Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm (UKU), hat den Co-Vorsitz eines neuen Sondergremiums der Europäischen Kommission zur Sicherheit von Kindern und Jugendlichen im Internet übernommen. Gemeinsam mit Maria Melchior, Direktorin am französischen Institut für Gesundheit und medizinische Forschung (INSERM), leitet er die Gruppe.
Anfang März 2026 hat das von der EU-Kommission angekündigte Expertengremium seine Arbeit aufgenommen. Ziel von „Child Safety Online“ ist es, wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zu erarbeiten, wie Kinder und Jugendliche in Europa im digitalen Raum besser geschützt werden können. Dabei wird auch geprüft, ob harmonisierte Altersbeschränkungen für den Zugang zu sozialen Medien sinnvoll sein könnten.
„Ich freue mich sehr, dass ich, zusammen mit meiner Kollegin Maria Melchior vom INSERM in Frankreich, dieses Beratungsgremium für die EU-Kommissionspräsidentin Dr. von der Leyen leiten darf“, betont Prof. Fegert nach seiner Berufung. „Wir werden zu verschiedenen Fragestellungen Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Feldern im Gesundheitsbereich, insbesondere der Neurowissenschaften, der Psychologie, Psychopathologie, aber auch der Computerwissenschaften und natürlich Juristen und Personen mit Blick auf Kinderrechteperspektive, Medienpädagogik etc. zusammenbringen.“
Neben den wissenschaftlichen Expertinnen und Experten werden auch Jugendvertreterinnen und -vertreter in die Beratungen einbezogen, um die Perspektiven junger Menschen direkt einfließen zu lassen und daraus gemeinsame Empfehlungen zu erarbeiten.
Erste Sitzung beschäftigt sich mit Chancen und Risiken der Internetnutzung
In der ersten Gremiumssitzung Anfang März wurden aktuelle Erkenntnisse über Chancen und Risiken der Internetnutzung durch Kinder und Jugendliche diskutiert. Dabei ging es unter anderem um soziale Medien, Online-Spiele, Messaging-Dienste und neue Technologien wie künstliche Intelligenz. Weitere Themenpunkte waren die Verantwortung von Plattformbetreibern, etwa im Hinblick auf Kinderschutzmechanismen, algorithmische Systeme oder potenziell suchtfördernde Designmerkmale, sowie Maßnahmen zur Förderung digitaler Kompetenzen bei Kindern, Eltern und Lehrkräften.
„Ganz wichtig ist uns dabei auch die Sichtweise junger Menschen, die durch den Youth Panel der Präsidentin und durch andere junge Menschen aus Organisationen repräsentiert wird. Wir sind gerade am Start eines offenen Prozesses und können als ‚Special Advisors to the President‘ unabhängig von der Kommission und unabhängig von irgendwelchen Anweisungen die Form unseres Beratungsergebnisses und auch weitere Recherchen bestimmen“, so Prof. Fegert. „Natürlich werden wir dabei das gesamte Regelwerk auf EU-Ebene, aber auch die nationalen Unterschiede berücksichtigen, um mit unseren Empfehlungen, auch wenn möglich, zu einer Harmonisierung in einer derzeit hoch akuten und aufgeregten Debatte in sehr vielen Mitgliedsstaaten beizutragen.“
Internationale Sichtbarkeit des UKU
Die Co-Leitung des Sondergremiums unterstreicht die internationale Sichtbarkeit des Universitätsklinikums Ulm. Prof. Dr. Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender am UKU, betont: „Die Berufung von Professor Fegert zeigt, dass die Expertise unseres Hauses in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und im Bereich ‚Public child mental health‘ auch auf europäischer Ebene gefragt ist. Das neu mit Unterstützung des MWK gegründete Kompetenzzentrum zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen entfaltet so die gewünschte Wirkung in der wissenschaftlichen Politikberatung. Fundiertes Fachwissen des UKU fließt so direkt in die europäische Diskussion ein und trägt aktiv dazu bei, dass wissenschaftliche Erkenntnisse bei politischen Entscheidungsprozessen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum berücksichtigt werden.“
Die Expertenrunde wird in den kommenden Monaten mehrere Sitzungen in unterschiedlicher Zusammensetzung abhalten. Melchior und Fegert werden ihre Empfehlungen bis zum Sommer 2026 an die Präsidentin der Europäischen Kommission übermitteln. Durch diese Empfehlungen sollen Anregungen für einen europäischen Rahmen für Kindersicherheit im digitalen Raum gegeben werden.
Zusammenarbeit auf europäischer Ebene
Prof. Fegert blickt auf die kommenden Monate der Zusammenarbeit auf europäischer Ebene: „Für die deutsche Situation freue ich mich durch die Mitgliedschaft in der Kommission ‚Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt‘ und durch den Vorsitz in dem Gremium in Brüssel, genau dieses Spannungsfeld zwischen nationalstaatlichen und europäischen Ansätzen ausleuchten zu können“, so Prof. Fegert. „Ich bitte um Verständnis, dass ich in der Sache momentan, trotz zahlreicher Anfragen, keine Interviews geben werde, da wir unser Ergebnis in einem gemeinsamen, hier beschriebenen Prozess erarbeiten werden.“
