Das Universitätsklinikum Ulm (UKU) erzielt einen wichtigen Erfolg in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Adipositas: Der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) hat die Förderung für die Aktualisierung der S3-Leitlinie „Therapie und Prävention der Adipositas im Kindes- und Jugendalter“ bewilligt. Das Projekt wird über 18 Monate gefördert und ist damit ein entscheidender Schritt, um den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung zu tragen und die Versorgung betroffener Kinder und Jugendlicher nachhaltig zu verbessern.
Mit der Bewilligung des Antrags, den Prof. Dr. Martin Wabitsch, Leiter der Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am UKU, gemeinsam mit Dr. Stephanie Brandt-Heunemann vom Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ) eingereicht hat, übernimmt Ulm eine zentrale Rolle in der Weiterentwicklung dieser wichtigen Leitlinie. Prof. Wabitsch war zuvor von der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG e.V.) als Leitlinienbeauftragter benannt worden.
„Eine aktuelle S3-Leitlinie ist essenziell, um den komplexen Herausforderungen der Adipositas bei Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden“, erklärt Dr. Stephanie Brandt-Heunemann. Prof. Dr. Wabitsch ergänzt: „Die Überarbeitung ermöglicht es uns, neue wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Praxis zu übertragen und so eine qualitativ hochwertige und einheitliche Behandlung sicherzustellen.“
Die S3-Leitlinie zur Therapie und Prävention der Adipositas im Kindes- und Jugendalter gilt als höchste Qualitätsstufe medizinischer Leitlinien. Sie basiert auf einer systematischen Auswertung internationaler Studien und bündelt die daraus abgeleiteten evidenzbasierten Empfehlungen. Diese werden in einem strukturierten Konsensverfahren mit Expertinnen und Experten aus 21 Fachgesellschaften sowie Vertreterinnen und Vertretern der Selbsthilfe abgestimmt. Die Leitlinie bildet damit eine zentrale Grundlage für die klinische Praxis, aber auch für gesundheitspolitische Entscheidungen.
Die aktuelle Version der Leitlinie stammt aus dem Jahr 2019. Bis zur geplanten Veröffentlichung der überarbeiteten Fassung im Januar 2027 bleibt sie gültig. Mit der nun bewilligten Förderung kann das Ulmer Team gemeinsam mit der Leitliniengruppe sicherstellen, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeitnah in die medizinische Versorgung einfließen.
Die Adipositas im Kindes- und Jugendalter stellt eine chronische Erkrankung dar, die häufig bis ins Erwachsenenalter fortbesteht und das Risiko für Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen und psychosoziale Belastungen erheblich erhöht. Vor diesem Hintergrund kommt der aktualisierten Leitlinie eine besondere Bedeutung zu: Sie soll Ärztinnen und Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten sowie weiteren Fachkräften Orientierung bieten, um Betroffene bestmöglich zu behandeln.
Hintergrundinformationen
Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG e.V.) ist die federführende Fachgesellschaft für die Erstellung der Leitlinie. Sie vereint Expertinnen und Experten aus Forschung, Klinik und Praxis und verfolgt das Ziel, die Prävention und Behandlung der Adipositas zu fördern sowie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbild voranzutreiben.
Der Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) unterstützt seit 2016 Projekte, die die medizinische Versorgung in Deutschland verbessern sollen. Dazu zählen auch Leitlinienprojekte mit besonderem Versorgungsbedarf, deren Ergebnisse in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung einfließen können.
Das Deutsche Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ) ist ein bundesweites Forschungszentrum, das 2024 mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gegründet wurde. An sieben Partnerstandorten bündelt es die Expertise von Universitätskliniken, Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen. Ziel ist es, durch interdisziplinäre Forschung die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu verbessern. Schwerpunkte liegen unter anderem auf seltenen Erkrankungen, Immunität und Infektionen, neurologischer Entwicklung, Stoffwechsel- und psychischen Erkrankungen. Das DZKJ fördert die enge Verzahnung von Wissenschaft und Versorgung, um neue Erkenntnisse schnell in die Praxis zu übertragen