Lungenkarzinom

Bronchialkarzinom

ExpertenInnen

- internistisch

- chirurgisch

  • Profilbild von Prof. Dr. med. Bernd Mühling

    Prof. Dr. med. Bernd Mühling

    Leiter Sektion Thorax- und Gefäßchirurgie

    Schwerpunkte

    Leiter Sektion Thorax- und Gefäßchirurgie

  • Profilbild von Dr. med. Annette Liewald

    Dr. med. Annette Liewald

    Funktionsoberärztin

    Schwerpunkte

    Fachärtzin für Thoraxchirurgie

    Leiterin Tumorboard thorakale Tumoren 2021

- radioonkologisch

  • Profilbild von Prof. Dr. med. Thomas Wiegel

    Prof. Dr. med. Thomas Wiegel

    Ärztlicher Direktor

Häufigkeit und Erkrankungsalter

In deutschsprachigen Ländern  ist das Lungenkarzinom bei Frauen der dritt- bei Männern der zweithäufigste bösartige Tumor.
Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen 68 und 70 Jahren. Jährlich wird in Deutschland bei etwa 21 000 Frauen und bei 36 000 Männern ein Lungenkrebs neu diagnostiziert

Ursachen und Risikofaktoren

In erster Linie entsteht Lungenkrebs durch schädigende Substanzen (z.B. ionisierende Strahlen, Feinstaub, Dieselmotorabgase, Asbest, Quarzstäube) die mit der Atemluft in die Lunge gelangen, wobei in erster Linie das Rauchen (auch Passivrauchen!) genannt werden muss.

Patienten, welche schon einen Lungenkrebs hatten, oder mit erstgradig Verwandte mit Lungenkrebs haben, haben ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko (genetisch bedingt).

Als Berufskrankheit ist Lungenkrebs in Deutschland bei beruflicher Exposition durch Arsen, Beryllium, Cadmium, Chrom, Kokerei-Rohgase, Nickel, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Siliziumdioxid [7], und durch Passivrauchen anerkannt. Das Risiko, an einem beruflich bedingten Lungenkrebs zu erkranken ist allerdings deutlich geringer als durch Rauchen.

Das Risiko des Auftretens von Lungenkrebs ist auch bei chronischen Lungeninfektionen mit Narbenbildung und bei Lungenfibrosen erhöht.

Hauptursache Rauchen

Durch jahrelange, weltweite Forschungen konnte bewiesen werden, dass der Nikotinkonsum wesentlich als Ursache für die Lungenkrebsentstehung verantwortlich ist. Aber auch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, Blasenkrebs, Nierenkrebs und Leukämien wird die Krebsentstehung mit dem Rauchen in Verbindung gebracht. Das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken steigt mit der Zahl der gerauchten Zigaretten pro Tag. Das Risiko Lungenkrebs zu bekommen ist für rauchende Frauen höher als für rauchende Männer. Wer mit dem Rauchen aufhört, kann das Krebsrisiko nach 5 Jahren um 60%, und nach 15-20 Jahren sogar um 90% senken.

Aber auch das passive Einatmen von Zigarettenrauch muss als gesundheitsgefährdend eingestuft werden und erhöht das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken um das Zweifache.

Die Nikotinentwöhnung kann, auch wenn bereits eine Lungenkrebserkrankung vorliegt, für die Effektivität der Therapie und ggf. für das Überleben vorteilhaft sein.

Anzeichen und Beschwerden

Im Frühstadium macht das Lungenkarzinom leider keine typischen Beschwerden und wird häufig nur per Zufall entdeckt. Wenn bei Ihnen folgende Beschwerden auftreten, sollten Sie aber zur Abklärung der Ursache dringend einen Arzt aufsuchen:

  • Husten, insbesondere bei lang bestehendem Raucherhusten, der sich plötzlich ändert
  • Bronchitis und Lungenentzündung, die sich trotz Antibiotika nicht bessert
  • Atemnot
  • Schmerzen im Brustkorb
  • Allgemeine Abgeschlagenheit und starker Gewichtsverlust
  • Bluthusten
  • Lähmungen oder starke Schmerzen
  • Langanhaltende Heiserkeit

Wie auch bei allen anderen Tumorarten gilt auch hier: Je früher das Tumorleiden erkannt wird, umso größer sind die Heilungschancen.

