Beratungsstelle für Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit

Wissenschaftlicher Schwerpunkt Reproduktionstoxikologie

Die Reproduktionstoxikologie befasst sich mit den Auswirkungen von potentiell schädigenden Faktoren (zum Beispiel Medikamente, Arbeitsplatz- und Umweltchemikalien) auf die Fruchtbarkeit der Eltern und die Entwicklung des Kindes während Schwangerschaft und Stillzeit. Vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel können Medikamente fatale Auswirkungen haben, wie der Contergan-Skandal lehrte. Neben der Beratung widmen wir uns seit über 25 Jahren der Pharmakovigilanz auf dem Gebiet der Reproduktionstoxikologie.

Mit Hilfe eines speziellen Datenbanksystems erfassen wir Informationen über die Folgen einer Medikamenten- oder Schadstoffexposition. Dadurch können wir Ihnen schnell und umfassend aktuelle Erkenntnisse über den Einsatz von Medikamenten in Schwangerschaft und Stillzeit sowie über fruchtschädigende Umweltfaktoren zur Verfügung stellen.

Profilbild von Dr. Wolfgang Paulus

Dr. Wolfgang Paulus

Leiter Reprotox

Kontakt & Beratung

Telefon 0731 500-58655

Telefax 0731 500-58656

Sie erreichen uns telefonisch:
Mo bis Do: 09.00 - 18.00 Uhr
Fr: 09.00 - 16.00 Uhr

Anfrageformular:
Bitte verwenden Sie unser standardisiertes Anfrageformular. In der Regel beantworten wir die Fragen innerhalb von 24 Stunden in schriftlicher Form. Wir speichern die Informationen lokal unter Berücksichtigung des Datenschutzes und der ärztlichen Schweigepflicht (Hinweise zum Datenschutz »).

Anfrageformular (PDF)

Leistungen und Ziele

  • Besteht ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen nach der Einnahme bestimmter Medikamente in der Schwangerschaft?
  • Welche Medikamente können bei Kinderwunsch und chronischen Erkrankungen in der Schwangerschaft beibehalten werden?
  • Welche Risiken bestehen nach Strahlenexposition, Infektionserkrankungen sowie nach Kontakt mit Arbeitsplatz- und Umweltchemikalien in der Schwangerschaft?
  • Welche Möglichkeiten bietet die vorgeburtliche Diagnostik zur Abschätzung des Risikos für das Ungeborene?
  • Kann auch die väterliche Medikamentenanwendung vor der Empfängnis Probleme für das Kind hervorrufen?
  • Lässt sich eine Medikamenteneinnahme mit dem Stillen vereinbaren?
Wir beraten
  • Ärztinnen und Ärzte
  • Patientinnen
  • Hebammen
  • Apotheken
  • Pharmazeutische Industrie
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schwangerenberatung

Zur Erfassung eventueller Schädigungen des Neugeborenen nach Exposition in der Schwangerschaft erhalten Sie von uns einen Rückmeldebogen. Bitte informieren Sie uns damit über Verlauf und Ausgang der Schwangerschaft sowie der frühkindlichen Entwicklung. Nutzen Sie diese Möglichkeit – nur so kann die Datenbasis breiter und die Qualität zukünftiger Auskünfte noch besser werden! Aktuell erreichen wir eine Rückmeldequote von über 70 Prozent.

Senden Sie das vollständig ausgefüllte Formular bitte an die Fax-Nummer: 0731 500-58656.

Da wir unsere Beratung bei den Krankenkassen nicht abrechnen können, sind wir auf Zuschüsse und Spenden angewiesen. Damit wir unsere Arbeit auch in Zukunft engagiert weiterführen können, bitten wir Sie um eine freiwillige Zuwendung von 30 Euro pro Konsultation.

Erfahren Sie mehr zu diesem Thema unter Spenden.

Mit unserer Arbeit in der Beratungsstelle für Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit wollen wir Perspektiven für das Leben entwickeln.

Wir verfolgen dieses Ziel, indem wir
  • bei Fragen zu Medikamenten, Impfstoffen, Infektionen, Strahlen- und Chemikalienexposition in Schwangerschaft und Stillzeit beraten.
  • Schwangerschaftsabbrüche durch wissenschaftlich fundierte Aufklärung verhindern.
  • Expositionen in der Schwangerschaft nachverfolgen und dokumentieren. So können wir das reproduktionstoxikologische Risiko immer besser beurteilen.
  • Fort- und Weiterbildungen für Fachkreise anbieten sowie interessierte Laien aufklären.

