Koronare Herzerkrankungen
Als koronare Herzerkrankung wird die Arteriosklerose der Herzkranzgefäße bezeichnet. Diese versorgen den Herzmuskel mit Nährstoffen und Sauerstoff. Sie sind sogenannte “Endarterien”, das heißt, es gibt nur wenige vorgebildete Umgehungskreisläufe. Wird ein solches Gefäß akut verschlossen, entsteht in der Regel ein Infarkt, das heißt ein irreversibler Untergang des versorgten Herzmuskels. Ursächlich für die Arteriosklerose sind degenerative Prozesse, die durch bestimmte Risikofaktoren (siehe unten) gefördert werden. Meist kommt es anfänglich zu einer Einlagerung von Fetten (z.B. Cholesterinkristallen), die zu einer Einengung der Arterie führen. Diese Ablagerungen lösen eine entzündliche Reaktion aus, in deren Folge sie regelrecht verkalken können. Daher nennt man die Arteriosklerose oft auch Arterienverkalkung. Ist die Ablagerung sehr ausgedehnt, kann es zu einem Aufbrechen der Zellschicht kommen, die das Innere der Arterie vom Blutstrohm trennt, die sogenannte “Intima”. Die darunterliegenden Zellschichten sind stark thrombogen, das heißt sie lösen die Bildung von Gerinnseln an dieser Stelle aus. Es kommt zu einer Anlagerung von Blutplättchen auf der beschädigten Oberfläche, mit der Folge, dass die Arterie weiter verengt wird, im Extremfall kann sie hierbei sogar komplett verschlossen werden.
Risikofaktoren
- Familiäre Disposition - gehäuft Infarkte in der näheren Verwandtschaft, insbesondere, wenn diese in sehr jungen Jahren auftraten
- Hypercholesterinämie - ein chronisch erhöhtes Cholesterin, vor allem der LDL-Fraktion, ist ein starker Risikofaktor, da Cholesterin vermehrt in den Gefäßwänden abgelagert wird
- Art. Hypertonie - diese bewirkt einen Umbau der Gefäßwand hin zu dickeren Wänden, um dem hohen Druck standzuhalten
- Rauchen - Rauchen führt zur Gefäßverengung und zur Schädigung der Funktion der Gefäßzellen (Endothelzellen)
- Adipositas - meist zusammen mit Fettstoffwechselstörungen
- Diabetes mellitus - der hohe Zucker führt hier zu einer Schädigung der Gefäßwände
Symptome (Beschwerden)
Da der Herzmuskel ununterbrochen arbeitet (ca. 80x/Minute, das sind 115200 Schläge am Tag), ist sein Bedarf an Energie und Sauerstoff entsprechend hoch. Das Herz reagiert daher sehr empfindlich auf eine Drosselung der Energiezufuhr. Die Symptome sind dann Schmerzen (Angina pektoris, Engegefühl in der Brust), die flächig in der Herzgegen ihren Ausgang nehmen und in Arm (bevorzugt links), Unterkiefer und Oberbauch fortgeleitet sein können. Da es gleichzeitig auch zu einer Abnahme der Pumpleistung des Herzens kommt, kann auch Luftnot das führende Symptom sein.
Der Herzinfarkt
Die Beschwerden sind dann Schmerzen (Angina pektoris, Engegefühl in der Brust), die flächig in der Herzgegen ihren Ausgang nehmen und in Arm (bevorzugt links), Unterkiefer und Oberbauch fortgeleitet sein können. Da es gleichzeitig auch zu einer Abnahme der Pumpleistung des Herzens kommt, kann auch Luftnot das führende Symptom sein. Tritt keine Besserung der Durchblutung ein (z.B. durch Stehenbleiben und hierdurch Absenken der Belastung des Herzens), so kann sich auch ein Herzinfarkt entwickeln: Die Symptome sind dieselben, allerdings ist der Schmerz deutlich stärker, hat “Vernichtungscharakter” und oft kommt auch noch Todesangst hinzu. Bei 40% der Patienten mit koronarer Herzerkrankung ist der Infarkt das erste Symptom, das heißt, diese Patienten wußten bis zum Infarkt nichts von ihrer Erkrankung. Hier wird als Ursache der akute Verschluß einer Arterie auf dem Boden einer aufgebrochenen Plaque (siehe oben) angesehen.