Untersuchungen

Routinemäßig kommen zur Diagnosestellung eines Lungenkarzinoms, neben körperlicher Untersuchung und Laboranalysen, folgende Untersuchungsverfahren zum Einsatz: Röntgenuntersuchungen führend hier die Computertomographie (CT), Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie), Positronen-​Emissions-Tomographie in Kombination mit der CT (PET/CT) oder MRT (PET/MRT)  zur Darstellung bösartiger Herde im ganzen Körper und die  Kernspintomographie (MRT).

Anamnese und körperliche Untersuchung

Bei einem ausführlichen Gespräch werden dem Arzt alle Beschwerden, berufliche Schadstoffbelastung, Rauchgewohnheiten  und Vorerkrankungen (auch familiäre Krankheitshäufungen) geschildert. Anschließend wird eine gründliche körperliche Untersuchung vorgenommen.

Computertomographie (CT)

Die Computertomographie ist eine schmerzlose, spezielle Röntgenuntersuchung (mit Kontrastmittelgabe), die den Körper Schicht für Schicht durchleuchtet und dadurch den genauen Sitz und die Größe des Tumors darstellen kann. Die genaue Tumorausbreitung und eventuell bestehende Tochtergeschwülste (Metastasen), z.B. in der Leber, Lunge, den Lymphknoten, den Knochen oder den Nebennieren, können dadurch festgestellt werden.

Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie)

Bei der Lungenspiegelung wird dem Patienten eine leichte Narkose verabreicht. Der Arzt schiebt einen biegsamen Schlauch (Bronchoskop) mit einer Minikamera an der Spitze vorsichtig durch den Mund bis in die Bronchien vor. Der Arzt kann jetzt die Schleimhaut der Bronchien begutachten und gleichzeitig Gewebeproben (Biopsien) entnehmen. Durch die Verwendung eines speziellen Bronchoskopes, in das eine Ultraschallsonde integriert ist (EBUS-​Bronchoskopie), kann der Arzt gezielt krebsverdächtige Strukturen im Bereich der Bronchien und Lymphknoten  aufsuchen und Gewebeproben entnehmen. Bei größeren Tumoren in den Atemwegen kann z.B. mit der biegsamen Kältesonde („Kryosonde“) diese abgetragen werden. Bei durch den Tumor verursachten Engstellen kann z.B. mit einem Stent (Platzhalter, Röhrchen) der Atemweg freigehalten werden. Hier kann es notwendig werden, statt eines biegsamen Bronchoskops ein starres Rohr einzuführen um die notwendigen Eingriffe vornehmen zu können.

Positronen-​Emissions-Tomographie in Kombination mit Computer Tomographie  (PET/CT) oder Magnetresonanztomographie (PET/MRT)

Die PET-​Untersuchung ist eine Untersuchung, bei der durch radioaktiv markierten Traubenzucker (in die Blutbahn gespritzt) die Stoffwechselaktivität, die bei bösartigen Tumoren meistens erhöht ist, durch eine spezielle Kamera gemessen wird. Dadurch können oft sogar Tumore oder Tochtergeschwülste (Metastasen), die kleiner als 1 cm sind, im gesamten Körper sichtbar gemacht werden. Die PET-​Untersuchung wird heute in Verbindung mit der Computertomographie (PET/CT)  oder der Magnetresonanztomographie (PET/MRT) durchgeführt, was die Möglichleiten dieses Verfahrens nochmals erweitert.

Kernspintomographie (MRT=Magnetresonanztomographie)

Die MRT ist keine Röntgenuntersuchung, sondern beruht auf Magnetfeldwirkungen. Durch die hohe Bildauflösung ist auch die Darstellung von kleinen Strukturen möglich. Beim Lungenkarzinom findet die MRT hauptsächlich in der Untersuchung auf Tochtergeschwülste im  Gehirn ihre Anwendung.