Vorstellung: Das ist Reprotox

Die pharmazeutische Industrie zieht sich auf eine juristisch sichere Position zurück, indem sie bei den meisten Präparaten in der Fachinformation unter der Rubrik "Schwangerschaft" "kontraindiziert" oder zumindest "strenge Indikationsstellung" vermerkt.

Ein Therapieverzicht bei chronisch kranken Schwangeren kann jedoch zum Beispiel bei Epilepsie, Bluthochdruck oder Asthma bronchiale zur dramatischen Verschlechterung der Grunderkrankung führen – und damit zu einer erheblichen Gefährdung des ungeborenen Kindes. Andererseits kommt es aufgrund mangelhafter Information immer wieder zu unnötigen Schwangerschaftsabbrüchen nach Exposition mit Medikamenten, Strahlung, Infektionen, Arbeitsplatz- oder Umweltchemikalien. Mit kompetenter Beratung kann dies verhindert werden.

Die Reproduktionstoxikologie befasst sich mit den Auswirkungen von potenziell schädigenden Faktoren auf die Fruchtbarkeit der Eltern und die Entwicklung des Kindes während Schwangerschaft und Stillzeit. Zu solchen schädigenden Faktoren zählen zum Beispiel Medikamente, Arbeitsplatz- und Umweltchemikalien. Mithilfe eines Datenbanksystems sowie eines Kommunikationsnetzwerks sammeln wir detaillierte Informationen über die Folgen einer Medikamenten- oder Schadstoffexposition und werten sie aus. So können wir schnell die aktuellen Informationen über Risikomedikamente sowie fruchtschädigende Umweltfaktoren weitergeben.

Wenn ein Arzneimittel zugelassen wird, sind die Kenntnisse über dessen Sicherheit naturgemäß nicht vollständig. Bis dahin wurde das Arzneimittel an einer vergleichsweise geringen Patientenzahl erprobt. Besonders klinische Studien mit Schwangeren sind aus ethischen Gründen kaum durchführbar. Auch lange Zeit nach ihrer Zulassung gibt es immer wieder neue Erkenntnisse über die Sicherheit von Arzneimitteln. Daher ist eine systematische Beobachtung der Sicherheit eines Fertigarzneimittels ab dem Zeitpunkt seiner Marktzulassung nötig. Diese systematische Beobachtung nennt man Pharmakovigilanz.

Wir betreiben schon seit über 25 Jahren Pharmakovigilanz auf dem Gebiet der Reproduktionstoxikologie. Das heißt: Wir überwachen Arzneimittelrisiken in der Schwangerschaft und Stillzeit. Die wachsende Zahl von Beratungen ist eine ideale Grundlage für eine wissenschaftliche Auswertung. In den vergangenen Jahren konnten wir in über 30.000 Fällen Schwangerschaftsverlauf und -ausgang in unserer Datenbank FETIS archivieren. Dies ermöglicht bei vielen Substanzen Aussagen über Fehlgeburts- und Fehlbildungsrisiken nach Anwendung in der Frühschwangerschaft.

Zwischen 1958 und 1961 wurden rund 10.000 Kinder mit schweren Gliedmaßen-Defekten geboren, deren Mütter das Schlafmittel Thalidomid eingenommen hatten. Bundesweit bekannt wurde dies als Contergan-Skandal. Seit dieser Katastrophe sind Pharmaindustrie, Ärzte und Patientinnen zu Recht vorsichtig beim Einsatz von Medikamenten.

Nach statistischen Erhebungen nehmen 15 bis 50 Prozent aller Schwangeren Medikamente im ersten Schwangerschaftsdrittel ein, oft noch in Unkenntnis der Schwangerschaft. Angesichts der sensiblen Phase der Organbildung in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten kann dies besonders fatale Auswirkungen haben.

Forschung

Nach Thalidomid (Contergan) wurden weitere fruchtschädigende Arzneimittel wie z. B. Vitamin–A-Säure-Abkömmlinge (z. B. Isotretinoin), Folsäureantagonisten (z. B. Methotrexat) oder Antiepileptika (z. B. Valproinsäure) entdeckt. Auch das Immunsuppressivum Mycophenolatmofetil wird neuerdings für Fehlbildungen verantwortlich gemacht. Eine Vielzahl anderer Wirkstoffe gilt als potentiell fruchtschädigend, wobei der Effekt dieser Pharmaka vor allem von Dosis und Expositionszeit abhängt. Bei zahlreichen Präparaten liegen Fallberichte über Fehlbildungen vor, jedoch fehlen Studien mit statistischer Aussagekraft.

