Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Liebe Patienten, liebe Kolleginnen und Kollegen,

herzlich willkommen auf der Seite unserer Arbeitsgruppe "Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen“ der Klinik für Innere Medizin I.

Schwerpunkt unserer Arbeitsgruppe ist die Diagnose, Therapie und das Management von Komplikationen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen.

Unser Anliegen ist es, für Sie eine optimale Behandlung in Zusammenarbeit mit allen beteiligten, internen und externen Kolleginnen und Kollegen zu gewährleisten.

Sollten Sie weitere Fragen zum Thema chronisch-entzündliche Darmerkrankungen haben, sprechen Sie uns gerne an.

Kontakt & Terminvergabe

Telefon 0731 500-44075 o/ -44801

Telefax 0731 500-44074

Wir sind telefonisch erreichbar:
Mittwochs & Donnerstags jeweils von 08:00 – 13:00

Erstvorstellungen:
Bei Neuvorstellungen in unserer Ambulanz benötigen wir einen Überweisungsschein mit aktueller Fragestellung, und Ihre aktuellen Befunde und, wenn vorhanden, Laborwerte. Nach Übermittlung dieser Dokumente per FAX, Email oder auf dem Postweg kontaktieren wir Sie und teilen Ihnen Ihren Termin für den Erstbesuch mit, wenn unsere Ambulanzsprechstunde in Ihrem Fall der richtige Ansprechpartner ist.

Sprechstundendetails >

Team Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen

Ärzteteam

PD Dr. med. Jochen Klaus  

PD Dr. med. Martin Müller  

Dr. med. Lena Rauschek  

Dr. Katja Steding  

Pflege

 Jana Berthold (M.Sc.)  

 Monika Kretschmer, CED-Fachkrankenschwester

Schwerpunkte

Diagnostik, Therapie und Forschung für unsere Patienten

Diagnostik

Der Schwerpunkt des Bereichs "chronisch entzündliche Darmerkrankungen" in unserer Klinik liegt auf der Diagnostik und Therapie insbesondere schwerer Formen von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Dazu gehört zunächst die Durchführung aller etablierten diagnostischen Verfahren wie der Endoskopie, sämtlicher Schnittbildverfahren (CT, MRT, PET-CT, konventionell-radiologische Verfahren). Dabei erhalten wir Unterstützung von Kollegen aus anderen Fachabteilungen, wie z.B. Viszeralchirurgie, Dermatologie, Rheumathologie, Radiologie, Pathologie und Mikrobiologie. Wir können so eine ausgesprochen hohe diagnostische Sicherheit erzielen.

Therapie

Alle wissenschaftlich etablierten Therapieansätze kommen bei uns entsprechend neuester Leitlinien und Empfehlungen der internationalen Fachgesellschaften zu Anwendung. Zu Gabe von sog. Biologicals, also genteschnisch in sog. Bioreaktoren hergestellten Medikamenten (Bsp.: "Antikörpertherapie") wurde ein speziell ausgestatteter Infusionsraum im Bereich der Station M2C eingerichtet. Hier steht ein Team aus versierten Pflegekräften und Ärzten zu Ihrer Verfügung.

Forschung

Um zu einem besseren Verständnis für chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zu bekommen, ist es hilfreich, dass wir selbst forschen.  Durch unsere Forschung- sowohl im Grundlagenbereich als auch in der klinischen Forschung- können wir die bestehenden Möglichkeiten der Diagnostik vorantreiben und unmittelbar zur Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten beitragen. Überdies ist es so möglich, dass wir für unsere Patienten die neuesten Therapieansätze anbieten können - häufig noch vor der allgemeinen Marktzulassung

 

Diagnostik bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Laborparameter:

Bislang gibt es keinen im Blut bestimmbaren Parameter, mit dem die Diagnose einer CED gestellt werden kann. Entzündungsparameter, wie beispielsweise das C-reaktive Protein (CRP) und die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) sind häufig bei einer aktiven CED erhöht und zeigen einen Zusammenhang mit der Krankheitsaktivität, so dass diese Parameter ergänzende Informationen liefern und als Verlaufsparameter verwendet werden können. Es muss aber stets berücksichtigt werden, dass diese Parameter nicht spezifisch für eine CED sind. Zudem wurden Stuhlmarker, wie Calprotectin, Lysozym und Lactoferrin identifiziert, die ebenfalls mit der entzündlichen Aktivität im Darm korrelieren. Zwar sind auch diese Parameter nicht spezifisch für eine CED, sie können jedoch zur differentialdiagnostischen Abgrenzung von funktionellen Darmbeschwerden verwendet werden.

