Neujahrsempfang der Universitätsmedizin Ulm 2026: Wissenschaft. Versorgung. Wandel. Vernetzung als gemeinsame Chance

Vertreter*innen aus Medizin, Pflege, Forschung und Lehre diskutierten am UKU über die Zukunft der Krankenhausversorgung

Zahlreiche Gäste aus Politik, Selbstverwaltung, Wissenschaft und Gesundheitsversorgung sind am Donnerstag, 5. Februar, zum Neujahrsempfang 2026 des Universitätsklinikums Ulm (UKU) zusammengekommen. Unter dem Motto „Wissenschaft. Versorgung. Wandel. Vernetzung als gemeinsame Chance“ stand die Veranstaltung, die auch in diesem Jahr im Zentrum für Chirurgie am UKU stattfand, im Zeichen der Frage, wie die Gesundheitsversorgung in Zeiten großer Reformen nachhaltig und zukunftsfähig weiterentwickelt werden kann.

Professor Dr. Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Ulm, wies in seiner Begrüßung auf die zunehmenden Herausforderungen hin, die sich aus wirtschaftlichen Entwicklungen, demografischen Veränderungen und globalen Rahmenbedingungen ergeben. „Es gilt umso mehr, über Organisationsgrenzen hinaus zu denken und die Aufgaben gemeinsam wahrzunehmen“, so Prof. Kaisers. „Das tun wir in Ulm und der Region schon seit Langem. Und diese Zusammenarbeit wollen wir auch künftig weiter stärken.“

Dies hob auch Ministerialdirigent und Aufsichtsratsvorsitzender des UKU, Clemens Benz (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg), in seinem Grußwort hervor. In Ulm seien im vergangenen Jahr zahlreiche wichtige Projekte angestoßen worden, mit denen das Universitätsklinikum die Zukunft der Gesundheitsversorgung in der Region aktiv und nachhaltig mitgestalten könne. Ein wichtiger Meilenstein sei die zum Jahreswechsel erfolgte Integration der RKU – Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm, für deren Gelingen Benz allen Beteiligten seinen Dank aussprach.

„Wir werden gemeinsam Wege finden“, betonte auch Christa Hohner, Kaufmännische Direktorin und Stellvertretende Vorstandsvorsitzende am UKU. Im Hinblick auf das Programm beim Neujahrsempfang machte sie deutlich, wie wichtig es sei, Reformen und Herausforderungen nicht abstrakt, sondern konkret und praxisnah zu diskutieren. Die später folgenden Podiumsdiskussionen sollten den Gästen diese konkreten Einblicke in die täglich gelebte Praxis am UKU, im Zusammenspiel der gesamten regionalen Gesundheitsversorgung, geben.

Landrat und UKU-Vorstand über Chancen und Herausforderungen der Krankenhausreform

Im ersten Podium sprach Landrat Heiner Scheffold (Alb-Donau-Kreis), der zugleich Vorstandsvorsitzender der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft ist, zunächst über die Rolle von Universitätsklinika in der regionalen Versorgung. Er betonte, dass die Reform Möglichkeiten biete, Spezialisierungen zu stärken und die Konzentration von Kliniken sinnvoll zu gestalten. Gleichzeitig sei es entscheidend, dass die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern intensiv gepflegt werde, um Doppelstrukturen zu vermeiden und die Versorgung in der Region nachhaltig sicherzustellen. Prof. Dr. Udo X. Kaisers erläuterte im Gespräch mit Moderator Stefan Ruhl, wie das UKU Netzwerke als integralen Bestandteil der Versorgung nutzt. Dabei gehe es vor allem darum, auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten, Leistungen zu bündeln und die Versorgung innerhalb der Region effizient zu gestalten.

Aus dem Vorstand des UKU erläuterte Prof. Dr. Florian Gebhard, Stellvertretender Leitender Ärztlicher Direktor, wie die Einrichtung von sogenannten Departments die Anforderungen der Krankenhausreform abbilden und gleichzeitig Spitzenmedizin ermöglichen kann. Prof. Dr. Thomas Wirth, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm, rückte zudem die Wichtigkeit des guten Zusammenspiels von Forschung und Lehre mit der Krankenversorgung in den Mittelpunkt und erklärte, dass die Behandlung von Patientinnen und Patienten, die für die medizinische Ausbildung benötigt werden, die Grundlage für translationale Forschung bilde. Gleichzeitig unterstrich er die Rolle der Universitätsmedizin als Innovationsmotor für bessere Versorgungsstrukturen in der Region. Pflegedirektor Robert Jeske gab daraufhin Praxiseinblicke aus pflegerischer Perspektive und hob hierbei die Bedeutung gut abgestimmter Prozesse innerhalb interprofessioneller Teams in der täglichen Arbeit hervor.