Wissenschaftliche Auswertung der Daten

Angesichts der zunehmenden Inanspruchnahme unserer Beratungsstelle ergab sich über die beratende Funktion hinaus eine wachsende Notwendigkeit, das anfallende Datenmaterial wissenschaftlich auszuwerten. Da sich embryonaltoxikologische Forschungen aus ethischen Gründen meist auf Tierversuche beschränken, bot sich hier eine ideale Möglichkeit, die häufig sehr dürftige Datenlage beim Menschen durch sorgfältige Erhebungen bei Anfrage nach Medikamentenanwendung in der menschlichen Frühschwangerschaft zu verbessern. Durch engagierte Mitarbeit der Anfragenden gelang es, die Rückmeldequote inzwischen auf über 70 Prozent zu steigern.

In den vergangenen Jahren konnten wir in über 30.000 Fällen Schwangerschaftsverlauf und  -ausgang in unserer Datenbank FETIS archivieren. Dies ermöglicht bei vielen Substanzen Aussagen über Fehlgeburts- und Fehlbildungsrisiken nach Anwendung in der Frühschwangerschaft. Beratung und wissenschaftliche Erfassung müssen in diesem sensiblen Bereich untrennbar verbunden sein. Nur so können wir auch in Zukunft den betroffenen Eltern effektiv helfen.

Spenden

Unser Service ist gebührenfrei, Spenden sind jedoch erwünscht. Sie können unsere Arbeit unterstützen! Unsere ärztliche Beratung kann bislang leider nicht bei den Krankenkassen abgerechnet werden. Die seit 2002 maßgeblich von der Diözese Rottenburg-Stuttgart unterstützte Beratungsstelle ist daher auch auf Zuschüsse und Spenden angewiesen. Aus diesem Grund bitten wir Sie um eine freiwillige Zuwendung von 30 Euro pro Konsultation. Natürlich können Sie den Betrag selbst festzusetzen. Unser Vorschlag dient nur zur Orientierung.

So hilft uns Ihre Spende:
  • Wir können konkrete Hilfen für werdende oder stillende Mütter durch unsere Beratungsstelle anbieten.
  • Wir können unsere Forschung bei der Beurteilung von Fehlgeburts- und Fehlbildungsrisiken vorantreiben.
  • Es können unnötige Schwangerschaftsabbrüche vermieden werden.

Falls Sie unsere Arbeit unterstützen möchten, lautet unsere Bankverbindung:

Universitätsklinikum Ulm
IBAN: DE166305 0000 0000 1064 78
BIC: SOLADES1ULM
Verwendungszweck: S.173 Reprotox

Bei Spenden bis 200 Euro wird der von Ihrer Bank abgestempelte Quittungsabschnitt oder Kontoauszug als Beleg vom Finanzamt anerkannt. Falls Sie eine Spendenbescheinigung wünschen, geben Sie bitte Ihre vollständige Anschrift auf dem Überweisungsträger an.

Kooperationspartner

Um unsere Ziele zu erreichen, kooperiert unsere Beratungsstelle mit folgenden Einrichtungen.

1990 hat sich ein europäisches Netzwerk kooperierender embryonaltoxikologischer Beratungsstellen unter der Bezeichnung ENTIS (European Network of Teratology Information Services) gebildet. Mittlerweile arbeiten über 30 Einrichtungen aus ganz Europa in diesem Netzwerk zusammen. Unsere Beratungsstelle beteiligt sich seit 1992 zusammen mit der „Berliner Beratungsstelle für Embryonaltoxikologie“ als deutsches Referenzzentrum an ENTIS. In Zusammenarbeit mit der ENTIS-Gruppe entwickeln wir seit 1992 ein internationales „Follow-up“- Programm (FETIS). Darin dokumentieren wir die eingegangenen Anfragen und werten sie aus.