Sonographie (Ultraschalluntersuchung)

Die Sonographie ist eine schmerzlose und strahlungsfreie Untersuchung zur Feststellung von Metastasen. Hierbei kann im Prinzip eine Ausbreitung des Tumors in andere Organe oder bereits vorhandene Metastasen (Tumorabsiedlungen), z.B. in der Leber, festgestellt werden.

Skelettszintigraphie (Knochenszintigraphie)

Durch Gabe einer geringen Menge radioaktiver Substanz in die Blutbahn können Tumorabsiedlungen in den Knochen dargestellt werden. Eine Spezialkamera erkennt die im erkrankten Knochen radioaktiv angereicherten Bereiche. Es handelt sich hierbei um eine schonende Untersuchung, bei der die Strahlung rasch abklingt.

Biopsien (Gewebeproben)

Um eine individuell angepasste Therapie einleiten zu können ist es notwendig eine Gewebeprobe des Tumors in der Lunge und/oder der bereits vorhandenen Tochtergeschwülste (Metastasen) zu gewinnen. Dies kann mittels Lungenspiegelung oder durch CT oder sonographisch gesteuerte Punktion der entsprechenden Tumoren und/oder der Tochtergeschwülste erfolgen.  Im Einzelfall ist auch eine operative Probengewinnung möglich, wenn es durch andere Methoden nicht möglich ist.

Stadieneinteilung

Die Stadieneinteilung des Bronchialkarzinoms erfolgt anhand der TNM-Klassifikation.

Sie beschreibt die Tumorausbreitung und ist die Grundlage für die weitere Festlegung der Therapie.

T (Tumor, englisch für Geschwulst) steht für die Größe und Ausdehnung des Primärtumors, N (Node, englisch für Lymphknoten) steht für die Anzahl der befallenen Lymphknoten und M (Metastasis, englisch für Metastasen, Tochtergeschwülste) steht für das Auftreten und die Lokalisation von Fernmetastasen (Tumorabsiedlungen).

 

 

TNM Stadien nach IASLC Lung Cancer Staging Project 

Kategorie

Stadium

Kurzbeschreibung

T (Tumor)

Tis

Carcinoma in situ

T1

  T1a(mi)

 

  T1a

  T1b

  T1c

größter Durchmesser <3 cm, umgeben von Lungengewebe oder viszeraler Pleura, Hauptbronchus nicht beteiligt

 - Minimal invasives Adenokarzinom (solitäres Adenokarzinom mit überwiegend lepidischem Wachstumsmuster, <3 cm in der größten Gesamt-Ausdehnung mit einem invasiven (in der CT solide) Anteil <5 mm

- größter Durchmesser ≤1 cm

- größter Durchmesser >1 und ≤2 cm

- größter Durchmesser >2 und ≤3 cm

T2

  T2a

  T2b

- größter Durchmesser >3 und ≤4 cm oder

- Infiltration des Hauptbronchus unabhängig vom Abstand von der Karina, aber ohne direkte Invasion der Karina

- Infiltration der viszeralen Pleura oder

- tumorbedingte partielle Atelektase oder obstruktive Pneumonie, die bis in den Hilus reichen und Teile der Lunge oder die gesamte Lunge umfassen

- größter Durchmesser >4 und ≤5 cm

T3

- größter Durchmesser >5 aber ≤7 cm oder

- Infiltration von Thoraxwand (inklusive parietale Pleura und Sulcus superior), N. phrenicus, parietales Perikard oder

- zusätzlicher Tumorknoten im selben Lungenlappen wie der Primärtumor

T4

- größter Durchmesser >7 cm oder mit direkter Infiltration von Diaphragma, Mediastinum, Herz, großen Gefäßen (V. cava, Aorta, Pulmonalarterie, Pulmonalvene intraperikardial), Trachea, N. laryngeus recurrens, Ösophagus, Wirbelkörper, Karina oder

- zusätzlicher Tumorknoten in einem anderen ipsilateralen Lungenlappen

N (Lymphknoten)

