Arbeitsgruppe Verlaufs-und Versorgungsforschung

Leitung: Prof. Dr. Carmen Uhlmann

Der Bereich Verlaufs- und Versorgungsforschung umfasst alle Forschungstätigkeiten der Abteilung, die sich mit Versorgungskonzepten und Behandlungselementen im Gebiet psychischer Erkrankungen beschäftigen. Miteinbezogen werden dabei sowohl Ansätze klinischer Behandlung als auch außerkliniksche, komplementäre Versorgungsstrukturen wie die gemeindepsychiatrischen Verbünde. Wichtige Merkmale sind ein starker Anwendungsbezug in die klinischen Praxis und die Weiterentwicklung in Richtung sowohl einer patientenorientierten und als auch effektiven Versorgung. Der Bereich umfasst auch gesundheitsökonomische und personalbezogene Fragestellungen.

Schwerpunkt

Erfassung und Analyse von Versorgungs- und Behandlungswegen

Wissenschaftliche Begleitung von Umstrukturierungsmaßnahmen von Behandlungseinheiten

Evaluation von sektorübergreifenden Behandlungs- und Versorgungsstrukturen

Auswirkungen von Personaleinsatz – und struktur

Laufende Projekte

Tilman Steinert, Peter Schmid

Hintergrund: Der Schritt von der Einreichung eines wissenschaftlichen Manuskripts bis zur Publikation ist bekanntermaßen langwierig und schwierig, häufig nicht nur wegen der inhaltlichen Kritik von Peer-Reviewern und Ablehnung durch die Herausgeber, sondern auch wegen bürokratischer Unzulänglichkeiten. Es soll eine Plattform geschaffen werden, in welcher die Autoren ihre (manchmal sehr frustrierenden) Erfahrungen mit einzelnen Zeitschriften anderen zugänglich machen können und auf dieser Weise eine Entscheidungshilfe für die Frage finden, bei welcher Zeitschrift ein Beitrag eingereicht wird.
Methode: Die Webseite Journalcheck.de wurde in einem Delphi-Verfahren mit den Mitarbeitern der Versorgungsforschung Weissenau entwickelt. Die Seite ermöglicht es unkompliziert, eigene Beiträge einzugeben und zugleich alle bereits existierenden Bewertungen einzusehen.
Aktueller Stand: Die Seite ist seit 2012 in Betrieb

Hintergrund: Depressionen und Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen. Die Versorgung dieser Erkrankungen erfolgt in verschieden Bereichen und Settings: stationär (psychiatrische Kliniken und psychosomatische Krankenhäuser, Rehabilitationskliniken), teilstationär (psychotherapeutische und Rehabilitationstageskliniken) und ambulant (Fachärzte, ärztliche und psychologische Psychotherapeuten, PIA). Bisher kaum beforscht ist die differentielle Indikationsstellung in dem Versorgungssystem und welche Behandlungswege die Patienten aus welchen Gründen nehmen, wenn sie im System sind.
Methode: Durchgeführt wurde eine multizentrische Längsschnittuntersuchung einer Stichprobe von insgesamt 320 Patienten mit F3 und F4 Diagnosen nach ICD-10. Es wurden Patienten in vier verschiedenen Versorgungsbereichen untersucht: psychiatrische Depressionsstation, psychiatrische Krisenstation, psychosomatische Akutklinik und psychiatrische Tagesklinik.
Neben einer ausführlichen Symptomerhebung und Diagnosestellung per semistrukturierten Interviews, Selbst- und Fremdauskunftsbögen und Checklisten wurden Krankheitsanamnese, Sozialanamnese, Zuweisungsmodus, Behandlungsmotivation und weiterführende Behandlungswege erhoben. Die Daten bei Aufnahme und Entlassung (T0, T1) wurden in direkten Interviews und Fragenbögen erhoben, die Daten für die weiteren Messzeitpunkte (6 bzw. 12 Monate nach Entlassung, T2, T3) per Telefoninterview und Fragenbögen.
Projektstand: Datenerhebung und Dateneingabe ist erfolgt. Die Datenaufbereitung/-kontrolle läuft im Moment.

