Lungenkarzinom

Bronchialkarzinom

ExpertenInnen

- internistisch

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Dr. med. Gerlinde Schmidtke-Schrezenmeier

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Priv.-Doz. Dr. med. Frank Rücker

Oberarzt

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Dr. med. Anna Babiak

Fachärztin

- chirurgisch

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Dr. med. Levani Shoshiashvili, MBA

Sektionsleiter Thoraxchirurgie und Spezialist für thorakoskopische und videoassistierte Lungeneingriffe (VATS)

Schwerpunkte

- Minimalinvasive Thoraxchirurgie

- Minimalinvasive Metastasenresektion

- Komplexe Lungeneingriffe

- radioonkologisch

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Prof. Dr. med. Thomas Wiegel

Ärztlicher Direktor

Häufigkeit und Erkrankungsalter

In Deutschland ist das Lungenkarzinom, früher auch Bronchialkarzinom genannt, die häufigste Krebserkrankung bei Männern (ca. 34.000 Erkrankungsfälle pro Jahr) wie bei Frauen (15.600 Erkrankungsfälle pro Jahr). Die schlechten Überlebensraten des Lungenkarzinoms führen dazu, dass es bei Männern die häufigste krebsbedingte Todesursache (26% aller Krebstodesfälle sind durch ein Lungenkarzinom verursacht) und bei Frauen die dritthäufigste ist. Während bei Männern der Gipfelpunkt in Deutschland überschritten ist, ist bei Frauen leider die Tendenz zu einen stetigen Anstieg der Todesfälle mit derzeit etwa 14.752 Todesfällen pro Jahr zu verzeichnen. Das mittlere Erkrankungsalter des Lungenkarzinoms liegt bei 69 Jahren.

Ursachen und Risikofaktoren

In erster Linie entsteht Lungenkrebs durch schädigende Substanzen, die mit der Atemluft in die Lunge gelangen, wo in erster Linie das Rauchen genannt werden muss.

Hauptursache Rauchen

Durch jahrelange, weltweite Forschungen konnte bewiesen werden, dass der Nikotinkonsum zu 90% als Ursache für die Lungenkrebsentstehung verantwortlich ist. Aber auch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, Blasenkrebs, Nierenkrebs und Leukämien wird die Krebsentstehung mit dem Rauchen in Verbindung gebracht. Das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken steigt mit der Zahl der gerauchten Zigaretten pro Tag, der Anzahl der Raucherjahre, ob der Zigarettenrauch inhaliert wurde und des gerauchten Zigarettentyps. Das Risiko Lungenkrebs zu bekommen ist für rauchende Frauen höher als für rauchende Männer. Wer mit dem Rauchen aufhört, kann das Krebsrisiko nach 5 Jahren um 60%, und nach 15-20 Jahren sogar um 90% senken.
Aber auch das passive Einatmen von Zigarettenrauch muss als gesundheitsgefährdend eingestuft werden und erhöht das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken um das Zweifache.
Die Nikotinentwöhnung kann auch wenn bereits eine Lungenkrebserkrankung vorliegt für die Effektivität der Therapie und ggf. für das Überleben vorteilhaft sein.

Weitere Ursachen

Ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko kann durch den berufsbedingten Umgang mit 8% der Neuerkrankungen an Lungenkrebs sind auf den berufsbedingten Umgang mit bestimmten Stoffen (vor allem in der Metallverarbeitung, in Gießereien, in der Gummiherstellung sowie in der Kohlegas- und Koksherstellung) wie Arsen, Asbest, Beryllium, Cadmium, Chrom, Nickel, Radon und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) zurückzuführen. Wahrscheinlich zählen auch Dieselabgase zu den Risikofaktoren. Bei Winzern (durch arsenhaltige Schädlingsbekämpfungsmittel) und bei Chemiearbeitern (durch Halogenäther) wird Lungenkrebs als Berufkrankheit anerkannt. Das Risiko, an einem beruflich bedingten Lungenkrebs zu erkranken ist allerdings deutlich geringer als durch Rauchen.

