Arbeitsgruppe Qualitative Sozialforschung

Leiterin: Priv. Doz. Dr. phil. Silvia Krumm

Die an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II angesiedelte Arbeitsgruppe Qualitative Sozialforschung widmet sich der Anwendung und Weiterentwicklung qualitativer Methoden in der sozialpsychiatrischen Forschung. Damit kommt die Arbeitsgruppe den aktuellen Forderungen nach einer Stärkung sozialwissenschaftlicher Ansätze im Verständnis psychischer Erkrankungen sowie eines stärkeren Einbezugs subjektiver Perspektiven in die psychiatrische (Versorgungs-)Forschung nach. Die in der Arbeitsgruppe durchgeführten Drittmittelprojekte thematisieren vorwiegend soziologisch-psychiatrische Fragestellungen (z.B. Geschlecht, Gewalt, Elternschaft/Familie im Kontext psychischer Erkrankungen). Seit 2014 wird monatlich die „Qualitative Forschungswerkstatt“ angeboten mit dem Ziel, Forschende sowie NachwuchswissenschaftlerInnen in der Anwendung qualitativer Methoden in der psychiatrischen Forschung zu begleiten und zu unterstützen. Information und Anmeldungen unter silvia.krumm@uni-ulm.de

Profilbild von Priv. Doz. Dr. phil. Silvia Krumm

Priv. Doz. Dr. phil. Silvia Krumm

Leiterin der Arbeitsgruppe Qualitative Sozialforschung

Kontakt

Postanschrift:

Arbeitsgruppe Qualitative Sozialforschung
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II
der Universität Ulm am Bezirkskrankenhaus Günzburg
Lindenallee 2
89312 Günzburg

Laufende Projekte

Ungewollte Schwangerschaften bei Frauen mit psychischer Belastung
Laufzeit: 2020 - 2023

Projektleitung:
Priv. Doz. Dr. phil. Silvia Krumm, M. A., Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm, Leiterin der Arbeitsgruppe Qualitative Sozialforschung

Projektpartner:
Hochschule Fulda (Prof. Dr. Daphne Hahn, Gesamtkoordination)
Evangelische Hochschule Freiburg, SoFFi F. (Prof. Dr. Cornelia Helfferich)
Hochschule Merseburg (Prof. Dr. Maika Böhm)
Freie Universität Berlin (Prof. Dr. Christine Knaevelsrud)
Hochschule Nordhausen (Prof. Dr. Petra Brzank)

MitarbeiterInnen Universität Ulm:
Yamara-Monika Wessling, M.A.
Dr. Susanne Jaeger
Chloe Rascacea (stud. Hilfskraft)
Sophia Just (stud. Hilfskraft)

Finanzierung: Bundesministerium für Gesundheit

Fördersumme: 293.638,36 €

Laufzeit: 2020 – 2023

Zusammenfassung:
ELSA PSY ist ein Teilprojekt der deutschlandweiten Studie ELSA: Erfahrungen und Lebenslagen ungewollt Schwangerer - Angebote der Beratung und Versorgung (https://elsa-studie.de/). Ziel der Gesamtstudie sind Schlussfolgerungen für die Verbesserung der gesundheitlichen und psychosozialen Versorgung ungewollt schwangerer Frauen auf der Basis wissenschaftlich-empirischer Erkenntnisse. Es werden einerseits die Belastungen und Ressourcen von Frauen, die eine ungewollte Schwangerschaft austragen oder abbrechen, im Zeitverlauf bestimmt. Andererseits wird der Stand der Unterstützungs- und Versorgungsangebote analysiert und die Perspektive von Fachkräften und Verbänden untersucht.

