postoperative Chemotherapie (adjuvante Therapie) eine weitere Verbesserung der Heilungschancen erzielt werden. In den Stadien IIIA und IIIB kann das Lungenkarzinom unter günstigen Umständen ebenfalls operativ entfernt werden, häufig wird aber ein erweiterter Behandlungsplan nötig, der Chemotherapie, Strahlentherapie und Operation als Therapiemöglichkeiten einschließt. Bei dem am weitesten fortgeschrittenen Stadium IV mit Fernmetastasen erfolgt meistens eine Chemotherapie, eventuell ergänzt durch eine Strahlentherapie.
- Kurative Operation:
Die komplette Entfernung des Lungenkarzinoms bietet die besten Chancen auf eine Heilung. Bis zum Tumorstadium IIB ist es dem Chirurgen in der Regel möglich, den Tumor mit ausreichendem Sicherheitsabstand vollständig zu entfernen, ohne die Funktion der Lunge unverhältnismäßig zu beeinträchtigen. Die tatsächliche Tumorausdehnung lässt sich aber erst mit Sicherheit während der Operation bestimmen und das weitere Vorgehen kann manchmal erst hier kurzfristig entschieden werden. Teilweise kann auch in einem bereits weiter fortgeschrittenen Tumorstadium operiert werden. Je nach Ausbreitung der Erkrankung, kann die Operation mehr oder weniger umfangreich erfolgen. Manchmal müssen nur einzelne Lungenlappen, in ungünstigeren Fällen ein ganzer Lungenflügel entfernt werden. - Palliative Operation:
In seltenen Fällen kommt es aufgrund der Tumorausbreitung zu Blutungen oder anhaltenden Infektionen des Lungengewebes. Bei gutem Allgemeinzustand und bei Versagen einer alternativer Therapien kann eine Operation helfen. Ziel dieser palliativen Operation ist die Linderung von Beschwerden.
Strahlentherapie (Radiotherapie)
Eine primäre Bestrahlung (Bestrahlung als erste Therapie) findet statt, wenn der Lungentumor nicht operativ entfernt werden kann.
Eine sekundäre Bestrahlung (Bestrahlung als Zweittherapie) erfolgt, wenn der Tumor nicht vollständig operativ entfernt werden konnte und die im Körper verbliebenen Tumorzellen zerstört werden sollen.
Eine adjuvante Bestrahlung (Bestrahlung nach einer Operation) erfolgt, wenn sich bei der primären Operation ein größerer Lymphknotenbefall (N2) herausgestellt hat. In der Regel erfolgt die adjuvante Strahlentherapie nach einer adjuvanten Chemotherapie bei diesen Patienten, mit dem Ziel das tumorfreie Überleben zu verbessern.
Palliative Strahlentherapie: Bei schmerzhaften Metastasen oder Knochenmetastasen, die eine Stabilitätsgefährdung des Knochens verursachen, kann eine Bestrahlung häufig eine rasche Besserung der Beschwerden bewirken.
Adjuvante Chemotherapie (nach einer Operation verabreicht): Bei Patienten mit Tumoren in einem Tumorstadium II-III ist nach einer Operation eine Chemotherapie indiziert, um die Heilungschance weiter zu verbessern.
Neoadjuvante Chemotherapie (vor einer Operation verabreicht): Durch Studien konnte gezeigt werden, dass bei einem bereits fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom eine neoadjuvant (vor der Operation) verabreichte Chemotherapie zum Teil bessere Bedingungen für eine Operation schaffen kann. Im günstigsten Fall wird der Tumor durch die Chemotherapie verkleinert und kann dadurch operativ sicherer entfernt werden.
Palliative Chemotherapie: Durch neue Medikamente bekommt die palliative Chemotherapie für Patienten mit einem metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom einen neuen Stellenwert. Moderne Chemotherapeutika sind gut verträglich und können die Lebenszeit verlängern sowie tumorbedingte Symptome verbessern oder deren Auftreten verzögern.
