Mentalisierung, interpersonelle und neurophysiologische Prozesse sowie Stressverarbeitung in der Depressionsbehandlung
Projektbeschreibung
Major Depression (MDD) zählt weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und geht mit erheblichen funktionellen Beeinträchtigungen sowie einer hohen Nichtansprechraten auf Standardbehandlungen einher. Mentalisierung, als die Fähigkeit, eigene und fremde mentale Zustände zu verstehen, gilt als ein zentraler transdiagnostischer Mechanismus, der bei MDD häufig beeinträchtigt ist. Aktuelle Modelle konzeptualisieren Mentalisieren dabei nicht als stabiles Persönlichkeitsmerkmal, sondern als dynamischen, stresssensitiven Prozess, der insbesondere bei Personen mit frühen Belastungserfahrungen unter interpersonellem Stress und negativem Affekt vorübergehend beeinträchtigt werden kann.
Die MIND-SET-Studie baut auf der im Vorgängerprojekt STAY-MIND erfolgten ersten Validierung eines Ecological Momentary Assessment (EMA)-Instruments zur Erfassung momentanen Mentalisierens in einer nicht-klinischen Stichprobe auf. Die MIND-SET-Studie untersucht hierbei die Anwendbarkeit des Instruments bei klinisch depressiven Patient:innen sowie dessen Zusammenhang mit physiologischen Stresssystemen.
Die MIND-SET-Studie untersucht die momentane Mentalisierungsfähigkeit in einer klinischen Stichprobe von 150 Patient:innen mit Major Depression in psychosomatischer Behandlung. Während einer 10-tägigen EMA-Phase erfassen die Teilnehmenden momentanes Mentalisieren, Stress, Affekt und sozialen Kontext mithilfe zeit-, ereignis- und physiologisch ausgelöster Abfragen. Parallel dazu werden physiologische Stressmarker (Herzratenvariabilität und elektrodermale Aktivität) kontinuierlich über mobile Sensoren gemessen. Die Baseline-Erhebung (T0), Abschlussbefragung nach 4 Wochen (T1) und Follow-up-Erhebungen nach 3 (T2), 6 (T3) und 12 Monaten (T4) umfassen Maße zu Depressionsschwere, Kindheitstraumata, Persönlichkeitsfunktionen sowie weiteren psychosozialen Variablen. Die Daten werden mithilfe von Mehrebenenmodellen und psychometrischen Analysen ausgewertet.
Ziel der Studie ist die Validierung des neu entwickelten EMA-Instruments in einer klinischen Population sowie die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen stressbezogenen physiologischen Reaktionen und momentanen Veränderungen im Mentalisieren. Die Ergebnisse sollen zum besseren Verständnis alltagsnaher sozioemotionaler Dysfunktionen bei Depression beitragen und die Entwicklung personalisierter digitaler Interventionen unterstützen, die auf akute Mentalisierungseinbrüche abzielen.
Projektleitung
Prohektmitarbeiter
Laufzeit
Mai 2026 – April 2028
Finanzierung
gefördert durch das Bausteinprogramm der Medizinischen Fakultät am Universitätsklinikum Ulm (ca. 110.000€, zwei Jahre)



