Forschung

Angesichts der Tatsache, dass die medizinische Versorgung in über 90% der Behandlungsfälle ambulant erbracht wird, gehört die Forschung im ambulanten Setting zu den Kernaufgaben universitärer Allgemeinmedizin. Dazu braucht es eine solide Infrastruktur und vor allem Hausarztpraxen und Patient*innen, die sich an Forschungsprojekten beteiligen, denn "unser Labor ist die Praxis". 

Am Institut für Allgemeinmedizin Ulm haben wir damit begonnen, diese Strukturen aufzubauen. Wir freuen uns über Ihre Anregungen, Beteiligung und Unterstützung. Es gibt viel zu tun!

Themen, an denen wir aktuell arbeiten

Um eine Überlastung der notfall- und intensivmedizinischen Versorgung während einer Pandemiesituation zu vermeiden, ist die Sicherstellung der ambulanten Versorgung essenziell. In Baden-Württemberg entstanden in kürzester Zeit 51 Corona-Ambulanzen (CA), 206 Coronaschwerpunktpraxen (CSP) und 16 Abstrichstellen (AS). In diesen Behelfseinrichtungen und den bestehenden hausärztlichen Praxen konnten ca. 85% der Covid-19 Patienten rein ambulant versorgt werden. Ziel dieses Verbundprojektes ist es, die in diesen Strukturen gesammelten Erfahrungen und Daten zusammenzutragen und zu analysieren, um Empfehlungen für zukünftige Pandemie-/Krisensituationen abzuleiten.

Kooperationspartner: 

  • Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Universitätsklinikum Tübingen

  • Lehrbereich Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Freiburg

  • Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung,Universitätsklinikum Heidelberg

  • Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg

-eine mixed-methods Studie der Institute für Allgemeinmedizin Würzburg, München, Erlangen, Freiburg, Ulm, Tübingen, Kiel und Greifswald.

Qualifizierungskonzept für hausärztliche Forschungspraxen
Themen, die als Seminare und E-Learning Lektionen angeboten werden:

  1. Wissenszuwachs Medizin, EbM und wissenschaftliche Evidenz, Choosing Wisely

  2. Anforderungen und Aufbau wissenschaftlicher Arbeiten, wissenschaftliches Schreiben, Guidelines (z.B. CONSORT, STROBE), Literaturrecherche und elektronische Literaturverwaltung

  3. Studienformen, Aufbau und Planung wissenschaftlicher Studien, Ethikantrag, Studienregister

  4. Datenmanagement und Datenanalyse

  5. Statistische Grundlagen, Hypothesen

  6. Studien in der Hausarztpraxis - best practice Beispiele

  7. Kritische Betrachtung wissenschaftlicher Literatur: Qualitätsmerkmale, Interessenskonflikte, Open Access, Predatory Publisher and Journals

Selbstmanagement-Programme können nach einem Schlaganfall zur Verbesserung der Lebensqualität und Selbstwirksamkeit führen. Die Patientenorganisation Schlaganfall-Ring Schleswig-Holstein e.V. verteilt seit 2016 in ihrer Beratung die sog. Schlaganfall-Ring-Box, die auf 84 Karteikarten mögliche Probleme nach einem Schlaganfall mit Beispielen erläutert. Patient*innen sollen diese Karten nutzen, um ihre persönlichen Probleme und Bedarfe zu identifizieren und gegenüber ihren Behandler*innen besser benennen zu können. Damit sollen sie in ihren Selbstmanagementfähigkeiten bestärkt werden und mehr Selbstwirksamkeit erfahren. Ziel des beantragten Vorhabens ist es, über einen Zeitraum von 12 Monaten zu untersuchen, inwieweit die Schlaganfall-Ring-Box dabei unterstützt, in die Bearbeitung individueller Probleme zu kommen und welche Faktoren die Umsetzung hemmen oder begünstigen. 

Systematische Literaturrecherche zur Prävalenz abdominaler Adipositas im europäischen Raum.

Zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme (Time-restricted Eating, TRE), eine Form des Intervallfastens, gilt als Maßnahme zur Prävention und Therapie lebensstilabhängiger Erkrankungen. TRE zielt auf eine Verkürzung des Zeitraums der täglichen Nahrungsaufnahme und eine Verlängerung der nächtlichen Fastenphase. 
In einer Pilotstudie mit 40 erwachsenen, abdominal adipösen Teilnehmer*innen in einer Hausarztpraxis im Raum Ulm konnten wir eine gute Durchführbarkeit und Akzeptanz bei den Teilnehmer*innen zeigen.
Derzeit in Vorbereitung ist eine randomisierte kontrollierte Studie, in der untersucht werden soll, wie sich hausärztliche betreutes TRE bei Patienten mit Merkmalen des metabolischen Syndroms auf die metabolische Gesundheit und die Lebensqualität auswirken. Beabsichtigt ist die Teilnahme von 150 Patient*innen in 10 Hausarztpraxen für eine vier-monatige Interventionsphase und eine Nachbeobachtungsphase von einem Jahr.

Systematischer Review zum Konsum von gesüßter, aromatisierter Milch und Kakao bei Kindern und Jugendlichen: Zusammenhänge mit Gesundheit und Anthropometrie.

Diese Studie untersucht den Einfluss partizipativer Entscheidungsfindung auf Behandlungszufriedenheit und Lebensqualität bei Patientinnen nach einem operativem Eingriff wegen eines gynäkologischen Malignoms.

Kooperationspartner sind:

Dr. Norbert Marschner, Praxis für interdisziplinäre Onkologie und Hämatologie, Freiburg

Prof. Dr. Dirk Watermann, Diakonie Krankenhaus Freiburg - Frauenklinik 

Dr. Roland Rein, Kreiskrankenhaus Emmendingen - Gynäkologie

Prof. Dr. Tibor Kesztyüs, Institut für Medizinische Informatik, Georg August Universität Göttingen

 

Wir betreuen Qualifikationsarbeiten von Studierenden der Medizin (Dr. med./Dr. dent.), der Gesundheits-und Sozialwissenschaften (Dr. biol. hum.) sowie der Studiengänge in den Gesundheitsberufen (Bachelor/Master). 

Interessierte bitten wir vor einer Bewerbung die Informationen zu den Anforderungen zu lesen. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir vor Abschluss der derzeit laufenden Doktorarbeiten nur in Ausnahmefällen neue Arbeiten zur Betreuung annehmen können.

Ansprechpartnerin:
PD Dr. Dorothea Kesztyues MPH
Dipl.-Dok. (FH)
dorothea.kesztyues@uni-ulm.de