Sonographie:

Die Sonographie ist eine nicht-invasive Diagnostik und kann die Krankheitsaktivität einer CED bei guten Untersuchungsbedingungen sehr präzise beschreiben. Mittels der Darmwandsonografie wird der strukturelle Aufbau der Darmwand analysiert. Liegt eine Darmwandentzündung vor, so kommt es zu einer Darmwandverdickung mit daraus resultierender Einengung des Darmlumens und Aufweitung proximal gelegener Darmabschnitte. Diese Veränderungen können sonographisch detektiert und quantifiziert werden. Weiterhin kommt es durch die Darmwandentzündung zu einer Zunahme der Darmwanddurchblutung. Diese kann ebenfalls dopplersonografisch quantifiziert werden und lässt Rückschlüsse auf das Ausmaß der Krankheitsaktivität zu. Neben dem Befallsmuster kann die Darmwandsonographie somit die maximale Ausdehnung einer CED erfassen und folglich als Verlaufsparameter angewandt werden. Außerdem lassen sich mit der Darmwandsonographie häufig auch Crohn-assoziierte Komplikationen wie Fisteln, Abszesse oder Stenosen mit ausreichender Genauigkeit darstellen.

Endoskopie:

Die Endoskopie hat einen hohen Stellenwert bei der ärztlichen Betreuung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Die Endoskopie wird bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zur Diagnosestellung und zur Verlaufskontrolle benötigt.
Am Beginn der Erkrankung muss die Diagnose endoskopisch und histologisch gesichert werden, parallel sollen hiermit Darmentzündungen anderer Ursache ausgeschlossen werden. In der Mehrzahl der Fälle gelingt auch eine Abgrenzung zwischen M. Crohn und C. ulcerosa bereits durch die Ausgangsuntersuchung. Außerdem kann die Ausdehnung und das Befallsmuster der Colitis endoskopisch genau dokumentiert werden, was Auswirkungen auf die Art der medikamentösen Therapie hat. Somit ist die endoskopische Untersuchung am Krankheitsbeginn unverzichtbar. Gegebenenfalls ist zusätzlich zu einer Koloskopie noch eine Gastroskopie nötig, um einen Befall von Speiseröhre, Magen oder Zwölffingerdarm bei M. Crohn auszuschließen. Im weiteren Verlauf der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung steht die Endoskopie nicht mehr im Vordergrund. Die Krankheitsaktivität wird hauptsächlich anhand der Symptomatik bestimmt. Daneben hat in den letzten Jahren die Darmwandsonographie erheblich an Bedeutung gewonnen. Mit der Sonographie steht eine verlässliche Technik zur Verfügung, die Aussagen über die entzündliche bzw. narbige Darmwandverschwellung zulässt und Komplikationen wie Stenosen oder Fisteln erkennt. Somit werden in unserer Klinik bei M. Crohn Kontrollkoloskopien nicht in festen Intervallen sondern bei einer Änderung des Beschwerdebildes zur erneuten Ausbreitungsdiagnostik vor Therapieanpassung oder zur Kontrolle des Therapieerfolgs unter - zum Beispiel - Biologika durchgeführt. Bei der Colitis ulcerosa erfolgen in regelmäßigen Abständen Kontrollkoloskopien zur Vorbeugung von Dickdarmkrebs in Abhängigkeit von Erkrankungsausbreitung im Dickdarm und der Erkrankungsdauer. Für eine aussagekräftige Untersuchung ist eine gute Vorbereitung des Darmes unerlässlich. Die Darmspülung kann vom Patienten selbst zu Hause am Tag vor der Untersuchung durchgeführt werden. Die nötige Spüllösung kann von unserer Abteilung zur Verfügung gestellt werden. Alternativ kann die Spülung auch am Tag der Untersuchung in der Klinik mit Hilfe des Pflegepersonales erfolgen. Einzelheiten werden im Rahmen des ärztlichen Aufklärungsgespräches besprochen.

Es wird angestrebt, dass die endoskopischen Untersuchungen von dem betreuenden Arzt des Patienten selbst durchgeführt werden. Da die Untersuchung in der Klinik stattfindet, ist auch bei ambulanter Endoskopie eine großzügige Sedierung mit kurz wirksamen Medikamenten möglich. Anschließend sind die Patienten allerdings für diesen Tag nicht mehr fahrtüchtig.

