Virale Erkrankungen zählen zu den Hauptauslösern des post-viralen Fatigue-Syndroms, einer Unterform des Chronischen Fatigue Syndroms (CFS). Man geht aktuell davon aus, dass das Post-COVID Syndrom (PCS) eine Unterform des CFS darstellt. Zu den Kardinalsymptomen des PCS zählen chronische Fatigue, vorrangig geäußert durch Belastungsintoleranz und Post-Exertionale Malaise, sowie kognitive Defizite. Circa 20-30% aller COVID-19 Patienten entwickeln persistierende Symptome nach der Akutinfektion. Fatigue (58%), Kopfschmerzen (44%), Aufmerksamkeitsprobleme (27%) und Gedächtnisprobleme (16%) zählen zu den häufigsten Symptomen.
Struktur der Ambulanz in der Klinik für Neurologie
In der Post-COVID Spezialsprechstunde werden seit Anfang des Jahres 2023 Patienten behandelt, die nach COVID-19 oder anderen viralen Infektionen anhaltende Fatigue, kognitive Defizite, Kopfschmerzen, Myalgien etc. entwickelt haben. Die Sprechstunde dient primär der sorgfältigen Erstdiagnostik, (neurologischen) Differentialdiagnostik und zur Einholung einer Zweitmeinung. Ziel ist eine individuelle Betreuung und Diagnostik des oft sehr breiten Symptomkomplexes. Die Patienten erhalten je nach Beschwerdebild eine ausführliche Neuropsychologische Untersuchung (durchgeführt von Dr. Luisa Balz, M. Sc. Psych. und Melissa Warbanov, M.Sc. Psych.), eine kernspintomografische Untersuchung des Kopfes sowie serologische und liquorchemische Diagnostik.
Das Neurologie-Team unter der Leitung von Prof. Dr. med. Hayrettin Tumani besteht aus den Neurologen Frau Dr. med. Deborah Erhart und Herrn Önder Soylu sowie den Neuropsychologen Frau Dr. biol. hum. Luisa Balz, M.Sc. Psych. und Melissa Warbanov, M.Sc. Psych. Ergänzt wird das Team durch die Leitung der Forschung in der Neuropsychologie, Frau Prof. Dr. Dr. Dorothée Lulé.
Die Spezialambulanz der Neurologie wurde im Juni 2024 in das neue Konzept der Universitätsklinik Ulm zur Koordination und Kanalisierung der Post-COVID Patienten eingegliedert. An der Konzeptualisierung sind wir neben der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (Dr. Stephan Frisch/Dr. Julia Kuhn), der Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin (Leitung: Dr. Johannes Kirsten; Dr. Achim Jerg) und dem Institut für Allgemeinmedizin (Leitung: Prof. Dr. Anne Barzel) der Universitätsklinik Ulm vertreten. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht uns, neben einer besseren und umfassenderen Versorgung der Post-COVID Patienten auch gemeinsame Therapiepfade zu entwickeln. Hierzu soll u.a. ein zwei-wöchentliches Post-COVID Board dienen, an dem sich auch unsere niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen mit Patientenvorstellungen beteiligen können.
Ein Termin in der Fatigue-Ambulanz erfordert eine ärztliche Überweisung und kann ausschließlich online vereinbart werden: fatigue@uniklinik-ulm.de
Telefax: 0731 500-1257913
Homepage: https://www.uniklinik-ulm.de/allgemeinmedizin/fatigue-ambulanz.html
Angegliederte Studien
Die Post-COVID Spezialsprechstunde ist in verschiedene Studien, vorrangig zu Fatigue und kognitiven Defiziten nach viralen Infektionen, aber auch infolge neurologischer Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose eingebunden. Zusammen mit unseren Kooperationspartnern Herrn Prof. J. Münch (Institut für Virologie, Universitätsklinikum Ulm), Herrn Prof. L. Schirmer/ Frau Dr. C. Schilling (Neurologische Klinik, Universitätsmedizin Mannheim/ Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim), PD Dr. J. Hosp/Dr. M. Schwabenland (Neurologische Klinik/Institut für Neuropathologie, Universitätsklinik Freiburg) und Frau Prof.