N0

keine Lymphknotenmetastasen

N1

Metastase in ipsilateralen, peribronchialen und / oder ipsilateralen hilären Lymphknoten und / oder intrapulmonalen Lymphknoten oder direkte Invasion dieser Lymphknoten

N2

Metastase in ipsilateralen mediastinalen und / oder subkarinalen Lymphknoten

N3

Metastase in kontralateralen mediastinalen, kontralateralen hilären, ipsi- oder kontralateral tief zervikalen, supraklavikulären Lymphknoten

M (Metastase)

M0

keine Fernmetastasen

M1

  M1a

  M1b

  M1c

Fernmetastasen

- separater Tumorknoten in einem kontralateralen Lungenlappen

- Pleura mit knotigem Befall

- maligner Pleuraerguss

- maligner Perikarderguss

- isolierte Fernmetastase in einem extrathorakalen Organ

- mehrere Fernmetastasen (>1) in einem oder mehreren Organen

 

Tumorstadien nach UICC 8 

Stadium

Primärtumor

Lymphknoten

Fernmetastasen

0

Tis

N0

M0

IA1

T1a(mi)

T1a

N0

N0

M0

M0

IA2

T1b

N0

M0

IA3

T1c

N0

M0

IB

T2a

N0

M0

IIA

T2b

N0

M0

IIB

T1a-c

T2a

T2b

T3

N1

N1

N1

N0

M0

M0

M0

M0

IIIA

T1a-c

T2a-b

T3

T4

T4

N2

N2

N1

N0

N1

M0

M0

M0

M0

M0

IIIB

T1a-b

T2 a-b

T3

T4

N3

N3

N2

N2

M0

M0

M0

M0

IIIC

T3

T4

N3

N3

M0

M0

IVA

jedes T

jedes T

jedes N

jedes N

M1a

M1b

IVB

jedes T

jedes N

M1c

Behandlungsmöglichkeiten

Das Lungenkarzinom ist ein Paradebeispiel für die Entwicklung der modernen Onkologie. Noch vor kurzem wurde der Tumor nur in 2 Gruppen eingeteilt (Kleinzellige und Nichtkleinzellige Lungenkarzinome).
Heute erfolgt die Einteilung in zahlreiche unterschiedliche Gruppen, die auch unterschiedliche Behandlungskonzepte haben.

Die Prognose und die Therapiemethoden werden u.a. vom Tumorstadium, dem Genotyp des Tumors, der Histologie, dem Alter und den Begleiterkrankungen bestimmt.

Je früher ein Lungenkarzinom erkannt wird, umso günstiger ist die Prognose für den Patienten. Durch ausgiebige wissenschaftliche Untersuchungen sind für das Lungenkarzinom Therapie-​Leitlinien entwickelt worden, die international anerkannt sind. In den letzten Jahren haben sich die Therapiemöglichkeiten rasch weiterentwickelt, so dass die Leitlinien häufig angepasst werden.

Therapieziele

Erfreulicherweise hat die Behandlung des Lungenkrebses in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Wir nähern uns Schritt für Schritt dem Ziel, den Lungenkrebs zu einer chronischen Erkrankung zu machen, die ein langes Überleben mit guter Lebensqualität ermöglicht. Prinzipiell wird auch heute noch zwischen „Kurativer Therapie“ und „Palliativer Therapie“ unterschieden, wobei die Grenzen zunehmend ineinander übergehen (fließen).

  • Kurative Therapie:
    Kann eine Therapie mit dem Ziel der dauerhaften Heilung durchgeführt werden, dann spricht man von „kurativer Therapie“. Dies ist beim Lungenkarzinom in Tumorstadien ohne Fernmetastasen und ohne Nachweis von Tumorzellen in Lymphknoten der Gegenseite möglich, wenn eine intensive Behandlung durchgeführt werden kann.
  • Palliative Therapie:
    Wenn ein Tumor bereits Fernmetastasen gebildet hat, ist die Heilung kein primäres Therapieziel mehr. Dann spricht man von „palliativer Therapie“. Ziele einer palliativen Therapie müssen im Einzelfall festgelegt werden, häufige Ziele sind die Lebensverlängerung bei geringer Einschränkung der Lebensqualität (palliative lebensverlängernde Therapie) und die Vermeidung oder Linderung von belastenden Symptomen (palliative symptomorientierte Therapie).

