Diagnostik des Diabetes mellitus entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Kategorie

Kriterium

Gelegenheitsplasmaglukose

≥ 200 mg/dl (≥ 11,1 mmol/l)

Nüchternplasmaglukose

≥ 126 mg/dl (≥ 7,0 mmol/l), Fastenzeit 8–12 h

oGTT (2-h Wert)

≥ 200 mg/dl (≥ 11,1 mmol/l)

HbA1c

≥ 6,5 % (≥ 48 mmol/mol)

Abnorm erhöhte Nüchternglukose (IFG)

100 bis <126 mg/dl (5,55 bis <7,0 mmol/l)

Gestörte Glukosetoleranz (IGT)

oGTT 2-h Wert: 140 bis <200 mg/dl (7,8 bis <11,1 mmol/l)

Bei vielen Menschen mit einer Glukoseverwertungsstörung besteht eine IFG und eine IGT.

letzte Änderung 05.01.2026

Durchführung des 75g oGTT - oraler Glukosetoleranztest - nach WHO-Richtlinien

Kategorie

Vorgaben / Empfehlungen

Vorbereitung

- 8–12 h Nahrungskarenz
- Nikotin- und Alkoholkarenz
- ≥3 Tage KH-reiche Ernährung (≥150 g/Tag)
- Test am Morgen
- Keine körperliche Aktivität während des Tests
- Nicht rauchen vor oder während des Tests

Durchführung

1. 75 g Glukose (oder äquivalente hydrolysierte Stärke)
2. Gelöst in 250–300 ml Wasser
3. Innerhalb von 5 Min trinken
4. Kinder: 1,75 g/kg KG, max. 75 g
5. Venöse Blutabnahmen bei 0 und 120 Min
6. Korrekte Probenverarbeitung

Kontraindikationen

- Zustand nach Magen-Darm-Resektion
- Zustand nach bariatrischer Chirurgie
- GI-Erkrankungen mit veränderter Resorption
- Bereits diagnostizierter Diabetes mellitus

Glukoselösung

- Nur kommerziell hergestellte Fertigpräparate
- Selbstherstellung wird von DDG abgelehnt

Variabilität

- Resorptionsverhalten intra- und interindividuell variabel
- Kann zu Schwankungen der Glukosewerte führen

 

Ein oGTT ist kontraindiziert bei zusätzlich bestehenden Erkrankungen, bei Z. n. Magen-Darm-Resektion, bei Z. n. bariatrischer Chirurgie oder gastrointestinalen Erkrankungen mit veränderter Resorption oder wenn bereits ein Diabetes mellitus festgestellt wurde. Bei der Durchführung des oGTT sollten ausschließlich kommerziell hergestellte Fertigarzneimittel mit einem Gesamtvolumen von maximal 300 ml verwendet werden.

Die Selbstherstellung der Glukoselösung für die Durchführung des oGTT wird von der DDG aus Gründen der Qualitätssicherung abgelehnt [5, 6]. Wie bei allen anderen Laboruntersuchungen ist Voraussetzung für die Diagnosestellung, dass der oGTT adäquat durchführt wird, inklusive Vorbereitung des Patienten. Das intra- und interindividuell variierende Resorptionsverhalten kann zu erhöhter Variabilität der Glukosekonzentrationen im oGTT führen [7].

Schwarz T et al. Definition, Klassifikation, Diagnostik und Differenzialdiagnostik des Diabetes mellitus: Update 2024 Diabetol Stoffwechs 2024; 19 (Suppl 2): S125-137

letzte Änderung 05.01.2026

Bei Erreichen oder Überschreiten von mindestens einem der drei Grenzwerte im venösen Plasma wird ein Gestationsdiabetes mellitus diagnostiziert.

Grenzwerte im venösen Plasma nach IADPSG-Konsensus-Empfehlungen:

Zeitpunkt

mg/dl

mmol/l

Nüchtern

≥ 92

≥ 5,1

60 min

≥ 180

≥ 10,0

120 min

≥ 153

≥ 8,5

Schäfer-Graf U et. al Gestationsdiabetes mellitus (GDM), Diagnostik, Therapie und Nachsorge Diabetol Stoffwechs 2024; 19(Suppl 2) : S214-225

Schwarz T et al. Definition, Klassifikation, Diagnostik und Differenzialdiagnostik des Diabetes mellitus: Update 2024 Diabetol Stoffwechs 2024; 19 (Suppl 2): S125-S137

letzte Änderung 02.01.2025

1. Faktoren, die den HbA1c‑Wert senken

(v. a. durch erhöhten Erythrozyten‑Turnover)

Faktor

Mechanismus / Hinweis

Hämolytische Anämie

Verkürzte Lebensdauer der Erythrozyten → weniger Zeit für Glykierung

Medikamente (z. B. Cephalosporine)

