Neurostimulationsverfahren

 

Im Rahmen einer stationären Behandlung bieten wir die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) an. Sie kann bei Depression und bestimmten Formen der Schizophrenie eingesetzt werden, wenn andere (meist medikamentöse) Behandlungen nicht zum erwünschten therapeutischen Erfolg führen. Die Methode der EKT ist ein sehr wirksames und gut toleriertes Behandlungsverfahren und wird von den aktuellen Behandlungsleitlinien für verschiedene Indikationen empfohlen. Sie wird in Zusammenarbeit mit Anästhesisten durchgeführt. Während einer Kurznarkose mit tiefer Muskelrelaxation, aber ohne Intubation, wird die Konvulsion ausgelöst. Ein Behandlungszyklus besteht in der Regel aus 12 EKT-Sitzungen (zwei oder drei Mal wöchentlich) in einem Zeitraum von 4 – 5 Wochen. Die Indikation für eine EKT wird ausschließlich von einem Facharzt für Psychiatrie gestellt. Eine Vorstellung in unserer Institutsambulanz zur generellen Abklärung dieser Behandlungsmöglichkeit ist auch möglich. Die EKT wird in unserer Klinik nach höchsten Standards durchgeführt. Wir sind Mitglied im Referat „Klinisch angewandte Stimulationsverfahren in der Psychiatrie" der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunden (DGPPN).

In der Sektion für Neurostimulation bieten wir repetitive transkranielle Magnetstimulation ([rTMS], ein seit 2010 in vielen Ländern, inklusive Deutschland, zertifiziertes Behandlungsverfahren Verfahren), sowie transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) als zusätzliche Therapie sowohl für stationäre als auch für ambulante Patienten an. Bei der rTMS wird eine Spule an den Kopf gehalten und eine Sequenz von Stimulationspulsen erregen den Bereich des Gehirns unter der Spule. Bei der tDCS werden zwei Elektrodenschwämmchen am Kopf befestigt. Während der Stimulation fließt ein Batteriestrom über die Elektroden durch das Gehirn. Bei beiden Verfahren sind die Patienten wach, durch die Stimulation kommt es zu keiner Beeinträchtigung des Bewusstseins. Beide Stimulationsarten eignen sich in erster Linie zur Behandlung der Depression. Sie können zusätzlich zur medikamentösen Therapie und Psychotherapie eingesetzt werden. Die Behandlung findet jeden Werktag statt und dauert 4 – 6 Wochen. Weitere psychische Störungen, bei denen ein Behandlungsversuch durchgeführt werden kann, sind Zwangsstörungen, dissoziative Bewegungsstörungen sowie akustische Halluzinationen. Ein Beratungstermin kann im Rahmen einer Vorstellung in unserer Ambulanz geplant werden.

Die Wirksamkeit der Stimulationsverfahren wird bei uns auch in klinischen Studien erforscht. Wir sind Mitglied im Referat „Experimentelle Stimulationsverfahren in der Psychiatrie" der DGPPN. Als Gründungsmitglieder der Deutschen Gesellschaft für Hirnstimulation in der Psychiatrie (DGHP) führen wir das NIBS-Zertifikat (Non-invasive brain stimulation) der Gesellschaft.

In Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurochirurgie (Ulm und Günzburg) wird nach strenger Indikationsstellung die Methode der invasiven Vagusnervstimulation (VNS, Cyberonics) angewendet. Hierzu implantieren die Neurochirurgen bei einer Operation einen Stimulator unter der Haut, der den linken Vagusnerv neben den Halsgefäßen stimuliert. Wir betreuen die Patienten anschließend und passen die Stimulationsparameter gegebenenfalls an.

 

Profilbild von Prof. Dr. med. Carlos Schönfeldt-Lecuona

Prof. Dr. med. Carlos Schönfeldt-Lecuona

Stellvertretender Leitender Oberarzt

Profilbild von Prof. Dr. med. Thomas Kammer

Prof. Dr. med. Thomas Kammer

Leiter Sektion Neurostimulation