Forschungsschwerpunkte / laufende bzw. geplante Projekte der Sektion Phoniatrie und Pädaudiologie

 

1. Stimmstörungen

Evaluation von Prognosefaktoren zur Erholung einer Stimmlippenlähmung

Projektleitung: Prof. Dr. R. Reiter
Kooperationspartner: Prof. Dr. T. Weber (Katholisches Klinikum Mainz)

Einseitige Stimmlippenparesen mit inkomplettem Glottisschluss sind eine häufige Ursache für Heiserkeit, die den Patienten massiv einschränken. Prognosefaktoren für die Erholung einer Stimmlippenlähmung sind für betroffene Patienten und Therapeuten sehr entscheidend, jedoch kaum erforscht.

Literatur: Reiter R, Heyduck A, Hoffmann TK, Brosch S, Buchberger MA, Schorer K, Weber T, Pickhard A. Quality of Voice and Prognostic Markers for the Recovery of Vocal Fold Paralysis After Thyroid Surgery. Ann Otol Rhinol Laryngol. 2019 
 

Evaluation phonochirurgischer Therapieverfahren: Langzeitwirkung von Stimmlippenaugmentationen bei Patienten mit einseitiger Stimmlippenlähmung

Projektleitung: Prof. Dr. R. Reiter

Therapeutisch stößt bei Vorliegen einer Glottisschlussinsuffizienz in Folge einer Stimmlippenlähmung eine konservative Stimmtherapie oft an ihre Grenzen, so dass ein phonochirurgischer (d.h. stimmverbessernder) Eingriff zur Ermöglichung eines kompletten Glottisschlusses als Voraussetzung für eine physiologische Phonation indiziert sein kann. 

Mit diesem Projekt ist die Evaluation einer frühzeitigen stimmverbessernden Operation (phonochirurgisches Verfahren) in Form einer Stimmlippenaugmentation zur Überbrückung des Glottisspalts bei einseitigen Stimmlippenparesen mit z.B. körpereigenem Bauchfett, Hyaluronsäure (Restylane®) oder Ca-Hydroxylapatit (Radiesse®) geplant. Diese 3 Substanzen werden hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bzw. Langzeitwirkung in einer prospektiven Studie verglichen.

Literatur: Reiter R, Brosch S: Laryngoplasty with hyaluronic acid in patients with unilateral vocal fold paralysis. J Voice 2012

Profilbild von Prof. Dr. med. Rudolf Reiter

Prof. Dr. med. Rudolf Reiter

Oberarzt der Sektion für Phoniatrie und Pädaudiologie

Profilbild von Dr. med. Imke Mack

Dr. med. Imke Mack

HNO-Fachärztin

 

 

Leitung der AG Phoniatrie

Profilbild von Univ. Prof. Dr. med. Sibylle Brosch

Univ. Prof. Dr. med. Sibylle Brosch

Leitung der Sektion Phoniatrie und Pädaudiologie

Weitere Mitarbeiter:

  • Dipl.-Psych. A. Häge
  • C. Maier (Logopädin)


Bizentrische Studie zur Erfassung der Effektivität adjuvanter Therapien (Immunisierung mit Gardasil® bzw. Applikation der antiviralen Substanz Cidofovir®) bei Patienten mit einer rezidivierenden Papillomatose des Larynx

Projektleitung: Prof. Dr. R. Reiter / Prof. Dr. A. Olthoff (Uniklinik Göttingen)

Papillome sind gutartige Tumore der Stimmlippen, die durch humane Papillomaviren ausgelöst werden und zu häufigen Rezidiven neigen. Sowohl für die Immunisierung mit Gardasil® als auch für die lokale Injektion des Virostatikums Cidofovir® sind positive Effekte auf den Krankheitsverlauf der Larynxpapillomatose beschrieben. Im Rahmen einer Kooperation mit der Universitätsmedizin Göttingen (Prof. A. Dr. Olthoff, Dr. A. Heyduck) soll in einer Studie die Häufigkeit von Rezidiven bzw. lasermikrochirurgischen Interventionen unter Berücksichtigung dieser adjuvanten Therapien untersucht werden.