Teilprojekt 1 Indikationsstellung und Behandlungswege
Dana Bichescu-Burian, Erich Flammer, Carmen Uhlmann, Susanne Jaeger, Julia Grempler, Gerd Weithmann, Tilman Steinert
Forschungsfragestellung: Dieses Teilprojekt widmet sich der Analyse von Behandlungswegen vor und nach stationärer Behandlung sowie deren Prädiktoren bei Patienten mit Depressionen und Angststörungen. Behandlungsempfehlungen nach der Indexbehandlung sowie ihre Verwirklichung nach Entlassung sollen auch untersucht werden.

Teilprojekt 2: Medikationsvergleich und Psychotherapie
Erich Flammer, Susanne Hund, Tilman Steinert
Forschungsfragestellung: In einem Gruppenvergleich (4 Gruppen: keine Medikation oder Psychotherapie, nur Medikation, nur Psychotherapie, Medikation und Psychotherapie) soll festgestellt werden, wie die Gruppen sich auf die Settings verteilen. Die Gruppen sollen hinsichtlich Behandlungserfolg, Behandlungskosten und weiterführender Behandlungswege verglichen werden.

Teilprojekt 3: Zusammenhang zwischen eingesetzten Ressourcen und sozialem Funktionsniveau
Erich Flammer, Sophie Hirsch, Tilman Steinert
Forschungsfragestellung: Es soll untersucht werden, ob der Ressourcenverbrauch bzw. die Inanspruchnahme von Ressourcen von der Aufnahme in eine Klinik oder Tagesklinik bis 6 Monate nach Entlassung eine Änderung des sozialen Funktionsniveaus in den Monaten 6 bis 12 nach Entlassung gegenüber dem Niveau vor Aufnahme bedingt. In einem zweiten Schritt soll untersucht werden, welche Prädiktoren (klinische, sozioökonomische und andere) die Effektivität der eingesetzten Ressourcen beeinflussen.

Teilprojekt 4: Behandlungsverläufe
Carmen Uhlmann, Susanne Jaeger, Erich Flammer, Gerd Weithmann, Dana Bichescu-Burian, Julia Grempler, Tilman Steinert
Forschungsfragestellung: In diesem Teil der Studie soll der Behandlungsverlauf über die verschiedenen Messzeitpunkte in den 4 unterschiedlichen Versorgungseinheiten untersucht werden.

Teilprojekt 5: Wiedererlangen von Arbeitsfähigkeit
Susanne Jaeger, Carmen Uhlmann, Erich Flammer, Gerd Weithmann, Dana Bichescu-Burian, Julia Grempler, Tilman Steinert
Forschungsfragestellung: Angststörungen und depressive Erkrankungen sind Risikofaktoren für einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Arbeitsleben. Welche Faktoren sind es, die das Wiedererlangen von Arbeitsfähigkeit begünstigen, welche erschweren den Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit?

 

Marie Kampmann, Tilman Steinert


Hintergrund: Gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention ist die uneingeschränkte Nutzung von Medien ein wichtiges Ziel zur vollen gesellschaftlichen Teilhabe. Das Mediennutzungsverhalten kann durch eine psychische Erkrankung verändert sein. Gleichzeitig können Medien der Information und Aufklärung über psychische Erkrankungen dienen. Moderne Kommunikationsmittel ermöglichen zudem ein erweitertes Therapieangebot. Im Jahr 2011 wurde die Mediennutzung stationär behandelter PatientInnen des ZfP Südwürttemberg im Rahmen einer explorativen Studie erstmalig erhoben.  
Forschungsfragestellung: Vor dem Hintergrund des veränderten Medienangebots auf den Stationen, der allgemein stetig steigenden Mediennutzungstendenzen in der Gesellschaft, der rasanten Entwicklungen im medialen Bereich und der zunehmenden Bedeutung digitaler Medien im Gesundheitswesen („E-Health“; „Telemedizin“, etc.) soll in einer Replikationsstudie die aktuelle Mediennutzung von psychisch erkrankten PatientInnen erfasst werden. Ziel ist es außerdem, mögliche Zugangsbarrieren zu identifizieren und ggf. bedarfsgerechte Verbesserungen des Medienangebots für PatientInnen des ZfP Südwürttemberg vorzunehmen.
Methode: Im Rahmen einer Vollerhebung an den verschiedenen Standorten des ZfP Südwürttemberg werden PatientInnen mittels eines eigens konzipierten Fragebogens zu ihrem Mediennutzungsverhalten vor/während ihres Klinikaufenthaltes befragt. Zudem wird die Zufriedenheit mit dem Medienangebot auf Station erhoben sowie die Bereitschaft, internetbasierte Therapieangebote zu nutzen. Die aktuellen Ergebnisse sollen mit den Ergebnissen der früheren Studie verglichen werden.
Aktueller Stand: Die Erhebungsinstrumente wurden in Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen im medialen Bereich überarbeitet, um mit der Datenerhebung zu beginnen.

