Dazugehören BaWü

Individuelle Unterstützung für benachteiligte Jugendliche im Corona-bedingt erschwerten Übergang zum Erwachsenenalter

           

Projektleitung

  • Profilbild von Prof. Dr. med. Jörg M. Fegert

    Prof. Dr. med. Jörg M. Fegert

    Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie

  • Profilbild von Prof. Dr. med. Isabel Böge

    Prof. Dr. med. Isabel Böge

  • Profilbild von Dr. Dipl.-Psych. Andreas Witt

    Dr. Dipl.-Psych. Andreas Witt

    Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut

Projektkoordination

Kooperationspartner

                                                                      

  • ZfP Südwürttemberg

  • eSano Online-Trainings

  • Soon-Systems GmbH

  • Media HS Stuttgart  

Projektlaufzeit

01.03.2021 – 28.02.2023

Aktuelles

Am 24.05.2022 fand ein gemeinsamer Fachtag in Ulm statt, bei dem erstmals das Projektteam und die Vertreter*Innen der Standorte zusammenkamen. Dabei ging es vor allem um die Vorstellung des aktuellen Projektstands sowie um den gemeinsamen Austausch mit allen Beteiligten.

Link zur Pressemeldung: Jugendliche stark machen | Universitätsklinikum Ulm (uniklinik-ulm.de)

Projektvorhaben

Das Projekt „Dazugehören BaWü: Individuelle Unterstützung für benachteiligte Jugendliche im Corona-​bedingt erschwerten Übergang zum Erwachsenenalter“ ist ein vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-​Württemberg im Rahmen des Forum Gesundheitsstandort Baden-​Württemberg gefördertes Verbundprojekt. Das Projektmanagement sowie die Projektdurchführung und –steuerung liegen bei den seit vielen Jahren eng kooperierenden Arbeitsgruppen Jugendpsychiatrie/Psychotherapie Ulm (Prof. Dr. Jörg Fegert) und Klinik für Kinder-​ und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie Südwürttemberg (Prof. Dr. Isabel Böge).

Ziel des Projekts ist die Stabilisierung und Stärkung von Jugendlichen, die sich im Übergang zum Erwachsenenalter befinden und von Teilhabedefiziten aufgrund seelischer Behinderung bzw. Suchterkrankung betroffen sind, mit Hilfe von Digitalisierung. Durch die Einschränkungen in der Corona-​Pandemie haben seelisch beeinträchtigte oder suchterkrankte Jugendliche weniger Chancen, ihre Entwicklungsaufgaben im Übergang zum Erwachsenenalter zu bewältigen. Der Gesundheitsstandort Baden-​Württemberg reagiert mit einem modernen vernetzten Gesundheitswesen und verhindert durch die Verbesserung der Teilhabechancen beeinträchtigter junger Menschen die Entstehung einer „lost generation“.

Exemplarisch werden an vier Standorten im Land neue Wege zu einer digital unterstützten Hilfeplanung und digitalen Hilfen für junge Menschen mit seelischer Beeinträchtigung oder Suchterkrankung realisiert. Dies wird zum einen über ein zu erarbeitendes partizipatives Teilhabeinstrument erreicht, zum anderen über ein webbasiertes Gruppentraining, das zur Selbstbefähigung der Jugendlichen beitragen soll.

Teilprojekt 1: Partizipatives Teilhabeinstrument

Bislang gibt es keine digital unterstützte Übergangsplanung zwischen der Eingliederungshilfe in der Jugendhilfe und den 2016 eingeführten Rahmenbedingungen im Sozialgesetzbuch (SGB) IX für junge Erwachsene. Durch digital unterstützte, vernetzte Fallübergaben in Diagnostik und Therapie sowie durch koordinierte Übergänge von der Jugendhilfe in die Erwachsenenhilfe oder Selbständigkeit sollen langwierige Begutachtungsprozesse, neben den Corona-bedingten Verzögerungen, verhindert werden.

Ziel im Rahmen dieses Teilprojektes ist es, ein Instrument zu entwickeln, das den Prozess der Bedarfsermittlung digitalisiert und standardisiert unterstützt und gleichzeitig den Übergang in ein weiterführendes Hilfesystem vereinfacht. Das Instrument ist wie folgt aufgebaut.

  • Modul 1: Bedarfseinschätzung
  • Modul 2: Übergangsmanagement
  • Modul 3: Kommunikationsplattform

Nicht nur der Prozess des Übergangs soll verbessert werden, im Teilhabeinstrument stehen zudem neu erstellte Fragebögen für die Beteiligten sowie eine angepasste heilberufliche Stellungnahme nach § 35a SGB VIII zur Verfügung. Durch die Anlehnung an die International Classification of Functioning (ICF), bei gleichzeitiger Berücksichtigung der bisherigen Praxis der Bedarfsermittlung in der Jugendhilfe in diesen Dokumenten, können inhaltliche Barrieren der beiden Hilfesysteme überwunden werden.

 

Teilprojekt 2: Webbasierte Gruppenintervention

Notwendige Gruppenveranstaltungen, auch Selbsthilfeveranstaltungen, sind während der Corona-Pandemie fast völlig zum Erliegen gekommen. Die Peergruppe spielt aber bei Adoleszenten eine zentrale Rolle. Deshalb müssen, wie in diesem Projekt umgesetzt, nicht nur die persönliche Begegnung, sondern auch Maßnahmen, wie Online-Gruppenangebote, vorgehalten werden, um Adoleszente angemessen zu unterstützen.