Literatur: Mauz PS, Schäfer FA, Iftner T, Gonser P. HPV vaccination as preventive approach for recurrent respiratory papillomatosis- a 22-year retrosprective clinical analysis. BMC Infect Dis. 2018. 
 

Medikamentöse Therapie von Kontaktgranulomen

Projektleitung: Prof. Dr. R. Reiter
Kooperationspartnerin: Dr. A. Heyduck (Universitätsklinik Göttingen)

Kontaktgranulome sind gutartige Tumore am Proc. vocalis der Stimmlippe. Sie führen v.a. zu Missempfindungen am Hals, Räusperneigung und Heiserkeit.
Gemäß der aktuellen S2k-Leitlinie „Gastroösophageale Refluxkrankheit“ wird bei der extraösophagealen Reflux-Manifestation (z.B. mit Ausbildung von einem Kontaktgranulom) eine empirische Protonenpumpeninhibitor (PPI)-Therapie in doppelter Standarddosis über 8 Wochen angeraten. Da hierzu noch keine validen Studiendaten existieren, wird derzeit eine aktuelle prospektive Studie zur Effektivität dieses Medikaments durchgeführt.

Literatur: Leitlinie gastroösophagealen Refluxkrankheit Herbert Koop und Joachim, Labenz und Bittinger M, et al. S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit. Bayerisches Ärzteblatt 10/2015.
 

Stroboskopische Diagnostik des einseitigen Stimmlippenkarzinoms sowie seiner Vorstufen

Projektleitung: Prof. Dr. R. Reiter
Kooperationspartnerin: Dr. A. Heyduck (Universitätsklinik Göttingen
)

Leukoplakien, d.h. Verhornungsstörungen des Stimmlippenepithels, können Dysplasien (Vorstufen) oder bereits invasive Tumore enthalten. Mit Hilfe der Stroboskopie, d.h. der dynamischen Kehlkopfuntersuchung am wachen Patienten, können Aussagen zu den Feinschwingungen der Stimmlippen gemacht werden. Diese Untersuchung soll helfen stroboskopische Kriterien zu erfassen, die ein mögliches Stimmlippenkarzinom oder den Übergang von Vorstufen (einfache Stimmlippenleukoplakie, SIN I, II; III = CIS) in ein invasives Karzinom frühzeitig erkennen lassen. 

Literatur: Vukasinović M, Djukić VStanković P, Krejović-Trivić S, Milovanović J, Mikić A, Ugrinović A, Dragisić M. Nonvibrating segment predicting glottis carcinoma. ActaChirIugosl. 2009

 

Evaluation der phonochirurgischen Therapie von Reinkeödemen

Projektleitung: Prof. Dr. R. Reiter, Doktorandin (cand. med. dent.) L. Reinholz 

Reinkeödeme sind eine Sonderform einer chronischen Laryngitis (Kehlkopfentzündung), die als Folge von Nikotinabusus (z.B. Zigaretterauchen) üblicherweise bei Frauen auftritt. Die betroffenen Patientinnen leiden unter Heiserkeit, Sprechanstrengung und einer unnatürlich tiefen Sprechstimmlage, weshalb sie oft am Telefon nicht mehr als Frau erkannt werden. Therapeutisch kann ein stimmverbessernder Eingriff (d.h. ein sog. phonochirurgischer Eingriff) angeboten werden. Ziel dieser Untersuchung ist es, den Erfolg dieser operativen Intervention durch eine standardisierte Stimmanalyse vor und nach dem Eingriff zu erfassen. 

2.    Schluckstörungen

Oropharyngeale Dysphagie: Häufigkeit, Ausprägung, Therapiemodalitäten. Eine versorgungsmedizinische Analyse zur therapeutischen Bedarfsplanung (laufende Dissertation)

Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. S. Brosch


Schluckstörungen haben eine Lifetimeprävalenz von 38% (Rodrigues  et al., Neurologie 2011). In der Allgemeinbevölkerung geht man von einer Auftretenshäufigkeit von etwa 20% bei den über 50jährigen aus. In Pflegeheimen sind bis zu 40% betroffen (Poorjavad et al., Mult Scler 2010: 16: 363-65). Eine randomisiert kontrollierte Studie 2008 zeigte an 711 flüssigkeitsaspirierenden Patienten mit idiopathischem Parkinson SDR und/oder Demenz mittels endoskopischer Schluckuntersuchung, dass die meisten Betroffenen vor allem von honigartiger Konsistenz profitierten, die Kopfanteflexion (die immer noch gängige Praxis „mit dem Strohhalm trinken“) schnitt am schlechtesten ab (Neurogene Dysphagien, S1 Leitlinie 2015 DGN). Verlässliche versorgungsmedizinische Daten zu diesem Thema fehlen bisher praktisch ganz.

