Experte

Diesen klinisch-onkologischen Experten können Sie am Universitätsklinikum Ulm kennenlernen.

Dr. med. Frank Stegelmann
internistischer Experte

Mitarbeiter folgender Abteilung
Abteilung Innere Medizin III (Hämätologie, Onkologie, Rheumatologie und Infektiologie)

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Beschreibung der Erkrankung

Die chronische myeloische Leukämie (CML) ist eine bösartige Bluterkrankung mit langsamem Verlauf. Die CML ist durch Entartung der Blutstammzelle gekennzeichnet, die zu unkontrollierter Vermehrung bestimmter Untergruppen weißer Blutkörperchen (Leukozyten) führt. Unbehandelt geht die schleichende Erkrankung („chronische Phase“) nach einigen Jahren in eine bedrohlichere und schneller verlaufende Form über („Akzelerationsphase“) und erscheint zuletzt wie eine akute Leukämie („Blastenkrise“).

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Häufigkeit und Erkrankungsalter

Die CML ist eine seltene Bluterkrankung. In Deutschland erkranken ca. 1-2 Erwachsene pro 100.000 Einwohner und Jahr. Das Risiko an einer CML zu erkranken nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Der Erkrankungsgipfel liegt bei ca. 50 Jahren. Die Erkrankung kann aber in allen Altersgruppen auftreten.

 

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Ursachen und Risikofaktoren

Bei den meisten Patienten kann keine Ursache für die Entstehung der CML herausgefunden werden. Exposition gegenüber ionisierenden Strahlen und Chemikalien wie Benzol fördern die Entartung von Blutstammzellen. Weitere Faktoren, die die Entstehung der CML begünstigen, sind bislang nicht bekannt. In über 90% der Fälle liegt der Erkrankung eine definierte genetische Veränderung zugrunde, das sog. Philadelphia-Chromosom. Dieses entsteht durch Austausch von Erbmaterial zwischen den Chromosomen 9 und 22. Man geht davon aus, dass das Philadelphia-Chromosom die vermehrte Teilung der Blutzellen verursacht. In späteren Erkrankungsstadien kommen noch weitere Genveränderungen hinzu.

 

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Krankheitszeichen

Da Blutuntersuchungen heutzutage häufig durchgeführt werden, wird die CML bei einem Großteil der Patienten in einem frühen Stadium diagnostiziert. Viele Patienten haben von der Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose noch nichts bemerkt. Charakteristisch ist eine symptomlose Vermehrung der weißen Blutkörperchen (Leukozytose). In einigen Fällen kommen außerdem Müdigkeit, Leistungsminderung und Nachtschweiß vor. Insbesondere in fortgeschritteneren Stadien ist regelmäßig eine Milzvergrößerung vorhanden, die zu einem Druckgefühl im linken Oberbauch führen kann.

 

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Untersuchungen

Patientengespräch und körperliche Untersuchung

In einem ausführlichen Gespräch werden sämtliche Beschwerden und relevante Vorerkrankungen erfragt. In einer körperlichen Untersuchung kann bei einem Teil der Patienten eine Milzvergrößerung durch Abtasten des linken Oberbauchs festgestellt werden.

 
Laboruntersuchungen

Blutuntersuchungen geben wichtige Hinweise, um die Diagnose der CML zu stellen. Neben der Zählung der Blutzellen hilft hier besonders die mikroskopische Untersuchung eines Blutausstrichs weiter. Moderne molekulargenetische Untersuchungen erhärten den Verdacht auf die Erkrankung. Darüber hinaus ist eine Knochenmarkuntersuchung erforderlich, da sie den Nachweis des Philadelphia-Chromosoms erlaubt.

 
Weitere Untersuchungen

Eine Ultraschalluntersuchung wird durchgeführt, um die Bauchorgane und insbesondere die Milzgröße genauer beurteilen zu können. Auf Röntgenuntersuchungen kann in der Regel verzichtet werden.

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Klassifikation und Stadieneinteilung

Die Differenzierung der Erkrankungsphasen der CML (chronische Phase, Akzelerationsphase und Blastenkrise) wird anhand der Blut- und Knochenmarkuntersuchung vorgenommen. Dies ermöglicht die Beratung über die bestmögliche Behandlungsstrategie.