Diagnostik
Zunächst erfolgt die nicht-invasive Diagnostik mittels EKG und Echokardiografie. Beide Methoden sind allerdings nicht hochempfindlich für die Erfassung einer koronaren Herzerkrankung. Das Belastungs-EKG gibt hier bessere Ergebnisse, da bei vielen Patienten die Minderdurchblutung des Herzens nur bei körperlicher Anstrengung relevant wird. Zeigt sich hier ein auffälliger Befund, muß dann mit Hilfe des Herzkatheters die Diagnose gesichert werden. Der Herzkatheter ist nach wie vor der Gold Standard für die Diagnose von Herzkranzgefäßverengungen. Mit seiner Hilfe lassen sich nicht nur die Koronararterien (Herzkranzgefäße) selektiv darstellen, sondern auch der Ort und die Schwere von Stenosen ganz klar beurteilen. Somit ist der Herzkatheter für die Indikationsstellung für eine etwaige Operation als auch zur Planung der OP unbedingte Vorraussetzung. Mit zusätzlichen Untersuchungen kann bei Bedarf noch abgeklärt werden, ob Engstellen oder Verschlüsse von Herzkranzgefäßen wirklich einer Versorgung bedürfen. Hat sich nämlich im Versorgungsgebiet des entsprechenden Gefäßes ein vollständiger Infarkt ausgebildet, ist hier eine Narbe entstanden. Die Funktion dieses Herzmuskelareals kann dann auch durch eine Operation nicht mehr gebessert werden. Als Untersuchungen kommen hier Kernspintomografie und nuklearmedizinische Untersuchungen sowie die Belastungs-Echokardiografie zum Einsatz.
Alle Untersuchungsverfahren werden vom Universitätsklinikum Ulm vorgehalten und laufend durchgeführt.
Medikamentöse Therapie
Medikamente dienen vor allem zur Vermeidung des akuten Angina-pektoris Anfalles. Daher zielen sie auf eine Weitstellung der Herzkranzgefäße ab, um den Blutfluß möglichst hoch zu halten. Gleichzeitig wird durch Herabsenken der Herzfrequenz die Belastung des Herzmuskels und damit der Sauerstoffbedarf gesenkt. Dies geschieht vor allem durch ß-Blocker. Je höher die Herzfrequenz nämlich steigt, desto größer ist der Sauerstoffbedarf, da jede Frequenzzunahme zu Lasten der sogenannten Diastole geht. Die Diastole ist die Phase im Herzzyklus, in der der Muskel erschlafft. Während dieser Zeit erfolgt die Durchblutung des Herzmuskels. Jede Verkürzung dieser Phase (z.B. durch Frequenzanstieg) muß daher zu einer Abnahme der Durchblutung und damit der Sauerstoffzufuhr führen. Gleichzeitig wird aber die Herzarbeit pro Zeiteinheit bei Zunahme der Frequenz gesteigert. Daher ist die Absenkung der Herzfrequenz eine wichtige Therapiemaßnahme.
Durch Gabe von Medikamenten, die den Blutdruck senken, wird die Herzarbeit ebenfalls gesenkt; gleichzeitig wird hierdurch auch ein Risikofaktor kontrolliert. Durch Therapie mit Fettsenkern (Statine) wird das Cholesterin gesenkt, um das Fortschreiten der Arteriosklerose zu verlangsamen.