In Einzelfällen können auch Umwelteinflüsse und eine erbliche Veranlagung eine Rolle bei der Lungenkrebsentstehung spielen, wahrscheinlich auch die Ernährung oder Infektionen (z. B. Tuberkulose). Patienten mit einer COPD oder einer interstitiellen Lungenerkrankung haben ein erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken

Anzeichen und Beschwerden

Im Frühstadium macht das Lungenkarzinom keine typischen Beschwerden und wird häufig nur per Zufall entdeckt. Wenn bei Ihnen folgende Beschwerden auftreten, sollten Sie aber zur Abklärung der Ursache dringend einen Arzt aufsuchen:

  • Husten, insbesondere bei lang bestehendem Raucherhusten, der sich plötzlich ändert
  • Bronchitis und Lungenentzündung, die sich trotz Antibiotika nicht bessert
  • Atemnot
  • Schmerzen im Brustkorb
  • Allgemeine Abgeschlagenheit und starker Gewichtsverlust
  • Bluthusten
  • Lähmungen oder starke Schmerzen
  • Langanhaltende Heiserkeit

Wie auch bei allen anderen Tumorarten gilt auch hier: Je früher das Tumorleiden erkannt wird, umso größer sind die Heilungschancen.

Untersuchungen

Routinemäßig kommen zur Diagnosestellung eines Lungenkarzinoms, neben körperlicher Untersuchung und Laboranalysen, folgende Untersuchungsverfahren zum Einsatz: Röntgenuntersuchungen wie Thoraxübersicht oder Computertomographie (CT), Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie), Positronen-Emissions-Tomographie in Kombination mit der CT (PET/CT) zur Darstellung bösartiger Herde im ganzen Körper, Kernspintomographie (MRT).

Anamnese und körperliche Untersuchung

Bei einem ausführlichen Gespräch werden dem Arzt alle Beschwerden, berufliche Schadstoffbelastung und Vorerkrankungen (auch familiäre Erbkrankheiten) geschildert. Anschließend wird eine gründliche körperliche Untersuchung vorgenommen.

Computertomographie (CT)

Die Computertomographie ist eine schmerzlose, spezielle Röntgenuntersuchung (mit Kontrastmittelgabe), die den Körper Schicht für Schicht durchleuchtet und dadurch den genauen Sitz und die Größe des Tumors darstellen kann. Die genaue Tumorausbreitung und eventuell bestehende Metastasen, z.B. in der Leber, Lunge, den Lymphknoten, den Knochen oder den Nebennieren, können dadurch festgestellt werden.

Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie)

Bei der Bronchoskopie wird eine örtliche Betäubung und oberflächliche Narkose verwendet („Schlafbronchoskopie“). Der Arzt schiebt einen biegsamen Schlauch (Bronchoskop) mit einer Minikamera an der Spitze vorsichtig durch den Mund bis in die Bronchien vor. Der Arzt kann jetzt die Schleimhaut der Bronchien begutachten und gleichzeitig Gewebeproben (Biopsien) entnehmen. Durch die Verwendung eines speziellen Bronchoskopes, in das eine Ultraschallsonde integriert ist (EBUS-Bronchoskopie), kann der Arzt gezielt krebsverdächtige Strukturen im Bereich der Bronchien aufsuchen und weitere Gewebeproben entnehmen. Bei größeren Tumoren in den Atemwegen kann z.B. mit der flexiblen Kryosonde (Kältesonde) diese abgetragen werden. Bei tumorbedingten Stenosen (Engstellen) kann z.B. mit einem Stent (Platzhalter, Röhrchen) der Atemweg freigehalten werden. Derartige Interventionen werden dann vorzugsweise in Narkose und mittels starrer Bronchoskopie durchgeführt.

Positronen-Emissions-Tomographie in Kombination mit CT (PET/CT)

Die PET-Untersuchung ist eine Untersuchung, bei der durch radioaktiv markierten Traubenzucker (in die Blutbahn gespritzt) die Stoffwechselaktivität, die bei bösartigen Tumoren meistens erhöht ist, durch eine spezielle Kamera gemessen wird. Dadurch können oft sogar Tumore oder Tochtergeschwülste (Metastasen), die kleiner als 1 cm sind, im gesamten Körper sichtbar gemacht werden. Die PET-Untersuchung wird heute in Verbindung mit der Computertomographie (PET/CT) durchgeführt, was die Möglichleiten dieses Verfahrens nochmals erweitert

Kernspintomographie (MRT=Magnetresonanztomographie)

Die MRT ist keine Röntgenuntersuchung, sondern beruht auf Magnetfeldwirkungen. Durch die hohe Bildauflösung ist auch die Darstellung von kleinen Strukturen möglich. Beim Lungenkarzinom findet die MRT hauptsächlich in der Untersuchung auf Tochtergeschwülste im  Gehirn ihre Anwendung.

