Traumaversorgung

Traumatische Ereignisse in der Kindheit stellen einen Risikofaktor für die psychische und auch die körperliche Gesundheit während der gesamten Lebensspanne dar. Daher setzt die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm einen Trauma-Schwerpunkt sowohl in der Versorgung als auch in der Forschung. In den vergangenen Jahren konnte auf Empfehlung der Medizinstrukturkommission das „Kompetenzzentrums Kinderschutz in der Medizin in Baden-Württemberg“ (www.comcan.de) gemeinsam mit den Standorten am Universitätsklinikum Heidelberg und am Universitätsklinikum Freiburg etabliert werden. Das zunächst mit einem starken Fokus im Bereich der Lehre gestartete Kompetenzzentrum, konnte mittlerweile verstetigt werden.

Es wurden drei Professuren geschaffen, eine W3-Professur und zwei W1-Professuren, davon eine mit Tenure Track. Die W3-Professur wurde zunächst mit Prof. Paul L. Plener besetzt, nach seiner Berufung nach Wien befindet sich diese derzeit im Verfahren der Neubesetzung.

Eine W1-Professur mit dem Schwerpunkt „Epidemiologie und Verlaufsforschung im Kinderschutz“  wurde an Prof. Andreas Jud vergeben.

Die W1-Professur mit den Schwerpunkten „Lehre, Dissemination und Vernetzung“ ging an Frau Prof. Miriam Rassenhofer.

Im Bereich der epidemiologischen Forschung konnten in den letzten Jahren verschiedene Projekte zur Häufigkeit von Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch sowie zur Häufigkeit von Vernachlässigung durchgeführt werden, ebenso wurden Erziehungseinstellungen in Bezug auf körperliche Strafen untersucht. Ein aktuelles Projekt in Kooperation mit der Klinik für Unfallchirurgie beschäftigt sich auch mit dem Zusammenhang zwischen Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch und späteren somatischen Erkrankungen sowie Schmerzen im Allgemeinen.

In der studentischen Lehre setzen wir mehrfach Akzente zum Thema kindliches Trauma in verschiedenen Lehrformen. So bieten wir im Rahmen der Hauptvorlesung Psychiatrie einen Einblick in die Folgen von (früher) Traumatisierung. Im Modul Q10, das alle Studierenden durchlaufen müssen, gehen wir auf Früherkennung und Prävention von Kindesmisshandlung ein. In einem blended-learning Wahlfach (W521), für das der Lehrbonus der Universität Ulm 2015 an Prof. Plener vergeben wurde, bieten wir vertieftes Wissen im Kinderschutz, dass sich neben Epidemiologie, Erkennung und Risikofaktoren auch intensiv mit rechtlichen und praktischen Aspekten ärztlichen Handelns im Kinderschutzfall auseinandersetzt.

Ein großer Teil der Arbeit in diesem Schwerpunkt betrifft die Disseminationen in die klinische Praxis um die Versorgungsbedingungen durch evidenzbasiertes Wissen zu verbessern. So konnten in diesem Bereich in den letzten Jahren auch mehrere E-Learning-Programme etabliert werden, die das Wissen um die Folgen traumatischer Erkrankungen einem größeren Kreis zugänglich machten. Insgesamt haben bislang über 6.000 Teilnehmer an einem unserer E-Learning-Kurse teilgenommen. Dabei standen und stehen E-Learning-Kurse zu den Themenbereichen Frühe Hilfen (fruehehilfen-bw.), Prävention von sexuellem Missbrauch (missbrauch.elearning-kinderschutz.de), Vertiefung ergänzender Kenntnisse in der Versorgung von traumatisierten Menschen (ecqat.elearning-kinderschutz.de) sowie ein Grundkurs im Kinderschutz (grundkurs.elearning-kinderschutz.de) und zuletzt ein Angebot für Helfer*innen, die mit (oftmals traumatisierten) geflüchteten Kindern und Jugendlichen arbeiten (shelter.elearning-kinderschutz.de) zur Verfügung. Gerade im Bereich der geflüchteten Minderjährigen, die häufig traumatischen Ereignissen ausgesetzt waren, engagiert sich unsere Klinik in mehreren drittmittelgeförderten Forschungsprojekten. Zur besseren Diagnostik dieser Gruppe wurde unterstützt vom BMG das online-gestützte Tool PORTA (www.porta-refugees.de) geschaffen. Um ein gestuftes Versorgungsmodell zu evaluieren, beteiligen wir uns an dem vom Innovationsfond geförderten Projekt MEHIRA (innovationsfonds.g-ba.de/projekte/versorgungsforschung/mehira-gestuftes-versorgungsmodell-zur-foerderung-der-mentalen-gesundheit-von-fluechtlingen-mental-health-in-refugees-and-asylum-seekers.60), ebenso wird mit Unterstützung der World Childhood Foundation und der Käßbohrer Stiftung das traumapädagogische Projekt MEIN WEG derzeit von unserer Klinik evaluiert (treatchildtrauma.de/mein-weg). In der Vergangenheit konnten zur traumafokussierten Traumatherapie erfolgreich Projekte am Standort Ulm durchgeführt werden, wobei etwa die Wirksamkeit der traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie (Tf-KBT) untersucht wurde (treatchildtrauma.de), ebenso wurde im Projekt CANMANAGE die Wirksamkeit einer Case Manager Intervention bei misshandelten und missbrauchten Kindern untersucht. Aktuell werden mit Unterstützung der Bausteinförderung der Universität Ulm die neurobiologischen Veränderungen unter EMDR-Therapie bei geflüchteten Minderjährigen untersucht.

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Prof. Dr. med. Jörg M. Fegert

Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie

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