Die Klinik bildet mit ausgewiesenen Experten und in Kooperation mit der Technischen Universität München das Süddeutsche Angioödemzentrum.

Was ist ein Angioödem?

Bei einem Angioödem (AE) handelt es sich um eine ödematöse Schwellung der Unterhaut. Grob unterschieden wird zwischen Histamin-vermittelten AE (z.B. bei Allergien oder bei Urtikaria), die häufig mit einem Juckreiz und Quaddelbildung einhergehen. Die zweite Gruppe sind Bradykinin-vermittelte Angioödeme, bei denen kein Juckreiz auftritt. Bei den zuletzt genannten Formen kommt es zu einem Anstieg des Gewebshormons Bradykinin im Blut. Dies kann zum einen bei Patienten mit Hereditärem Angioödem (HAE) der Fall sein. Dann handelt es sich um eine vererbliche seltene Erkrankung. Zum anderen können durch Medikamente wie spezielle Blutdruck- und Herzmedikamenten (ACE-Hemmern und Sartane) die Angioödeme entstehen. 
AE können prinzipiell überall am Körper auftreten. Sie halten unbehandelt maximal 5-7 Tage an. Länger konstant anhaltende Schwellungen können keine Angioödeme sein. 
Unsere Sprechstunde hat den Schwerpunkt der Diagnostik und Therapie Bradykinin-vermittelter Angioödeme. In vielen Fällen können wir Sie auch bei anderen AE-Formen wie der chronisch spontanen Urtikaria unterstützen. 
Beispielsweise durch eine Blutabnahme, in seltenen Fällen ergänzt durch eine genetische Untersuchung, können wir die Ursache der Schwellungen abklären.
 

AE treten bevorzugt im Bereich der Lippe, Zunge, Kehlkopf, der Gesichtshaut sowie der Extremitäten auf. Weiterhin können auch innere Organe wie der Darm betroffen sein. Während AE der Gesichtsweichteile relativ unproblematisch sind und auch gastrointestinale Formen nur selten einen schweren Verlauf nehmen, können Manifestationen im Bereich von Zungengrund und Kehlkopf durch die Verlegung der oberen Atemwege rasch zu einer lebensbedrohlichen Situation eskalieren.

Trigger und Therapie

Die Therapie von AE richtet sich nach dem auslösenden Gewebehormon. Bei allergischen Angioödemen muss in erster Linie das auslösende Allergen identifiziert werden. Je nachdem kann dann eine weitere Hyposensibilisierung erfolgen. Dies erfolgt in der Regel über eine Allergiesprechstunde. Bei der akuten oder chronisch spontanen Urtikaria treten Schwellungen auf, ohne dass eine klare Ursache besteht. Die Einnahme von Medikamenten wie Ibuprofen oder das Auftreten von Infekten kann eine Urtikaria/ein Angioödem bei Urtikaria triggern. Für Urtikariaformen werden Stufen-Therapie-Konzepte - zunächst mit Antihistaminika, dann mit speziellen Antikörpern - für die Behandlung empfohlen.
Bei Patienten mit hereditärem Angioödem wird die Behandlung wiederum mit anderen Medikamenten durchgeführt. Die Therapien zielen darauf ab, die vermehrte Bradykininbildung im Blut zu vermindern oder die Wirkung des Bradykinins zu hemmen. Dies kann durch die Gabe von Spritzen, Infusionen oder Tabletten erfolgen. Zudem kann man bei manchen Patienten nur eine Akuttherapie durchführen - das heißt eine Behandlung einer bestehenden Schwellung. Bei schwerer betroffenen Patienten sollte eine prophylaktische Medikamentengabe erfolgen. Die Therapieoptionen für das HAE verändern sich - aktuell gibt es einige neue Möglichkeiten zur Behandlung.
Bei Patienten mit Medikamenten-vermittelten Angioödemen können wir sowohl die (in der Regel) stationäre Behandlung bei akuter Schwellung durchführen, als auch eine Beratung anbieten, was nach stattgehabter Schwellung zu beachten ist. Das auslösende Medikament (z.B. der ACE-Inhibitor) darf dann nicht mehr eingenommen werden.
 