Sonographie (Ultraschalluntersuchung)

Die Sonographie ist eine schmerzlose und strahlungsfreie Untersuchung zur Feststellung von Metastasen. Hierbei kann im Prinzip eine Ausbreitung des Tumors in andere Organe oder bereits vorhandene Metastasen (Tumorabsiedlungen), z.B. in der Leber, festgestellt werden.

Skelettszintigraphie (Knochenszintigraphie)

Durch Gabe einer geringen Menge radioaktiver Substanz in die Blutbahn können Tumorabsiedlungen in den Knochen dargestellt werden. Eine Spezialkamera erkennt die im erkrankten Knochen radioaktiv angereicherten Bereiche. Es handelt sich hierbei um eine schonende Untersuchung, bei der die Strahlung rasch abklingt.

Biopsien (Gewebeproben)

Möglicherweise wird eine Gewebeprobe des Tumors durch eine Bronchoskopie, eine kleine Operation oder eine Nadelbiopsie entnommen. Die Gewebeprobe ist nötig, um den Tumor klassifizieren (Tumorklassifikation) zu können. Dabei wird der genaue Subtyp des Lungenkarzinoms und der Grad der Bösartigkeit bestimmt. Durch moderne Verfahren der Molekularbiologie und Genetik wird die Tumorprobe weiter untersucht und charakterisiert. Damit gelingt es weitere Eigenschaften des Tumors zu erkennen, um dadurch eine gezielte Tumortherapie entwickeln zu können.

Klassifikation und Stadieneinteilung

Die mikroskopische Untersuchung des Tumorgewebes gibt Hinweise auf die Bösartigkeit des Tumors. Hierbei wird die Ähnlichkeit der Krebszellen mit den ursprünglichen Organzellen verglichen.

Grading von Lungenkarzinomen (nach UICC 2009)

G1

Gut differenziert (d.h. dem ursprünglichen Gewebe noch sehr ähnlich)

G2

Mäßig differenziert

G3

Schlecht differenziert

G4

Undifferenziert (d.h. dem urpsrünglichen Gewebe kaum noch ähnlich, aggressiv)


TNM

Die Tumorausbreitung wird durch die TNM-Klassifikation festgelegt.

T steht für die Größe und Ausdehnung des Primärtumors, N steht für die Anzahl der befallenen regionären Lymphknoten und M steht für das Auftreten und die Lokalisation von Fernmetastasen (Tumorabsiedlungen).

TNM für das Lungenkarzinom (nach IASLC Lung Cancer Staging Project)

Tx

Positive Zytologie (Nachweis von bösartigen Zellen ohne sichtbaren Tumor

T1

Tumor  < 3 cm größte Ausdehnung, umgeben von Lungengewebe oder viszeraler Pleura

 (T1a Tumor < 2 cm größte Ausdehnung, T1b Tumor >2 cm aber  < 3 cm größte Ausdehnung)

T2

Tumor > 3 cm aber <7 cm oder Tumor mit einer der folgenden Eigenschaften: infiltriert den Hauptbronchus, die viszerale Pleura, verursacht eine partielle Atelektase (kollabierter Lungenabschnitt)

T2a ...Tumor > 3 cm aber < 5 cm in größte Ausdehnung,

T2b ...Tumor > 5 cm aber < 7 cm größte Ausdehnung)

T3

Tumor > 7 cm oder mit direkte Invasion von Brustwand, Zwerchfell, mediastinale Pleura, parietales Perikard, < 2cm von der Hauptcarina entfernt, komplette Atelekatse der betroffenen Lunge, zweiter maligner Lungenherd im gleichen Lungenlappen

T4

Tumor beliebiger Größe mit direkter Infiltration von Mediastinum, Herz, große Gefäße, Trachea, Ösophagus, Wirbelkörper, zweiter maligner Lungenherd in einem anderen Lungenlappen auf der gleichen Seite wie der Primärtumor

   
   
NX Regionale Lymphknoten können nicht beurteilt werden
N0

keine Lymphknoten-Metastasen

N1

Lymphknoten-Metastasen in ipsilateralen peribronchialen -, und/oder ipsilateral hilären -, und/oder intrapulmonalen Lymphknoten

N2

Lymphknoten-Metastasen in ipsilateralen mediastinalen und/oder subcarinalen Lymphknoten

