Besseres System der mentalen Gesundheit junger Menschen

50 Expertinnen und Experten der Mental Health Alliance arbeiten daran in Ulm

Beim dritten Retreat der Mental Health Alliance arbeiten rund 50 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Versorgung, Praxis, Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sowie junge Menschen an konkreten Ansätzen für eine frühere und wirksamere Förderung der mentalen Gesundheit junger Menschen. Der Auftakt fand am 14. Oktober in der Villa Eberhardt in Ulm mit Ministerpräsident Cem Özdemir statt. Bis zum 16. Oktober kommen die Teilnehmenden auf Schloss Reisensburg zusammen.

Auf Einladung von Prof. Dr. Jörg M. Fegert (Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm) bringt das Retreat zentrale Akteurinnen und Akteure der Mental Health Alliance zusammen. Zu den Teilnehmenden gehören unter anderem die Baden-Württemberg Stiftung, Vertreterinnen und Vertreter der Städte Ulm und Mannheim, das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, die Robert Bosch Stiftung und die Dieter Schwarz Stiftung.

Früh stärken und besser verzahnen
Wie können junge Menschen im Alltag früher erreicht und mental gestärkt werden? Wie lassen sich bestehende Angebote besser verbinden und Zugänge erleichtern? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Mental Health Alliance bei ihrem dritten Retreat. Im Mittelpunkt stehen systemische Prävention, frühe Intervention und die bessere Verzahnung bestehender Ansätze.

Die gemeinsame Arbeit knüpft an dem Wissen und den Erfahrungen an, die bereits in unterschiedlichen Bereichen vorhanden sind. In vier Arbeitsgruppen beraten die Teilnehmenden, wie bestehende Ansätze besser verbunden, weiterentwickelt und im Alltag zugänglich gemacht werden können.

Vier Arbeitsgruppen, ein gemeinsamer Fokus
Im Mittelpunkt des Retreats stehen vier Arbeitsgruppen:

  • Sozial-emotionales Lernen, Bildung und Stärkung: Wie können junge Menschen in Bildungseinrichtungen und ihrem Alltag in ihrer mentalen Gesundheit und sozial-emotionalen Entwicklung gestärkt werden?
  • Integrierte Anlaufstellen: Wie können Integrated Youth Mental Health Services dazu beitragen, dass junge Menschen leichter passende Unterstützung finden und Angebote besser zusammenspielen?
  • Frühintervention, Angebote und Zuordnung: Wie können frühe Signale schneller aufgegriffen, passende Angebote sichtbar gemacht und junge Menschen verlässlich an die richtige Stelle weitergeleitet werden?
  • Mental gesunde Kommune: Wie können Kommunen Lebenswelten gestalten, in denen mentale Gesundheit mitgedacht und Unterstützung niedrigschwellig erreichbar wird?

Die Arbeitsgruppen verbinden fachliche Perspektiven mit Erfahrungen aus der Praxis. Ziel ist es, konkrete Ansatzpunkte für die weitere Arbeit innerhalb der Allianz herauszuarbeiten und die weitere Zusammenarbeit innerhalb der Mental Health Alliance zu stärken.

Stimmen zum dritten Retreat der Mental Health Alliance


Cem Özdemir (Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg):
„Die Mental Health Alliance zeigt, worauf es ankommt: Kräfte bündeln, Wissen zusammenbringen und früher helfen. Diesen Ansatz verfolgen wir auch als Land. Mit dem Forum Gesundheitsstandort vernetzen wir zentrale Akteure aus Wissenschaft, Versorgung, Politik und Gesellschaft. Im Koalitionsvertrag haben wir zudem vereinbart, Prävention und Früherkennung weiter auszubauen und niedrigschwellige Hilfen gerade für Kinder und Jugendliche zu stärken. Unser gemeinsames Ziel ist klar: Wir wollen Menschen stärken, bevor aus Belastungen Erkrankungen werden.“

Martin Ansbacher (Oberbürgermeister der Stadt Ulm):
„Mentale Gesundheit beginnt in der Familie, in der Kita, in der Schule, im Freundeskreis, im Sportverein, im Jugendhaus und damit auch in unserer Stadt. Kommunen haben also eine besondere Verantwortung. Wir können nicht jede psychische Erkrankung verhindern. Aber wir können Bedingungen schaffen, unter denen Menschen sich zugehörig fühlen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist das entscheidend. Deshalb ist der Gedanke, der hinter der Mental Health Alliance steht, für mich so wichtig: Wir müssen früher ansetzen. Und deshalb freue ich mich, dass wir Teil dieser Allianz werden.“

Prof. Dr. Jörg M. Fegert (Co-Gründungsgestalter der Mental Health Alliance; Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm):
„Die Youth Mental Health Crisis macht deutlich, dass zwischen klassischer Prävention und Krankenbehandlung noch immer eine Lücke besteht. Gerade deshalb müssen wir bestehende Angebote besser verzahnen, jungen Menschen die Orientierung im Hilfesystem erleichtern und frühe Interventionen systematisch ausbauen. Dazu gehört auch, die Lebenswelten junger Menschen konsequent mitzudenken: von Familie und Schule bis hin zum digitalen Raum. Dafür braucht es eine enge Verbindung von universeller, selektiver und indizierter Prävention sowie Rahmenbedingungen, die über die bisherigen Möglichkeiten des § 20 SGB V hinausgehen.“

Vanessa Gstettenbauer (Co-Initiatorin und Co-Mission Lead der Mental Health Alliance):
“Es gibt in Deutschland längst viel Wissen und viele gute Ansätze für die mentale Gesundheit junger Menschen, aber sie wirken noch zu wenig zusammen. Genau das ist unsere Aufgabe: Wir bringen die Pionierinnen und Pioniere zusammen, die etwas verändern wollen, vernetzen bestehende Strukturen und bilden ungewöhnliche Allianzen über Sektorengrenzen hinweg. So machen wir sichtbar, was schon wirkt, und entwickeln daraus gemeinsame, tragfähige Wege, damit junge Menschen früh und verlässlich Unterstützung finden.”

Über die Mental Health Alliance
Die Mental Health Alliance ist eine bundesweite Bewegung für ein System der mentalen Gesundheit, das stärkt, bevor es behandelt. Die Allianz vereint führende Akteur:innen aus Wissenschaft, Versorgung, Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft und junge Menschen, um mentale Gesundheit als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe zu verankern – nach dem Prinzip „Mental Health in All Policies".

Unser Ziel: Ein stärker präventiv ausgerichtetes, bedarfsorientiertes und vernetztes System, das Gesundheitsförderung, Prävention, Frühintervention und Versorgung über alle Lebenswelten hinweg zusammendenkt – insbesondere für die junge Generation.

Initiiert und unterstützt von krisenchat, der Bertelsmann Stiftung, der Beisheim Stiftung, ProjectTogether, der alv Foundation, der Robert Bosch Stiftung, der Dieter Schwarz Stiftung und der Fritz Behrens Stiftung.

Beim dritten Retreat der Mental Health Alliance arbeiten rund 50 Expert*innen an einem besseren System für die mentale Gesundheit junger Menschen. (Quelle: Marlene Charlotte Limburg)

Prof. Dr. Fegert (Universitätsklinikum Ulm), Mario Schneider (Mitglied des Landtags), Cem Özdemir (Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg), Martin Ansbacher (Oberbür-germeister Ulm) und Vanessa Gstettenbauer (Co-Initiatorin und Co-Mission Lead der Mental Health Alliance) (Quelle: Marlene Charlotte Limburg)