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Behandlungsmöglichkeiten

Wichtig ist, dass die Therapie unmittelbar nach Diagnosestellung begonnen wird, da die CML in weiter fortgeschrittenen Stadien schwerer behandelbar ist als in der frühen Phase. Durch den Einsatz neuer Medikamente, die das Prinzip der molekular zielgerichteten Therapie nutzen, hat die Behandlung der CML in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht.

 
Zielgerichtete Medikamente

Deren Wirkung beruht auf der gezielten Behandlung der Veränderungen in den Leukämiezellen, die durch das Philadelphia-Chromosom entstehen (sog. Tyrosinkinase-Inhibitoren, TKI).  TKI werden in Tablettenform eingenommen. Am häufigsten wird Imatinib (Handelsname Glivec®) eingesetzt. Nebenwirkungen wie Übelkeit, Muskelkrämpfe und Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme) können vorkommen. Die tägliche Einnahme des Medikaments ist dauerhaft notwendig, da die CML nur so effektiv zurückgedrängt und das Fortschreiten der Erkrankung verhindert wird. In den meisten Fällen normalisieren sich schon nach wenigen Wochen Therapie die weißen Blutkörperchen. Darüber hinaus wird der Behandlungserfolg durch regelmäßige Blutuntersuchungen mittels moderner Labormethoden exakt bestimmt. Bei einigen Patienten spricht die Behandlung so gut an, dass nach Monaten der Therapie die Krankheitsaktivität kaum mehr nachweisbar ist. Trotzdem liegt nach derzeitigen Erkenntnissen keine Heilung der CML vor, da die Erkrankung nach Absetzen des Medikaments rasch wiederkehrt und dann oft schlechter behandelbar ist. Problematisch ist, dass es unter Therapie mit TKI zur Resistenz der Leukämiezellen gegenüber dem Medikament kommen kann. Möglicherweise wirken neuere TKI, die momentan klinisch erprobt werden, noch nachhaltiger auf die Leukämiezellen bei besserer Verträglichkeit.

 
Stammzelltransplantation

Aufgrund der guten Kontrolle der Erkrankung mittels Tablettentherapie hat die Bedeutung der Stammzelltransplantation bei der CML in den letzten Jahren abgenommen. Dennoch ist dieses Verfahren das einzige, das Chance auf eine Heilung der CML bietet. Allerdings muss wegen der Gefahr schwerwiegender Komplikationen eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen. Für diese Art der Therapie kommen daher insbesondere Patienten mit TKI-Resistenz oder -Unverträglichkeit in Frage. Die Transplantation wird mit Blutstammzellen von Geschwistern oder Fremdspendern durchgeführt (sog. allogene Transplantation).

 
Chemotherapie

Eine Chemotherapie mit Tabletten ist manchmal zu Beginn der Therapie notwendig, wenn eine sehr starke Vermehrung weißer Blutzellen vorliegt. Chemotherapie, die in Form von Infusionen verabreicht wird, wird nur eingesetzt, wenn ein spätes Erkrankungsstadium vorliegt oder eine Blutstammzelltransplantation durchgeführt werden soll.

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Leben mit Krebs

Die meisten Patienten, bei denen die Behandlung der CML rechtzeitig eingeleitet wird, können durch den Einsatz von TKI ein weitgehend normales Leben führen. Bei unkompliziertem Erkrankungsverlauf sind in der Regel dreimonatige Kontrollen bei einem Spezialisten für Bluterkrankungen ausreichend.

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Prognose

Trotz der enormen Verbesserungen in der Therapie der CML in den letzten Jahren wird intensiv an der Weiterentwicklung der Medikamente und derem optimalen Einsatz in der Therapie geforscht. Hierzu finden Forschungsprojekte und Therapiestudien statt, deren Ergebnisse Krankheitskontrolle, Lebensqualität und letztendlich auch die Prognose von CML-Patienten weiter verbessern werden.

 


Autoren:
Erstellung  (12/2005) Dr. H. Beneke, Innere Medizin III

1. Überarbeitung (10/2007): Dr. F. Stegelmann / Innere Medizin III

2. Überarbeitung (09/2008): Dr. F. Stegelmann / Innere Medizin III

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