Es sollen alle Daten der im Rahmen der allg. Routinediagnostik untersuchten Schluckpatienten analysiert werden, welche sich zwischen 1. Januar 2016 und 30. April 2019 in der Sektion Phoniatrie und Pädaudiologie der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Ulm vorstellten. Erfasst werden dabei neben dem Eingangsbefund auch der Verlauf der Störung unter Therapie. 
 

3.    Auditive Verarbeitung

Welche Hör- und Sprachbefunde verbergen sich hinter der Verdachtsdiagnose „auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung“ (AVWS)? (laufende Dissertation)

Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. S. Brosch / Dipl.-Psych. A. Häge

Die Häufigkeit und Symptomzusammensetzung von Kindern mit dem Verdacht auf eine auditive Verarbeitungsstörung sind nachwievor unklar. Es gibt auch noch keine ausreichenden Daten darüber, welchen Einflussfaktor letztendlich das „Gedächtnis“ auf zentralauditive Verarbeitungsleistungen hat. Die alleinige Beeinträchtigung von sprachlich-auditiven Kurzzeitgedächtnisfunktionen ist laut der aktuellen Leitlinie nicht hinreichend für die Diagnose einer AVWS. Zudem ist zu beachten, dass Beeinträchtigungen des sprachlich-auditiven Kurzzeitgedächtnisses bei dem gegenüber unauffälliger visueller Merkfähigkeit zwar gehäuft bei AVWS anzutreffen sind, jedoch andererseits ein charakteristisches Symptom für Umschriebene Sprachentwicklungsstörungen darstellen. Häufig werden aber auch Kinder mit einer Lese-/Rechtschreibstörung zur erweiterten Abklärung der Hörverarbeitung vorgestellt. Eine Übereinkunft darüber fehlt bisher, welche auditiven und sprachgebundenen Tests eine Ursachenzuordnung für die einzelnen Störungsbilder erlauben. All diese Faktoren sollen anhand dieser Studie beleuchtet werden. Dazu werden > 100 Kinder (5-14 Jahre) mit der Überweisungsdiagnose "auditive Verarbeitungsstörung" (AVS) nach den Vorgaben der aktuellen S1-Leitlinie (Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS),Stand: 30.09.2019) untersucht.
 

Geplante Projekte/Promotionen


Untersuchung zum Trageverhalten einer FM-Anlage zur Rehabilitation peripherer Hörstörungen oder einer auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)

Projektleitung: Prof. Dr. R. Reiter

Für Patienten mit einer peripheren Hörstörung steht als Hilfsmittel neben dem Hörgerät eine drahtlose Übertragungsanlage, d.h. eine sog. FM-Anlage (Frequenzmodulationsanlage) zur Störschallunterdrückung zur Verfügung.
Bei Patienten mit einer Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) mit einer auditiven Filterschwäche im Störlärm ist eine FM-Anlage ebenfalls verordnungsfähig.  Die klinische Erfahrung zeigt jedoch, dass eine bereits verordnete FM-Anlage häufig leider keine Verwendung findet. Um Aussagen zur Tragewahrscheinlichkeit einer FM-Anlage treffen zu können, ist geplant anhand eines Fragebogens den Einfluss verschiedener Parameter (z.B. Audiologische Daten, Hörpädagogische Frühförderung usw.) auf das Trageverhalten einer FM-Anlage zu untersuchen. Zudem soll eine mögliche Verbesserung des Hörvermögens mit der FM-Anlage situationsabhängig erfragt werden.

Literatur: S1-Leitlinie (Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS), Stand: 30.09.2019)