Beteiligte: Markus Waggershauser (Doktorand), Prof. Dr. Tilman Steinert

Hintergrund:
Es ist gut gesichert, dass eine antipsychotische Rezidivprophylaxe hoch wirksam ist im Sinne der Verhinderung von Rezidiven und Wiederaufnahmen. Dennoch gibt es auch Rezidive und stationäre Wiederaufnahmen unter suffizienter antipsychotischer Medikation. Die bisherige Forschung hat sich ziemlich ausschließlich auf die Adhärenz-Problematik konzentriert. Gründe für Wiederaufnahmen trotz Adhärenz wurden bisher kaum untersucht. Angesichts der hohen Bedeutung von Wiederaufnahmen für den individuellen Krankheitsverlauf und nicht zuletzt auch in ökonomischer Hinsicht erscheint die Fragestellung von hohem Interesse.

Fragestellungen:

  1. Wie groß ist der Anteil der Patienten, die bei Aufnahme einen im Referenzbereich liegenden Spiegel ihres Hauptmedikaments haben?  
  2. Gibt es einen Unterschied in der Krankheitsschwere (CGI bei Aufnahme) und weiteren Patientenmerkmalen zwischen Untersuchungsgruppe (Patienten mit suffizientem Medikamentspiegel) und Vergleichsgruppe?
  3. Wie unterscheidet sich die Schwere der Psychopathologie zum Aufnahmezeitpunkt und zum Entlasszeitpunkt in der Untersuchungsgruppe?
  4. Welche Gründe lassen sich in der Untersuchungsgruppe als Auslöser für die Wiederaufnahme annehmen?

Methoden:
Die Untersuchung wird als Projekt des Qualitätsmanagements auf den Stationen der psychiatrischen Abteilung in Friedrichshafen durchgeführt. Bei allen Patienten mit F2-Störungen und mit verordneten Antipsychotika wird bei Aufnahme routinemäßig der Serumspiegel bestimmt. Aufgrund dessen erfolgt eine Einteilung in Untersuchungsgruppe (suffizienter Medikamentenspiegel) und Vergleichsgruppe. Bei den Patienten der Untersuchungsgruppe wird ein Rating der Gründe für die Aufnahme unabhängig durch zwei Ärzte, eine Bezugsperson und den Patienten selbst vorgenommen.

 

Tilman Steinert, Weissenau, Peter Brückner-Bozetti, Bremen, Michael Lingenfelder, Marburg, Andreas Blume, Weissenau

Hintergrund: Politische Kontroversen um geeignetes Entgeltsystem in der Psychiatrie, Verbände fordern eine Alternative zu PEPP. Ein durch Kliniken finanziertes Projekt soll empirisches Material liefern.
Forschungsfragestellung: Systematische Literaturübersicht zu Systemen der Personalbemessung international, Experteninterviews (im Ausland) als Teilfragestellung der Versorgungsforschung Weissenau
Methode: Literaturrecherche, Experteninterviews
Geplante Schritte: Finanzierung durch Konsortium von Kliniken ist gesichert, Personaleinstellungen (insgesamt 3 50 % -Stellen für 2 Jahre) vorgesehen.
Vorläufige Ergebnisse: Beginn 2016