 

Therapie des kleinzelligen Lungenkarzinoms (ca. 15% der Lungenkarzinome)

   

Das SCLC ist ein sehr rasch wachsender aggressiver Tumor, welcher früh Metastasen bildet. Eine Operation oder eine alleinige Bestrahlung ohne Chemotherapie sind bei dieser Erkrankung deshalb nur selten sinnvoll.

Die kleinzelligen Lungenkarzinome werden unterteilt in

  • Begrenztes Stadium (limited disease), d. h. der Tumor wächst nur auf einer Seite der Brusthöhle, die Brustwand ist nicht direkt betroffen und nur bestimmte Lymphknoten sind beteiligt.
  • Fortgeschrittenes Stadium (extensive disease), d. h. jede Ausdehnung des Tumors über die Definition von limited disease hinaus, i. d. Regel mit Befall anderer Organe (Metastasen)

Chemotherapie in Kombination mit Immuntherapie

Die Krebszellen des kleinzelligen Lungenkarzinoms reagieren besonders empfindlich und damit wirkungsvoll auf die Chemotherapie. Diese hat die Aufgabe, als Zellgift auf die Teilung der Krebszellen zu wirken und diese zu vernichten. In den meisten Fällen wird eine Polychemotherapie mit mehreren verschiedenen Einzelsubstanzen in unterschiedlichen Kombinationen verabreicht.

Die Patienten können die Chemotherapie in Form von Kapseln, Tabletten, als Spritze oder Infusion verabreicht bekommen. Die Behandlung erfolgt in mehreren Chemotherapiezyklen (4-6 Zyklen) nach einem festen Zeitschema. Zwischen den einzelnen Therapiezyklen liegen therapiefreie Intervalle in denen sich der Patient erholen kann.

Leider wirkt die Chemotherapie nicht nur auf Tumorzellen, sondern auch auf gesunde Zellen des Körpers, die sich schnell teilen. Dadurch treten, meist vorübergehend, in seltenen Fällen auch anhaltend, Nebenwirkungen wie z.B. Haarausfall, Schädigungen der Darmschleimhaut oder Blutbildveränderungen auf. Regelmäßige Blutbildkontrollen sind erforderlich, um eine Verschlechterung des Blutbildes rechtzeitig zu erkennen und z.B. vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung von Infekten einzuleiten. Außerdem können sie helfen, die Chemotherapie in ihrer Intensität individuell anzupassen.

Bei vielen Patienten konnten durch eine Polychemotherapie eine Teil- oder sogar Vollremission (Rückgang/ Verschwinden der Tumormasse) erzielt werden. Die durchschnittliche Überlebenszeit konnte so deutlich verlängert werden. Die besten Heilungschancen haben Patienten mit einem ‚limited disease’ Tumor.

Bei bereits fortgeschrittenem Lungenkarzinom kann eine palliative Chemotherapie Symptomlinderung und Lebenszeitverlängerung bewirken. Die Auswahl der Zytostatika hängt maßgeblich vom Allgemeinzustand des Patienten ab.

Vor kurzem konnte gezeigt werden, dass die Hinzunahme von Checkpointinhibitoren („Immuntherapie“) zur Chemotherapie die Überlebenszeit bei Patienten mit ausgedehnter Erkrankung etwas verbessern kann.

Für jeden Tumorpatienten wird der behandelnde Arzt ein individuelles Behandlungskonzept erstellen, dass sich nicht nur an den Gegebenheiten des Tumors, sondern auch an der körperlichen und psychischen Belastbarkeit orientiert und darauf abgestimmt werden kann.

Studien: Es werden fortlaufend zahlreiche neue Medikamente und innovative Therapieverfahren entwickelt. Auch am Universitätsklinikum Ulm stehen neue Medikamente im Rahmen klinischer Studien für die Behandlung des Lungenkarzinoms zur Verfügung

Strahlentherapie (Radiotherapie)

Die Strahlentherapie hat, wie auch die Chemotherapie, die Vernichtung der Krebszellen zum Ziel. Durch eine hohe, aber gezielte Strahlenkonzentration sollen die Krebszellen geschädigt, das gesunde Gewebe aber verschont werden.

