Schwerpunkt Nierenzellkarzinom

Das Nierenzellkarzinom (Nierenkrebs) ist die häufigste bösartige Erkrankung der Niere und macht etwa 3-5% aller bösartigen Tumoren bei erwachsenen Personen aus. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 5500 Frauen und 9500 Männer neu an Nierenkrebs. Männer erkranken etwa doppelt so häufig wie Frauen. Durch moderne Diagnoseverfahren wie der Ultraschalluntersuchung, der Computertomographie und der Kernspintomographie (MRT), werden viele Nierentumore bereits in frühen Stadien entdeckt, so dass häufig eine nierenerhaltende Therapie möglich ist. An unserer Klinik werden mehr organerhaltende Nierentumoroperationen als komplette Nierenentfernungen durchgeführt und es besteht eine große operative Erfahrung bei der nierenerhaltenden Chirurgie. Bei bestimmten Tumoren führen wir die organerhaltende Nierentumorentfernung minimal-invasiv und roboter-assistiert mit dem DaVinci®-System durch.

Wir handeln bei der Behandlung des Nierenzellkarzinoms nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und Leitlinien. Gerne stehen wir Ihnen im Rahmen unserer Sprechstunde zur Beratung und weiteren Therapieplanung zur Verfügung, wenn ein Nierentumor (auf die Niere begrenzt oder fortgeschritten) diagnostiziert wurde. Auch Zweitmeinungsgespräche sind möglich. In besonderen Fällen kann ein interventionelles, minimal-invasive Ablationsverfahren (z.B. Hitzebehandlung mit Radiofrequenz) sinnvoll sein. Dieses Verfahren bieten wir interdisziplinär in Zusammenarbeit mit der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an. Sollte bei Ihnen eine weiter fortgeschrittene Erkrankung des Nierenzellkarzinoms vorliegen, so stehen bei uns das gesamte Spektrum der modernen medikamentösen Tumortherapie sowie klinische Studienprogramme mit neuartigen Medikamenten zur Verfügung.

 

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Dr. med. Jan-Thorsten Klein

Leitender Oberarzt

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Dr. med. Robert de Petriconi

Oberarzt

Profilbild von Dr. med. Dr. med. univ. Thomas Martini, F.E.B.U.

Dr. med. Dr. med. univ. Thomas Martini, F.E.B.U.

Oberarzt

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Oberarzt

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Dr. med. Felix Wezel, M. Sc., F.E.B.U.

Oberarzt

Sprechstundentermine

Telefon 0731 500-54777

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Symptomatik, Diagnostik und Therapie

Kleinere Nierentumoren verursachen häufig keine Beschwerden, sondern werden teils zufällig im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen oder z.B. bei einer Ultraschalluntersuchung erkannt. Schmerzen in der Flanke oder im Rückenbereich sowie Blut im Urin (rötliche bis braune Verfärbung) können Hinweis auf eine Nierenerkrankung sein, aber auch Koliken, Gewichtsverlust, Blutarmut, unklares Fieber, hoher oder niedriger Blutdruck, Darmbeschwerden oder ständige Abgeschlagenheit können Hinweise auf eine Erkrankung geben.

Die frühzeitige Erkennung bietet die beste Chance auf Heilung. Zu den wichtigsten Untersuchungen zum Nachweis eines Nierenzellkarzinoms gehören nach einem ausführlichen ärztlichen Beratungsgespräch die körperliche Untersuchung, Laboruntersuchungen (Blut), die Ultraschalluntersuchung und die weiteren bildgebende Verfahren mittels Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT). 

Die Therapiemethoden sind vom Tumorstadium abhängig. Je früher ein Nierenzellkarzinom erkannt wird, umso eher können nierenerhaltende Operationen durchgeführt werden und umso günstiger ist die Prognose für die betroffenen Patienten. Die Größe und Lage des Tumors, jedoch auch das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand eines Patienten werden bei der Therapieauswahl berücksichtigt.  

Wir bieten das komplette operative und medikamentöse Spektrum zur Behandlung von Nierenzellkarzinomen an.
Komplexe Fragestellungen und größere operative Eingriffe können in unserem interdisziplinären Tumorboard besprochen werden. Hier diskutieren wir insbesondere bei fortgeschritteneren Tumorstadien gemeinsam mit Radiologen, Nuklearmedizinern, Pathologen, Onkologen und Strahlentherapeuten die beste Therapiestrategie.