In den Teilprojekten der Studie werden Frauen berücksichtigt, bei denen von einer besonderen Vulnerabilität ausgegangen werden kann. Dazu gehören Frauen mit psychischen Belastungen, die im Fokus des Teilprojektes ELSA PSY an der Universität Ulm stehen. Bisherige Befunde zeigen, dass Frauen mit psychischen Belastungen häufiger ungewollt schwanger werden und dass sie aufgrund spezifischer reproduktiver Risiken sowie soziokultureller Faktoren mit besonderen Herausforderungen im Umgang mit der Schwangerschaft konfrontiert sind. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass ungewollte Schwangerschaften mit psychischer Belastung einhergehen können. Insgesamt ist anzunehmen, dass Frauen mit psychischen Belastungen einen spezifischen Unterstützungsbedarf haben. Die Forschungslage dazu ist jedoch sehr lückenhaft.

Das Ziel des Teilprojekts ELSA PSY ist es daher, die psychosozialen Problemlagen bei Eintritt sowie im weiteren Verlauf einer ungewollt eingetretenen Schwangerschaft, Einstellungs- und Verhaltensweisen im Umgang mit einer ungewollten Schwangerschaft sowie den subjektiven Bedarf und die Inanspruchnahme von Beratungs- und Unterstützungsangeboten bei Frauen mit psychischen Belastungen zu untersuchen. Methodisch erfolgt die Analyse zunächst anhand einer repräsentativen Online-Befragung von Frauen mit ungewollt eingetretenen, ausgetragenen Schwangerschaften sowie von Frauen mit Schwangerschaftsabbrüchen. Darauf aufbauend erfolgen unter Verwendung narrativ-biografischer Instrumente vertiefende Analysen zu den subjektiven Sinnkonstruktionen im Umgang mit einer ungewollten Schwangerschaft im Kontext einer psychischen Belastung. Die Ergebnisse bilden die Basis für die Entwicklung angemessener Angebote für Frauen mit psychischen Belastungen, die ungewollt schwanger geworden sind.

Erarbeitung von Handlungskatalogen zur Umsetzung existierender Leitlinien zur Psychopharmakotherapie bei Personen mit Intellektueller Entwicklungsstörung
Laufzeit: 2021 - 2022

Projektleitung:
Prof. Dr. sc. hum. habil. Dipl.-Psych. Matthias Schützwohl, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum der TU Dresden

Projektpartner:
Priv. Doz. Dr. phil. Silvia Krumm, M. A., Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm, Leiterin der Arbeitsgruppe Qualitative Sozialforschung

MitarbeiterInnen Universität Ulm:
Lea Mayer
Nicole Stasch

Finanzierung: Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA)

Fördersumme: 249.504 €

Laufzeit: 2021 – 2022

Zusammenfassung:
Aktuelle Studien weisen auf eine ausgeprägte fehlende Umsetzung vorhandener Leitlinien zur Psychopharmakotherapie für Menschen mit Intellektueller Entwicklungsstörung (IE) in institutionalisierten Wohneinrichtungen hin. Das Projekt zielt vor dem Hintergrund dieser Fehlversorgung darauf ab, die Umsetzung vorhandener Leitlinienempfehlungen zur Psychopharmakotherapie bei Personen mit Intellektueller Entwicklungsstörung (IE) zu fördern.
Hierzu sollen in einem ersten Projektabschnitt Expert*innen in Baden-Württemberg und Sachsen befragt werden, die über ein spezifisches Wissen hinsichtlich der Barrieren und potenzieller Maßnahmen der Leitlinienumsetzung verfügen. In einem zweiten Projektabschnitt werden aufbauend auf den Ergebnissen dieser Expertenbefragung sowie aufbauend auf Vorarbeiten der Projektleitung in clusterrandomisiert ausgewählten Wohneinrichtungen in Baden-Württemberg und Sachsen im Rahmen von Workshops Fokusgruppen durchgeführt. Ziel der Fokusgruppen ist es, in möglichst konkreter und praxisnaher Form Handlungsanleitungen zu entwickeln, deren Einhaltung einrichtungsintern zu einer besseren Umsetzung der vorhandenen Leitlinienempfehlungen beitragen. In einem dritten Projektabschnitt werden die entwickelten Handlungsanleitungen verglichen und auf Gemeinsamkeiten hin untersucht.
Im Ergebnis soll ein möglichst allgemeingültiger Maßnahmenkatalog zur Verfügung gestellt und disseminiert werden, der bundesweit zu einer leitliniengerechteren psychopharmakologischen Behandlung in institutionalisierten Wohnformen lebender Personen mit IE beitragen soll.