Andreas Blume, Tilman Steinert, Peter Brückner-Bozetti (Bremen)


Hintergrund: Alle im direkten Patientenkontakt beschäftigten Berufsgruppen haben erhebliche Tätigkeitsanteile, die nicht durch OPS-Ziffern erfasst werden. Diese wurden in den bisherigen Kostenberechnungen nur unter „Hintergrundrauschen“ zusammengefasst. Ziel des Projekts ist es, diese Anteile für die verschiedenen Berufsgruppen, Funktionsbereichen und Hierarchieebenen zu quantifizieren und für eine Kalkulation (z. B. in Form von Kosten pro Behandlungstag) zugänglich zu machen.
Forschungsfragestellung: Wie hoch ist der berufsgruppenspezifische Zeitanteil, den eigentlich patientennah eingesetzte Klinikmitarbeiter auf Station mit Tätigkeiten ohne Patientenkontakt verbringen? Welche patientenferne Tätigkeiten sind besonders zeitintensiv?
Methode: Es werden in 8 Versorgungskliniken jeweils 30-minütige Telefoninterviews mit Vertretern der verschiedenen Berufsgruppen durchgeführt.
Geplante Schritte: Mitarbeitende aller stationär-psychiatrischen Berufsgruppen mit Patientenkontakt (Ärzte, Psychologen, Pflege, Sozialarbeit, Ergotherapie, Musik- und Kunsttherapie, Physio- und Bewegungstherapie) wurden in jeweils 30-minütigen Telefoninterviews nach Pflichtschulungen, Fortbildungen und anderen regelmäßigen Tätigkeiten ohne Patientenkontakt und jeweils anfallender Zeitaufwände befragt. Die Liste der Anforderungen wurde abgeglichen mit dem Manual des Zertifizierungssystems KTQ (Kooperation für Transparenz und Qualität). Anschließend erfolgte auf Basis ausreißerbereinigter Zeitanteilsmittelwerten berufsgruppenspezifische Jahreshochrechnungen für Arbeitszeitanteile ohne Patientenkontakt.
Ergebnisse: Mit einer Non-Response-Rate von nur 11% wurden insgesamt 210 Telefoninterviews in 8 Versorgungskliniken durchgeführt, darunter mit 47 Ärzten, 39 Pflegekräften, 34 Psychologen und 35 Sozialarbeitern. Die bei der Zeitschrift Der Nervenarzt eingereichten und veröffentlichten Teilergebnisse zeigen, dass der theoretisch verbleibende Zeitanteil für direkten Patientenkontakt gering ist. Besonders ungünstig stellt sich die Situation bei Oberärzten, pflegerischen Stationsleitungen und Teilzeitkräften dar. Alle ermittelten patientenfernen Tätigkeiten waren jedoch ebenfalls unverzichtbare Qualitätsmerkmale. Beschäftigte in deutschen psychiatrischen Kliniken müssen deshalb regelmäßig Präferenzentscheidungen treffen, welche Aufgaben sie vernachlässigen, zu denen sie eigentlich verpflichtet sind.

