Schwerpunkt Nierenbecken- und Harnleiterkarzinom

Tumoren des Nierenbeckens und/oder des Harnleiters sind meistens sogenannte Urothelkarzinome, die vom Schleimhautgewebe (Urothel) ausgehen. Diese Tumorart im oberen Harntrakt ist im Vergleich zum Urothelkarzinom der Harnblase eher selten. Es wird zwischen Tumoren, die in den oberen Schichten der Schleimhaut wachsen (nicht-muskelinvasiv) und solchen, die bis in die Muskelschicht (muskelinvasiv) oder darüber hinaus (dann meist organüberschreitend) wachsen, unterschieden.

An der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Ulm werden jährlich über 400 Patienten mit einem Urothelkarzinom der Harnblase und des oberen Harntraktes behandelt und das gesamte Behandlungsteam, sowohl die Ärzte als auch die Mitarbeiter der Pflege, sind auf diese Erkrankung spezialisiert. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum mit dem Schwerpunkt Harnblase und als uroonkologisches Tumorzentrum (Harnblase, Niere und Prostata) zertifiziert und hochkompetent bei der Beratung und Behandlung von Patienten mit Nierenbecken- und Harnleitertumoren.

Wir therapieren das Urothelkarzinom des oberen Harntrakts nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und Leitlinien und es stehen die modernsten minimal-invasiven Operationsmethoden für alle Techniken zur Verfügung. Gerne stehen wir Ihnen im Rahmen unserer Sprechstunde zur Beratung und weiteren Therapieplanung zur Verfügung, wenn ein Tumor des oberen Harntrakts diagnostiziert wurde. Auch Zweitmeinungsgespräche sind kurzfristig möglich.

Nach einer umfassenden Diagnostik gehören alle organerhaltenden und radikalen Operationsverfahren (endoskopische Operationen, minimal-invasive Chirurgie, offen-chirurgische Operationen) zu unserem Behandlungsspektrum. Sollte bei Ihnen eine weiter fortgeschrittene Erkrankung des oberen Harntrakts vorliegen, so bieten wir außerdem das gesamte Spektrum der modernen medikamentösen Tumortherapie inklusive klinischer Studienprogramme mit neuartigen Medikamenten, z.B. der Immuntherapie. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit pflegen wir mit unseren Kooperationspartnern im interdisziplinären Tumorboard des Tumorzentrums (Comprehensive Cancer Center Ulm; CCCU).

Profilbild von Prof. Dr. med. Christian Bolenz

Prof. Dr. med. Christian Bolenz

Ärztlicher Direktor

Profilbild von Dr. med. Felix Wezel, M. Sc., F.E.B.U.

Dr. med. Felix Wezel, M. Sc., F.E.B.U.

Oberarzt

Profilbild von Dr. med. Robert de Petriconi

Dr. med. Robert de Petriconi

Oberarzt

Profilbild von PD Dr. med. Dr. med. univ. Thomas Martini, F.E.B.U.

PD Dr. med. Dr. med. univ. Thomas Martini, F.E.B.U.

Oberarzt

Sprechstundentermine

Telefon 0731 500-54777

Sie erreichen uns telefonisch:
Montag bis Freitag: 7:30 – 14:30 Uhr

Symptomatik, Diagnostik und Therapie

Führendes klinisches Symptom eines Nierenbecken- oder Harnleitertumors ist meistens eine schmerzlose Blutbeimengung im Urin- teilweise ist diese nur mikroskopisch sichtbar. Sie stellt häufig das initiale und einzige Symptom dar. Auch Flankenschmerzen bei Harnstauungsniere können zu den Symptomen gehören. Eine allgemeine Symptomatik (z.B. ungewollter Gewichtsverlust, Fieber, Nachtschweiß) findet sich eher selten und kann auf ein fortgeschrittenes Tumorleiden hindeuten.

Zur Diagnostik von Tumoren des oberen Harntrakts gehören neben dem urologischen Ultraschall auch eine zytologische Untersuchung des Urins im Labor. Die Computertomographie des Bauchraums mit Ausscheidungsphase („CT-Urographie“) ist das Mittel der Wahl bei der Diagnostik von Urothelkarzinomen des oberen Harntrakts. Dadurch kann eine Aussage zur Ausdehnung des Tumors sowie zum potentiellen Vorliegen von Metastasen getroffen werden. Häufig ist auch eine endoskopische Spiegelung des Harnleiters und/oder des Nierenbeckens („diagnostische Ureterorenoskopie“) mit Entnahme einer Gewebeprobe notwendig. Die endgültige Diagnose und die genaue Stadien-Einteilung wird dann anhand einer mikroskopischen feingeweblichen Untersuchung des Gewebes durch den Pathologen gestellt. Abhängig davon ergibt sich die weitere Therapieempfehlung.