Männlichkeitskonstruktionen und psychosoziales Gesundheitshandeln von Männern mit depressiven Erkrankungen
Laufzeit: 10/2016 - 09/2019, Kostenneutrale Verlängerung bis Juni 2021: Sonderauswertung Vaterschaft bei Männern mit Depression

Projektleitung:
Priv. Doz. Dr. phil. Silvia Krumm, MAsoz, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm, Wissenschaftliche Angestellte
Prof. Dr. rer. soc. Reinhold Kilian, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm, Leiter der Sektion Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung  
Prof. Dr. med. Harald Gündel, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Ulm, Ärztlicher Direktor

Beteiligte Personen:
Prof. Dr. med. Thomas Becker, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm am Bezirkskrankenhaus Günzburg, Ärztlicher Direktor
Dr. med. Petra Beschoner, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität, Oberärztin und Leitung Verhaltenstherapeutische Behandlungsgruppe

Wissenschaftliche MitarbeiterInnen:
Dr. PH Tobias Staiger
Maja Stiawa, MAsoz
Dr. biol. hum. Annabel Sandra Müller-Stierlin
Dr. phil. Felicitas Söhner
Christian Götzl

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Fördersumme: 416.482 €

Laufzeit: Oktober 2016 – September 2019, Kostenneutrale Verlängerung bis Juni 2021: Sonderauswertung Vaterschaft bei Männern mit Depression  

Zusammenfassung:    
Bei Frauen ist die Depressionsprävalenz gegenüber Männern verdoppelt, hingegen überwiegen Männer deutlich bei den Suiziden. Dieses ‚Genderparadox der Depression‘ deutet darauf hin, dass geschlechtsspezifische Unterschiede der zugrunde liegenden biopsychosozialen Prozesse in Diagnose und Behandlung depressiver Erkrankungen bei Männern unzureichend berücksichtigt werden. Der Einsicht in die Notwendigkeit angemessener psychiatrisch-psychotherapeutischer Hilfen steht ein mangelndes Wissen über Umgang und Hilfebedarf von Männern mit depressiven Erkrankungen gegenüber. Einzelne Studienbefunde zeichnen mit Bezug auf traditionelle Männlichkeitsideale ein eindimensionales Bild männlichen Gesundheitsverhaltens, das durch geringe Inanspruchnahme therapeutischer Angebote geprägt ist. Jenseits stereotyper Bilder ist wenig darüber bekannt, wie Männer im Kontext einer depressiven Erkrankung ihre Männlichkeit konstruieren, welche Ressourcen und Konflikte sie in Auseinandersetzung mit normativen Diskursen zu Männlichkeit oder Depression wahrnehmen und welche unterschiedlichen Strategien sie im Umgang mit der depressiven Symptomatik entwickeln. Es fehlen Erkenntnisse dazu, wie Hilfebedarfe von Männern in der psychiatrischen Versorgung wahrgenommen und berücksichtigt werden.
Die Mixed-Method-Studie zielt auf eine Analyse der Männlichkeitskonstruktionen im Kontext depressiver Erkrankungen und deren Bedeutung für das psychosoziale Gesundheitshandeln von Männern. Zunächst werden Männlichkeitskonstruktionen von an Depression (bzw. an Burnout) leidenden Männern in ihrer Verknüpfung mit sozialen und gesundheitsbezogenen Faktoren erfasst und anhand einer latenten Klassenanalyse typologisiert. Hierauf aufbauend werden anhand qualitativer Verfahren Männlichkeitstypen hinsichtlich der subjektiven Sinnhaftigkeit des Gesundheitshandelns rekonstruiert. Die Befunde werden im Rahmen von Gruppendiskussionen mit betroffenen Männern kommunikativ validiert. Schließlich werden die subjektiven Wahrnehmungen und Bewertungen psychiatrischer Fachkräfte im Umgang mit Männern und Männlichkeit im Kontext depressiver Störungen untersucht.
Vor dem Hintergrund ansteigender Behandlungszahlen für depressive Erkrankungen (inklusive Burnout) legt die Studie mit einer Analyse der Nutzer- und der professionellen Sicht auf männerspezifische Umgangsweisen und Hilfebedarfe eine empirische Basis für die Entwicklung einer die spezifischen Untergruppen berücksichtigenden, geschlechtergerechten psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung. Das gendertheoretische Erkenntnisinteresse der Studie gilt der Analyse von Männlichkeitsentwürfen im Kontext von Depression sowie deren Verknüpfung mit individuellen Faktoren, diskursiven Gesellschaftskontexten sowie deren Veränderungspotenzial unter den Bedingungen sich wandelnder Geschlechterregimes. Mit der Analyse der Vielfältigkeit von Männlichkeitsentwürfen leistet die Studie einen wichtigen Beitrag zu einem differenzierten Bild ‚männlicher Depression‘.