Wenn sich Patienten mit einem begrenzten Tumor nach einer erfolgreichen Chemotherapie in einer Teil- oder sogar Vollremission (Verschwinden des Tumors) befinden, kann die Strahlentherapie zur Stabilisierung des Krankheitsstatus beitragen.

Durch die Kombination von Chemo- Immuntherapie und Strahlentherapie konnte eine Verlängerung der Überlebenszeit, eine Erhöhung der Heilungsquote und längere rezidivfreie Zeiträume erreicht werden.

Die Bestrahlungstherapie erfolgt meistens ambulant über mehrere Wochen hinweg in kleinen Einzeldosen. Dies gewährleistet eine schonende Behandlung des gesunden Gewebes. Nach einer Strahlentherapie können gelegentlich Nebenwirkungen, wie Hautrötung, Verfärbung der Haut, Verhärtung der Unterhaut, Schluckbeschwerden (Bestrahlungsfeld Speiseröhre), Entzündung von Lungengewebe, Vernarbung von Lungengewebe (Lungenfibrose) mit Hustenreiz und Verminderung der Atemkapazität und in sehr seltenen Fällen eine Herzleistungsminderung sein, wenn das Herz ebenfalls im Bestrahlungsfeld lag.

Operation

Die operative Therapie spielt beim kleinzelligen Lungenkarzinom nur eine geringe Rolle. Lediglich im Stadium I ist bei peripheren Tumoren die primäre Operation gefolgt von einer Systemtherapie indiziert.

Eine alleinige Operation ist für das kleinzellige Lungenkarzinom immer eine unzureichende Therapiemaßnahme.

In seltenen Fällen kommt es aufgrund der Tumorausbreitung zu Blutungen oder anhaltenden Infektionen des Lungengewebes. Bei gutem Allgemeinzustand und bei Versagen einer nichtinvasiven Therapie kann eine palliative Operation Linderung verschaffen.


Therapie des nicht-​kleinzelligen Lungenkarzinoms
(ca. 75-80% der Lungenkarzinome)

  

Die Behandlung des nicht-​kleinzelligen Lungenkarzinoms hängt vom Tumorstadium ab. In den Stadien I und II ist eine operative Entfernung des Tumors die Standardtherapie. Je nach Tumorstadium kann durch eine postoperative Chemotherapie oder in bestimmten Fällen auch mit einer zielgerichteten Therapie (adjuvante Therapie) eine weitere Verbesserung der Heilungschancen und des rezidivfreien Überlebens erzielt werden. In den Stadien IIIA und IIIB kann das Lungenkarzinom unter günstigen Umständen ebenfalls operativ entfernt werden, häufig wird aber ein erweiterter Behandlungsplan nötig, der Chemotherapie, Strahlentherapie mit nachfolgender Immuntherapie und/oder Operation als Therapiemöglichkeiten einschließt. Bei dem am weitesten fortgeschrittenen Stadium IV mit Fernmetastasen erfolgt meistens eine Chemo- Immuntherapie, eventuell ergänzt durch eine Strahlentherapie.

Für einige Unterarten des nicht kleinzelligen Lungenkarzinoms mit bestimmten genetischen Veränderungen wurden Medikamente entwickelt, die eine zielgerichtete gegen eine bestehende genetische Veränderung des Tumors gerichtete Therapie ermöglichen.

Aktuell können folgende genetische Veränderungen bei Lungenkrebs mit einer zielgerichteten Therapie behandelt werden: ALK Translokationen, BRAF-V600E Mutation, EGFR Exon 18-21 Mutationen, NTRK Fusionen, RET Translokationen, ROS1 Translokationen. C-Met Exon 14 skipping Mutation.
Weitere zielgerichtete Ansätze sind in der Entwicklung und stehen zum Teil schon kurz vor der Zulassung.