N3

Lymphknoten-Metastasen in kontralateralen mediastinalen, kontralateralen hilären, ipsilateralen oder kontralateralen Skalenus oder supraklaviculären Lymphknoten 

   
MX

Das Vorliegen von Fernmetastasen kann nicht beurteilt werden

M0

keine Fernmetastasen

M1

Fernmetastasen nachweisbar

M1a ...Lungenmetastasen im kontralateralen Lungenlobus, Pleurakarzinose, maligner Pleura- oder Perikarderguss

M1b ...Fernmetastasen in extrapulmonalen Organen

Behandlungsmöglichkeiten

Die Therapiemethoden sind vom Tumorstadium, vom feingeweblichen Subtyp des Lungenkarzinoms und der persönlichen körperlichen Belastbarkeit des Patienten abhängig. Je früher ein Lungenkarzinom erkannt wird, umso günstiger ist die Prognose für den Patienten. Durch ausgiebige wissenschaftliche Untersuchungen konnten für das Lungenkarzinom Therapie-Leitlinien entwickelt werden, die international anerkannt sind.

Therapieziele

  • Kurative Therapie:
    Kann eine Therapie mit dem Ziel der dauerhaften Heilung durchgeführt werden, dann spricht man von „kurativer Therapie“. Dies ist beim Lungenkarzinom in Tumorstadien ohne Fernmetastasen und ohne Nachweis von Tumorzellen in Lymphknoten der Gegenseite möglich, wenn eine intensive Behandlung durchgeführt werden kann.
     
  • Palliative Therapie:
    Wenn ein Tumor bereits Fernmetastasen gebildet hat, ist die Heilung kein primäres Therapieziel mehr. Dann spricht man von „palliativer Therapie“. Ziele einer palliativen Therapie müssen im Einzelfall festgelegt werden, häufige Ziele sind die Lebensverlängerung bei geringer Einschränkung der Lebensqualität (palliative lebensverlängernde Therapie) und die Vermeidung oder Linderung von belastenden Symptomen (palliative symptomorientierte Therapie).
 
Therapie des kleinzelligen Lungenkarzinoms (ca. 15% der Lungenkarzinome)

Das SCLC ist ein sehr rasch wachsender aggressiver Tumor, welcher früh Metastasen bildet. Eine Operation oder eine alleinige Bestrahlung ohne Chemotherapie sind bei dieser Erkrankung deshalb nur selten sinnvoll.

Die kleinzelligen Lungenkarzinome werden unterteilt in

  • Begrenztes Stadium (limited disease), d. h. der Tumor wächst nur auf einer Seite der Brusthöhle, die Brustwand ist nicht direkt betroffen und nur bestimmte Lymphknoten sind beteiligt
     
  • Fortgeschrittenes Stadium (extensive disease), d. h. jede Ausdehnung des Tumors über die Definition von limited disease hinaus, i. d. Regel mit Befall anderer Organe (Metastasen).

Chemotherapie

Die Krebszellen des kleinzelligen Lungenkarzinoms reagieren besonders empfindlich und damit wirkungsvoll auf die Chemotherapie. Diese hat die Aufgabe, als Zellgift auf die Teilung der Krebszellen zu wirken und diese zu vernichten. In den meisten Fällen wird eine Polychemotherapie mit mehreren verschiedenen Einzelsubstanzen in unterschiedlichen Kombinationen verabreicht.

Die Patienten können die Chemotherapie in Form von Kapseln, Tabletten, als Spritze oder Infusion verabreicht bekommen. Die Behandlung erfolgt in mehreren Chemotherapiezyklen (4-6 Zyklen) nach einem festen Zeitschema. Zwischen den einzelnen Therapiezyklen liegen therapiefreie Intervalle in denen sich der Patient erholen kann.

Leider wirkt die Chemotherapie nicht nur auf Tumorzellen, sondern auch auf gesunde Zellen des Körpers, die sich schnell teilen. Dadurch treten, meist vorübergehend, in seltenen Fällen auch anhaltend, Nebenwirkungen wie z.B. Haarausfall, Schädigungen der Darmschleimhaut oder Blutbildveränderungen auf. Regelmäßige Blutbildkontrollen sind erforderlich, um eine Verschlechterung des Blutbildes rechtzeitig zu erkennen und z.B. vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung von Infekten einzuleiten. Außerdem können sie helfen, die Chemotherapie in ihrer Intensität individuell anzupassen.