Seit 1999 ist unsere Beratungsstelle Mitglied in der „Arbeitsgemeinschaft Arzneimitteltherapie bei psychiatrischen Erkrankungen“ (AGATE). In AGATE haben sich die bayerischen Bezirkskrankenhäuser zusammengeschlossen, um die Qualität bei der Anwendung von Medikamenten zu sichern und zu optimieren. AGATE ist im Jahr 2000 aus der „Arzneimittelüberwachung in der Psychiatrie Bayerns“ (AMÜP-Bayern) hervorgegangen. Zwischen 1979 und 1989 hat die AMÜP-Bayern die Methoden für die Errichtung eines fachspezifischen Pharmakovigilanz-Systems entwickelt. Dieses System konzentriert sich auf die Psychopharmakologie als ein Teilgebiet der Klinischen Pharmakologie.

Unsere Einrichtung dient AGATE als Anlaufstelle für Beratung und Datenerfassung bei der Anwendung von Psychopharmaka in Schwangerschaft und Stillzeit.

Den Fortbestand unserer Beratungsstelle verdanken wir in erster Linie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die seit 2002 die Hauptlast der Finanzierung trägt.

Bischof Dr. Gebhard Fürst beschreibt die Unterstützung von REPROTOX durch die Diözese Rottenburg-Stuttgart so: „Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat sich trotz ihrer angespannten Haushaltslage aus voller und innerster Überzeugung für das menschen- und lebensfreundliche Forschungszentrum entschieden. Die Diözese leistet einen beispielhaften und zukunftsweisenden Beitrag dazu, wie die Bewegung, für das Leben aufzustehen, ganz konkret aussehen kann. Mit Informationen über eventuelle Schädigungen während der Schwangerschaft oder Therapievorschlägen bei Erkrankungen in der Schwangerschaft und Stillzeit können Abbrüche vermieden werden.“

Die 1967 gegründete Universität Ulm bildet seit Jahrzehnten die wissenschaftliche Basis für unsere Aktivitäten. Hier ist die Kooperation und Interdisziplinarität durch die räumliche Nähe aller Fächer unter einem Dach gewährleistet.

Der Ursprung unserer Zusammenarbeit war 1976 ein Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Die Universitätsfrauenklinik Ulm sollte ein Beratungstelefon zur Medikation in Schwangerschaft und Stillzeit einrichten.

Seit 01.04.2017 befindet sich unsere Beratungsstelle wieder unmittelbar an der Universitätsfrauenklinik Ulm, wo uns eine ideale wissenschaftliche Infrastruktur zur Verfügung steht.

Sitz unseres Instituts war von 2002 bis 2017 das Krankenhaus St. Elisabeth in Ravensburg, ein Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Ulm. Das Krankenhaus gehört zum Verbund der Oberschwabenklinik GmbH.

Die St. Elisabeth-Stiftung mit Sitz in Bad Waldsee verwaltete unsere Einrichtung im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart von 2002 bis 2017 am Krankenhaus St. Elisabeth in Ravensburg. Die Stiftung betreibt soziale Einrichtungen und Dienste in Baden-Württemberg – überwiegend zwischen Ulm und Bodensee.

Die KVBW verweist auf unsere Beratungsstelle insbesondere bei Fragen zu einer eventuellen Schädigung des Kindes durch eine in Unkenntnis einer vorliegenden Schwangerschaft erfolgten Arzneimittelverwendung. Seit 2014 wird unser Projekt durch einen jährlichen Zuschuss der KVBW unterstützt.

Seit 2006 ist Dr. Wolfgang Paulus außerordentliches Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). Diese Institution kümmert sich um Fragen der Arzneimittelsicherheit in Deutschland.

Aktuelle Themen

An dieser Stelle wollen wir Sie in regelmäßigen Abständen zu aktuellen Themen informieren.

Fipronil ist ein hochwirksames Insektizid und Akarizid aus der Phenylpyrazol-Familie. Seine Wirkung beruht auf einer selektiven Hemmung des GABA-Rezeptors im Zentralnervensystem von Wirbellosen. Fipronil wird nach umfassender Prüfung als sehr wirksam sowie relativ sicher für Mensch und Tier eingestuft, sofern die üblichen Dosierungsempfehlungen eingehalten werden. Der Wirkmechanismus setzt vor allem beim Parasiten an. Fipronil wird auch im Pflanzenschutz eingesetzt, z. B. auf Orangen, Reis, Mais usw. In der Europäischen Union gilt seit 2007 eine Zulassung von Fipronil für Pflanzenschutzmittel (ausschließlich Saatgutbehandlung), die zum 31. Juli 2018 ausläuft.