Interkonventionelle Therapie (Dilatationen)
PTCA steht für Perkutane (durch die Haut) Transluminale (vom Innern des Gefäßes aus) Coronar (Kranzgefäß) Angioplastie (Gefäßplastik). Dahinter verbirgt sich, daß ein Ballon-Katheter meistens von der Leiste aus bis in die Herzkranzgefäße vorgeschoben wird. An der erkrankten Stelle (Stenose) angekommen, wird der Ballon aufgeblasen, wobei sehr hohe Drücke (bis zu 8-12 bar!) zur Anwendung kommen. Hierdurch wird das einengende Material in die Gefäßwand gepreßt und das zur Verfügung stehende Lumen (Gefäßöffnung) erweitert. Heute wird meistens nach einer solchen Dilatation noch ein Stent eingelegt. Dies ist ein Drahtgestell, das in dem Herzkranzgefäß entfaltet wird. Es stabilisiert die Gefäßwand nach der Aufdehnung und soll eine erneute Einengung an dieser Stelle verhindern.
Die PTCA mit Stentimplantation hat heutzutage sehr gute kurz- und mittelfristige Ergebnisse aufzuweisen und ist daher bei leichteren Fällen, bei denen nur eine oder zwei Arterien betroffen sind, Methode der Wahl. Vorraussetzung ist allerdings immer eine angehbare Lokalisation der Engstellen.
Operative Therapie - Die Bypass-OP
Die Bypass-Operation ist der in den Industrienationen am häufigsten durchgeführte herzchirurgische Eingriff, allein in Deutschland werden jährlich ca. 60000 Patienten an den Herzkranzgefäßen operiert. Auch an der Herzchirurgie in Ulm ist dieser Eingriff Routine und macht die Mehrzahl der durchgeführten Eingriffe aus. Grundsätzlich besteht eine solche Bypass-Operation in der Anlage von “Umleitungen”, mit deren Hilfe Blut in die Gefäße hinter hochgradigen Engstellen transportiert wird. Bei Verwendung der Brustwandarterien werden diese an ihrem Abgang aus der Schlüsselbeinarterie belassen und nur auf das betroffene Kranzgefäß “umgeleitet”. Werden Venen oder Armarterien verwendet, müssen diese entweder an die Hauptschlagader (Aorta) oder an andere Bypässe angeschlossen werden. Der Blutfluß läuft dann von der Aorta in den Bypass und von dort in das Herzkranzgefäß.
Die Operation kann entweder mit oder ohne Herz-Lungen-Maschine durchgeführt werden. Die Herz-Lungen-Maschine wurde 1954 zum ersten Mal erfolgreich am Menschen eingesetzt. Sie erlaubt heute einen künstlichen Ersatz der Lunge und des Herzens über einen begrenzten Zeitraum (ca. 9 Stunden). Während dieser Zeit kann das Herz auch stillgelegt werden. Dies ist natürlich auch nur begrenzt möglich, die Obergrenze liegt hier bei ca. 4 Stunden. Wenn das Herz nicht mehr schlägt, hat der Chirurg die bestmögliche Übersicht. Er kann das Herz entsprechend den Zielgefäßen für die Bypässe so lagern, daß er optimale Bedingungen für die Naht vorfindet. Da das OP-Gebiet zusätzlich auch noch bluttrocken ist, sind beste Bedingungen gewährleistet. Der Nachteil der Anwendung der Herz-Lungen-Maschine besteht in dem Blutkontakt zu der großen unnatürlichen Fremdoberfläche, die zur Aktivierung von Gerinnungsfaktoren, Blutplättchen und Abwehrzellen führt. Auch sind durch das anomale Flußmuster Schäden zum Beispiel der Gefäßwände bedingt: in Abhängigkeit von der Dauer kommt es zum Flüssigkeitsaustritt ins Gewebe. Da in der Regel aber die Operationszeiten in der Bypass-Chirurgie kurz sind, treten diese Erscheinungen in der Routine kaum in Erscheinung.