Im Gespräch mit Christa Hohner thematisierte Moderator Ruhl auch Personalfragen, Fachkräftemangel und Nachwuchsförderung. Sie wies hierbei auf Herausforderungen und Chancen hin. Die medizinische Versorgung steht und fällt mit den Menschen, die sie Tag für Tag gewissenhaft gestalten. Anforderungen entstehen durch immer anspruchsvollere Personalvorgaben und den demographischen Wandel. Attraktive Arbeitsplätze bieten die Möglichkeit, Mitarbeitende direkt aus dem großen Kreis der Studierenden an der Universität Ulm sowie aus der UKU-eigenen Akademie für Gesundheitsberufe in Wiblingen und am Standort Oberer Eselsberg zu gewinnen. Dies hat positive Auswirkungen für das Klinikum und die gesamte Region.

Einblicke in die gelebte Praxis am UKU

Nach der Vorstandsrunde richtete sich der Blick auf die praktische Umsetzung des Wandels im Klinikalltag. Aus ärztlicher Sicht berichtete Prof. Dr. Armin Wolf (Ärztlicher Direktor der Klinik für Augenheilkunde), wie Forschung direkt in die Patientenversorgung zurückfließt: Durch translationale Projekte, wie jüngst in einer im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie zum ersten funktionierenden Netzhautimplantat bei fortgeschrittener AMD, können neue Erkenntnisse rasch in die klinische Praxis übertragen werden. Prof. Dr. Patrick Téoule (Oberarzt, Bereichsleiter Adipositaschirurgie, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie) gab Einblicke in die Weiterentwicklung des Chirurgischen Zentrums, den Einsatz von Robotik und die Rolle von Forschung bei der Optimierung klinischer Strukturen. Dr. Nicolai Andrees (stellvertretender Leiter IOI, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin) zeigte auf, wie Versorgungsnetzwerke und Telemedizin die Leistungen im System effizient verknüpfen und dadurch Behandlungsabläufe standortübergreifend effizienter gestalten.

Zwei Kolleginnen berichteten zudem aus der Pflegepraxis. Kerstin Leib (Magnet Nursing Director am Campus Nord) sprach über die Integration des RKU und die Entstehung des Campus Nord sowie über die Neustrukturierung von Prozessen zur Stärkung der Versorgung. Sophia Figur (Pflegerische Bereichsleitung, Zentrum für Chirurgie und Dermatologie) berichtete, wie Veränderungen und Optimierungsprojekte praxisnah in die Teams getragen und die Mitarbeitenden frühzeitig informiert und einbezogen werden.

Der diesjährige Neujahrsempfang bot damit nicht nur Raum für fachlichen Austausch, sondern auch für persönliche Begegnungen. Beim anschließenden Get-together nutzten die zahlreichen Gäste die Gelegenheit, Gespräche zu vertiefen, Kontakte zu knüpfen und den Dialog über die Zukunft der Gesundheitsversorgung fortzusetzen.

"Wissenschaft. Versorgung. Wandel. Vernetzung als gemeinsame Chance" lautete das Leitmotiv des diesjährigen Neujahrsempfangs am Universitätsklinikum Ulm. (Foto: Universitätsklinikum Ulm)

Auf dem ersten Podium diskutierte Moderator Stefan Ruhl (Mitte) mit Landrat Heiner Scheffold (von links) und dem Vorstand des UKU, bestehend aus Prof. Dr. Udo X. Kaisers, Christa Hohner, Robert Jeske, Prof. Dr. Thomas Wirth und Prof. Dr. Florian Gebhard. (Foto: Universitätsklinikum Ulm)

Zahlreiche Gäste folgten der Einladung zum Neujahrsempfang am Oberen Eselsberg. (Universitätsklinikum Ulm)

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Udo X Kaisers (links unten) diskutierten nach der ersten Gesprächsrunde Dr. Nicolai Andrees, Prof. Dr. Patrick Téoule, Moderator Stefan Ruhl, Kerstin Leib, Sophia Figur und Prof. Dr. Armin Wolf über Herausforderungen und Chancen in der Praxis. (Foto: Universitätsklinikum Ulm)