Mit der Einrichtung der Biobank an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin (KJBU) erweitert das Universitätsklinikum Ulm (UKU) seine Forschungsinfrastruktur im Bereich pädiatrische Medizin. Die dezentrale Teilbiobank wird zukünftig an die Zentrale Biobank der Universitätsmedizin Ulm angebunden und schafft optimale Voraussetzungen, um hochwertige Bioproben und Daten langfristig zu sichern und damit zukünftige diagnostische und therapeutische Fortschritte zu ermöglichen.
Mit der neuen Kinder- und Jugendbiobank entsteht eine moderne Plattform für die systematische Sammlung und Nutzung biologischer Proben pädiatrischer Patientinnen und Patienten. Perspektivisch wird die KJBU Teil der zentralen Biobank in Ulm sein und so zur standortweiten Bündelung biomedizinischer Ressourcen beitragen. Unter dem Leitgedanken „Forschen für die Kinder von morgen“ verfolgt die Biobank das Ziel, Proben und zugehörige Daten nach höchsten Qualitäts- und Datenschutzstandards aufzubereiten, zu charakterisieren, zu dokumentieren und zu archivieren. Auf diese Weise können die Proben wissenschaftlichen Projekten bereitgestellt werden und dazu beitragen die Therapie und Diagnostik bei pädiatrischen Krankheitsbildern weiter zu verbessern.
„Mit der Biobank schaffen wir eine wichtige Grundlage, um Krankheiten im Kindes- und Jugendalter künftig noch besser zu verstehen und gezielter behandeln zu können. Forschung und Versorgung greifen hier unmittelbar ineinander“, betont Prof. Dr. Miriam Erlacher, Ärztliche Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.
Vielfältige Proben – differenzierte Lagerung
In der neuen Einrichtung werden unterschiedlich Probentypen von pädiatrischen Patientinnen und Patienten gesammelt, darunter Blut- und Knochenmarksausstriche, Blutzellen, Knochenmarkszellen, humane Zelllinien, Tumorgewebe sowie DNA-Proben. Je nach Probentyp erfolgt die Lagerung bei Raumtemperatur, bei minus 80 Grad Celsius oder in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius. Diese Kryokonservierung gewährleistet den langfristigen Erhalt der biologischen Qualität und damit die wissenschaftliche Verwertbarkeit der Proben. In Ulm können damit künftig Proben von mehr als 2.000 Kindern und Jugendlichen pro Jahr eingelagert werden.
Innovative pädiatrische Forschung
Die gesammelten Proben dienen der Verbesserung diagnostischer Verfahren, der Gewinnung neuer Erkenntnisse zu grundlegenden zellulären und molekularen Krankheitsmechanismen sowie der Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze für Kinder und Jugendliche. „Biobanken sind ein unverzichtbares Instrument der translationalen Forschung. Durch standardisierte Prozesse, präzise Dokumentation und moderne Lagertechnologien stellen wir sicher, dass die Proben langfristig wissenschaftlich nutzbar bleiben und neue Erkenntnisse ermöglichen“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Pannicke, Leiter der neuen Biobank am UKU. Voraussetzung für die Einlagerung ist das jederzeit widerrufbare Einverständnis der Patientinnen und Patienten beziehungsweise ihrer gesetzlichen Vertreter, wodurch ein verantwortungsvoller Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten gewährleistet wird.
Die Einrichtung der neuen Biobank wurde durch die großzügige Unterstützung verschiedener Förderpartner verwirklicht. Maßgeblich beteiligt waren der Förderkreis für tumor- und leukämiekranke Kinder Ulm e.V., die Stiftung Valentina, die Familie Stöferle Stiftung, die SMHB-Kinderstiftung sowie die Stiftung pro bono BC (Kreissparkasse Biberach). „Dass wir diese Biobank realisieren konnten, verdanken wir in hohem Maße dem Engagement unserer Förderinnen und Förderer. Ihre Unterstützung ermöglicht Forschung, die direkt den Kindern zugutekommt“, unterstreicht Prof. Erlacher.
Hintergrundinformationen
Biobanken sind ein zentraler Baustein moderner biomedizinischer Forschung, da sie standardisiert erhobene Proben mit qualitätsgesicherten klinischen Daten verknüpfen. Dadurch lassen sich Krankheitsmechanismen besser verstehen und neue diagnostische sowie therapeutische Strategien entwickeln. Insbesondere in der Kinder- und Jugendmedizin trägt eine strukturierte Probensammlung entscheidend dazu bei, wissenschaftliche Erkenntnisse zu beschleunigen und Behandlungsoptionen zu verbessern. Die geplante Einbindung der KJBU in eine zentrale Biobankstruktur am Universitätsstandort Ulm soll künftig die interdisziplinäre Forschung erleichtern und Synergien zwischen verschiedenen Fachbereichen fördern.