Venöse Bypässe
Sie stellten lange Zeit den Standard in der Bypass-Chirurgie dar und sind auch heute noch die meist verwendeten Bypass-Gefäße. In der überwiegenden Zahl der Fälle wird hierzu ein entsprechend langes Stück der großen, oberflächlichen Beinvene entnommen und zwischen Hauptschlagader und Herzkranzgefäß eingefügt. Das Blut fließt dann von der Hauptschlagader über die Vene in das Herzkranzgefäß hinter die Engstelle und versorgt so das Herz wieder mit Blut.
Der Rückfluß des Blutes aus dem Bein wird dadurch nicht beeinträchtigt, da nur ca. 10% des Blutstrohmes über diese Venen erfolgt. Der Rest fließt über die tiefen Beinvenen ab. Dieses Gefäßsystem besitzt genügend Kapazität, um auch den Rest zu übernehmen. Zusätzlich bestehen auch noch zahlreiche kleine venöse Abflüsse, so daß hier keine Folgen zu befürchten sind.
Die Entnahme der Venen kann über kleine Schnitte erfolgen, zwischen denen Hautbrücken unversehrt bleiben. Neben dem besseren kosmetischen Ergebnissen, verglichen mit einem kompletten Eröffnen des Beines, wird hierdurch auch die Rate an Wundheilungsstörungen gesenkt.
Brustwandarterien
Die beiden Brustwandarterien verlaufen hosenträgerartig neben dem Brustbein und sind für die Blutversorgung der Brustwand verantwortlich. Durch zahlreiche Kollateralen (Verbindungen zwischen verschiedenen Arterien) vor allem über die Rippenarterien ist sichergestellt, daß die Brustwand auch bei Entnahme dieser Arterien ausreichend durchblutet wird.
Die linke Brustwandarterie (A. mammaria interna) ist mittlerweile als Standardbypass für die Vorderwandarterie des Herzens etabliert. Hierfür ist in vielen großen Studien zweifelsfrei belegt worden, daß die Offeneheitsrate derer von Venen überlegen ist. Im Schnitt kann man mit einem solchen funktionierenden Bypass in 90% nach 10 Jahren rechnen.
Die Verwendung beider Brustwandarterien nimmt in den letzten Jahren mehr und mehr zu. Man erhofft sich hierdurch bessere Langzeitergebnisse im Vergleich zu einer Arterie und mehreren venösen Bypässen. Auch spielen Veränderungen im Patientenkollektiv mit einer deutlichen Zunahme älterer Patienten mit zum Teil ausgeprägten Veränderungen der Venen sowie Patienten nach Herz-OP, die keine Venen als Bypassgefäße mehr haben, eine gewisse Rolle bei der Auswahl des Bypass-Materials.
Armarterien
In den letzten Jahren hat die Verwendung der Armarterien (Arteria radialis) eine Rennaissance erfahren. Da die Hand von zwei Arterien versorgt wird, kann eine als Bypass-Gefäß entnommen werden, ohne die Durchblutung der Hand zu gefährden.
Obwohl es bislang nicht einwandfrei gesichert ist, erhofft man sich auch von den Armarterien bessere Langzeitergebnisse im Vergleich zu den Venen. Sie stellen auch bei voroperierten Patienten mit wenig eigenen Venen eine sehr gute Alternative dar. Eine Radialarterie ist in jedem Fall besser als eine qualitativ schlechte Vene.
Bypass-Operation ohne Herz-Lungen Maschine
In den letzten zehn Jahren gab es einen regelrechten Boom in der sogenannten “miminal-invasiven” Herzchirurgie. In der klinischen Routine ist hiervon hauptsächlich die Bypass-Operation ohne Herz-Lungen Maschine, das sogenannte “OPCAB”-Verfahren übrig geblieben. Der Schnitt ist der gleiche wie beim konventionellen Vorgehen, nur wird auf die Verwendung der Herz-Lungen Maschine verzichtet, um deren spezifischen Komplikationen zu vermeiden.
