An der Universitätsklinik Ulm wird derzeit ein Zentrum für Schilddrüsenerkrankungen etabliert. Prof. Dr. med. Ambros Beer arbeitet hier eng mit den Abteilungen für Endokrinologie und endokrine Chirurgie zusammen, sodass Patienten mit endokrinologischen Erkrankungen eine interdisziplinäre Diagnostik und Therapie angeboten werden kann.

Schilddrüsenerkrankungen spielten bereits bisher eine wichtige Rolle in der Patientenversorgung. So werden pro Jahr an der Klinik etwa 500 Radiojodtherapien bei benigner Struma, Schilddrüsenautonomie, Morbus Basedow und Schilddrüsenkarzinom durchgeführt.

Gut angenommen werden auch die neu eingeführten Patienten-Informationsveranstaltungen zum Thema Schilddrüse und die „Ulmer Schilddrüsengespräche“, bei denen niedergelassene Kollegen spezielle Fragen zur Therapie von Schilddrüsenerkrankungen diskutieren können.

Hauptindikationen für die Radiojodtherapie sind auch heute noch die Folgeerscheinungen des Jodmangels wie benigne Struma und Schilddrüsenautonomie, sodass eine intensive Expertise auf diesem Gebiet besteht. Die Wahl zwischen Operation und Radiojodtherapie kann bei diesen Krankheitsbildern nach intensiver Aufklärung oft der Präferenz der Patienten überlassen werden.

Eine weitere Aufgabe, die zunehmend wichtiger wird, ist die Betreuung von Patienten mit Schilddrüsenkarzinomen. Nach den vom Robert-Koch-Institut vorgelegten Zahlen ist die Inzidenz des Schilddrüsenkarzinoms in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Über die Ursachen kann nur spekuliert werden. Eine mögliche Erklärung ist ein „Screening-Bias“. Dadurch, dass viele Kollegen heute im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen und Check-ups auch die Schilddrüse abtasten, kommt man vermehrt auch bösartigen Schilddrüsenveränderungen auf die Spur. Dafür spricht auch die Tatsache, dass vor allem die Inzidenz von Schilddrüsenkarzinomen mit niedrigem Risiko ansteigt.


Neue Entwicklungen bei der Therapie des Schilddrüsenkarzinoms
Bei der Therapie und Nachsorge von Patienten mit Schilddrüsenkarzinomen haben sich in jüngster Zeit neue Entwicklungen abgezeichnet. Bisher mussten Patienten für die Nachuntersuchung mit der Radiojod-Szintigraphie die Levothyroxin-Substitution für mehrere Wochen aussetzen. Dies ist bei Verwendung von rekombinantem, humanen TSH nicht mehr nötig, sodass den Patienten längere hypothyreote Phasen erspart bleiben. Zudem ist dieses Vorgehen auch wirtschaftlich, da die Patienten weniger Arbeitstage verlieren. Auch werden die Kontroll-Szintigramme insbesondere bei Niedrig-Risiko-Tumoren heute deutlich seltener durchgeführt.
Zunehmend wird hingegen bei Hoch-Risiko-Patienten eine prätherapeutische Dosimetrie eingesetzt, um den Betroffenen ein „individualisiertes“ Therapiekonzept anbieten zu können. Auf diesem Gebiet bestehen an der Klinik hervorragende Vorarbeiten bei der Behandlung bösartiger hämatologischer/lymphatischer Erkrankungen.

Eine neue therapeutische Option für Patienten mit fortgeschrittenem metastasierten Karzinom ist die Gabe von so genannten Tyrosin-Kinase-Inhibitoren. Hier ist für 2009 eine internationale Studie unter Federführung der Universitätsklinik geplant.

 

Publikationen zu den Arbeitsgebieten finden Sie hier oder z.B. unter Medline.

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