Femoroazetabuläres Impingement
Ein „zu viel“ der knöchernen Hüftgelenkspfanne oder des Oberschenkelknochenanteils, der mit der Hüftgelenkspfanne in Verbindung steht, beeinträchtigt das normale Bewegungsspiel des Hüftgelenks und führt zu Kollisionen zwischen Oberschenkelknochen und Hüftgelenkspfanne (dem sog. femoroazetabulären Impingement). Neben der bemerkten Bewegungseinschränkung treten in Abhängigkeit von der Häufigkeit solcher Kollisionen und der dabei auftretenden Krafteinwirkung Hüftgelenksschmerzen auf, die mit einem raschen Verschleiß des Hüftgelenkknorpels vergesellschaftet sein können. Der Zusammenhang zwischen femoroazetabulärem Impingement und Hüftgelenkarthrose-Entwicklung ist erst seit 10 bis 15 Jahren genauer bekannt und hat die Entwicklung darauf abgestimmter Behandlungsmethoden möglich gemacht.
Die operative Therapie des femoroazetabulären Impingements zielt auf eine Reduktion der Plusvariante eines knöchernen Formfehlers des Hüftgelenks. Er kann auf der Seite der Hüftgelenkspfanne, des Oberschenkelknochens oder beiden Seiten zu finden sein. Bei einfacher gelagerten Fällen kann er über eine Hüftgelenksspiegelung (Hüftarthroskopie) korrigiert werden, bei komplizierten Fällen ist ein Ausrenken des Hüftgelenks (sog. chirurgische Hüftluxation) nötig, um alle Aspekte des Formfehlers adäquat behandeln zu können. In besonders gelagerten Fällen kann auch eine Korrektur der Hüftpfannenposition über eine Triple-Osteotomie, wie sie oben für die Hüftdysplasie beschrieben ist, nötig sein.
Der „Goldstandard“ in der Behandlung des femoroazetabulären Impingements stellt die chirurgische Hüftluxation dar. Nach dem Ausrenken des Hüftkopfs aus der Hüftgelenkspfanne ist eine optimale Sicht auf beide Gelenkpartner möglich, die eine sorgfältige Behandlung aller Aspekte eines femoroazetabulären Impingements erlaubt. Um den Hüftkopf aus der Hüftgelenkspfanne ausrenken zu können, ist in einem ersten Operationsschritt die Ablösung des grossen Rollhügels (Trochanter major) vom Oberschenkelknochen nötig (Trochanter-Flip-Osteotomie). Der abgelöste Trochanter major wird am Ende der Operation mit zwei Schrauben refixiert, um das Wiederanheilen zu ermöglichen.

Bei der Hüftarthroskopie kann das Hüftgelenk mit speziellen Instrumenten über zwei bis vier Schnitte von etwa 1,5 bis 2 Zentimeter erreicht werden. Dies darf nicht darüber hinweg täuschen, dass im Gelenk grundsätzlich ähnliche Massnahmen durchzuführen sind wie bei der chirurgischen Hüftluxation. Bei muskelkräftigen Patienten oder dicken Gewebeschichten ist die Manövrierfähigkeit der eingeführten Instrumente eingeschränkt, weswegen in solchen Fällen ein offenes Vorgehen zielführender sein kann.