Hierzu wird das Herz mittels spezieller Stabilisatoren in dem Gebiet fixiert, in dem das erkranke Herzkranzgefäß verläuft. In diesem wird dann kurzzeitig der Blutfluß unterbrochen, um ein kleines Röhrchen, einen sogenannten Shunt, einzulegen, über den das Blut dann weiter fließt. Dann wird die Verbindung des Bypasses mit dem Herzkranzgefäß genäht. Diese Technik ist etwas schwieriger als die unter Verwendung der Herz-Lungen Maschine, da das Operationsgebiet meist nicht ganz blutleer ist und sich zusätzlich auch noch bewegt. Auch wenn die Herzkranzgefäße sehr tief im Gewebe verlaufen, ist diese Operation am schlagenden Herzen viel schwieriger, als mit Herz-Lungen Maschine. Demgegenüber steht aber die geringere Belastung des Patienten bei dieser Art der Operation, von der vor allem ältere Patienten mit vielen Begleiterkrankungen profitieren.
Minimal-invasive Techniken in der Bypass-Chirurgie
Unter der Vielzahl der in den letzten Jahren vorgestellten minimal invasiven Techniken hat sich im klinischen Alltag vor allem die Anlage der Bypässe ohne Herz-Lungen Maschine, die sogenannte OPCAB-Technik durchgesetzt. OPCAB steht hierbei für Off-Pump-Coronary-Artery-Bypass. Aber: von über 70.000 jährlichen herzchirurgischen Eingriffen in Deutschland werden nur gut 3.000 minimal invasiv durchgeführt. Dies liegt vor allem daran, daß hier an die Chirurgen besondere Anforderungen und Erfahrungen vorrausgesetzt werden und daß bei weitem nicht alle Patienten hierfür geeignet sind.
Die Sicherheit des Patienten und die Gewährleistung eines bestmöglichen operativen Ergebnisses am Herzen muß immer absoluten Vorrang haben!
An der Herzchirurgie der Universität Ulm bieten wir Ihnen sowohl die konventionellen Verfahren mit Herz-Lungen Maschine, wie auch die minimal invasiven Verfahren ohne diese an. In Kooperation mit unseren kardiologischen Kollegen bieten wir auch die sogenannte Hybrid-Therapie an, eine Kombination aus Bypass-Operation ohne Herz-Lungen Maschine und Katheter-Intervention mit Stent-Einlage. Diese kommt vor allem bei Patienten mit sehr Risiko für eine Operation mit Herz-Lungen Maschine in Frage, bei denen aber nicht alle erkrankten Herzkranzgefäße ohne Herz-Lungen Maschine mit einem Bypass versorgt werden können.
Klappenerkrankungen
Das menschliche Herz verfügt über vier Herzklappen, die durch ihre Ventilfunktion den Blutstrom in die richtigen Richtung lenken. Das Blut fließt hierbei vom rechten Vorhof durch die Trikuspidalklappe in die rechte Hauptkammer, von da durch die Pulmonalklappe in die Lunge. Anschließend geht der Blutfluß über den linken Vorhof durch die Mitralklappe in die linke Hauptkammer und von da durch die Aortenklappe in den Körper.
Durch die Klappenerkrankung verliert das Herz deutlich an Leistung. Bei einer Insuffizienz muß es deutlich mehr Blut bewegen, um den Körper angemessen mit Blut zu versorgen, bei einer Stenose (Enge) muß die vorgeschaltete Kammer deutlich mehr Kraft aufbringen, um das Blut hindurchzupumpen. Diese Veränderungen führen im weiteren Verlauf zu einer Schädigung des Herzens, die ab einem bestimmten Punkt nicht mehr umkehrbar ist. Einzige Therapie ist dann die Operation an der entsprechenden Herzklappe, mit dem Ziel, die Funktion entweder durch Ersatz oder Reparatur (Rekonstruktion) wieder herzustellen. |
| Verfügbare Klappenprothesen Mechanische Prothesen
|
Aortenklappe
Der Ersatz der Aortenklappe ist derzeit der häufigste herzchirurgische Eingriff an den Herzklappen. Als Ursache für die Erkrankung stehen die altersbedingte Degeneration sowie abgelaufene Entzündungen ganz im Vordergrund. Die Klappe muß hierbei in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ersetzt werden. Rekonstruktive Maßnahmen sind nur dann verfügbar, wenn die Segel an sich nicht erkrankt sind und nur die Aufhängung derselben durch eine Dilatation der Hauptschlagader in diesem Bereich verbreitert und die Klappe dadurch undicht geworden ist.
