Guillain-Barré-Syndrom (GBS)!
Dabei handelt es sich um eine sogenannte Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem „versehentlich“ Strukturen des eigenen Nervensystems angreift. Eine wichtige Rolle spielen dabei Antikörper; bei Antikörpern handelt es sich um Proteine, die von bestimmten Immunzellen gebildet werden. Beim GBS tragen diese Antikörper wesentlich dazu bei, den Krankheitsprozess zu unterhalten und die Symptome (Lähmungen und Gefühlsstörungen) auszulösen.
Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft existieren zwei Therapien, die als gleich wirksam angesehen werden: die Gabe von intravenösen Immunglobulinen (IVIg) und der Plasmaaustausch (plasma exchange PE), eine Form der Blutwäsche. Beide Therapien zielen hauptsächlich auf eine Eliminierung der schädlichen Auto-Antikörper ab und haben sich über viele Jahre in der Behandlung des GBS bewährt.
Bei den Immunglobulinen handelt es sich um eine Infusion, die über 5 Tage über einen peripheren Zugang (z.B. in eine Armvene) verabreicht wird. Der Wirkmechanismus der Immunglobuline ist nicht genau bekannt, aber es wird angenommen, dass auf diese Weise der schädliche Effekt der Antikörper im Blut abgemildert werden kann. Die Hauptrisiken dieses Verfahrens sind häufig allergische Reaktionen (in seltenen, schweren Fällen können diese lebensbedrohlich sein) und ein generell erhöhtes Thromboserisiko, was in seltenen Fällen zu einer lebensbedrohlichen Lungenembolie führen kann. In mehreren Studien wurde die gute Wirksamkeit der Immunglobuline belegt, so dass diese (zusammen mit dem Plasmaaustausch) als aussichtsreichste Therapieform in den Leitlinien der Deutschen Fachgesellschaft für Neurologie (DGN) genannt wird.
Beim Plasmaaustausch wird ein Teil Ihres flüssigen Blutes (das sogenannte Blutplasma) durch eine Eiweißlösung ersetzt. Hierdurch werden die im Blutplasma befindlichen Proteine (einschließlich der schädlichen Antikörper) aus dem Blut entfernt. Für das Verfahren ist ein venöser Zugang zu einer tiefen Halsvene (ein sogenannter Zentraler Venenkatheter oder Shaldon-Katheter) erforderlich, welcher in lokaler Betäubung angelegt wird. Die Behandlung wird anschließend täglich über 5 Tage durchgeführt, wobei das Blut über den venösen Zugang herausgeleitet wird. Auch für den Plasmaaustausch existieren mehrere Studien, die eine gute Wirksamkeit beim GBS belegen. Die Studiendaten legen nahe, dass die Wirksamkeit von Immunglobulinen und Plasmaaustausch etwa gleich ist, allerdings gibt es Patienten, die auf eines der beiden Verfahren besser ansprechen als auf das andere. Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft existiert aktuell allerdings noch kein diagnostisches Verfahren, mit dessen Hilfe ermittelt werden kann, auf welches Verfahren ein Patient am besten anspricht. Zusammen mit den Immunglobulinen wird der Plasmaaustausch als aussichtsreichste Therapieform in den Leitlinien der DGN genannt.
Neben diesen beiden Therapien hat sich in den letzten Jahren bei Neurologischen Autoimmunerkrankungen eine weitere Art der Blutwäsche bewährt, die sogenannte Immunadsorption. Die Immunadsorption ist in vielerlei Hinsicht dem Plasmaaustausch ähnlich. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass das Blutplasma nicht durch eine Eiweißlösung ersetzt wird, sondern durch ein spezielles Gerät hindurchgeleitet wird, welches die Antikörper aus Ihrem Blut herausfiltert, während andere Proteine weitgehend erhalten bleiben; nachdem das Blutplasma das Gerät durchlaufen hat, wird das Blutplasma mit allen verbliebenen Proteinen durch den selben venösen Zugang wieder in Ihren Körper zurückgeleitet. Hierdurch ergeben sich gegenüber dem Plasmaaustausch einige Vorteile: durch den weitgehenden Erhalt gerinnungsfördernder und -hemmender Proteine kommt es seltener zu Thrombosen und Blutungen, und insgesamt gilt die Immunadsorption (bedingt durch die Schonung der meisten Plasmaproteine) als nebenwirkungsärmer gegenüber dem Plasmaaustausch. Ein Nachteil hingegen ist, dass möglicherweise dadurch auch Proteine im Blut verbleiben, die neben den Antikörpern am Krankheitsprozess beteiligt sein können.
Wegen seiner Neuartigkeit ist das Verfahren weniger gut erprobt als der Plasmaaustausch, und es gibt weniger Studien, welche die Wirksamkeit belegen. Bisherige Veröffentlichungen, die sich meistens auf die Anwendung an wenigen Patienten beziehen, deuten bisher auf eine gute Wirksamkeit der Immunadsorption beim GBS hin. In unserer Klinik wurden bis 2020 über 30 GBS-Patienten mit Immunadsorption behandelt, mit überwiegend gutem bis sehr gutem Ergebnis, vergleichbar zu den anderen beiden Therapieoptionen. Allerdings existieren bisher keine Studien, welche die Wirksamkeit von Plasmaaustausch und Immunadsorption direkt miteinander vergleichen. Im Rahmen dieser Studie sollen deshalb beide Blutwäscheverfahren hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und ihrer Sicherheit miteinander verglichen werden. Zu diesem Zweck werden bei 20 Patienten, welche mit einem der beiden Verfahren behandelt werden (10 pro Gruppe) eine Reihe zusätzlicher Untersuchungen durchgeführt, um die Wirksamkeit beider Verfahren besser gegeneinander abschätzen zu können.