Großes Interesse am 3. Delirsymposium zum Weltdelirtag am UKU

Interprofessioneller Austausch und Sensibilisierung für das häufig unterschätzte Krankheitsbild Delir

Plötzliche Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit, Denkstörungen, Unruhe oder Rückzug – all diese Symptome können auf ein Delir hinweisen. Meist sind ältere Menschen betroffen, etwa nach Operationen, Infektionen, durch Flüssigkeitsmangel oder Medikamente. Nach wie vor gilt Delir als ein häufig unterschätztes Krankheitsbild im Klinikalltag.

Mehr als 300 Teilnehmende

Am diesjährigen Weltdelirtag, dem 11. März 2026, sind rund 330 Fachkräfte aus Medizin und Pflege sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger zum inzwischen 3. Delirsymposium am Universitätsklinikum Ulm zusammengekommen. Das Ziel der Veranstaltung: über das Phänomen Delir aufzuklären, für das Krankheitsbild zu sensibilisieren und Möglichkeiten zur Prävention und Versorgung aufzuzeigen. Die Veranstaltung wurde von der Projektgruppe „Delirsensitives Ulm“ in Kooperation mit der Bethesda Klinik Ulm und der Kreisärzteschaft Ulm organisiert.

Das Symposium bot ein vielseitiges Programm mit renommierten Referentinnen und Referenten aus Pflege, Medizin und Ethik. In ihren Vorträgen beleuchteten sie das Delir aus unterschiedlichen Perspektiven – von der Prävention und frühzeitigen Erkennung über interprofessionelle Behandlungsansätze bis hin zu ethischen Fragestellungen im klinischen Alltag. Die Beiträge machten deutlich, wie wichtig eine enge vertrauensvolle Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen in Kliniken, Hospizen sowie in der ambulanten Pflege und stationären Langzeitpflege ist, um delirgefährdete Patientinnen und Patienten sowie Bewohnerinnen und Bewohner frühzeitig zu identifizieren und bestmöglich zu versorgen.

Interprofessionelle Perspektiven auf Prävention und Behandlung

Ein Schwerpunkt lag auf der erforderlichen Ambulantisierung der Delirversorgung sowie der Umsetzung der neuen S3Leitlinie Delir im höheren Lebensalter, einer evidenzbasierten Handlungsempfehlung für Fachkräfte, wie Delir bei älteren Menschen frühzeitig erkannt, behandelt und versorgt werden kann. Die Referierenden betonten, dass eine strukturierte, evidenzbasierte Versorgung über die Grenzen einzelner Einrichtungen hinweg zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt das AKTIVERMultikomponentenprogramm, ein nicht‑medikamentöses Präventions- und Betreuungsprogramm, das das Delir-Risiko bei älteren Menschen reduziert und Betroffene bei postoperativer kognitiver Dysfunktion unterstützt. Fachvorträge und Erfahrungsberichte machten deutlich, wie wichtig kontinuierliche Fortbildungen zu allen Facetten eines Delirs sind. Großes Interesse galt auch, den im Versorgungsalltag eingesetzten Delirexpert*innen, deren Aufgaben und Erfahrungen von vielen Teilnehmenden mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt wurden.

Austausch und Vernetzung im Mittelpunkt

Neben den fachlichen Impulsen bot das Symposium Raum für Austausch und Vernetzung. In Diskussionen und Gesprächen wurde deutlich, dass das Thema Delir in den vergangenen Jahren zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen hat und interprofessionelle Initiativen wie „Delirsensitives Ulm“ einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung und Verbesserung der Versorgung Betroffener leisten.

Ein sichtbares Zeichen für mehr Aufmerksamkeit setzte am Weltdelirtag das Hissen der Delirflagge am Universitätsklinikum Ulm. Die Aktion der Initiative Qualitätsmedizin e.V. (IQM) soll bundesweit für mehr Awareness und Sensibilisierung für das Thema Delir sorgen.

Vor dem Haupteingang des Universitätsklinikums Ulm: Mitarbeitende setzen am Weltdelirtag mit der Delirflagge ein Zeichen für mehr Aufmerksamkeit für das Krankheitsbild. (Foto: Universitätsklinikum Ulm)

Voller Hörsaal: Mehr als 300 Gäste verfolgten die Vorträge beim 3. Delirsymposium am Universitätsklinikum Ulm. (Foto: Universitätsklinikum Ulm)