Bei vielen Patienten konnten durch eine Polychemotherapie eine Teil- oder sogar Vollremission (Rückgang/ Verschwinden der Tumormasse) erzielt werden. Die durchschnittliche Überlebenszeit konnte so deutlich verlängert werden. Die besten Heilungschancen haben Patienten mit einem ‚limited disease’ Tumor.

Bei bereits fortgeschrittenem Lungenkarzinom kann eine palliative Chemotherapie Symptomlinderung und Lebenszeitverlängerung bewirken. Die Auswahl der Zytostatika hängt maßgeblich vom Allgemeinzustand des Patienten ab.

Für jeden Tumorpatienten wird der behandelnde Arzt ein individuelles Behandlungskonzept erstellen, dass sich nicht nur an den Gegebenheiten des Tumors, sondern auch an der körperlichen und psychischen Belastbarkeit orientiert und darauf abgestimmt werden kann.

Studien: Es werden fortlaufend zahlreiche neue Medikamente und innovative Therapieverfahren entwickelt. Auch am Universitätsklinikum Ulm stehen neue Medikamente im Rahmen klinischer Studien für die Behandlung des Lungenkarzinoms zur Verfügung

Strahlentherapie (Radiotherapie)

Die Strahlentherapie hat, wie auch die Chemotherapie, die Vernichtung der Krebszellen zum Ziel. Durch eine hohe, aber gezielte Strahlenkonzentration sollen die Krebszellen geschädigt, das gesunde Gewebe aber verschont werden.

Wenn sich Patienten mit einem begrenzten Tumor nach einer erfolgreichen Chemotherapie in einer Teil- oder sogar Vollremission (Verschwinden des Tumors) befinden, kann die Strahlentherapie zur Stabilisierung des Krankheitsstatus beitragen.

Durch die Kombination von Chemotherapie und Strahlentherapie konnte eine Verlängerung der Überlebenszeit, eine Erhöhung der Heilungsquote und längere rezidivfreie Zeiträume erreicht werden.

Die Bestrahlungstherapie erfolgt meistens ambulant über mehrere Wochen hinweg in kleinen Einzeldosen. Dies gewährleistet eine schonende Behandlung des gesunden Gewebes. Nach einer Strahlentherapie können gelegentlich Nebenwirkungen, wie Hautrötung, Verfärbung der Haut, Verhärtung der Unterhaut, Schluckbeschwerden (Bestrahlungsfeld Speiseröhre), Entzündung von Lungengewebe, Vernarbung von Lungengewebe (Lungenfibrose) mit Hustenreiz und Verminderung der Atemkapazität und in sehr seltenen Fällen eine Herzleistungsminderung sein, wenn das Herz ebenfalls im Bestrahlungsfeld lag.

Vorbeugende Hirnbestrahlung

Durch die Lebenszeitverlängerung der Patienten wächst die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Hirnmetastasen. Aus diesem Grund wird bei Patienten, bei denen nach einer kombinierten Chemo-/Strahlentherapie kein Tumor mehr nachweisbar ist, vorbeugend eine Hirnbestrahlung vorgenommen. Diese führt zu einer deutlichen Verbesserung des Gesamtüberlebens und des rezidivfreien Überlebens. Dieses Vorgehen wird beim SCLC praktiziert, wenn die vorangegangene Therapie (Operation oder Chemo-/Strahlentherapie) zu einem sehr guten Therapieansprechen geführt hat.

Operation

Als kurative (heilende) Operation kommt eine Entfernung des Tumors nur in seltenen Frühstadien des kleinzelligen Lungenkarzinoms in Frage.

In seltenen Fällen kommt es aufgrund der Tumorausbreitung zu Blutungen oder anhaltenden Infektionen des Lungengewebes. Bei gutem Allgemeinzustand und bei Versagen einer nichtinvasiven Therapie kann eine palliative Operation Linderung verschaffen.


Therapie des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (ca. 75-80% der Lungenkarzinome)

Die Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms hängt vom Tumorstadium ab. In den Stadien I und II ist eine operative Entfernung des Tumors die Standardtherapie. Je nach Tumorstadium kann durch eine postoperative Chemotherapie (adjuvante Therapie) eine weitere Verbesserung der Heilungschancen erzielt werden. In den Stadien IIIA und IIIB kann das Lungenkarzinom unter günstigen Umständen ebenfalls operativ entfernt werden, häufig wird aber ein erweiterter Behandlungsplan nötig, der Chemotherapie, Strahlentherapie und Operation als Therapiemöglichkeiten einschließt. Bei dem am weitesten fortgeschrittenen Stadium IV mit Fernmetastasen erfolgt meistens eine Chemotherapie, eventuell ergänzt durch eine Strahlentherapie.