- Für den Aortenklappenersatz stehen folgende Prothesen zur Verfügung:
- Mechanische Prothese
- Biologische mit Gerüst(entweder Schwein oder Rind)
- Biologische ohne Gerüst(Schwein)
- Homograft (menschliche Klappe, von Organspendern oder -empfängern entnommen)
- Ross-OP
An der Herzchirurgie der Universität Ulm sind diese Prothesen alle verfügbar. Die Art der implantierten Prothese hängt letztendlich von der Erkrankung, dem Alter und nicht zuletzt auch vom Willen des Patienten ab.
Minimalinvasiver Zugang zur Aortenklappe
Hierbei wird über einen ca. 16 cm langen Schnitt in der Mitte des Brustkorbes nur die obere Hälfte des Brustbeines eröffnet. Über diesen Zugang wird dann die Aortenklappe ersetzt. Da der obere Teil des Brustbeines maßgeblich für die Stabilität ist, bedeutet dieses Vorgehen keine Reduktion des Risikos für Wundheilungsstörungen. Außerdem besteht immer die Gefahr der Verletzung der rechten Brustwandarterie und die Operationszeit ist deutlich länger. Dieses Verfahren kommt insgesamt daher nur noch selten zum Einsatz, zumal man über einen nur wenig größeren Schnitt (ca. 20 cm) auch das gesamte Brustbein eröffnen kann, was eine deutlich bessere Übersicht schafft. Auch bei diesem Schnitt bleibt das Decollete frei. Auch wenn wir die komplette Eröffnung des Brustbeines über einen kürzeren Schnitt bevorzugen, bieten wir selbstverständlich auf Wunsch auch die kürzere Variante an.
Mitralklappe
Mitralklappenrekonstruktion
Früher spielte das sogenannte rheumatische Fieber eine große Rolle bei der Entstehung von Herzklappenfehlern, sowohl an der Aorten-, wie auch an der Mitralklappe. Durch die konsequente antibiotische Therapie von Streptokokkeninfekten (Seitenstrangangina, Scharlach) hat dieses allerdings in den Industrienationen weitgehend an Bedeutung verloren. Das rheumatische Fieber führte hauptsächlich zur Degeneration und Schrumpfung der Klappen, so dass meistens eine Stenose (Verengung) resultierte. Heute spielen andere degenerative Prozesse, Risse nach Herzinfarkt, akute Entzündungen oder angeborene Gewebserkrankungen bei den Mitralklappenerkrankungen die führende Rolle. Hier kann oft die Klappe “repariert” werden, das heißt, die Schlußfähigkeit wird wiederhergestellt, ohne die Klappe zu ersetzen. Dies ist für den Patienten natürlich von großem Vorteil, da der Halteapparat des linken Herzens dadurch erhalten bleibt und er auch kein Markumar nehmen muß.
Ist eine solche Rekonstruktion nicht möglich, kommen diesselben Klappenprothesen zum Einsatz, wie für die Aortenklappe schon beschrieben.