Andreas Blume, Brendan Snellgrove, Tilman Steinert


Hintergrund: Nach vorliegenden Berichten hat der GBA eine entsprechende Recherche vorgenommen und mitgeteilt, es gebe in der Literatur keine relevanten Ergebnisse. Erste Literatursichtungen zeigen jedoch, dass Literatur zwar insgesamt spärlich, aber keineswegs inexistent ist. Insofern erscheint eine systematische Literaturübersicht durchaus lohnend, unter anderem auch, um wichtige Felder künftiger Forschung zu identifizieren.
Forschungsfragestellung: Existieren in der internationalen Fachliteratur Studien, die signifikante quantitative Zusammenhänge zwischen personellen Besetzungs- bzw. Qualifikationsvariablen auf Behandlungseinheiten und patientenbezogenen Outcome-Variablen aufzeigen? Wie sind Richtung und Qualität der Korrelationen methodisch und inhaltlich zu bewerten? Welche praktischen Schlussfolgerungen lassen sich hieraus für Personalbesetzung und Qualitätssicherung ableiten? Wo existieren Forschungslücken?
Methode: Systematic Review bis zum Stichtag 17.11.2017 aller in den psychiatrisch relevanten Journal-Portalen Medline / Pubmed sowie CINAHL gelisteten, wissenschaftlichen Zeitschriftenbeiträge auf Basis eines einheitlichen PICO-Suchstrings mit UND-/ODER-Verknüpfungen einer Vielzahl thematisch relevanter Schlüsselwörter
Geplante Schritte: Sukzessiver theorie- und literaturbasierter Aufbau eines komplexen Suchstrings, Überführung portalspezifisch gefundener Referenzen samt Abstracts in Citavi, Entfernung von Dubletten, Screening von Abstracts, Beschaffung von thematisch potenziell inklusionsfähigen Volltexten, parallele Suche etwaig ergänzender Beiträge in Dissertationen und deutschsprachigen Bibliotheksangeboten, gründliche Auswahl inklusionsfähiger Volltexte, begründete Exklusion nichtberücksichtigter Volltexte, Qualitative Synthese aller inkludierten Studien, ggf. Metaanalyse
Ergebnisse: Nach SR-typischem Screening der mittels komplexem Suchstring gefundenen und um Dubletten bereinigten Abstracts (N=7778) konnten am Ende noch 51 Volltexte in den Review inkludiert werden. Der zwischenzeitlich in der Zeitschrift Der Nervenarzt akzeptierte und veröffentlichte Beitrag differenziert entlang des jeweiligen patientenbezogenen Outcomes inkludierte Studien zu Verordnungsfehlern, Selbstverletzungen und Suiziden, patientenseitiger Fremdaggression, Zwangsmaßnahmen, Stationäre Verweildauer und Symptombesserung. In der kritischen Bewertung muss allerdings konstatiert werden, dass sich angesichts methodologischer Schwächen auf Basis der bislang verfügbaren Beobachtungsstudien keine evidenzbasierten Implikationen für die Gesundheitspolitik bzw. die klinische Personalbesetzungspraxis ableiten lassen.

Hüsniye Bilgic, Carmen Uhlmann, Susanne Jaeger, Erich Flammer, Raoul Borbé


Hintergrund: In der allgemeinpsychiatrischen Abteilung in Weissenau wird von Oktober 2017 bis Dezember 2019 ein systemtherapeutischen Konzept implementiert (SYMPA: Systemtherapeutische Methoden in der psychiatrischen Akutversorgung). Mitarbeitende der Berufsgruppen Medizin, Ergotherapie, Pflege, Sozialarbeit und Psychologie werden nach den Vorgaben dieses Ansatzes interdisziplinär geschult. Eine solche Maßnahme sollte deutliche Auswirkungen auf die Patientinnen und Patienten und Mitarbeitenden haben und wird daher in einem Forschungsprojekt evaluiert.
Forschungsfragestellung: Zwei Fragen liegen der Untersuchung zugrunde: Kann durch die Implementierung des Konzeptes die Menge aggressiver Handlungen von Patienten während des stationären Aufenthaltes und die Anzahl durchgeführten Zwangsmaßnahmen reduziert werden? Wie wirkt sich die Implementierung des Konzeptes im Arbeitsalltag auf Stress und Belastung von Mitarbeitenden sowie auf das Teamklima aus?
Methode: Bei den Patientinnen und Patienten werden spezifische Parameter zu Zwangsmaßnahmen und aggressiven Übergriffen analysiert (SOAS-R sowie Art, Anzahl und Dauer der Zwangsmaßnahmen). Den Mitarbeitenden werden Fragebögen zu Burn-out (Maslach Burnout Inventar), Gratifikationskrisen (Effort-Reward-Imbalance) und Teamklima (Teamklima-Inventar) vorgelegt.
Geplante Schritte: Die Daten werden zu 3 Zeitpunkten ausgewertet: Vor Implementierung im Oktober 2017, während der Implementierung im Februar/März 2019 und danach im Oktober 2020.
Vorläufige Ergebnisse: Die erste Welle der Befragung der Mitarbeitenden wurde durchgeführt.