Können hämolytische Prozesse auslösen

Behandlung von Eisen‑ oder Vitaminmangelanämie

Neubildung vieler junger Erythrozyten → niedrigerer HbA1c

Schwere Leber‑ oder Niereninsuffizienz

Störungen im Erythrozytenstoffwechsel

Hämatologische Erkrankungen (Thalassämien, abnorme Hämoglobine)

Erhöhter Turnover oder veränderte Hämoglobinstruktur

 

2. Faktoren, die den HbA1c‑Wert erhöhen

(v. a. durch verminderten Erythrozyten‑Turnover)

Faktor

Mechanismus / Hinweis

Anämien durch Eisen‑, B12‑ oder Folsäuremangel

Längere Lebensdauer der Erythrozyten → mehr Glykierung

Splenektomie

Erythrozyten leben länger

Alter

HbA1c steigt physiologisch um ca. 0,4–0,7 % (4–8 mmol/mol)

Ethnizität

Afroamerikaner im Mittel ~0,4 % (4 mmol/mol) höher als Kaukasier

 

3. Störfaktoren, die die Messung verfälschen können

Störfaktor

Mechanismus / Hinweis

Hämoglobinvarianten

Je nach Messmethode falsch hohe oder niedrige Werte

Fortgeschrittene Nephropathie

HbA1c unzuverlässig, v. a. bei renaler Anämie oder EPO‑Therapie

 

4. Situationen, in denen HbA1c nicht zur Diabetes‑Diagnose geeignet ist

Situation

Grund

Neugeborene (HbF ~ 90 %)

HbA1c nicht aussagekräftig

Schwangere

Physiologische Veränderungen, veränderte Erythrozytenlebensdauer

Frauen bis 2 Monate post partum

Postpartale Veränderungen

Einnahme hyperglykämischer Medikamente (Glukokortikoide, Psychopharmaka < 2 Monate)

HbA1c spiegelt kurzfristige Hyperglykämie nicht korrekt wider

Erkrankungen des Pankreas inkl. OP

Störungen der Insulinsekretion, unzuverlässige HbA1c‑Interpretation

Bluttransfusionen, Blutspende, große Blutverluste

Gemischte oder erneuerte Erythrozyten verfälschen den Wert

 

5. Empfehlung

Empfehlung

Hintergrund

Aktuelles Blutbild vor HbA1c‑basierter Diagnostik

Erkennen von Anämien oder Störfaktoren

 

6. Altersabhängigkeit des HbA1c

Alterseffekt

Beschreibung

Anstieg um 0,4–0,7 % (4–8 mmol/mol)

Physiologischer Anstieg bei Menschen ohne Diabetes

 

 

Altersgruppe

Roth J et al., 2016 (n = 6783)

Masuch A et al., 2019 (n = 8665)

< 40 Jahre

27–41 mmol/mol (4,6–5,9 %)

20–42 mmol/mol (4,0–6,0 %)

40 bis < 60 Jahre

29–44 mmol/mol (4,8–6,2 %)

21–44 mmol/mol (4,1–6,2 %)

≥ 60 Jahre

31–46 mmol/mol (5,0–6,4 %)

25–49 mmol/mol (4,4–6,6 %)

 

Schwarz T et al. Definition, Klassifikation, Diagnostik und Differenzialdiagnostik des Diabetes mellitus: Update 2024 Diabetol Stoffwechs 2024; 19 (Suppl 2): S125-S137

letzte Änderung 05.01.2026

Form

Typische Hinweise / Red Flags

Diagnostische Konsequenz

Pankreopriver Diabetes (z. B. nach Pankreatitis)

Vorgeschichte Pankreasentzündung oder OP; exokrine Mitbeteiligung möglich

C‑Peptid zur Restsekretion; ggf. Bildgebung; Therapie wie Typ 3c

Monogener Diabetes (MODY, neonatal)

Manifestation < 25–35 J.; erhaltenes C‑Peptid; Autoantikörper negativ (GAD, IA‑2, ZnT8); autosomal-dominante Familienanamnese; milde stabile Nüchterhyperglykämie (GCK‑MODY); extrapanreatische Zeichen (z. B. Nierenzysten bei HNF1B)

Genetische Testung (MODY‑Panel); Therapieanpassung (z. B. Sulfonylharnstoff bei HNF1A‑MODY)

Steroidinduzierter Diabetes / Endokrine Ursachen (Cushing, Akrom)

Klinische Konstellation (Langzeitsteroide, endokrine Symptome)

Hormon‑Work‑up; ggf. Bildgebung; Therapie der Grunderkrankung

 

Algorithmus bei unklarer Typzuordnung

Schritt

Ziel

1. Inselautoantikörper

Nachweis Autoimmunität → Typ 1

2. C‑Peptid (nüchtern / standardisiert)

Abschätzung endogener Insulinsekretion (Typ 1 vs. Typ 2 vs. pankreoprive Form)

3. MODY‑Panel bei Red Flags

Bestätigung monogener Form → gezielte Therapie

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