Fachbereich Strahlentherapie

Strahlenbehandlung verschiedener Tumorentitäten sowie von gutartigen Erkrankungen

Der Fachbereich Strahlentherapie am Medizinischen Versorgungszentrum der Universität Ulm bietet das nahezu das gesamte Behandlungsspektrum einer modernen Strahlentherapie auf universitärem Niveau an. Es können alle Tumorentitäten wie auch gutartige Erkrankungen behandelt werden. Die meisten Behandlungen werden im ambulanten Bereich durchgeführt. Falls jedoch ein stationärer Aufenthalt erforderlich sein sollte, ist eine Aufnahme auf die Bettenstation der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der Universität jederzeit möglich.

Profilbild von Dr. Reinhard Thamm

Dr. Reinhard Thamm

Ärztlicher Leiter | Facharzt für Strahlentherapie

Leistungsspektrum

  • Moderne Therapie auf universitärem Niveau
  • Festlegung der individuellen Therapieindikation in allen interdisziplinären Tumorboards des Comprehensive Cancer Centers Ulm (CCCU)
  • 3-dimensionale Bestrahlungsplanung auf Basis einer Computertomografie
  • Fusionieren externer Bildgebung (CT, MRT, PET/CT) zur exakten Definition des Planungsvolumens
  • Intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT)
  • Volumenmodulierte Strahlentherapie (VMAT)
  • Atemgesteuerte Strahlentherapie bei Patientinnen mit linksseitigem Mammakarzinom (Strahlentherapie in tiefer Inspiration, deep inspiration breathhold, DIBH)
  • Körperstereotaktische Strahlentherapie von Knochenmetastasen
  • Simultane Radiochemotherapie
  • Organisation der Implantation von Goldmarkern bei Patienten mit Prostatakarzinom für die bildgeführte Strahlentherapie (IGRT)
  • Vermittlung der PSMA-PET-CT Untersuchung als diagnostische Maßnahme bei Patienten mit Wiederanstieg des PSA-Wertes nach Operation eines Prostatakarzinoms

 

Allgemeine Informationen

Die Entwicklungen der Technik in den letzten Jahrzehnten hat auch die Behandlungsmöglichkeiten im Bereich der Bestrahlungsplanung und der Therapie deutlich verbessert.

Früher wurde die Strahlentherapie mit Hilfe eines speziellen Röntgengerätes („Simulator“) anhand der knöchernen Anatomie geplant. Wenige Bestrahlungsfelder wurden auf das Planungsvolumen gerichtet, wobei die Körperbereiche in Nähe des Planungsvolumens eine höhere Dosis erhielten. Zudem war wegen eingeschränkten Möglichkeiten der Überprüfung der Patientenlagerung ein größerer Sicherheitssaum um den zu bestrahlenden Körperbereich erforderlich, was letztlich zu höheren Nebenwirkungsraten geführt hat.

Heutzutage wird jede Strahlentherapie auf Basis einer Computertomografie („Planungs-CT“) dreidimensional geplant. Die zu bestrahlenden Körperbereiche werden dabei unter Berücksichtigung der radiologischen und nuklearmedizinischen Diagnostik (Überlagerung der Planungs-CT mit Kontrastmittel-CT, MRT, PET-CT) und der individuellen Anatomie des Patienten definiert. Zusätzlich können im CT die zu schonenden Organe festgelegt werden. Die Medizinphysikexperten können anschließend nach der physikalischen Bestrahlungsplanung die Dosisverteilung exakt beschreiben und anhand von Meßphantomen verifizieren, bevor der Bestrahlungsplan am Patienten angewendet wird.
Eine wesentliche Verbesserung ist auch die Überprüfung der aktuellen Körperposition unmittelbar vor der eigentlichen Strahlenbehandlung („Bildgeführte Strahlentherapie“, „IGRT“). Mit Hilfe von Röntgenaufnahmen (KV- / MV-Bilder, CBCT) kann die aktuelle Körperposition des Patienten millimetergenau überprüft und bei Bedarf korrigiert werden.

Die modernen Techniken haben dazu beigetragen, dass die Therapie in der Regel sehr gut vertragen wird und die akuten wie auch späten Nebenwirkungen insgesamt in ihrer Häufigkeit und Ausprägung abgenommen haben.