Bei Tumoren ohne genetische Veränderungen ist eine Chemo-Immuntherapie derzeit in den meisten Fällen als Standard anzusehen.

Operation

Die Operation kommt v.a. in den frühen Stadien als kurative (heilende) Operation in Frage, wenn der Tumor noch lokal begrenzt ist. In manchen Fällen hilft auch eine Vorbehandlung mit Chemotherapie oder Bestrahlung um den Tumor zu verkleinern und dann kurativ zu operieren. Diese Entscheidungen hierzu werden immer interdisziplinär in unserem Tumorboard besprochen.

Das Ausmaß der Operation ist immer von verschieden Punkten abhängig. Der Lage des Tumors, ihrem Allgemeinzustand und der Funktionalität der Restlunge.

  • Kurative Operation:
    Die komplette Entfernung des Lungenkarzinoms bietet die besten Chancen auf eine Heilung. Bis zum Tumorstadium IIB ist es dem Chirurgen in der Regel möglich, den Tumor mit ausreichendem Sicherheitsabstand vollständig zu entfernen, ohne die Funktion der Lunge unverhältnismäßig zu beeinträchtigen. Die tatsächliche Tumorausdehnung lässt sich aber erst mit Sicherheit während der Operation bestimmen und das weitere Vorgehen kann manchmal erst hier kurzfristig entschieden werden. Teilweise kann auch in einem bereits weiter fortgeschrittenen Tumorstadium operiert werden. Je nach Ausbreitung der Erkrankung, kann die Operation mehr oder weniger umfangreich erfolgen. Manchmal müssen einzelne Lungenlappen, in ungünstigeren Fällen ein ganzer Lungenflügel entfernt werden.
  • Palliative Operation:
    In seltenen Fällen kommt es aufgrund der Tumorausbreitung zu Blutungen oder anhaltenden Infektionen des Lungengewebes. Bei gutem Allgemeinzustand und bei Versagen alternativer Therapien kann auch hier eine Operation helfen. Ziel dieser palliativen Operation ist die Linderung von Beschwerden.


Strahlentherapie (Radiotherapie)

Eine primäre Bestrahlung (Bestrahlung als erste Therapie) findet statt, wenn der Lungentumor nicht operativ entfernt werden kann.

Eine sekundäre Bestrahlung (Bestrahlung als Zweittherapie) erfolgt, wenn der Tumor nicht vollständig operativ entfernt werden konnte und die im Körper verbliebenen Tumorzellen zerstört werden sollen.

Eine adjuvante Bestrahlung (Bestrahlung nach einer Operation) erfolgt, wenn sich bei der primären Operation ein größerer Lymphknotenbefall (N2) herausgestellt hat. In der Regel erfolgt die adjuvante Strahlentherapie nach einer adjuvanten Chemotherapie bei diesen Patienten, mit dem Ziel das tumorfreie Überleben zu verbessern.

Palliative Strahlentherapie: Bei schmerzhaften Metastasen oder Knochenmetastasen, die eine Stabilitätsgefährdung des Knochens verursachen, kann eine Bestrahlung häufig eine rasche Besserung der Beschwerden bewirken.

Kombinierte Radiochemotherapie

Die Kombination von Strahlentherapie mit der medikamentösen Tumortherapie ist effektiver als die Strahlentherapie allein. Die Wahl der Medikamente richtet sich nach der Komorbidität der Patienten.

Chemo- Immuntherapie

Adjuvante Chemotherapie (nach einer Operation verabreicht):
Bei Patienten mit Tumoren in einem Tumorstadium II-​III ist nach einer Operation eine Chemotherapie indiziert, um die Heilungschance weiter zu verbessern.

Adjuvante Immuntherapie:
Bei Patienten nach Radiochemotherapie soll noch für 1 Jahr eine Immuntherapie verabreicht werden.

Neoadjuvante Chemotherapie (vor einer Operation verabreicht):
Durch Studien konnte gezeigt werden, dass bei einem bereits fortgeschrittenen nicht-​kleinzelligen Lungenkarzinom eine neoadjuvant (vor der Operation) verabreichte Chemotherapie zum Teil bessere Bedingungen für eine Operation schaffen kann. Im günstigsten Fall wird der Tumor durch die Chemotherapie verkleinert und kann dadurch operativ sicherer entfernt werden.