Publikationen:  

  1. Staiger T, Stiawa M, Mueller-Stierlin A, Kilian R, Beschoner P, Gündel H, Becker T, Frasch K,  Panzirsch M, Schmauß M, Krumm S. Masculinity and Help-Seeking Among Men With Depression: A Qualitative Study. Frontiers in Psychiatry 2020, 11:599039.
  2. Götzl C, Staiger T, Krumm S. Erschöpfte Väter? Vaterschaft und psychische Erkrankung. Sozialpsychiatrische Informationen 2020, 50(3):42-45.
  3. Kilian R, Müller-Stierlin A, Söhner F, Beschoner P, Gündel H, Staiger T, Stiawa M, Becker T, Frasch, K, Panzirsch M, Schmauß M, Krumm S. Masculinity norms and occupational role orientations in men treated for depression. PLOS ONE 2020, 15(5):e0233764.
  4. Stiawa M, Müller-Stierlin A, Staiger T, Kilian R, Becker T, Götzl C, Gündel H, Beschoner P, Grinschgl A, Frasch, K, Schmauß M, Krumm S. Männer mit depressiven Erkrankungen in der stationären Behandlung. Bedarf und Behandlungsziele aus Sicht psychiatrischer Fachkräfte. Psychiatrische Praxis 2020, DOI: 10.1055/a-1149-5429.
  5. Stiawa M, Müller-Stierlin A, Staiger T, Kilian R, Becker T, Götzl C, Gündel H, Beschoner P, Grinschgl A, Frasch, K, Schmauß M, Krumm S. Mental Health Professionals View About the Impact of Male Gender for the Treatment of Men With Depression - A Qualitative Study. BMC Psychiatry 2020, 20(1):276.
  6. Staiger T, Stiawa M, Müller-Stierlin A, Kilian R, Beschoner P, Gündel H, Becker T, Frasch, K, Panzirsch M, Schmauß M, Krumm S. Depression und Männlichkeit: Krankheitstheorien und Bewältigung – Eine biografisch-narrative Studie. Psychiatrische Praxis 2020, 47:65-70.
  7. Krumm S, Kilian R, Beschoner P, Becker T, Gündel H: Wenn Mann sein zum Problem wird. Zum Verhältnis von Männlichkeitsorientierung und Depression. Sozialpsychiatrische Informationen 2018, 48:23-26.
  8. Krumm S, Checchia C, Koesters M, Kilian R, Becker T. Men's Views on Depression: A Systematic Review and Metasynthesis of Qualitative Research. Psychopathology. 2017, 50(2):107-124.
Partizipative Begleitforschung zum Reallabor AI4U – Künstliche Intelligenz für digitale personalisierte psychische Gesundheitsförderung
Laufzeit: 01/2021 - 12/2023