Am Medizinischen Versorgungszentrum der Universität Ulm können ambulante Behandlungen durchgeführt werden bei…


… bösartigen Erkrankungen (Auswahl):

  • Mammakarzinom
  • Prostatakarzinom
  • Rektumkarzinom (ggf. orale Radiochemotherapie)
  • Hirntumoren (ggf. orale Radiochemotherapie)
  • Hirnmetastasen
  • Knochenmetastasen
  • Hauttumore

… gutartige Erkrankungen (Auswahl):

  • Fersensporn (Plantarfasziitis)
  • Achillodynie
  • Arthrosen der Schulter, Hüfte, Knie, Hände und Füße
  • Morbus Dupuytren
  • Morbus Ledderhose
  • Morbus Basedow
  • Periartikuläre Verkalkungen der Hüfte
  • Gynäkomastie des Mannes
  • Meningeome

Prinzipiell können mehrere Strahlungsarten medizinisch genutzt werden (schnelle Elektronen, Gamma- / Photonen-, Neutronen-, Protonen-, Ionenstrahlung). Diese unterscheiden sich durch ihr physikalisches Verhalten im menschlichen Gewebe (Eindringtiefe, Verlauf der Interaktion auf molekularer Ebene). Im MVZ kommen überwiegend Photonen zur Anwendung, welche durch einen modernen Linearbeschleuniger erzeugt werden.

Während zahlreiche Effekte der ionisierenden Strahlung im Körper beschrieben werden können (Radikalbildung, Veränderung von Biomolekülen usw.), ist der entscheidende Effekt bei der Behandlung von Tumoren die Veränderung an der Erbsubstanz der Zelle, der DNA. Hier werden Einzel- und Doppelstrangbrüche erzeugt, die vom Gewebe auch wieder repariert werden können. Gesunde Zellen können diese Effekte in der Regel zuverlässig reparieren, während die Tumorzellen die Fähigkeit zur unbegrenzten Teilungsfähigkeit verlieren oder absterben.

Bei gutartigen Erkrankungen wie Arthrosen besteht eine entzündliche Veränderung in einem teils schlecht durchbluteten Körperbereich (Gelenkkapseln, Sehnen usw.). Daher können unter Umständen medikamentöse Therapien nicht ihre gewünschte Wirkung entfalten. Bei der Strahlentherapie gutartiger Erkrankungen ist ebenfalls ein antientzündlicher Effekt beabsichtigt. Daher werden hier niedrige Dosen (z.B. 6 Bestrahlungen mit 0,5Gy) angewendet, damit die Zellinteraktionen, welche bei der Inflammation des Gewebes eine Rolle spielen, unterdrückt werden. Schließlich sollen ja im Gegensatz zur Tumortherapie keine Zellen abgetötet werden. Die angestrebte langfristige Schmerzlinderung setzt dabei meist erst nach 6-12 Wochen ein.

Sie erhalten von Ihrem behandelnden Arzt einen Termin für das erste Gespräch in unserer Ambulanz. Nach Möglichkeit sollten Sie davor alle Ihnen verfügbaren Befunde sammeln und zum Erstgespräch mitbringen. Besonders wichtig sind die externen Bildgebungen (CTs, MRTs, PET/CTs) auf CD. Die elektronische Form ist für die spätere Verwendung bei der Bestrahlungsplanung wichtig.
Sie können uns gerne die Unterlagen und CDs vorab zur Verfügung stellen.

Erstvorstellung
Beim ersten Termin in der Ambulanz wird zunächst eine Patientenakte angelegt. Die Befunde und Arztberichte wie auch die elektronischen Bildgebungen (Röntgenbilder, CTs, MRTs…) werden vom Ambulanzarzt gesichtet und bewertet. Bei Bedarf werden auch noch weitere diagnostische Maßnahmen für Sie organisiert.
Danach kann ein vorläufiges Behandlungskonzept erstellt werden, was in einem ausführlichen Informationsgespräch mit Ihnen besprochen wird. Es werden standardisierte Aufklärungsbögen mit relevanten Informationen zu Ihrer individuellen Situation ergänzt. Diese erhalten Sie in Kopie für Ihre Unterlagen.
Schließlich erhalten Sie die Termine für das Planungs-CT und die erste Strahlenbehandlung.