Andreas Blume, Karl-Heinz Rasch, Erwin Steinbinder, Tilman Steinert


Hintergrund: Die Versorgung psychisch kranker Menschen ist fragmentiert zwischen den Sektoren stationär/ambulant und verschiedenen Sozialgesetzbüchern. Behandlungsempfehlungen liegen in verschiedenen Leitlinien vor (Schizophrenie, bipolare Störungen, psychosoziale Therapien u.a.), Besonderheiten der Versorgung sind in den verschiedenen SGB und im baden-württ. PsychKHG geregelt. Die Angebote zu kennen und individuell optimiert zu nutzen, ist für Betroffene nahezu unmöglich und gelingt nur einer kleinen Zahl von Experten.
Forschungsfragestellung: Entwicklung einer Web-basierten individuellen Behandlungs- und Versorgungsplanung, die von Betroffenen und verantwortlichem Arzt/Fallmanager/Bezugsperson in gemeinsamer Entscheidungsfindung erstellt und stetig angepasst werden kann. Leitgedanke soll die Recovery-Orientierung sein. Evaluation in einer Pilotstudie.
Methode: Behandlungs- und Versorgungsangebote sollen gemäß Leitlinien und gesetzlichen Regelungen in einem Web-basierten Menü dargestellt werden, aus dem sich ein individueller Behandlungsplan generieren lässt. Dabei sollen die Bereiche Behandlung/Wohnen/Arbeit/Freizeit abgebildet werden. Zunächst soll dies für psychotische und Alkohol-bezogene Störungen am Beispiel eines Landkreises als Pilotprojekt dargestellt werden. Dies kann als Matrix für eine spätere Ausweitung auf alle Landkreise in Baden-Württemberg dienen.
Geplante Schritte: 1. Bildung der Projektgruppe mit klinischen Experten, einem Vertreter der Betroffenen und IT-Experten, 2. Erstellung der Webseite und von Formatvorlagen für Behandlungs- und Versorgungsplanung, 3. Evaluierung in einer Pilotstudie (Machbarkeitsstudie), 4. Bei erfolgreicher Projektbeendigung Angebot der Verbreitung in andere Landkreise und Planung einer kontrollierten Wirksamkeitsstudie
Bisherige Ergebnisse: Von Projektgruppe wurden wichtige Anfangsimpulse eingebracht, umfangreiche Datenrecherche wurde durchgeführt, Prototyp einer Website von kooperierender Firma Websedit ist aufgesetzt, Kerntexte wurden verfasst und mit künftigen Impressumsverantwortlichen abgestimmt, Ethikantrag für begleitende Evaluation ist eingereicht, derzeit parallele Planung des Web-Launches, der Bekanntmachung im GPV-Versorgungssystem und der empirischen Testnutzerbefragung.

Susanne Jaeger, Marie Kampmann, Tilman Steinert, Johannes Gnauck / Sabine Herpertz (Heidelberg)