Für einige Unterarten des nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms gibt es neuere Medikamente, die für die Behandlung zur Verfügung stehen. Darunter sind insbesondere die Substanzen, die eine zielgerichtete Therapie verkörpern.

Operation

  • Kurative Operation:
    Die komplette Entfernung des Lungenkarzinoms bietet die besten Chancen auf eine Heilung. Bis zum Tumorstadium IIB ist es dem Chirurgen in der Regel möglich, den Tumor mit ausreichendem Sicherheitsabstand vollständig zu entfernen, ohne die Funktion der Lunge unverhältnismäßig zu beeinträchtigen. Die tatsächliche Tumorausdehnung lässt sich aber erst mit Sicherheit während der Operation bestimmen und das weitere Vorgehen kann manchmal erst hier kurzfristig entschieden werden. Teilweise kann auch in einem bereits weiter fortgeschrittenen Tumorstadium operiert werden. Je nach Ausbreitung der Erkrankung, kann die Operation mehr oder weniger umfangreich erfolgen. Manchmal müssen einzelne Lungenlappen, in ungünstigeren Fällen ein ganzer Lungenflügel entfernt werden.
     
  • Palliative Operation:
    In seltenen Fällen kommt es aufgrund der Tumorausbreitung zu Blutungen oder anhaltenden Infektionen des Lungengewebes. Bei gutem Allgemeinzustand und bei Versagen einer alternativer Therapien kann auch hier eine Operation helfen. Ziel dieser palliativen Operation ist die Linderung von Beschwerden.


Strahlentherapie (Radiotherapie)

Eine primäre Bestrahlung (Bestrahlung als erste Therapie) findet statt, wenn der Lungentumor nicht operativ entfernt werden kann.

Eine sekundäre Bestrahlung (Bestrahlung als Zweittherapie) erfolgt, wenn der Tumor nicht vollständig operativ entfernt werden konnte und die im Körper verbliebenen Tumorzellen zerstört werden sollen.

Eine adjuvante Bestrahlung (Bestrahlung nach einer Operation) erfolgt, wenn sich bei der primären Operation ein größerer Lymphknotenbefall (N2) herausgestellt hat. In der Regel erfolgt die adjuvante Strahlentherapie nach einer adjuvanten Chemotherapie bei diesen Patienten, mit dem Ziel das tumorfreie Überleben zu verbessern.

Palliative Strahlentherapie: Bei schmerzhaften Metastasen oder Knochenmetastasen, die eine Stabilitätsgefährdung des Knochens verursachen, kann eine Bestrahlung häufig eine rasche Besserung der Beschwerden bewirken.

Kombinierte Radiochemotherapie

Die Kombination von Strahlentherapie mit der medikamentösen Tumortherapie ist effektiver als die Strahlentherapie allein. Die Wahl der Medikamente richtet sich nach der Komorbidität der Patienten.

Chemotherapie

Adjuvante Chemotherapie (nach einer Operation verabreicht):
Bei Patienten mit Tumoren in einem Tumorstadium II-III ist nach einer Operation eine Chemotherapie indiziert, um die Heilungschance weiter zu verbessern.

Neoadjuvante Chemotherapie (vor einer Operation verabreicht):
Durch Studien konnte gezeigt werden, dass bei einem bereits fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom eine neoadjuvant (vor der Operation) verabreichte Chemotherapie zum Teil bessere Bedingungen für eine Operation schaffen kann. Im günstigsten Fall wird der Tumor durch die Chemotherapie verkleinert und kann dadurch operativ sicherer entfernt werden.

Palliative Chemotherapie:
Durch neue Medikamente bekommt die palliative Chemotherapie für Patienten mit einem metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom einen neuen Stellenwert. Moderne Chemotherapeutika sind gut verträglich und können die Lebenszeit verlängern sowie tumorbedingte Symptome verbessern oder deren Auftreten verzögern.