Projektwebseite: www.zi-mannheim.de/forschung/abteilungen-ags-institute/public-mental-health/infos-pmh.html/#Real

Leitung der partizipativen Begleitforschung:
Priv. Doz. Dr. phil. Silvia Krumm, M. A., Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm, Leiterin der Arbeitsgruppe Qualitative Sozialforschung

Leitung des Gesamtprojekts:
Prof. Dr. Ulrich Reininghaus (Abteilungsleiter Public Mental Health, ZI Mannheim)

Projektpartner:
Zentralinstitut (ZI) für seelische Gesundheit, Mannheim

  • Abteilung Public Mental Health
  • Abteilung für theoretische Neurowissenschaften

Beteiligte Praxisakteure:
Jugendgemeinderat Baden-Württemberg
Jugendstiftung Baden-Württemberg
Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung
Landesverband Schulpsychologie Baden-Württemberg
Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung Baden-Württemberg
Netzwerk Schulsozialarbeit Baden-Württemberg
Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ)
War Child Deutschland
Fachbereich Schulpsychologie Mannheim
movisens GmbH

MitarbeiterInnen Universität Ulm:
Selina Hiller, B. Sc.
Christian Götzl, M. A.

MitarbeiterInnen Zentralinstitut (ZI) für seelische Gesundheit:
Prof. Dr. Daniel Durstewitz (Abteilungsleiter Theoretische Neurowissenschaften)
Dr. Georgia Koppe (Abteilung Theoretische Neurowissenschaften)
Christian Rauschenberg, M. Sc.

Finanzierung: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Fördersumme: 216.644 € (TP Ulm)

Laufzeit: 01/2021 – 12/2023

Zusammenfassung:
Psychische Erkrankungen gehören zur Hauptursache der Krankheitslast bei jungen Menschen, wobei drei Viertel der lebenslangen psychischen Störungen erstmals im Jugendalter auftreten. Gleichzeitig zeigen Studien, dass junge Menschen trotz ihres Unterstützungsbedarfs und hoher Medienaffinität häufig nur unzureichend von Angeboten der Gesundheitsförderung erreicht werden, da diese oftmals nicht auf deren Bedürfnisse oder reale Lebenswelt zugeschnitten sind. Auch Maßnahmen zur Eindämmung der SARS-CoV-2 Pandemie (social distancing, homeschooling) und dadurch entstandene psychosoziale Belastungen, lassen den Ruf nach digitalen Interventionen lauter werden, die auch ohne persönlichen Kontakt und individuell angepasst von jungen Menschen eingesetzt werden können.

Das Reallabor AI4U „Künstliche Intelligenz für digitale personalisierte psychische Gesundheitsförderung“ in Mannheim untersucht, wie die digitale Transformation im Gesundheitswesen anhand der neuartigen Anwendung von KI-Methoden gelingen kann. Hierzu wird ein mobiles digitales Training (sogenannte Gesundheits- oder mHealth Apps) zur psychischen Gesundheitsförderung und Prävention bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen entwickelt, das auf die reale Lebenswelt von Person, Moment und Kontext zugeschnitten ist. Moderne KI-Algorithmen könnten durch Auswertung multimodaler mobiler Daten, Ermittlung prädiktiver Faktoren, Verlaufsvorhersagen und deren Rückübersetzung in Vorschläge für Verhaltensoptionen, die psychischen Gesundheitsförderung und Prävention junger Menschen in zentralen Punkten unterstützen.