Operative Entfernung des Nierentumors

Nierenteilentfernung oder komplette Nierenentfernung (Nephrektomie)
Die organerhaltende Teilentfernung bei kleineren und mittleren Tumoren ist mittlerweile ein etabliertes Standardverfahren, das den Funktionserhalt der betroffenen Niere ermöglicht. In einigen Fällen wird die Nierentumoroperation minimal-invasiv und roboter-assistiert durchgeführt (DaVinci® System). Abhängig von der Größe und Lage des Tumors muss eventuell eine komplette Entfernung der tumorbefallenen Niere erfolgen.
Alternative Therapieformen beinhalten interventionelle, minimalst-invasive Ablationsverfahren (z.B. Hitzebehandlung/ Radiofrequenzablation) bei manchen Nierentumoren. Die Verödung durch Kälte- (Kryo-) oder Hitze-Sonden (Radiofrequenz) kann bei kleinen Tumoren eingesetzt werden, wenn ältere oder kranke Menschen ein sehr hohes Operationsrisiko, jedoch einen Therapiewunsch haben. Dieses Verfahren wird noch nicht zu den etablierten Standardverfahren gezählt.
Tumorembolisationen können ebenso in Ausnahmefällen bei Patienten erfolgen, die nicht operiert werden können. Hierbei wird das zuführende Blutgefäß zur Niere durch einen Katheter verschlossen, so dass der Tumor von der Blutversorgung abgeschnitten ist und nicht mehr weiterwachsen kann oder sich sogar zurückbildet. Leider ist dieser Effekt oft nur von kurzer Dauer, da sich die Blutgefäße neue Wege erschließen.

Fortgeschrittene oder metastasierte Nierenzellkarzinome

Tumorresektion oder Metastasenresektion
Bei etwa 15-30% der Patienten mit einem Nierenzellkarzinom hat der Tumor bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung in die Lymphknoten oder andere Organe gestreut (Metastasierung). Das Ziel der Therapie ist dann eine Lebensverlängerung bzw. Verbesserung der Lebensqualität. Es gibt Hinweise darauf, dass eine Tumorentfernung trotz bestehender Metastasen einen Überlebensvorteil bringen kann, wenn im Anschluss eine medikamentöse Tumortherapie durchgeführt wird. Bei Patienten mit nicht wesentlich erhöhtem Operationsrisiko kann deshalb eine operative Tumorentfernung (meist komplette Entfernung der befallenen Niere) auch im metastasierten Stadium sinnvoll sein.
Falls nur vereinzelt Fernmetastasen, z. B. in der Lunge, vorhanden sind, kann eine operative Entfernung dieser Metastasen sinnvoll sein. Hierdurch können Beschwerden reduziert, das Risiko des Fortschreitens der Erkrankung gesenkt werden.

Medikamentöse Tumortherapie
Falls Absiedlungen (Metastasen) des Tumors an mehreren Orten im Körper auftreten, kann ein Zurückdrängen des Tumorwachstums mit verschiedenen Medikamenten erreicht werden. Bei Nierenzellkarzinomen ist die klassische Chemotherapie nahezu wirkungslos und wird daher nicht mehr eingesetzt. Ebenso sprechen Nierenzellkarzinome nicht gut auf eine Strahlentherapie an. Eine Strahlentherapie wird daher nur punktuell zur Schmerzlinderung oder Knochenstabilisierung eingesetzt.
In den letzten Jahren wurden eine ganze Reihe moderner, molekular-zielgerichteter Medikamente neu zugelassen. Anders als Chemotherapie, die toxisch sowohl auf Tumorzellen als auch gesunde Zellen wirken kann, beeinflussen diese neuartigen Medikament molekulare Signalwege in den Krebszellen und können damit zum Beispiel die Blutgefäßbildung und damit die Blutversorgung des Tumors hemmen. Derartige Therapien sind häufig besser verträglich als Chemotherapien, jedoch ebenfalls nicht nebenwirkungsfrei.
Weitere neuartige zielgerichtete Therapien beeinflussen das körpereigene Immunsystem (sog. „Immuntherapie“) und helfen diesem, entartete Tumorzellen wieder zu erkennen und anzugreifen. Solche sogenannten Immuncheckpoint-Hemmer können bei einem Teil der Patienten mit metastasiertem Nierenkrebs langfristige Erfolge erzielen.  
In manchen Fällen können wir unseren Patienten neuartige Medikamente bzw. Medikamentenkombinationen im Rahmen von klinischen Studien anbieten. Dies kann in einem ausführlichen Arztgespräch geprüft und erörtert werden. Die Betreuung erfolgt, sofern Sie an einer klinischen Studie teilnehmen, über unsere Studienzentrale in enger Absprache mit Ihrem behandelnden niedergelassenen Urologen.

 

Patienteninformationen

Die Ursachen für die Nierenkrebsentstehung sind bisher nicht eindeutig geklärt. Eine Anzahl von verschiedenen Faktoren kann aber das Risiko der Entstehung eines Nierenzellkarzinoms erhöhen.
Als wichtigste vermeidbare Risikofaktoren gelten das Rauchen und Passivrauchen, daneben können Übergewicht und Alkohol eine Rolle spielen. Auch Expositionen gegenüber Cadmium, Blei, petrochemischen Substanzen, Teer und Holzschutzmitteln gelten als mögliche Risikofaktoren. Weitere Faktoren, die das Risiko für das Auftraten von Nierenzellkarzinomen erhöhen können, sind eine chronische Niereninsuffizienz, zystische Nierenerkrankungen, eine positive Familienanamnese (Auftreten von Nierenzellkarzinomen in der eigenen Verwandtschaft) sowie genetische Erkrankungen (z.B. von Hippel-Lindau’sche Krankheit und die Tuberöse Sklerose).