Der zentrale sekundärpräventive Forschungsaspekt des Projekts liegt in der Vermeidung von Ausgrenzung aufgrund von Krankheit und Beeinträchtigung durch eine zeitnahe Vernetzung in einem digital organisierten Netzwerk. Die Adoleszenten sollen empowert und in ihrer Partizipation gestärkt werden. Durch Gruppenmeetings und eine begleitende App sollen die Selbstbestimmung und Mentalisierungsfähigkeit der jungen Menschen erhöht werden. Zentrale Ziele sind außerdem die Steigerung der Problemlöse- und Selbstlenkungsfähigkeit. Die Adoleszenten sollen nach der Teilnahme an den 7 Sitzungen der Intervention in ihren Fähigkeiten dahingehend gestärkt sein, dass sie aktiv Hilfe aufsuchen und äußern können, welche Unterstützung sie benötigen. Die Zielgruppe der Intervention sind Jugendliche und junge Erwachsene zwischen dem 15. und 27. Lebensjahr.

Modellstandorte

Mit und in folgenden Modellstandorten wird das Projekt „Dazugehören BaWü“ durchgeführt.

  • Ostalbkreis
  • Esslingen
  • Sigmaringen / Mariaberg e.V.
  • Biberach

 

Begleitforschung

1. Status Quo-Erfassung

Eine Status Quo-Erfassung wurde durchgeführt, um Ergebnisse in die Erstellung der beiden Teilprojekte berücksichtigen zu können. Es wurde eine schriftliche Befragung an die Leitungsebenen in den Jugendämtern der jeweiligen Modellstandorte durchgeführt, außerdem Interviews mit Casemanager*innen der Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe sowie mit betroffenen Jugendlichen.

Schriftliche Befragung

Die schriftliche strukturelle Befragung der Jugendamts- und Eingliederungshilfeleitungen ergab, dass sich standortübergreifend ca. 625 Fälle pro Jahr, der zwischen 16-27-Jährigen in Hilfen zur Erziehung/Hilfen für junge Volljährige und ca. 76 Fälle in Hilfen aus §35a SGB VIII befinden, was für die Aktualität einer (digitalen) Übergangsplanung spricht. Überwiegend verwenden die Modellstandorte für die Erfassung einer Teilhabebeeinträchtigung und eines Teilhabebedarfs standardisierte und offene Fragebögen sowie Leitfäden für die Casemanager*innen, in sowohl analogem als auch digitalem Format.

Befragung Case Manager*innen

In diesen Interviews wurden überwiegend Case-Manger*innen, aber auch Amtsleitungen aus dem Jugendamt und der Eingliederungshilfe zu ihren Erfahrungen im Übergang befragt. Hier standen unter anderem Schnittstellen und Barrieren im Übergangsprozess, die Partizipation der Jugendlichen sowie Anforderungen an das Instrument im Fokus. Es wurden 13 Fachkräfte mittels 11 Interviews befragt. Zusammenfassend können folgende Kernaussagen aus den qualitativen Interviews dargestellt werden:
Elementar für einen gelingenden Übergang ist das frühzeitige Zugehen der Jugendhilfe auf die Eingliederungshilfe und auf die zusätzlich beteiligten Kooperationspartner sowie ein enger Austausch untereinander. Des Weiteren besteht der Wunsch nach eigenen Fachdiensten für den Bereich § 35a SGB VIII. Zudem wird betont, dass der betroffene junge Mensch sensibel und frühzeitig auf die Phase des Übergangs vorbereitet werden muss.
Schwierigkeiten ergeben sich vor allem in der Zuständigkeitsabgrenzung im Alter zwischen 18 und 21 Jahren sowie fehlender standardisierter Vorgehensweisen. Außerdem fehlt es an Wissen über die Leistungen anderer Rehabilitationsträger. Bezogen auf die Partizipation der jungen Menschen kann diese am besten durch Einzelgespräche, aber auch digitale Kommunikationsformate umgesetzt werden. Auch Fähigkeiten der jungen Menschen wie Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein, aber auch feste, eigenorganisierte Tagesstrukturen werden als förderlich für einen gelingenden Übergang erlebt.
Vom Instrument werden ein klarer Leitfaden sowie eine einfache und ansprechende Gestaltung für Fachkräfte und Leistungsberechtigte gefordert. Außerdem wurde mehrmals der Wunsch nach einer Übersicht aller relevanten Hilfen geäußert.

Befragung Betroffene

Bei der Befragung der Betroffenen wurden insbesondere die eigenen Erfahrungen mit der Transition, Hindernisse und Barrieren im Transitionsprozess sowie hilfreiche Fertigkeiten erhoben. Hierfür konnten zwei Adoleszente interviewt werden, die sich zu diesem Zeitpunkt im Transitionsprozess befunden haben und ein*e Adoleszente*r, die*der bereits aus der Jugendhilfe ausgetreten war. Die Betroffenen beschrieben den Transitionsprozess als intransparent und wenig partizipativ. Zudem würden sie sich mehr Aufklärung über ihre Möglichkeiten und Rechte wünschen.

2. Geplante Evaluationsstudie

Beide Teilprojekte werden evaluiert. Der Einsatz des Teilhabeinstruments wird ausschließlich auf Machbarkeit, Nützlichkeit, Zufriedenheit und Vorschläge zur Verbesserung überprüft. Auch im Kontext der Gruppenintervention werden die Sitzungen sowie die App evaluiert. Die Teilnehmenden werden dafür vor und nach der Intervention mit standardisierten Fragebogen sowie eigens erstellten Fragebögen zu Durchführbarkeit, Nutzen und Qualität befragt. 

Wissenschaftliches Team aus Ulm

Wissenschaftliches Team aus den Modellstandorten

Sekretariat

Gefördert von:

Ministerium für Soziales und Integration

Im Rahmen des Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg unter Koordination der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH