Der Campus Nord des Universitätsklinikums Ulm (UKU) ist dem Ziel, das erste anerkannte Magnet®-Krankenhaus in Deutschland zu werden, einen weiteren großen Schritt nähergekommen. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Magnet®-Submission, der Einreichung der finalen Unterlagen beim American Nursing Credentialing Center (ANCC), wurde der nächste Meilenstein gemeistert. Für Patientinnen und Patienten bedeutet die Ausrichtung eine Versorgung, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert, kontinuierlich weiterentwickelt wird und nachweislich mit hoher Versorgungsqualität verbunden ist. Neben der Nursing Excellence, sind auch organisationale Transformation, Führung, Strukturen, interprofessionelle Zusammenarbeit und Ergebnisqualität Kern des Modells.
Für den finalen Schritt des internationalen Anerkennungsverfahrens zum Magnet®-Krankenhaus, dem Goldstandard für Pflegeexzellenz weltweit, hat der Campus Nord mehr als 100 sogenannte Sources of Evidence (SOEs) beim ANCC eingereicht. Diese belegen anhand definierter Qualitätsindikatoren und umfassender Dokumentation die kontinuierliche Weiterentwicklung der professionellen Pflegepraxis sowie die hohe Qualität der Patientenversorgung am Campus Nord. Die eingereichten Nachweise umfassen unter anderem Qualitätskennzahlen, strukturierte Verbesserungs- und Innovationsprojekte aus der direkten Versorgung, Ergebnisse aus Mitarbeiter- und Patientenbefragungen, Strukturdaten sowie weitere qualitative und quantitative Belege. Sie dokumentieren die nachhaltige Entwicklung einer evidenzbasierten Pflegepraxis und einer Organisationskultur, die auf kontinuierlicher Verbesserung, Mitarbeiterentwicklung und exzellenter Patientenversorgung basiert.
„Ich bin überaus stolz, dass wir als erstes Krankenhaus in ganz Deutschland diesen bedeutenden Schritt Richtung Magnet®-Anerkennung gemacht haben. Dieser Meilenstein ist das Ergebnis des außerordentlichen Engagements zahlreicher Mitarbeitender und Führungskräfte, die den Magnet®-Gedanken in den vergangenen Jahren mit großem Einsatz umgesetzt und weiterentwickelt haben. Für uns galt dabei stets ‚Der Weg ist das Ziel‘“, erläutert Dr. Helene Maucher, Magnet Chief Nursing Officer des UKU, Campus Nord.
Der Prozess wurde bereits 2015 angestoßen, als der Campus Nord noch eigenständig als Rehabilitations- und Universitätskliniken Ulm (RKU) agierte. Die im Rahmen des Magnet®-Konzepts etablierten Strukturen und Prozesse in der Pflege leisten einen wichtigen Beitrag zur kontinuierlichen Qualitätsentwicklung in der Patientenversorgung. Viele der für die Anerkennung relevanten Fokusthemen sind zugleich zentrale Bestandteile der internen und externen Qualitätssicherung am UKU. Ziel des pflegerischen Vorstands ist es daher auch, die Erkenntnisse und Ansätze des Programms in Zukunft auf weitere Bereiche zu übertragen.
Austausch als Erfolgsfaktor
Eine bedeutende Schlüsselrolle im Prozess zum Magnet®-Krankenhaus nimmt die nationale und internationale Vernetzung ein. Besonders die seit 2020 bestehende enge Partnerschaft mit der Billings Clinic in Montana (USA) ist ein zentraler Baustein des aktuellen Erfolgs. Durch den kontinuierlichen Wissenstransfer mit der bereits fünffach Magnet®-zertifizierten US-Klinik konnten wichtige Erkenntnisse gewonnen und am Campus Nord verankert werden. Des Weiteren steht der Campus Nord in engem Austausch mit dem deutschen Magnet®-Netzwerk und der europäischen Allianz „Magnet4Europe“.
Die nächsten Schritte
Mit der Einreichung aller Dokumente beginnt die nächste Phase: US-amerikanische Gutachter, sogenannte Appraiser, prüfen nun alle Dokumente. Mit einer Rückmeldung ist voraussichtlich bis Ende 2026 zu rechnen. Bei einem positiven Ergebnis wird der letzte Schritt eingeläutet: eine mehrtägige Vor-Ort-Begehung, bei der sich Gutachter selbst in persönlichen Gesprächen mit Pflegekräften und Teams von der gelebten Qualität überzeugen können. Im Anschluss an die Prüfung der Dokumente und der Begehung wird das Ergebnis der Commision on Magnet vorgelegt. Diese trifft unabhängig die abschließende Entscheidung über die Designation. „Ich freue mich sehr darauf, nächstes Jahr hoffentlich den nächsten Schritt gehen zu können. Bis dahin werden wir weiterhin an unserer Qualitätsarbeit festhalten und arbeiten gemeinsam daran, die Patientenversorgung nachhaltig weiterzuentwickeln.“, ergänzt Dr. Maucher.
Über das Magnet®-Konzept
Magnet® gilt weltweit als Goldstandard für Pflegeexzellenz. Die Magnet Recognition® ist ein internationales Anerkennungsprogramm für Krankenhäuser, das von der ANCC (American Nurses Credentialing Center) vergeben wird. Es wurde in den 1980er Jahren in den USA entwickelt. Das Programm basiert auf fünf zentralen Säulen: transformationale Führung, strukturelles Empowerment der Pflege, exzellente professionelle Praxis, Innovation und kontinuierliche Verbesserung sowie messbare Ergebnisse in Pflege und Patientenversorgung. Außerdem steht die interdisziplinäre Zusammenarbeit für eine exzellente Patientenversorgung im Fokus des Konzepts. Forschungsergebnisse aus vier Jahrzehnten zeigen positive Effekte des Magnet®-Konzepts auf die Arbeitsbedingungen, die Zufriedenheit des Personals und die Versorgungsergebnisse in Krankenhäusern. Dadurch haben Magnet®-Krankenhäuser eine „magnetische“ Anziehungskraft für Patient*innen und Personal – daher auch der Name. Die ANA (American Nurses Association) entwickelte daraus ein Akkreditierungsverfahrens, das durch die von ihr gegründete ANCC umgesetzt wird. Inzwischen gibt es weltweit mehr als 680 Magnet®-zertifizierte Krankenhäuser – der Campus Nord könnte das erste in Deutschland werden.