Planungs-CT
Das Planungs-CT dient der elektronischen Erfassung Ihrer Körperanatomie für die anschließende Bestrahlungsplanung. Dabei werden Sie so auf der CT-Liege positioniert, dass die Bedingungen optimal für die spätere Strahlenbehandlung erfüllt sind.
Bei Bedarf werden Lagerungsutensilien verwendet und Bestrahlungsmasken angefertigt. Diese sind für eine reproduzierbare Lagerung bei der späteren Behandlung erforderlich.
Erste Markierungen definieren einen wichtigen Bezugspunkt für den Bestrahlungsplan auf dem Körper. Dieser wird eventuell aufgrund seiner Bedeutung mit kleinen Punkten auf der Haut verewigt (Tattoo-Punkte). Zudem sind spezielle technische Eigenschaften des CTs mit der Bestrahlungsplanungs-Software abgestimmt.
Daher können wir auch kein beliebiges CT für die Bestrahlungsplanung verwenden.

Konturierung
Vom Arzt wird jetzt unter Berücksichtigung der vorausgegangenen Diagnostik das zu behandelnde Planungsvolumen Schicht für Schicht im Planungs-CT eingezeichnet. Organe, welche bei der Behandlung geschont werden sollen, können ebenfalls dreidimensional definiert werden.
Das Planungsvolumen wird in einer gemeinsamen Besprechung demonstriert und für die weitere Verwendung freigegeben.

Physikalische Bestrahlungsplanung
Auf Basis der Ärztlichen Verordnung wird von Medizinphysikexperten der Bestrahlungsplan erstellt. Entweder werden einzelne Strahlenfelder mit der entsprechenden Energie und den passenden räumlichen Ausdehnungen definiert, damit das Planungsvolumen die erforderliche Dosis erhält. Die Dosisberechnung selbst übernimmt die Software und überlagert das Planungs-CT mit Dosislinien („Isodosen“) oder transparenter Farben („Color wash“). Ein wesentliches Instrument für die Beurteilung des Bestrahlungsplans ist eine grafische Darstellung, wieviel des Planungsvolumens welche Dosis erhält („Dosis-Volumen-Histogramm“). Hier können wesentliche Dosisgrenzen für verschiedene Organe definiert und beurteilt werden.
Die Bestrahlungspläne werden vom Facharzt für die weiteren Arbeitsschritte freigegeben.
Anschließend werden die Pläne ggf. an einem Messphantom geprüft, bevor sie am Patienten zur Anwendung kommen dürfen.

Erste Strahlenbehandlung („Neueinstellung“)
Bei der ersten Strahlentherapie werden Sie auf der Behandlungsliege des Linearbeschleunigers genau wie beim Planungs-CT gelagert. Nach Überprüfung der korrekten Lagerung mittels Bildgebung werden zusätzliche Markierungen auf der Haut (oder der Bestrahlungsmaske) aufgebracht. Diese Markierungen werden nicht mit Pflastern abgeklebt, weil das Risiko der Entwicklung von Allergien besteht.
Diese Markierungen sind sehr wichtig für die Positionierung im Verlauf der Therapie. Daher sollten Sie besonders auf die Markierungen achten. Entsprechende Empfehlungen werden Ihnen beim Erstgespräch mitgeteilt.

Während der Strahlentherapie…
… erhalten Sie einmal pro Woche oder bei Bedarf ein Zwischengespräch mit dem MVZ-Arzt.
Wenn Sie Fragen zu Ihrer Behandlung oder deren Nebenwirkung haben sollten, können Sie diese gerne beim Gespräch thematisieren. Eine Anschlussheilbehandlung würde bei Bedarf für Sie in Kooperation mit der Sozialberatung beantragt werden.

Nachsorge
Wie nach jeder ärztlichen Behandlung ist eine radioonkologische Nachsorge erforderlich. In der Regel führen wir diese nach 6 Wochen, 6 Monaten und danach in jährlichen Abständen durch. Zusätzlich sollten Sie, üblicherweise in zunächst dreimonatlichen Abständen, Ihren Facharzt (Frauenarzt, Urologe, Onkologe...) aufsuchen. Dieser wird bei Bedarf auch Geräteuntersuchungen (Ultraschall, CT, MRT…) veranlassen.