Hintergrund: Die Zahl der Menschen mit seelischen Behinderungen, die im Rahmen ihrer Wohnform Eingliederungshilfe beziehen, steigt seit Jahren. Die Forschung im Bereich des unterstützten Wohnens hinkt dieser Realität hinterher. Vor allem im deutschsprachigen Raum fehlen wissenschaftliche Untersuchungen dazu, welche Auswirkungen das Leben in unterstützten Wohnformen auf die Betroffenen hat und welche spezifischen Struktur- und Prozessmerkmale der Unterstützung hierbei wirksam werden.
Forschungsfragestellungen: Ziel des Drittmittelprojekts ist die Charakterisierung der Angebotsstruktur in vier Stadt- und Landkreisen und der Personengruppen, die dort ambulante, intensiv-ambulante und stationäre Wohnangebote nutzen. In einem weiteren Schritt geht es um die Ermittlung der Wirksamkeit von Maßnahmen der Eingliederungshilfe beim Wohnen. Welche Indikatoren der Struktur- und Prozessqualität für Leistungen beim Wohnen stehen im Zusammenhang mit der Ergebnisqualität? Hieraus sollen empirisch begründete Qualitätsstandards für Leistungen im Bereich des unterstützten Wohnens entwickelt werden.
Methode: Die Studie wird in vier baden-württembergischen Stadt- und Landkreisen (Stadt Heidelberg, Rhein-Neckar-Kreis, Landkreis Ravensburg, Bodenseekreis) in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Heidelberg durchgeführt. Neben Dokumentenanalysen und Experteninterviews soll eine Kohortenstudie mit Neuzugängen im unterstützten Wohnen und Wohnformwechslern durchgeführt werden (über 18 Monate mit drei Erhebungszeitpunkten). Erfasst werden u.a. Social Functioning, Teilhabechancen, gedeckte und ungedeckte Bedarfe, Lebensqualität, Gesundheit.
Aktueller Stand: Die Projektfinanzierung erfolgt aus Mitteln der Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs, vertreten durch den Verband Jugend- und Soziales (KVJS). Die Studie startete im März 2017. Die Befragungen im Rahmen der Kohortenstudie starteten im Juni 2017. Die Rekrutierungsphase für die Kohortenstudie ist abgeschlossen.

Brendan Snellgrove, Marius Lischka, Tilman Steinert


Hintergrund: Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) hat sich Deutschland dazu verpflichtet, „Menschen mit Behinderung Zugang zu der Unterstützung zu verschaffen, die sie bei der Ausübung ihrer Rechts- und Handlungsfähigkeit gegebenenfalls benötigen“ (Art. 12, UN-BRK). Damit verbunden ist ein Wechsel vom Paradigma der ersetzten Entscheidungsfindung hin zu einer unterstützten Entscheidungsfindung. Vor diesem Hintergrund ist eine Diskussion darüber entstanden, ob das deutsche Betreuungsrecht mit der UN-BRK konform ist.
Forschungsfragestellung: Erleben Menschen mit psychischen Erkrankungen oder seelischen Behinderungen die gesetzliche Betreuung vornehmlich als Einschränkung ihrer rechtlichen Handlungsfähigkeit oder als Unterstützung bei Entscheidungen im Sinne der UN-BRK.
Methode: Im Rahmen einer Promotionsarbeit möchten wir 159 Patienten unserer psychiatrischen Stationen und Ambulanzen mit Diagnosen aus den Gruppen F2, F3 und F6 mittels eines fragebogengestützten Interviews zu ihren praktischen Erfahrungen bei Entscheidungen im Rahmen der gesetzlichen Betreuung befragen.
Geplante Schritte: Die Datenerhebung ist abgeschlossen. Diese werden aktuell ausgewertet. Eine Veröffentlichung ist geplant.

Carmen Uhlmann, Agata Czekaj, Peter Schmid, Tilman Steinert


Hintergrund: Die neuropsychologische Erfassung kognitiver Defizite bei Patientinnen und Patienten mit psychotischen Störungen ist für die klinische Praxis von besonderer Bedeutung.
Forschungsfragestellung: Fragestellungen betreffen die Erstellung von Leistungsprofilen und die Veränderung eventueller kognitiver Defizite im Verlauf der Behandlung. Weiterhin soll untersucht werden, ob Subgruppen und Prädiktoren gefunden werden können.
Methode: Untersuchung des kognitiven Profils mit dem Screen for Cognitive Impairment in Psychiatry (SCIP) von stationären Patienten der Allgemeinpsychiatrie. Erfassung der Ergebnisse in einer zentralen Datenbank.
Geplante Schritte: Die in einer zentralen Datenbank der gespeicherten Untersuchungsergebnisse werden aufgearbeitet und ausgewertet.
Vorläufige Ergebnisse: Das SCIP erwies sich in seiner Anwendung als praktikabel: der Zeitaufwand war mit durchschnittlich 15 Minuten kurz und die Testung gut durchführbar. In der Datenbank sind inzwischen über 600 Datensätze gespeichert, bei über 200 Fällen liegen Daten zu Beginn und Ende des Aufenthaltes vor.