 

 

Aufgrund des insgesamt eher niedrigen Vorkommens von Nierenzellkarzinomen in der Bevölkerung wird ein explizites Vorsorgescreening nicht für alle Menschen empfohlen. Bei Vorliegen von o.g. Risikofaktoren, insbesondere zystischen erblichen Nierenerkrankungen, das Vorkommen von Nierenzellkarzinomen in der eigenen Verwandtschaft sowie andere genetische Erkrankungen (von Hippel-Lindau’sche Krankheit und die Tuberöse Sklerose) kann eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung, z.B. mittels Ultraschall, sinnvoll sein.
Bei Auftreten von Beschwerden (Flankenschmerzen, Blut im Urin, evtl. tastbare Verhärtung in der Flanke) sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Auch wenn sich in vielen Fällen die Ursache der Beschwerden als vergleichsweise harmlos herausstellen sollte, so sollte dennoch ein Nierentumor ausgeschlossen werden.

 

 

Eine operative Entfernung von Nierenzellkarzinomen ist aktuell die einzige Möglichkeit, dauerhaft eine Heilung zu erzielen, sofern die Erkrankung auf die Niere begrenzt ist. Wenn der Tumor rechtzeitig erkannt wurde, ist in vielen Fällen eine nierenerhaltende Entfernung des Nierentumors möglich, sodass die Funktion der Niere weitgehend erhalten bleibt. In manchen Fällen kann eine Nierenteilentfernung auch minimalinvasiv durchgeführt werden, zum Beispiel Roboter-assistiert mittels DaVinci® System.
Ist eine komplette Entfernung der tumorbefallenen Niere notwendig, wird die Funktion von der verbliebenen gesunden Niere übernommen.
Eine operative Entfernung des Nierentumors kann auch dann sinnvoll sein, wenn der Krebs bereits in die Lymphknoten oder andere Organe gestreut hat. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ergeben sich Hinweise, dass eine systemische medikamentöse Tumortherapie in Kombination mit einer Nierentumorentfernung effektiver sein kann als eine medikamentöse Therapie alleine. Dies muss jedoch in jedem einzelnen Fall mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Komplexe Fälle können im interdisziplinären Tumorboard mit Experten aus verschiedenen Fachabteilungen beraten werden, sodass für jeden einzelnen Patienten die bestmögliche Therapie gefunden werden kann.
Bei Menschen, bei denen aufgrund ihres Alters oder Vorerkrankungen keine lange Lebenserwartung mehr vorliegt, oder die ein erhöhtes Operationsrisiko aufweisen, können interventionelle Therapien (zum Beispiel Hitze- oder Kältebehandlung) oder eine engmaschige Überwachung des Tumorwachstums Alternativen darstellen.

 

Eine operative Entfernung von Nierenzellkarzinomen ist aktuell die einzige Möglichkeit, dauerhaft eine Heilung zu erzielen, sofern die Erkrankung auf die Niere begrenzt ist. Wenn der Tumor rechtzeitig erkannt wird, ist in vielen Fällen eine nierenerhaltende Entfernung des Nierentumors möglich, sodass die Funktion der Niere weitgehend erhalten bleibt. Ist eine komplette Entfernung der tumorbefallenen Niere notwendig, wird die Funktion in der Regel von der verbliebenen Niere übernommen, sofern diese gesund ist.
Eine operative Entfernung des Nierentumors kann bei einigen Patienten auch dann sinnvoll sein, wenn der Krebs bereits in die Lymphknoten oder andere Organe gestreut hat. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ergeben sich Hinweise, dass eine systemische medikamentöse Tumortherapie in Kombination mit einer Nierentumorentfernung effektiver sein kann als eine medikamentöse Therapie alleine. Dies muss jedoch in jedem individuellen Fall mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Bei Patienten hohen Alters oder bei denen bereits mehrere Erkrankungen vorliegen oder ein erhöhtes Operationsrisiko besteht, können interventionelle Therapien (zum Beispiel Hitze- oder Kältebehandlung) oder lediglich eine engmaschige Überwachung des Tumorwachstums ohne aktive Behandlung sinnvolle Alternativen sein.

 

Beteiligte Kliniken & Kooperationspartner

Für eine umfassende interdisziplinäre Betreuung und Versorgung arbeiten wir bei Bedarf mit verschiedenen Fachdisziplinen des Universitätsklinikums (Radiologie, Nuklearmedizin, Chirurgie, Onkologie, Strahlentherapie, Pathologie, Schmerzambulanz) sowie externen Kooperationspartnern zusammen. Es stehen Ihnen außerdem erfahrene Therapeuten und Berater aus verschiedenen Bereichen im Rahmen Ihres stationären Aufenthaltes zur Verfügung (z.B. Psychologen, Sozialer Beratungsdienst und Physiotherapeuten).