Minimal invasiver Zugang zur Mitralklappe
Hierbei wird der Brustkorb rechts über der vierten Rippe eröffnet, wobei der Schnitt so gelegt wird, daß die spätere Narbe in der Falte unter der Brust zu liegen kommt. Über diesen Zugang (ca. 10-15 cm) erfolgt dann der Anschluß an die Herz-Lungen Maschine und die Eröffnung des linken Vorhofes, über den dann die Mitralklappe ersetzt bzw. in der Mehrzahl der Fälle repariert wird. Der Zugang ist kosmetisch daher insbesondere für Frauen sehr attraktiv, da sich die Narbe problemlos verdecken läßt. Die Operationszeit verlängert sich nur unwesentlich gegenüber dem konventionellen Zugang. Über denselben Zugang kann ebenfalls die Trikuspidalklappe operiert werden.
Trikuspidalklappe
Hier ist meist eine Erweiterung des Ringes dieser Klappe für die Undichtigkeit verantwortlich, selten kommen auch Entzündungen vor. Dementsprechend kann die Klappe meistens rekonstruiert werden, ein Ersatz ist hier eher die Ausnahme.
Pulmonalklappe
Diese Klappe spielt in der Erwachsenen-Herzhcirurgie keine Rolle. Allerdings ist durch das Aufwachsen vieler Patienten, bei denen als Kindern die Pulmonalklappe aufgrund eines angeborenen Herzfehlers ersetzt wurde, mit einer starken Zunahme an Patienten zu rechnen, bei denen solche Prothesen ausgetauscht werden müssen, oder die einen Klappenersatz brauchen, da die Klappe bei vorhergehenden Herzoperationen im Kindesalter nicht vollständig funktionstüchtig geblieben ist (z.B. nach Korrektur einer sogenannten Fallot’schen Tetralogie). Hier kommen aufgrund der Lage im Herzen keine gestenteten oder mechanischen Klappen, sondern nur biologische, ungestentete Prothesen zum Einsatz.
Aneurysmen (Erweiterungen) der Hauptschlagader
"Echte" Aneurysmen
Diese “Aussackungen” der Aorta ascendens sind meistens degenerativ oder durch Bindegewebserkrankungen bedingt. Die Gefahr besteht in einer akuten Ruptur, die meistens tödlich endet oder in einer sogenannten Dissektion, das heisst einem Einriß der Wandschichten mit entsprechender Einblutung. Auch letzteres stellt eine absolut lebensbedrohliche Komplikation dar, die dann eine sofortige Notfalloperation erforderlich macht.
Die chirurgische Therapie zielt auf den Ersatz der erkrankten Abschnitte der Hauptschlagader unter Erhalt allen vitalen und funktionell intaktem Gewebe. So kann eine begleitende Undichtigkeit der Aortenklappe, die durch die Aufweitung der Schlagader bedingt ist, oft klappenerhaltend operiert werden.
Die Operationsindikation ist ab einem Durchmesser von 5cm generell gegeben, in Einzelfällen auch be geringerem Diameter. Dies ist dann abhängig von der Geschwindigkeit, mit der die Schlagader größer wird sowie eventueller Begleiterkrankungen, wie zum Beispiel dem Auftreten einer Klappenundichtigkeit. Wird hier rechtzeitig operiert, kann die Klappe meistens erhalten werden, was einen unschätzbaren Vorteil für die weitere Lebensqualität hat. Auch ist das Operationsrisiko bei einem entsprechend frühzeitig geplantem Eingriff deutlich niedriger im Vergleich zu einer Notfall-Operation.
Dissektionen
Als Dissektion bezeichnet man einen Einrß innerhalb der Wandschichten der Hauptschlagader. Hierdurch entstehen quasi zwei Röhren, in denen Blut fließt. Die Gefahr geht zum einen von einer möglichen Ruptur (Platzen) der Schlagader aus, die in der Regel tödlich verläuft, zum zweiten besteht aber auch die Gefahr der Minderdurchblutung wichtiger Organe wie Hirn, Leber, Nieren und Darm, je nachdem, ob sie aus dem “richtigen” Rohr versorgt werden, oder nicht. Aufgrund dieser großen Gefahren ist hier die Operationsindikation immer gegeben, da die Mortalität ohne Operation extrem groß ist: über 80% nach 48 Stunden!