Radiologische Bildgebung:

Falls mittels Sonographie und Endoskopie nicht die komplette Krankheitsausdehnung erfasst werden kann, ist es sinnvoll, eine Schnittbildgebung in Form einer Computertomografie oder Kernspintomografie durchzuführen. Dies ist insbesondere bei Patienten indiziert, bei denen der Verdacht auf eine Dünndarmbeteiligung mit Fisteln oder Abszessen besteht. Weiterhin sind bei eingeschränkten Untersuchungsbedingungen schnittbildgebende Verfahren der Sonographie signifikant überlegen. Die Kernspintomografie ist wiederum der Computertomografie bei der Detektion von Fisteln und Abszessen überlegen und weist im Gegensatz zur Computertomografie keine Strahlenbelastung auf.

Therapie

Standardtherapien

Die Therapie von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen richtet sich nach dem Befallsmuster und der Aktivität der Erkrankung. Weiterhin müssen extraintestinale Beschwerden, Nebenwirkungsprofile, Vormedikation und Begleitmedikation berücksichtigt werden. Zudem wird prinzipiell zwischen einer Remissionsinduktionstherapie bei akutem Schub und einer Remissionserhaltungstherapie im schubfreien Intervall unterschieden. Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über die verfügbaren Standardpräparate und deren Indikationen gegeben werden. Die notwendige medikamentöse Therapie wird im Rahmen des Ambulanzbesuchs gemeinsam mit dem Patienten individuell festgelegt, die Indikation, Risiken und Nebenwirkungen der Therapie besprochen und ggf. die klinische und laborchemische Überwachung festgelegt.

Topische Steroide:

Bei topischen Steroiden handelt es sich um Kortisonpräparate, die oral oder rektal appliziert werden und fast ausschließlich auf den Darm wirken, da sie nach Resorption in der Leber abgebaut werden. Somit können systemische Steroidnebenwirkungen, wie beispielsweise Bluthochdruck, Diabetes und Osteoporose weitgehend vermieden werden. Zu den oral verfügbaren Substanzen zählt das Budesonid, welches vorwiegend bei M. Crohn-Patienten mit leichtem bis mäßigem Befall des Dünndarms und/oder proximalen Dickdarms eingesetzt wird. Zudem werden Hydrocortison-haltige Rektalschäume angewandt, um Entzündungen im Enddarmbereich zu behandeln, die vorwiegend bei Patienten mit Colitis ulcerosa auftreten.

Systemische Steroide:

Systemische Steroide werden vor allem zur Remissionsinduktion bei schweren Schüben von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt. Methylprednisolon ist hier das Standardpräparat. Im Idealfall sollten systemische Steroide möglichst rasch wieder ausgeschlichen werden, um Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten. Abhängig vom Ansprechen auf Steroide werden verschiedene Verlaufsformen der CED unterschieden. Bleibt die Erkrankung 4 Wochen nach Beginn einer Steroidtherapie aktiv, so spricht man von einem steroidrefraktären Verlauf. Kann die Steroiddosis nicht innerhalb von 4 Monaten ausgeschlichen werden, ohne dass es zu einem Rezidiv kommt, so liegt eine steroidabhängige Erkrankung vor. Gleiches gilt, wenn die Krankheitsaktivität innerhalb von 3 Monaten nach Beendigung der Steroidtherapie wieder signifikant zunimmt. In der Regel werden überlappend zur Steroidtherapie bereits immunsupprimierende bzw. immunmodulierende Präparate, wie Azathioprin, 6-Mercaptopurin oder TNF-alpha-Antikörper zur Remissionserhaltung eingesetzt.

Aminosalicylate:

Zu der Gruppe der Aminosalicylate zählen Sulfasalazin und 5-Aminosalicysäure. Sulfasalazin ist wiederum ein Prodrug, das im Darm in Sulfapyridin und 5-Aminosalicylsäure (5-ASA) gespalten wird. Da Sulfapyridin neben seiner antientzündlichen Wirkung auch viele Nebenwirkungen aufweist, wurden Präparate entwickelt, die ausschließlich 5-ASA enthalten. 5-ASA entfaltet seine antientzündliche Wirkung über verschiedene Mechanismen. Neben der Inhibition des Arachidonsäurestoffwechsels spielen auch die Neutralisierung von Radikalen und die Hemmung intrazellulärer Signalkaskaden eine Rolle. 5-ASA wird bei leicht bis mäßig aktiver C. ulcerosa und bei leicht bis mäßig aktiver Colitis Crohn eingesetzt. Zudem kann es auch als Rektalschaum oder Suppositorium bei Befall des Enddarms bzw. des linksseitigen Dickdarms eingesetzt werden. Bei gutem Therapieansprechen sollte 5-ASA auch zur langfristigen Remissionserhaltung eingenommen werden.

