Weniger Social Media, mehr Wohlbefinden: Ulmer Studie zeigt positive Effekte einer zeitweisen Reduktion

Zwischenergebnisse der Social-Media-Detox-Studie des UKU zeigen positive Auswirkungen auf Stress, Schlaf und psychische Gesundheit

Junge Menschen, die ihre tägliche Social-Media-Nutzung über einen Zeitraum von vier Wochen reduzierten, berichteten von einem höheren subjektiven Wohlbefinden und weniger wahrgenommenen Stress im Vergleich zu vorher. Das zeigen erste Zwischenergebnisse der vom Universitätsklinikum Ulm durchgeführten und von der Baden-Württemberg Stiftung geförderten Social-Media-Detox-Studie. Die randomisierte kontrollierte Studie untersucht mit einem bundesweiten Studiendesign die Auswirkungen einer zeitweisen Begrenzung sozialer Medien auf die psychische Gesundheit von 16- bis 29-Jährigen.

Soziale Medien sind für viele junge Menschen ein fester Bestandteil ihres Alltags. Die vom Universitätsklinikum Ulm (UKU) durchgeführte Social-Media-Detox-Studie untersucht deshalb, welche Auswirkungen eine zeitweise Reduktion der Nutzung auf subjektives Wohlbefinden, wahrgenommenen Stress, die psychische Gesundheit, Schlaf und körperliche Aktivität hat. An der bundesweiten Studie nahmen 131 junge Menschen zwischen 16 und 29 Jahren teil. Vor Studienbeginn waren die Teilnehmenden durchschnittlich mindestens vier Stunden pro Tag auf sozialen Medien aktiv.

Ziel der von der Baden-Württemberg Stiftung geförderten randomisierten kontrollierten Studie ist es, das präventive Potenzial einer zeitweisen freiwilligen Reduktion sozialer Medien zu untersuchen. Aus den Ergebnissen sollen Empfehlungen und Tipps für einen gesundheitsförderlichen, reflektierten und selbstregulierten Umgang mit sozialen Medien sowie für die Umsetzung entsprechender Aktivitäten mit jungen Menschen abgeleitet werden.

Die Teilnehmenden wurden nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe sollte ihre tägliche Social-Media-Nutzung für vier Wochen auf maximal eine Stunde täglich begrenzen, während die Teilnehmenden der zweiten Gruppe selbst ein individuelles Nutzungslimit festlegten. Die Kontrollgruppe erhielt zunächst keine Vorgaben und reduzierte ihre Social-Media-Zeit erst im Anschluss ebenfalls für vier Wochen. Die tägliche Social-Media-Nutzungszeit der Studienteilnehmenden vor, während und nach der Intervention wurde anhand von Screenshot-Uploads der in der Studie als Social Media definierten Apps (u,a, Instagram, Youtube, Snapchat, TikTok oder Facebook) erhoben.

Die ersten Zwischenergebnisse zeigen, dass sich das subjektive Wohlbefinden und die wahrgenommene Stressbelastung in den beiden Interventionsgruppen nach vier Wochen im Vergleich zur Ausgangsbefragung signifikant verbesserten. In der Kontrollgruppe blieben diese Werte im selben Zeitraum weitgehend unverändert. Zusätzliche Effekte zeigten sich in der Gruppe, die ihre Social-Media-Nutzung auf durchschnittlich maximal eine Stunde pro Tag reduzierte. Dort nahm zusätzlich die Häufigkeit von Schlafproblemen sowie von Angst- und depressiven Symptomen signifikant ab.

So berichteten beispielsweise 41% der Teilnehmenden in dieser Interventionsgruppe bei der Baseline-Erhebung von depressiven Symptomen, die als klinisch relevant einzustufen sind. Nach der Intervention berichteten davon noch 21%. Moderate bis schwere Angstsymptome gaben in dieser Gruppe 34% vor der Intervention an. Nach der vierwöchigen Social-Media-Reduktion halbierte sich der Anteil auf 17%. Von moderaten bis schweren Schlafproblemen berichteten in der ersten Interventionsgruppe 22% vor der Intervention und 12% nach der Reduktion – relativ betrachtet entspricht dies einem Rückgang von fast 46%.

„Unsere Studie liefert erste Hinweise darauf, dass bereits eine zeitweise Reduktion der Social-Media-Nutzung, zumindest kurzzeitig, positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit junger Menschen haben kann“, betont Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am UKU und Leiter der Studie. „Umso wichtiger ist es, junge Menschen langfristig bei einem bewussten Umgang mit sozialen Medien zu unterstützen und sie an solchen Aktivitäten direkt zu beteiligen. Es ist wichtig, mit ihnen darüber zu sprechen und ihnen Erfahrungsräume zu bieten, anstatt die Diskussion nur über sie zu führen.“

Für die Datenerhebung kamen u.a. validierte Fragebögen zu Schlafproblemen, Wohlbefinden, Körperwertschätzung sowie Angst- und depressiven Symptomen zum Einsatz. Ergänzt wurden diese teilweise durch biometrische Daten eines Fitnesstrackers sowie durch freiwillige qualitative Interviews mit ausgewählten Teilnehmenden.

Die Zwischenergebnisse der Studie wurden heute erstmals im Rahmen des „Baden-Württemberg Breakfast Briefing: Expertengespräch über den Social-Media-Konsum von Jugendlichen“ von Prof. Dr. Jörg M. Fegert in Stuttgart vorgestellt. Die präsentierten Ergebnisse stellen Zwischenergebnisse des weiterhin laufenden Projektes dar. Zusätzliche Erkenntnisse zur Frage, wie dauerhaft die beobachteten Veränderungen sind, sollen die Ergebnisse der Nachbefragung drei Monate nach Studienbeginn liefern, die kürzlich abgeschlossen wurde. Darüber hinaus werden weitere statistische Analysen durchgeführt, um die langfristigen Auswirkungen der unterschiedlichen Formen der Social-Media-Reduktion genauer zu untersuchen.

Zur Studie

Die Social-Media-Detox-Studie wird an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm durchgeführt und von der Baden-Württemberg Stiftung gefördert. An der bundesweiten randomisierten kontrollierten Studie nahmen 131 junge Menschen im Alter von 16 bis 29 Jahren teil, die vor Studienbeginn durchschnittlich mindestens vier Stunden pro Tag soziale Medien nutzten. Im Mittelpunkt der Studie steht die Frage, wie sich eine zeitweise Reduktion der Social-Media-Nutzung auf Wohlbefinden, Stress, Schlaf und die psychische Gesundheit junger Menschen auswirkt. Die Rekrutierung der Teilnehmenden und die Intervention sind abgeschlossen; weitere Auswertungen laufen derzeit.

(Symbolfoto: Unsplash)