Therapie mit neuen zielgerichteten Substanzen
Für bestimmte Typen des Lungenkarzinoms stehen inzwischen Antikörper gegen einen Gefäß-Wachstumsfaktor (VEGF) zur Verfügung, der mit einer klassischen Chemotherapie kombiniert werden kann. Außerdem wurde eine Tablettentherapie entwickelt, die ein bestimmtes Oberflächenmolekül (EGFR), das besonders häufig auf Zellen des Lungenkarzinoms vorkommt, in seiner Wirkung hemmt.
Studien: Zurzeit werden zahlreiche neue Medikamente und innovative Therapieverfahren entwickelt. Auch am Universitätsklinikum Ulm stehen neue Medikamente im Rahmen klinischer Studien für die Behandlung des Lungenkarzinoms zur Verfügung.
Palliative bronchoskopische Therapie beim Lungenkarzinom
Die Bronchoskopie dient immer häufiger nicht nur der Diagnosestellung, sondern sie kann auch als palliative Therapie dem Patienten Linderung verschaffen. Wenn die Atemwege durch Sekret, Gewebe oder Blut verstopft sind, können verschiedene Methoden wie Sekret absaugen, Kompression von Blutungsquellen, Laserentfernung von Tumorgewebe, Einlegen von Röhrchen (Stent) zum offen halten von verengten Stellen, dem Patienten das Atmen deutlich erleichtern.
Rehabilitation und Nachsorge
Die Nachsorge eines an einem Lungenkarzinom erkrankten Patienten dient der rechtzeitigen Erfassung und Behandlung von Therapiefolgen sowie dem rechtzeitigen Erkennen eines Tumorrezidivs (Rückfalls), der Dokumentation des Behandlungserfolgs und der psychosozialen Betreuung. Dabei ist es besonders wichtig, ein lokales Rezidiv oder einen möglichen Zweittumor zu erkennen, da in diesen Fällen eine erneute Heilungschance besteht. Die Nachsorge wird im 1. und 2. Jahr nach Ende der Behandlung in 3-monatlichen Abständen durchgeführt, später werden die Abstände vergrößert. Die Nachsorgeuntersuchung beinhaltet die Befragung, die körperliche Untersuchung, Basislabor und eine Röntgenuntersuchung der Lunge. Weitere Untersuchungen können vom behandelnden Arzt je nach Einschätzung des Rückfallrisikos und Beschwerden ergänzt werden. Ein spezieller Tumornachsorge-Plan steht für unsere Patienten dafür zur Verfügung.
Krankheitsverlauf (Rezidive und Metastasen)
Wenn es nach erfolgreicher Behandlung eines Lungenkarzinoms zu einem erneuten Auftreten eines Tumors (Rezidiv) kommt, ist der Ablauf der Behandlung ähnlich dem bei erstmaliger Diagnose der Erkrankung. Es werden Untersuchungen durchgeführt, mit denen die Ausbreitung des Tumors im Körper festgestellt werden kann. Danach wird je nach bereits durchgeführter Behandlung bei der Erstdiagnose vom behandelnden Arzt ein individueller Behandlungsplan erstellt, der eine oder mehrere der im Abschnitt „Therapie“ beschriebenen Optionen beinhalten wird.
Autoren:
Erstellung (05/2005): PD Dr. M. Hetzel / Innere Medizin II, Dr. C. Schulte / TZU
1. Überarbeitung (03/2008): Dr. P. Blum / Innere Medizin III und CCCU, Dr. C. Schumann / Innere Medizin II, PD Dr. H. Schelzig und Dr. J. Kick / Thorax- und Gefäßchirurgie
2. Überarbeitung (09/2008): Dr. T. Merk / Innere Medizin II und CCCU
3. Überarbeitung (01/2012): Dr. J. Merk /PD Dr. C. Schumann/ Lungenzentrum Universitätsklinikum Ulm und CCCU