Die akuten Reaktionen auf die Strahlentherapie sind typischerweise entzündlich bedingt und betreffen die Körperregionen, die im Bestrahlungsfeld liegen. Bei der Strahlentherapie der Brust können zum Beispiel eine diskrete bis leichte Hautrötung sowie das Gefühl der ödematösen Schwellung auftreten, die sehr gut mit konservativen Maßnahmen wie Hautcremes und Kühlung beherrscht werden können. Stärkere Reizungen sind in der Regel selten. Im Erstgespräch wird der behandelnde Arzt mit Ihnen Ihre individuell zu erwartenden Reaktionen besprechen und erklären, welche Maßnahmen unter Umständen erforderlich sein werden.
Die späten Reaktionen sind meistens durch eine Vernarbung des bestrahlten Gewebes zu charakterisieren und treten bei der modernen Strahlenbehandlung nur gelegentlich auf. Auch diese Reaktionen werden mit Ihnen im Rahmen des Erstgespräches mit dem MVZ-Arzt unter Berücksichtigung Ihrer individuellen Situation ausführlich besprochen.

  • IGRT („Bildgeführte Strahlentherapie“, „Image guided Radiotherapy“)
  • IMRT („Intensitätsmodulierte Strahlentherapie“)
  • 3D-Planung
  • Planungs-CT
  • Planungsvolumen
  • Risikoorgane
  • Dosis-Volumen-Histogramm
  • PV-Aufnahmen (KV / MV)
  • Cone-Beam-CT
  • Isodosen
  • Fraktionierung

Häufig gestellte Fragen

Die modernen Bestrahlungsgeräte können die übliche Tagesdosis von 1,8-2 Gy in etwa 1-2 Minuten applizieren. Der gesamte Vorgang (Umkleide, Lagerung, Kontrollaufnahmen, Hautmarkierung, Umkleide…) dauert in der Regel etwa 15-20 Minuten.

Es gibt ausreichend Parkplätze in Nähe des Gebäudes der Strahlentherapie (Parkplatz „Notaufnahme / Betriebshof“).

Beim Erstgespräch erhalten Sie die Termine für das Planungs-CT sowie die erste Bestrahlung. Bei Bedarf werden weitere Termine (MRT-Planung, PET-CT, Implantation von Goldmarkern) vergeben.
Die Termine für die weiteren Bestrahlungen erhalten Sie von den MTRAs am Bestrahlungsgerät.

Wichtige Hinweise für Patienten

Damit Ihr Besuch bei uns reibungslos verläuft, haben wir für Sie wichtige Informationen zusammengestellt.

Gesetzlich / Privat
Wir behandeln im MVZ ausschließlich gesetzlich versicherte Patienten. Wir bitten privat versicherte Patienten, sich in der Privatambulanz der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Ulm vorzustellen.

Erstgespräch
Bitte bringen Sie zum Erstgespräch Ihre Versichertenkarte und eine für das aktuelle Quartal gültige Überweisung mit dem Vermerk „Überweisung an die Strahlentherapie“ mit. Bei quartalsübergreifenden Therapien benötigen Sie eine neue Überweisung, die Sie von Ihrem Hausarzt oder behandelndem Facharzt erhalten.

Befunde
Weiterhin benötigen wir für eine präzise Beurteilung Ihres Krankheitsverlaufes die aktuellen Arztberichte, Untersuchungsbefunde, histologischen Befunde sowie die aktuellste Bildgebung auf CD.
Diese können vorab eingereicht werden, damit wir Ihren Besuch vorbereiten können und nach Möglichkeit die Wartezeiten kurzhalten können.

 

Für unsere Zuweiser

Für eine Patientenanmeldung ist ein kurzes Fax ausreichend. Danach werden wir die Terminvergabe mit dem Patienten organisieren und Ihnen den Termin für das Erstgespräch mitteilen.

Wir möchten eine möglichst hohe Versorgungs- und Servicequalität erreichen. Daher bitten wir Sie, uns bei Fragen oder Unklarheiten direkt zu kontaktieren.

 

Das Team der Strahlentherapie im MVZ

Ärzte-Team

Dr. Reinhard Thamm  

Dr. med. Birgitta Welte  

Dr. Beate Hosch-Rottluff  

Sekretariat

 Silke Scott  

Strahlentherapie | Sekretariat

Telefon 0731/500-56105

Telefax 0731/500-56109

Sprechstundenzeiten:

 

Montag - Freitag: 08.00 - 11.00 Uhr
oder nach Vereinbarung