AI4U wird in einer 3-jährigen Projektphase unter direkter Beteiligung von jungen Menschen in Form von Fokusgruppen und Forschungswerkstätten sowie wichtigen Praxisakteuren aus den Bereichen der Erziehungsberatung, schulpsychologischen Beratung, Schulsozialarbeit, Medienpädagogik durchgeführt werden. Primäres Ziel liegt in der Stärkung von emotionaler Resilienz und weiteren protektiven Faktoren bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Hierzu werden Qualitätsbewertungen in Bezug auf a) Wirkung, Akzeptanz und Nutzung des KI-basierten Trainings, als auch b) Implementierungsbedingungen, strukturelle Einbettung, Chancen, Risiken und Implementierungshindernisse in die Entwicklung einer mHealth App einbezogen. Durch die Partizipation außerwissenschaftlicher Akteure und künftiger NutzerInnen soll größtmögliche Transparenz und Partizipation ermöglicht werden.

Interessieren Sie sich für eine Studienteilnahme?
Weitere Informationen erhalten Sie bei unseren Mitarbeitenden unter Tel.: 08221 96-29210 oder per E-Mail an christian.goetzl@uni-ulm.de.

Abgeschlossene Projekte

Studienleitung: Prof. Dr. Reinhold Kilian, Dr. phil. Silvia Krumm

Laufzeit: 2007-2009

Zusammenfassung:
Mit der zunehmenden Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts psychiatrischer Patienten haben sich auch die Möglichkeiten psychisch kranker Frauen zur individuellen Entscheidung über Familienplanung und Mutterschaft erweitert. Allerdings müssen reproduktive Entscheidungen vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Stigmatisierung von psychisch kranken Müttern einerseits sowie eigener Ängste in Bezug auf die gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind andererseits getroffen werden. Die zunehmende Verbreitung von Informationen zur genetischen Forschung kann sowohl Hoffnungen als auch Befürchtungen wecken, die die Entscheidungssituation für die betroffenen Frauen erschweren können. Gleichzeitig wird die Problematik in der Öffentlichkeit, aber auch im professionellen bzw. wissenschaftlichen Diskurs kaum thematisiert. Im Rahmen der geplanten Studie soll untersucht werden, wie betroffene Frauen heute Entscheidungssituationen im Zusammenhang mit Kinderwunsch und Familienplanung erleben und inwieweit Konflikte zwischen eigenen Präferenzen und gesellschaftlichen Erwartungen wahrgenommen und bearbeitet werden. Anhand biografischer Interviews werden die subjektiven Vorstellungen junger Frauen mit schweren psychischen Erkrankungen von Familienplanung, Reproduktion und Mutterschaft rekonstruiert.

Publikationen:

  1. Krumm S (2010): Biografie und Kinderwunsch bei Frauen mit schweren psychischen Erkrankungen. Eine soziologische und sozialpsychiatrische Untersuchung. Bonn: Psychiatrie-Verlag
  2. Krumm S, Kilian R, Becker T (2011): „Ich werde sie sicherlich nicht einfach so in die Welt setzen…“. Der soziale Kontext des Kinderwunschs aus der Sicht von Frauen mit psychischen Erkrankungen. Eine qualitative Studie. Psychiatrische Praxis 38, 23–30
  3. Krumm S, Kilian, R, Becker, T (2010): "Ein Kind wäre schon ein Wunsch..." Kinderwunsch und psychische Erkrankung aus der subjektiven Sicht betroffener Frauen. Psychiatrische Praxis 37, 134-41