Palliative Chemo- Immuntherapie:
Durch neue Medikamente bekommt die palliative Chemotherapie für Patienten mit einem metastasierten nicht-​kleinzelligen Lungenkarzinom einen neuen Stellenwert. Moderne Chemotherapeutika sind gut verträglich und können die Lebenszeit verlängern sowie tumorbedingte Symptome verbessern oder deren Auftreten verzögern. Die Immuntherapie (Checkpointinhibitoren) aktivieren die körpereigenen Immunzellen zur Tumorbekämpfung.

Studien: Zurzeit werden zahlreiche neue Medikamente und innovative Therapieverfahren entwickelt. Auch am Universitätsklinikum Ulm stehen neue Medikamente im Rahmen klinischer Studien für die Behandlung des Lungenkarzinoms zur Verfügung. (Studienzentrale)

Sollte sich unter der ersten Chemotherapie ein Fortschreiten der Erkrankung zeigen, kann die Umstellung auf andere Medikamente sinnvoll sein. Als zielgerichtete Therapie in der 2. Therapielinie ist eventuell eine Kombination einer Chemotherapie mit den Substanzen Nintedanib oder Ramucirumab möglich.

Palliative bronchoskopische Therapie beim Lungenkarzinom

Die Bronchoskopie dient immer häufiger nicht nur der Diagnosestellung, sondern sie kann auch als palliative Therapie dem Patienten Linderung verschaffen. Wenn die Atemwege durch Sekret, Gewebe oder Blut verstopft sind, können verschiedene Methoden wie Sekret absaugen, Kompression von Blutungsquellen, Laserentfernung von Tumorgewebe, Einlegen von Röhrchen (Stent) zum offen halten von verengten Stellen, dem Patienten das Atmen deutlich erleichtern.

Rehabilitation

Die Therapie einer Krebserkrankung (Operation, Starhlentherapie und medikamentöse Tumortherapie) sowie bestehende Begleiterkrankungen können bei Patient*innen zu Therapiefolgestörungen unterschiedlichen Schweregrades führen. Sie können durch gezielte rehabilitative Maßnahmen im somatischen und psychosozialen Bereich gelindert werden.

Über die Möglichkeiten ambulanter und stationärer Rehabilitationsmöglichkeiten werden sie durch ihren behandelnden Arzt oder den Sozialdienst im Krankenhaus informiert.

Nachsorge

Zeil der Nachsorge ist die frühzeitige Diagnose eines Rezidives (Wiederauftreten des Tumors) und Erkennung von Nebenwirkungen der Therapie. Nach kurativer Therapie ist Ziel der Nachsorge auch die frühzeitige Diagnostik eines Zweittumors.

Die Nachsorge wird im 1. Jahr nach Behandlung in 3-monatigen Abständen durchgeführt. Ab dem 2. Jahr erfolgt die Nachsorge dann in halbjährlichen Abständen.

Die Nachsorgeuntersuchung beinhaltet die Befragung, die körperliche Untersuchung, Basislabor und eine bildgebende Untersuchung der Lunge. Weitere Untersuchungen können vom behandelnden Arzt je nach Einschätzung des Rückfallrisikos und Beschwerden ergänzt werden.

Krankheitsverlauf (Rezidive und Metastasen)

Wenn es nach erfolgreicher Behandlung eines Lungenkarzinoms zu einem erneuten Auftreten eines Tumors (Rezidiv) kommt, ist der Ablauf der Behandlung ähnlich dem bei erstmaliger Diagnose der Erkrankung.
Es werden Untersuchungen durchgeführt, mit denen die Ausbreitung des Tumors im Körper festgestellt werden kann. Danach wird je nach bereits durchgeführter Behandlung bei der Erstdiagnose vom behandelnden Arzt ein individueller Behandlungsplan erstellt, der eine oder mehrere der im Abschnitt „Therapie“ beschriebenen Optionen beinhalten wird.