Wie können Institutionen Menschen wirksam vor (sexualisierter) Gewalt schützen? Welche Erkenntnisse liefert die Forschung – und wie lassen sich diese in der Praxis umsetzen? Mit der neuen Buchreihe „Forschung und Debatten zu Safeguarding“ bei Springer Nature entsteht ein Forum, das aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erfahrungen und Herausforderungen aus der Praxis zusammenführt.
Die Idee der Reihe entstand aus der Notwendigkeit heraus wissenschaftliche Erkenntnisse zu Safeguarding breiter in die Praxis der Institutionen zu tragen und die Wirkung von Schutzmaßnahmen stärker zu beforschen. Für die Buchreihe arbeitet die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm (UKU) mit dem Institute of Anthropology. Interdisciplinary Studies on Human Dignity and Care (IADC) an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom zusammen.
„Mit dieser Reihe möchten wir keine vermeintlich einfachen Lösungen präsentieren. Safeguarding findet immer in konkreten institutionellen und gesellschaftlichen Kontexten statt. Gerade deshalb brauchen wir einen intensiveren Austausch darüber, was wir aus Forschung und Praxis wissen, wo Unsicherheiten bestehen und welche Fragen wir künftig stärker untersuchen müssen“, so Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.
Die zentrale inhaltliche Grundlage der Reihe bildet die jährlich in Rom stattfindende „International Safeguarding Conference“. Sie bringt Fachleute aus Wissenschaft und Praxis, Verantwortliche aus unterschiedlichen Institutionen sowie Betroffene sexualisierter Gewalt zusammen, um aktuelle Herausforderungen von Safeguarding aus unterschiedlichen fachlichen, kulturellen und institutionellen Perspektiven zu diskutieren. Die neue Buchreihe führt diesen Austausch weiter: Erkenntnisse und Debatten der Konferenzen sollen wissenschaftlich aufbereitet, vertieft und einem größeren Fachpublikum zugänglich gemacht werden. Hierfür wird es jährlich einen thematischen Band geben, der zentrale Fragestellungen der Konferenz aufgreift und über die Konferenz hinaus weiterentwickelt. Um die Ergebnisse sowohl im deutschsprachigen Raum als auch international zugänglich zu machen, ist geplant, die Bände jeweils in deutscher und englischer Sprache zu veröffentlichen.
Prof. Dr. Peter Beer, Leiter des Bereiches “Forschung und Entwicklung“ am Institute of Anthropology. Interdisciplinary Studies on Human Dignity and Care (IADC) der Päpstlichen Universität Gregoriana weist darauf hin, dass „wir mit dieser Reihe Verantwortliche dabei unterstützen wollen, wissenschaftliche Erkenntnisse in wirksamen Schutz zu übersetzen und Safeguarding als verbindliche Leitungsaufgabe im Alltag ihrer Institutionen zu verankern.“
Erster Band legt die Grundlagen
Den Auftakt der Reihe bildet der Band „Safeguarding – Grundlagen in Forschung und Praxis“. Er legt den inhaltlichen Grundstein für die Gesamtreihe und beschäftigt sich mit unterschiedlichen Verständnissen und Modellen von Prävention sowie deren Zusammenspiel mit Intervention und Aufarbeitung.
„Safeguarding darf nicht als eine Sammlung einzelner Maßnahmen verstanden werden, die eine Institution einmal entwickelt und anschließend abhakt. Entscheidend ist vielmehr ein kontinuierlicher Prozess, der auch Machtverhältnisse, organisationale Strukturen und die Haltung der Verantwortlichen in den Blick nimmt“, betont PD Dr Ulrike Hoffmann, Leitung der Sektion “Schutzkonzepte/Schutzprozesse im Gesundheitswesen und E-Learning” am UKU.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verantwortung von Leitungskräften. Führung wird dabei als wesentlicher Bestandteil von Safeguarding verstanden: Leitungskräfte prägen organisationale Kulturen und Haltungen, gestalten Entscheidungsprozesse und tragen Verantwortung dafür, dass für Schutzmaßnahmen die notwendigen Strukturen und Ressourcen zur Verfügung stehen. Auch die Beteiligung von Betroffenen sexualisierter Gewalt nimmt eine zentrale Rolle ein. Ihre Erfahrungen und Perspektiven können wesentlich dazu beitragen, Schutzmaßnahmen zu entwickeln, kritisch zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Betroffenenbeteiligung wird deshalb nicht nur als fachlich sinnvoll, sondern auch als ethisch geboten verstanden.
Prof. Dr. Hans Zollner SJ, Direktor des Institute of Anthropology. Interdisciplinary Studies on Human Dignity and Care (IADC) der Päpstlichen Universität Gregoriana erläutert, dass „unser Anliegen eine Kultur des Schutzes ist, in der die Erfahrungen von Betroffenen Gehör finden und die Würde jedes Menschen über institutionelle und kulturelle Grenzen hinweg das Handeln bestimmt.“
Die englische Fassung des ersten Bandes wird voraussichtlich im ersten Quartal 2027 erscheinen. Band 2 zum Thema „(Sexualisierte) Gewalt gegen Menschen mit Behinderung“ ist bereits in Vorbereitung.