In Tierexperimenten wurde trächtigen Kaninchen Fipronil in Dosen bis zu 1 mg/kg/d verabreicht, ohne dass sich eine Schädigung der Nachkommen zeigte. 96 Stunden nach einer äußerlichen Anwendung von Fipronil (70 mg/kg) stellte man bei weiblichen Ratten Veränderungen von Progesteron- und Östrogenspiegeln fest. Nach Einmalgabe von 280 mg/kg nahm die Schwangerschaftsrate um ca. 1/3 ab (Ohi et al 2004).

Mischte man trächtigen Ratten Fipronil in Dosen von 0,1, 1 oder 10 mg/kg/d ins Futter, fand sich bei den Nachkommen keine Zunahme von Anomalien (Udo et al 2014). Die Gewichtszunahme der Muttertiere sowie die körperliche Entwicklung der Nachkommen verliefen unauffällig. Allerdings zeigten sich mitunter Verhaltensänderungen der Muttertiere sowie eine verzögerte Entwicklung mancher Reflexe bei den Nachkommen. Dies könnte auf die Blockade der GABA-Rezeptoren zurückzuführen sein.

In einer weiteren Studie fütterte man trächtige Ratten vom 6. bis 20. Schwangerschaftstag mit Fipronil in Dosen von 0,1, 1,0 bzw. 10,0 mg/kg/d. In der niedrigsten Dosis zeigte sich eine Verminderung, in der höchsten Dosis eine Steigerung des Aggressionsverhaltens der Muttertiere. Organische Störungen ergaben sich bei der Untersuchung von Muttertieren und Nachkommen nicht (Magalhães et al 2015).

Verabreichte man Fipronil trächtigen Ratten vom 15. Schwangerschaftstag bis sieben Tage nach Geburt, beobachtete man bei den weiblichen Nachkommen keine Veränderungen am äußeren Genitale. Fertilität, Hormonkonzentrationen, Sexualverhalten sowie die Entwicklung von Eierstöcken und Gebärmutter wiesen keine Abweichungen auf (de Barros et al 2016). Es liegen keinerlei Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko nach Kontakt mit Fipronil beim Menschen vor.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat am 30.07.2017 auf Basis einer Mitteilung im Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel (RASFF), derzufolge in Belgien erhöhte Gehalte an Fipronil in Eiern und Hühnerfleisch festgestellt wurden, eine Risikobewertung erstellt. Beispielhaft kann bei dem bislang höchsten in Belgien (nicht in Deutschland) gemessenen Gehalt von 1,2 mg Fipronil/kg Ei ein Erwachsener von 65 Kilogramm Körpergewicht sieben Eier an einem Tag (einmalig bzw. innerhalb von 24 Stunden) essen, ohne dass der gesundheitliche Richtwert, die akute Referenzdosis (ARfD), überschritten wird. Solange die abgeschätzte maximale Aufnahmemenge unterhalb der ARfD bleibt, ist eine gesundheitliche Gefährdung unwahrscheinlich. Ein Kind mit einem Körpergewicht von zehn Kilogramm, was einem Alter von etwa einem Jahr entspricht, kann danach ein Ei pro Tag (einmalig bzw. innerhalb von 24 Stunden) essen, ohne dass der gesundheitliche Richtwert, die akute Referenzdosis (ARfD), überschritten wird.

Eine Überschreitung der ARfD bedeutet aber nicht zwangsläufig eine konkrete Gesundheitsgefährdung, sondern zeigt nach dem derzeitigen Stand des Wissens an, dass eine gesundheitliche Gefährdung für Verbraucherinnen und Verbraucher nach Verzehr dieser belasteten Hühnereier möglich ist. Der Sicherheitsfaktor zwischen der höchsten Dosis in Tierstudien, bei der keine signifikanten gesundheitsschädigenden Befunde beobachtet wurden, und der akuten Referenzdosis für den Menschen beträgt bei Fipronil 100. Das heißt, die Dosis, die in Tierstudien zu keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung führte, wurde durch 100 geteilt, um für die Übertragung auf den Menschen einen angemessenen Sicherheitsabstand zu erlangen. Die gesundheitlichen Richtwerte schließen auch sensible Bevölkerungsgruppen wie Schwangere oder Senioren ein.

Katzenbesitzern ist der Wirkstoff zum Schutz vor Zeckenbefall als Lösung bekannt, die auf die Nackenhaare geträufelt wird. Es handelt sich also nicht um eine hochgiftige Substanz, die bei geringen Dosen zu Vergiftungserscheinungen führen könnte.