Obwohl bekannt ist, dass Bradykinin eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der ACE-Hemmer induzierten AE spielt, ist derzeit keine Therapie verfügbar, welche den Entstehungsmechanismus dieser Ödeme berücksichtigt. Takhzyro® wird alle zwei bis vier Wochen subkutan appliziert und führte im Rahmen von Studien bei einem Großteil der Patienten mit einem hereditären Angioödem zur Beschwerdefreiheit.

Spezialsprechstunde

Wir bieten eine Spezialsprechstunde für möglicherweise betroffene Patienten an. Es werden mögliche auslösende Faktoren identifiziert und eine entsprechende Therapie eingeleitet, welche durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen langfristig überwacht wird. Weiterhin informieren wir über die neuesten Therapiemöglichkeiten. Bitte bringen Sie sämtliche medizinische Unterlagen wie Medikamenten- oder Allergiepass mit.

FAQ's Angioödem

Juckreiz und Quaddelbildung sprechen eher für eine allergische Krankheitsursache und sind in der Regel keine Symptome eines klassichen Angioödems. Während sich allergisch bedingte Hautveränderungen und Schwellungen durch die Anwendung von Kortison und anti-allergischen Medikamenten häufig rasch lindern lassen, reagieren Angioödeme im eigentlichen Sinne nicht auf diese Therapie. Im Falle von juckenden Hautveränderungen und dem Verdacht auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder eine Nesselsucht (sog. Urtikaria), sollte vorrangig eine allergologisch-dermatologische Klinik/Ambulanz aufgesucht werden, um weiterführende Untersuchungen in die Wege zu leiten.

Betroffene leiden in unterschiedlichem Ausmaß an plötzlich auftretenden Schwellungen an verschiedenen Körperstellen. Durch Flüssigkeitsaustritt aus den Blutgefäßen in das umliegende Gewebe kann es zu Schwellungen im Bauchbereich (verbunden mit starken bis zu mehrer Tage anhaltenden Bauchschmerzen) , dem Körperstamm und den Extremitäten sowie im Bereich der oberen Atem- und Schluckwege kommen- Letzteres kann rasch durch eine Verlegung der Atemwege zu einer lebensbedrohlichen Situation führen. Die Schwellungen können mehrere Tage lang anhalten und treten bei Betroffenen in unterschiedlicher Frequenz auf. Sie bilden sich nicht unter einer Therapie mit Kortison oder anti-allergischen Medikamenten zurück. Die Schwellungen können aus heiterem Himmel auftreten, jedoch auch durch vermeintlich harmlose medizinische Maßnahmen, wie zum Beispiel Zahnbehandlungen, oder durch Verletzungen, induziert werden.

Diese Schwellungen gehen nie mit Juckreiz oder einer Quaddelbildung einher!

Da es sich um eine Erbkrankheit handelt, haben häufig ein Elternteil oder ein Teil der Geschwister ähnliche Symptome.

Der Erkrankung liegt ein Mangel eines bestimmten Eiweißstoffs im Blut, dem sogenannten C1-Esterase-Inhibitor, zugrunde. Ob dieser Stoff in ausreichender Menge im Blut gebildet wird und eine normale Funktion aufweist, kann in einer speziellen Laboruntersuchung geprüft werden. Es bedarf lediglich der Abnahme weniger Milliliter Blut. In der Folge werden Sie postalisch über das Ergebnis informiert und im Falle von Auffälligkeiten in einem ausführlichen persönlichen Gespräch über die Therapieoptionen beraten. Bei nicht eindeutigen Werten muss die Blutentnahme wiederholt oder eine Genanalyse durchgeführt werden.

Einige Blutdruckmedikamente können ebenfalls Schwellungen auslösen, die nicht mit einem Juckreiz oder einer Quaddelbildung einher gehen und auch bis zu mehrer Tage anhalten können. Diese Schwellungen tretten fast ausschließlich im Kopf-Halsbereich (Zungen Rachen, Kehlkopf) auf und sprechen auch nicht auf Kortison oder anti-allergische Medikamente an.

Blutdruckmedikamente, die diese Schwellungen auslösen können sind so genannte ACE-Hemmer (ihr Name endet häufig auf „-pril") oder so genannte Sartane.

Die Schwellungen treten häufig auf, nachdem Sie das Blutdruckmedikament schon viele Monate bis Jahre eingenommen haben.