Innovation in der Otologie: Das vollimplantierbare Cochlea-Implantat (TICI)
Seit 29. September 2026 können Patienten mit hochgradigem Hörverlust oder Taubheit mit einem vollimplantierbaren Cochlea-Implantat (Totally Implantable Cochlear Implant, TICI) an implantierenden HNO-Zentren in Deutschland versorgt werden. Lesen Sie mehr über dieses weiterentwickelte Implantatsystem und die Voraussetzungen für eine Versorgung an unserer Klinik.

Nach der erfolgreichen Veröffentlichung einer Machbarkeitsstudie Anfang 2026 erhielt das TICI UNICO der Firma MED-EL im Juli das CE-Kennzeichen. Am 29. September 2026 erfolgte die offizielle Einführung des weltweit ersten kommerziell verfügbaren, vollimplantierbaren Cochlea-Implantats auf dem europäischen Markt. Damit steht das System ab sofort allen implantierenden Zentren zur Verfügung.
Das Implantat vereinigt alle internen und externen Komponenten eines konventionellen Cochlea-Implantat (CI)-Systems (Implantat, Mikrofon, Akku und Audioprozessor) und wird vollständig unter der Haut auf dem Schädelknochen platziert. Externe Komponenten müssen lediglich zum Laden des Akkus für eine begrenzte Zeit am Tag getragen werden.
Bisherige Studienergebnisse an ausschließlich erwachsenen Patienten zeigten ein vergleichbares Sprachverstehen in Ruhe und im Störgeräusch zu herkömmlichen teilimplantierbaren Cochlea-Implantaten (CI). Die Ergebnisse waren über den bisherigen Erfahrungszeitraum von 5 Jahren stabil.1 Klare Unterschiede gegenüber konventionellen Systemen zeigten sich in der Handhabung, der Ästhetik und im Tragekomfort
Indikationsstellung und Patientenselektion
Obwohl die rein medizinischen Indikationskriterien denen konventioneller, teilimplantierbarer CI entsprechen, ist die Versorgung im Alltag aktuell noch streng reglementiert. Um eine kontrollierte Markteinführung zu gewährleisten und den noch begrenzten Erfahrungswerten Rechnung zu tragen, erfolgt die Indikationsstellung derzeit sehr restriktiv.
Für eine Versorgung kommen im Rahmen der Einführungsphase vorrangig erwachsene Patienten mit beidseitiger, hochgradiger Schwerhörigkeit bis Taubheit ohne nutzbares Restgehör in Frage. Patienten mit spezifischen privaten oder beruflichen Anforderungen (z. B. Eltern von Säuglingen, Berufe mit nächtlichen Bereitschaftsdiensten oder Tätigkeiten in extremen Umgebungen) können besonders von der Versorgung profitieren.
Wirtschaftliche Aspekte und Kostenübernahme
Die Implantationskosten des TICI UNICO sind erheblich höher als die der teilimplantierbaren CI. Die Frage der regulären Kostenübernahme durch die gesetzlichen und privaten Krankenkassen ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geklärt. Im Gegenteil zu teilimplantierbaren CI kann die Versorgung mit einem TICI daher bis auf Weiteres ausschließlich über Einzelfallentscheidungen nach vorheriger, individueller Klärung und Zusage durch den jeweiligen Kostenträger erfolgen. Die Eignung für das TICI muss somit für jeden Patienten individuell geprüft werden. Eine pauschale oder flächendeckende Versorgung aller von einer hochgradigen Schwerhörigkeit betroffenen Patienten ist derzeit noch nicht möglich.
Bei Interesse an der Versorgung mit einem TICI UNICO der Firma MED-EL beraten wir Sie gerne umfassend in unserer Hörsprechstunde im Hörzentrum der HNO-Klinik am Uniklinikum Ulm über die medizinische Eignung, die chirurgischen Besonderheiten sowie das Prozedere zur Kostenabklärung. Kontakt erhalten Sie über unser Hörzentrumssekretariat oder eine Anfrage über die Online-Terminvergabe auf unserer Homepage.
Quelle:
1 Lefebvre PP, Müller J, Mark G, Schwarze F, Hochmair I. Rehabilitation of human hearing with a totally implantable cochlear implant: a feasibility study. Commun Med (Lond). 2025 Jan 8;5(1):10. doi: 10.1038/s43856-024-00719-0. PMID: 39779916; PMCID: PMC11711238.