Psychische Belastung und Versorgung in der Jugendhilfe – CBITS-Studie am Universitätsklinikum Ulm

Fachtag diskutiert Erkenntnisse des Programms zur Unterstützung traumabelasteter Kinder und Jugendlicher in der Jugendhilfe vor

Wie können Kinder und Jugendliche in Jugendhilfeeinrichtungen, die belastende oder traumatische Erfahrungen gemacht haben, bestmöglich unterstützt werden? Dieser Frage widmete sich der Fachtag des CBITS-Projekts (Cognitive Behavioral Intervention for Trauma in Schools) unter der Leitung von Prof. Dr. Elisa Pfeiffer und Prof. Dr. Cedric Sachser an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm (UKU).

Rund 30 Teilnehmende, etwa zur Hälfte Fachkräfte aus der Jugendhilfe, kamen kürzlich in der Villa Eberhardt in Ulm zusammen, um Projektergebnisse zu diskutieren und Erfahrungen aus der Praxis auszutauschen.

Das CBITS-Projekt

Im Rahmen des CBITS-Projekts („CBITS – Evaluation der Kognitiven Behavioralen Intervention für Trauma in Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen in Deutschland“) wird ein evidenzbasiertes, traumafokussiertes Gruppenprogramm wissenschaftlich evaluiert.

Schätzungen zufolge berichten rund 75 % der Kinder und Jugendlichen in Einrichtungen der Jugendhilfe von mindestens einem traumatischen Erlebnis, gleichzeitig haben viele von ihnen nur begrenzten Zugang zu evidenzbasierter Traumatherapie. Die randomisierte kontrollierte Studie untersucht daher sowohl die Wirksamkeit als auch die Anwendbarkeit des Programms als aufsuchendes Angebot in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe.

Ziel der Studie ist es zu prüfen, ob die Teilnahme am CBITS-Gruppenprogramm zu einer signifikanten Reduktion von Trauma-, Angst- und depressiven Symptomen im Vergleich zur üblichen Versorgung führt und ob das Programm dazu beitragen kann, bestehende Versorgungslücken zu schließen sowie die Versorgungssituation traumabelasteter Kinder und Jugendlicher in der Jugendhilfe zu verbessern.

Einblick in Projektergebnisse und wissenschaftliche Erkenntnisse

Nach der offiziellen Begrüßung durch die Projektleitung Prof. Dr. Elisa Pfeiffer standen die zentralen Ergebnisse des Projekts im Fokus. Prof. Dr. Cedric Sachser präsentierte die wissenschaftlichen Erkenntnisse und verdeutlichte, wie evidenzbasierte, aufsuchende Interventionen wie CBITS zur frühzeitigen Unterstützung beitragen können – insbesondere in enger Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und psychotherapeutischer Versorgung.

Das Programm zeichnet sich durch eine gute Machbarkeit im Setting der Jugendhilfe aus und lässt sich erfolgreich in bestehende Strukturen integrieren. Besonders das aufsuchende Angebot wurde von Therapeutinnen und Therapeuten sowie Fachkräften der Jugendhilfe übereinstimmend als erfolgreich bewertet. Die Zusammenarbeit zwischen therapeutischen Fachkräften und Mitarbeitenden der Jugendhilfe erweist sich dabei als zentraler Erfolgsfaktor. Vor diesem Hintergrund wird eine langfristige Implementierung des Ansatzes in bestehende Versorgungsstrukturen als sinnvoll und notwendig erachtet.

Das CBITS-Programm umfasst in der Regel zehn wöchentliche Gruppensitzungen, die durch individuelle Termine ergänzt werden. In den Sitzungen erlernen die Teilnehmenden unter anderem Strategien zum Umgang mit belastenden Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen auf Basis kognitiv-verhaltenstherapeutischer Methoden.

Erfahrungen aus der Praxis und interdisziplinärer Dialog

Ein zentraler Bestandteil des Fachtags war zudem der Austausch mit Fachkräften, die bereits praktische Erfahrungen mit dem CBITS-Gruppenprogramm gesammelt haben. In Erfahrungsberichten sowie einer anschließenden Podiumsdiskussion wurden Perspektiven von Projektbeteiligten aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern eingebracht und diskutiert.

Ein externer Fachvortrag von Dr. David Bürgin von der Universität Basel setzte zusätzliche Impulse. Unter dem Titel „Traumasensible und resilienzfördernde Jugendhilfe zwischen traumapädagogischer Alltagspraxis und Therapie“ wurden aktuelle Erkenntnisse aus der JAEL-Studie vorgestellt und in den Kontext der Weiterentwicklung der Jugendhilfe eingeordnet.

Der Vortrag unterstrich die Bedeutung, traumasensible Ansätze im Alltag pädagogischer Einrichtungen zu verankern und Schnittstellen zur therapeutischen Versorgung weiterzuentwickeln.

Ausblick und Vernetzung

Zudem wurden Möglichkeiten der weiteren Dissemination sowie mögliche Lösungsansätze diskutiert.
Der Fachtag unterstreicht die Relevanz evidenzbasierter Programme für die Unterstützung traumabelasteter Kinder und Jugendlicher in der Jugendhilfe sowie die Bedeutung des kontinuierlichen Austauschs zwischen Forschung und Praxis.

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte klinische Studie läuft bis August 2026.

(Foto: Universitätsklinikum Ulm)

Prof. Dr. Elisa Pfeiffer und Prof. Dr. Cedric Sachser stellten beim Fachtag des CBITS-Projekts am Universitätsklinikum Ulm aktuelle Ergebnisse vor. (Foto: Universitätsklinikum Ulm)