Endoskopische- organerhaltende Operationsverfahren

Bei einer endoskopischen Operation wird mit einem Spiegelungsinstrument (Endoskop; sogenanntes „Ureterorenoskop“) die Schleimhaut beurteilt und der Tumor möglichst komplett entfernt. Dies kann mittels Laser erfolgen. Das Verfahren sollte nur bei kleinen Tumoren, die auf die oberen Schichten der Schleimhaut begrenzt sind, eingesetzt werden.

 

Offen-chirurgische Operationsverfahren / minimal-invasive Operation

Bei Harnleitertumoren, die nicht weit fortgeschritten sind und sich im Bereich des unteren Harnleiters befinden, kann unter Umständen eine Teilentfernung des Harnleiters erfolgen. Wenn der Tumor eine gewisse Größe überschritten oder bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat ist die radikale Entfernung von Niere und Harnleiter (Nephroureterektomie) die Therapie der Wahl. Der Eingriff kann minimal-invasiv (roboter-assistiert mit dem DaVinci®-System) oder offen-operativ durchgeführt werden. Postoperativ kann zusätzlich die einmalige lokale Chemotherapie der Harnblase mit Mitomycin C erfolgen, um das Risiko für ein Wiederauftreten von Tumoren in der Harnblase zu reduzieren.

 

Medikamentöse Tumortherapie

Die medikamentöse Behandlung des Urothelkarzinoms des oberen Harntrakts spielt insbesondere bei fortgeschrittenen Tumorstadien eine wichtige Rolle. Unser Ärzteteam hat umfangreiche Erfahrungen mit der Chemo- und Immuntherapie, sowohl in deren Durchführung als auch in der Vorbeugung und Behandlung von möglichen therapiebedingten Nebenwirkungen. Neben einer leitliniengerechten Patientenversorgung möchten wir unseren Patienten auch den Zugang zu innovativen Therapien, die an unserer Klinik im Rahmen von klinischen Studien angeboten werden, ermöglichen. Dies kann in einem individuellen ausführlichen Arztgespräch geprüft und erörtert werden. Die Betreuung und Überwachung erfolgt, sofern Sie an einer klinischen Studie teilnehmen, über unsere Studienzentrale stets in Abstimmung und unter Einbindung Ihres behandelnden niedergelassenen Urologen.

 

Patienteninformationen

Die genaue Ursache für die Entstehung von Urothelkarzinomen im oberen Harntrakt (Nierenbecken und Harnleiter) ist noch nicht geklärt. Dennoch sind Risikofaktoren, die die Entstehung solcher Tumore begünstigen, bekannt. Sie ähneln den Risikofaktoren zur Entstehung von Harnblasenkrebs. Zu den wesentlichen Risikofaktoren gehört somit das Tabakrauchen. Außerdem können berufliche Risikofaktoren durch krebsauslösende Substanzen wie Lacke, Teer, Farbstoffe und Lösungsmittel eine Rolle spielen. In sehr seltenen Fällen kann eine genetische Ursache und ein familiäres Auftreten beobachtet werden.

Ein Vorsorge-Screening nach dem Vorbild der Mammographie zur Erkennung von Brustkrebs oder der Darmspiegelung zur möglichst frühen Erkennung von Dickdarmkrebs wird für das Urothelkarzinom des oberen Harntraktes nicht empfohlen, da die Wahrscheinlichkeit, einen Tumor zu entdecken, deutlich geringer ist. Beim Auftreten von Beschwerden (Blut im Urin, Flankenschmerzen oder Harnstauungsniere) sollte ein Arzt zur weiteren Beratung aufgesucht werden. Auch wenn sich in vielen Fällen die Ursache der Beschwerden als vergleichsweise harmlos herausstellen sollte, muss meistens zumindest das Vorliegen eines Tumors ausgeschlossen werden.

Eine Biopsieentnahme und eine endoskopische Entfernung des Tumors ist fast immer notwendig. Wenn der Tumor rechtzeitig erkannt wurde und nur auf die oberen Schichten der Schleimhaut begrenzt ist, kann der Harnleiter bzw. die Niere häufig erhalten werden. Eine operative komplette Entfernung des Harnleiters und/oder der Niere ist bei aggressiveren Formen der Erkrankung die beste Möglichkeit, um dauerhaft eine Heilung zu erzielen. Alternativ kann eine medikamentöse Therapie erfolgen, wenn eine operative Entfernung nicht sinnvoll oder möglich ist oder durch die Patientin/den Patienten abgelehnt wird.

Beteiligte Kliniken & Kooperationspartner

Für eine umfassende interdisziplinäre Betreuung und Versorgung arbeiten wir bei Bedarf mit verschiedenen Fachdisziplinen des Universitätsklinikums (Radiologie, Nuklearmedizin, Chirurgie, Onkologie, Strahlentherapie, Pathologie, Schmerzambulanz) sowie externen Kooperationspartnern zusammen. Es stehen Ihnen außerdem erfahrene Therapeuten und Berater aus verschiedenen Bereichen im Rahmen Ihres stationären Aufenthaltes zur Verfügung (z.B. Psychologen, Sozialer Beratungsdienst und Physiotherapeuten).

Ausgezeichnete Qualität