Therapie mit neuen zielgerichteten Substanzen

Für bestimmte Typen des Lungenkarzinoms stehen inzwischen Antikörper gegen einen Gefäß-Wachstumsfaktor (VEGF) zur Verfügung (Bevacizumab), der mit einer klassischen Chemotherapie kombiniert werden kann. Außerdem wurde eine Tablettentherapie entwickelt, die ein bestimmtes Oberflächenmolekül (EGFR), das besonders häufig auf Zellen des Lungenkarzinoms vorkommt, in seiner Wirkung hemmt.

Eine zielgerichtete Therapie mit Tabletten kann beispielsweise beim Vorliegen von Veränderungen des EGFR durchgeführt werden. Die Medikamente (z. B. Afatinib, Gefitinib, Erlotinib) wirken in der Tumorzelle, wo sie über eine Blockade eines bestimmten Signalwegs das Tumorwachstum hemmen. Die Medikamente sind meist besser verträglich wie eine „normale“ Chemotherapie.

Für Patienten mit einer solchen EGFR-Mutation, bei denen der Tumor resistent geworden ist und bei denen eine weitere Mutation (T790 M) vorliegt, können mit Osimertinib behandelt werden.

Patienten, bei denen im Tumorgewebe Veränderungen bezüglich EML4-ALK gefunden werden, können von der Tablettentherapie mit Crizotinib und Ceritinib profitieren.

Darüber hinaus kann bei bestimmten Patienten der EGFR-Antikörper Necitumumab zusätzlich zur Chemotherapie gegeben werden.

Studien: Zurzeit werden zahlreiche neue Medikamente und innovative Therapieverfahren entwickelt. Auch am Universitätsklinikum Ulm stehen neue Medikamente im Rahmen klinischer Studien für die Behandlung des Lungenkarzinoms zur Verfügung. (Studienzentrale )

Sollte sich unter der ersten Chemotherapie ein Fortschreiten der Erkrankung zeigen, kann die Umstellung auf andere Medikamente sinnvoll sein. Als zielgerichtete Therapie in der 2. Therapielinie ist eventuell eine Kombination einer Chemotherapie mit den Substanzen Nintedanib oder Ramucirumab möglich.

Palliative bronchoskopische Therapie beim Lungenkarzinom

Die Bronchoskopie dient immer häufiger nicht nur der Diagnosestellung, sondern sie kann auch als palliative Therapie dem Patienten Linderung verschaffen. Wenn die Atemwege durch Sekret, Gewebe oder Blut verstopft sind, können verschiedene Methoden wie Sekret absaugen, Kompression von Blutungsquellen, Laserentfernung von Tumorgewebe, Einlegen von Röhrchen (Stent) zum offen halten von verengten Stellen, dem Patienten das Atmen deutlich erleichtern.

Rehabilitation und Nachsorge

Die Nachsorge eines an einem Lungenkarzinom erkrankten Patienten dient der rechtzeitigen Erfassung und Behandlung von Therapiefolgen sowie dem rechtzeitigen Erkennen eines Tumorrezidivs (Rückfalls), der Dokumentation des Behandlungserfolgs und der psychosozialen Betreuung. Dabei ist es besonders wichtig, ein lokales Rezidiv oder einen möglichen Zweittumor zu erkennen, da in diesen Fällen eine erneute Heilungschance besteht. Die Nachsorge wird im 1. und 2. Jahr nach Ende der Behandlung in 3-monatlichen Abständen durchgeführt, später werden die Abstände vergrößert. Die Nachsorgeuntersuchung beinhaltet die Befragung, die körperliche Untersuchung, Basislabor und eine Röntgenuntersuchung der Lunge. Weitere Untersuchungen können vom behandelnden Arzt je nach Einschätzung des Rückfallrisikos und Beschwerden ergänzt werden. Ein spezieller Tumornachsorge-Plan steht für unsere Patienten dafür zur Verfügung.

Krankheitsverlauf (Rezidive und Metastasen)

Wenn es nach erfolgreicher Behandlung eines Lungenkarzinoms zu einem erneuten Auftreten eines Tumors (Rezidiv) kommt, ist der Ablauf der Behandlung ähnlich dem bei erstmaliger Diagnose der Erkrankung. Es werden Untersuchungen durchgeführt, mit denen die Ausbreitung des Tumors im Körper festgestellt werden kann. Danach wird je nach bereits durchgeführter Behandlung bei der Erstdiagnose vom behandelnden Arzt ein individueller Behandlungsplan erstellt, der eine oder mehrere der im Abschnitt „Therapie“ beschriebenen Optionen beinhalten wird.