Beratung für Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil

Laufzeit: 03/2006 - 02/2008

Laufzeit: 03/2011 - 04/2015

Zusammenfassung:
Während Menschen mit psychischen Erkrankungen unter maßgeblicher Beteiligung der Psychiatrie bis weit in das 20. Jahrhundert hinein durch Institutionalisierung und Sterilisierung von einer Fortpflanzung ausgeschlossen wurden, können die betroffenen Personen heute idealerweise selbst über die Frage einer Elternschaft entscheiden. Da jedoch eine Elternschaft bei Vorliegen einer psychischen Erkrankung sowohl für die betroffene Person wie auch für das (potenzielle) Kind mit erheblichen Risiken assoziiert sein kann, ist davon auszugehen, dass sich die Beschäftigten in der Psychiatrie in einem Spannungsfeld zwischen Respektierung der Autonomie einerseits und Fürsorge gegenüber den Betroffenen andererseits bewegen. Erschwert wird der Umgang durch den Mangel an gesicherten Erkenntnissen zum Einfluss von Schwangerschaft und Mutterschaft auf den Verlauf psychischer Erkrankungen. Gleichzeitig ist festzustellen, dass zum professionellen Umgang mit dem Kinderwunsch und damit assoziierten Themen (z.B. Familienplanung, humangenetische Beratung, Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbruch, Elternschaft) kaum Befunde vorliegen. Vor dem Hintergrund, dass der herrschende psychiatrische Fachdiskurs und auch die individuellen Einstellungen der Professionellen den Umgang der Betroffenen mit den genannten Themen erheblich beeinflussen können, ist es das Ziel der geplanten Untersuchung, den diesbezüglichen psychiatrischen Fachdiskurs anhand diskursanalytischer sowie sinnrekonstruktiver Methoden zu untersuchen. Im Zentrum steht die Frage, wie die an der psychiatrischen Behandlung beteiligten Berufsgruppen (PsychiaterInnen, PsychologInnen, Pflegefachkräfte, SozialarbeiterInnen) reproduktive Aspekte in der Behandlung psychisch kranker Menschen diskursiv bearbeiten, welche subjektive Sicht sie auf den Kinderwunsch sowie die weiteren reproduktiven Themen haben und wie die damit möglicherweise einhergehenden ethischen Konflikte und Dilemmata erlebt und bewältigt werden.

Publikationen:

  1. Krumm S, Checchia C, Kilian R, Becker T. Mental health nurses’ and psychiatrists’ views on addressing parenthood issues among service users. International Journal of Mental Health Nursing 2018, First published: 01 August 2018; doi.org/10.1111/inm.12525
  2. Checchia C, Badura-Lotter G, Kilian K, Becker T, Krumm S: Umgang mit Elternschaft psychiatrischer  Patienten während der stationären Behandlung: Möglichkeiten und  Grenzen aus subjektiver Sicht psychiatrischer Fachkräfte. Psychiatrische Praxis Psychiat Prax Psychiat Prax 2017; 44(06): 332-338.
  3. Checchia C, Badura-Lotter G, Kilian R, Becker T, Krumm S. Kinderwunsch und Familienplanung psychiatrischer PatientInnen aus Sicht der Fachkräfte – Ergebnisse einer qualitativen Studie Psychiatrische Praxis 2016, 43(8), 23–30. 
  4. Krumm S, Checchia C, Badura-Lotter G, Kilian R, Becker T: The attitudes of mental health professionals towards patient’s desire for children. BMC Medical Ethics 2014 15:18
  5. Badura-Lotter G, Krumm, S (2014): Kinderwunsch und  Elternschaft bei psychisch Kranken? Eine Topographie ethischer Konfliktlagen. In: Feuerstein, G. & Schramme, T. (Hrsg): Ethik der Psyche. Campus.
  6. Krumm S: „Was ganz Wichtiges im Leben“: Kinderwunsch und Elternschaft bei psychischen Erkrankungen aus zwei Perspektiven. Kerbe 32, 2014, Nr. 4, S. 42-45.
  7. Checchia C, Badura-Lotter G, Kilian R, Becker T, Krumm S. "Hat ja jeder eigentlich das Recht" - Zum professionellen Umgang mit Kinderwunsch und Elternschaft bei psychiatrischen PatientInnen. In: Wolfersdorf M, Laux G (Hrsg) 9. Forschungskongress der Fachkliniken der bayerischen Bezirke. Kloster Irsee 2013. Roderer Verlag Regensburg 2014

Finanzierung: Eigenmittel

Laufzeit: 2004 - 2006

Publikation:

  1. Krumm S, Kilian R, Becker T: Attitudes towards patient gender among psychiatric hospital staff. Results of a case study with focus groups. Social Science and Medicine 2006, 62(6): 1528-40.