Die Operation entspricht im Wesentlichen der bei einem “echten” Aneurysma. Auch hier wird auf den Erhalt der eigenen Aortenklappe Wert gelegt, die oft in den Krankheitsprozeß mit einbezogen ist.
Ein besonderes Patientenkollektiv bilden hier die Patienten mit angeborenen Bindegewebserkrankungen, z.B. dem Marfan-Syndrom. Hier ist eine ausgedehntere Therapie nötig um Wiederholungseingriffe zu vermeiden.
Schrittmacher und Defibrillatoren
Brachykarde Rhythmusstörungen
Schädigungen des Sinusknotens, des natürlichen Schrittmachers des Herzens, oder der weiteren Ausbreitung der Erregung im Herzen können die Herzfrequenz phasenweise oder permanent herabsetzen. Dies kann von einer eingeschränkten Belastbarkeit durch den fehlenden Herzfrequenzanstieg bei Belastung bis hin zur Ohnmacht (Synkope) in Ruhe führen. Die Ursache der Schädigung kann hierbei in einer Minderdurchblutung (Infarkt), Degeneration, Klappenfehlern oder auch medikamentös bedingt sein. Kann die Ursache nicht definitiv behoben werden bzw. ist die Schädigung schon zu fortgeschritten, muß ein Schrittmacher eingesetzt werden, der die Funktion übernimmt.
Tachykarde Rhythmusstörungen
“Herzrasen” oder auch Tachykardien schränken die Herzleistung ein und werden auch oft subjektiv vom Patienten als bedrohlich empfunden. Ursache sind oft sogenannte kreisende Erregungen im Herzen. Diese entstehen dadurch, daß geschädigte Leitungsbahnen mit normalen sich immer wieder gegenseitig erregen, dass also die normale Erregungsausbreitung gestört ist. Sind die Rhythmusstörungen vom Vorhof ausgehend, so kann oft medikamentös eine Besserung erreicht werden. Manchmal muß dann aber ein Schrittmacher eingesetzt werden, um den Patienten gegen Phasen mit einem zu langsamen Herzschlag zu schützen.
Spielen die tachykarden Rhythmusstörungen sich aber in den Hauptkammern ab, so sind sie lebensbedrohlich: es droht der plötzliche Herztod. Hier ist medikamentös keine sichere Prophylaxe oder Therapie möglich, hier muß ein Defibrillator implantiert werden.
Schrittmacherimplantation
Die Implantation eines Schrittmachers ist ein Routineeingriff in örtlicher Betäubung. Über einen kleinen Schnitt unterhalb des Schlüsselbeins wird die Armvene freigelegt, über die dann die Schrittmachersonde(n) bis ins Herz vorgeschoben werden. Dieses spürt der Patient nicht. Bei korrekter Lage werden die Sondenwerte gemessen und anschließend der Schrittmacher, der in etwa die Größe einer Streichholzschachtel hat, in einer neu gebildeten Tasche unter der Haut eingesetzt. Die Programmierung des Schrittmachers sowie die Nachkontrollen erfolgen dann mittels Telemetrie durch Auflegen eines entsprechenden Programmierkopfes. Die Implantation wird mehr und mehr ambulant durchgeführt.
Defibrillatorimplantation
Die Implantation eines Defibrillators verläuft ähnlich wie die eines Schrittmachers. Allerdings wird der Patient hierfür in Vollnarkose gelegt, da für die Testung der korrekten Funktionsweise des Gerätes und der Elektroden die Rhythmusstörungen herbeigeführt werden müssen. Dies wäre für einen wachen Patienten nicht zumutbar. Auch wird der Defibrillator wegen seiner Größe in der Regel unter die Brustmuskulatur gelegt, so dass die Bildung der Tasche deutlich schmerzhafter im Vergleich zur Schrittmacherimplantation ist.