Azathioprin/6-Mercaptopurin und Methotrexat:

Azathioprin (AZA), 6-Mercaptopurin (6-MP) und Methotrexat (MTX) sind Immunsuppressiva, die sowohl beim M. Crohn als auch bei der C. ulcerosa insbesondere zur remissionserhaltenden Therapie eingesetzt werden. Aufgrund ihres Nebenwirkungsprofils muss bei diesen Präparaten die Dosis schrittweise erhöht werden und es müssen in regelmäßigen Abständen Blutparameter kontrolliert werden, um die Verträglichkeit zu überprüfen. Bei gutem Therapieansprechen und guter Verträglichkeit sollte die Therapie über mehrere Jahre zur Remissionserhaltung fortgeführt werden.

Biologika, z.B. Anti-TNFalpha-Antikörper:

In der Therapie der CED stehen uns heute verschieden Antikörper („Biologika“) mit unterschieldlichen Wirkmechanismen und Applikationsarten zur Verfügung. Wichtige Vertreter dieser immunmodulierenden Antikörper sind die anti-TNFalpha-AK Infliximab und Adalimumab. Durch Neutralisierung des Botenstoffs TNF alpha wirken Infliximab und Adalimumab entzündungshemmend und werden sowohl zur Remissionsinduktion bei hoher Krankheitsaktivität als auch zur Remissionserhaltung eingesetzt. Ein weiterer Vertreter aus der Klasse der Biologika ist der Integrin-Antikörper Vedolizumab, der in der Behandlung der Colitis ulcerosa als auch des Morbus eingesetzt wird. Für die Behandlung des Morbus Crohn steht mit dem anti-IL12/IL23 Antikörper Ustekinumab ein weiteres Biologikum zur Verfügung.

Prinzipiell muss bei jeder immunsuppressiven bzw. immunmodulierenden Therapie ein erhöhtes Infektionsrisiko berücksichtigt werden, so dass chronische Infekte, wie HIV, Hepatitis und Tuberkulose vor Beginn der Therapie ausgeschlossen werden müssen.

Forschung

Wir forschen für unsere Patienten

 

Unsere Arbeitsgruppe "chronisch entzündliche Darmerkankungen" ist sowohl auf dem Gebiet der Grundlagenforschung als auch bei der Durchführung zahlreicher klinischer Studien mit neuen Substanzen aktiv. Hier geht es zu unseren Forschungsseiten.

 

 

Gerne können sie uns auf die Möglichkeit einer Studienteilnahme ansprechen!

 

Wir führen Studien verschiedener "Phasen" durch:

Bei "Phase 2"-Studien handelt es sich um Untersuchungen mit Wirkstoffen die zwar bereits am Menschen untersucht wurden, bei denen aber noch die Dosis für eine optimale Wirkung bei bestmöglichem Nebenwirkungsprofil gefunden werden muss.

Bei "Phase 3"-Studien handelt es sich um Studien an einem möglichst großen Patinetenkollektiv, die eine Überlegenheit eines Wirkstoffes gegenüber herkömmlicher Therapien beweisen sollen und häufig der entsprechenden Medikamentenzulassung unmittlebar vorausgehen.

 

Aktuelle "Phase 2"-Studien:

 

GSK 202152:  GSK2982772, oraler RIP1-Kinase-Inhibitor, add-on zu Immunsuppressiver Therapie mit AZA, bei C. ulcerosa. NCT02903966

 

BI1368.10: BI 655130 als add-on bei Patienten mit C. ulcerosa und nur ungenügendem Ansprechen auf anti-TNF Therapie (IFX oder ADA). NCT03123120

 

 

Aktuelle "Phase 3"-Studien

 

GS-US-418-3898/99; Filgotinib, oraler JAK Inhibitor, Induktion- und Erhaltungstherapie, incl. OLE bei C. ulcerosa. NCT02914522 und NCT02914535

 

GS-US-419-3895/96: Filgotinib, oraler JAK Inhibitor, Induktion- und Erhaltungstherapie, incl. OLE bei Morbus Crohn. NCT02914561 und NCT02914600

 

GS-US-: Filgotinib, oraler JAK Inhibitor, bei männlichen Patienten mit aktiver C. ulcerosa, zur Untersuchung der Sicherheit bzgl. Zeugungsfähigkeit. NCT03201445

 

 

Weitere Informationen über chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Link zur DCCV-Patientenseite mit zahlreichen weiteren Informationen für Patienten und Angehörige.