I. Kolassa (Abt. Klinische und Biologische Psychologie, Universität Ulm) streben wir eine multimodale Charakterisierung des Krankheitsbildes Post-COVID in Bezug auf Fatigue und kognitive Defizite u.a. im Vergleich zu definierten Autoimmunerkrankungen wie z.B. der Multiplen Sklerose an. Hierzu bedienen wir uns der 3T-MRT- Bildgebung (Core Facility Experimental Human MRI, Standort Safranberg, Leitung Prof. G. Grön, Zusammenarbeit mit Herrn PD Dr. Dr. N. Sollmann). Die verschiedenen Befunde sollen im Anschluss mit den Ergebnissen der Neuropsychologischen Untersuchung korreliert werden. Des Weiteren wird in Zusammenarbeit mit Herrn Prof. J. Münch die Rolle extrazellulärer Vesikel bei der Entstehung sowie als diagnostischer und prognostischer Biomarker bei Post-/Long-COVID untersucht.
Die Forschungsprojekte sind größtenteils durch Drittmittel des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg im Rahmen der „Sonderfördermaßnahme zur Erforschung von Long-COVID“ und im Rahmen des Forschungsinkubator-Projektes MitoSwitch der Universität Ulm gefördert.

Im Rahmen der multizentrischen EMOPROM-LCN-Studie (Multidisziplinäre Online PROMs im Long-COVID Netzwerk von ambulanten, stationären und rehabilitativen Sektoren in Zusammenarbeit mit Patientinnen und Patienten) – durchgeführt an den Universitätskliniken Erlangen, Ulm, Hamburg und der Charité Berlin – beteiligt sich die Klinik für Neurologie Ulm an der Entwicklung und Umsetzung einer standardisierten Online-Diagnostik zur Erfassung von Symptomen bei Post-Acute Sequelae of COVID-19 (PASC). Im Fokus stehen Patient-Reported Outcome Measures (PROMs) und Experience Measures (PREMs), die eine strukturierte, ortsunabhängige Verlaufsbeobachtung ermöglichen. Zusammen mit der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, liegt der Schwerpunkt in Ulm insbesondere auf dem Aufbau dieser Online-Diagnostik sowie der standardisierten Erfassung kognitiver Beeinträchtigungen bei Betroffenen. Ziel ist es, u.a. neurologische Langzeitfolgen des PASC-Syndroms besser zu verstehen und eine strukturierte, verlaufsorientierte Diagnostik zu ermöglichen.
Wenn Sie Interesse haben, an der Studie teilzunehmen, melden Sie sich bitte unter:
Weitere Informationen finden Sie unter:
www.psychosomatik.uk-erlangen.de/forschung/forschungsprojekte/emoprom/emoprom-studieninformationen/
Die Forschungsinkubator-Studie (gefördert durch die Universität Ulm) MitoSwitch (Leitung Frau Prof. I. Kolassa, Abt. Klinische und Biologische Psychologie, Universität Ulm) führen wir in Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie III der Universitätsklinik Ulm (Frau Dr. V. Tumani), der Arbeitsgruppe Experimentelle Endokrinologie und Metabolismusforschung der medizinischen Fakultät der Universität Ulm (Leitung Frau Prof. P. Fischer-Posovszky, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Ulm) und des Instituts für Molekulare Endokrinologie der Tiere der Fakultät für Naturwissenschaften an der Universität Ulm (Direktor: Prof. J. Tuckermann) durch. Im Rahmen der Studie untersuchen wir die regulatorischen und funktionalen Veränderungen des Energiestoffwechsels von Immunzellen über verschiedene Krankheiten (u.a. Post-COVID Syndrom, Multipler Sklerose +/- Fatigue, Depression, Schizophrenie, PTBS) sowie das Zusammenspiel zwischen Mitochondrien und Entzündungsaktivität und die Auswirkungen eines Nährstoffmangels auf genannte Erkrankungen.

