Arbeitsgruppe Klinische Forschung

Leitung: Prof. Dr. T. Steinert

Unter klinischer Forschung fassen wir alle Projekte, Studien und Dissertationen zusammen, die eine störungsbezogene Fragestellung haben. Dies umfasst in unserer Arbeitsgruppe schwerpunktmäßig psychopathologische Fragestellungen mit dem Schwerpunkt Trauma und Dissoziation und Interventionsstudien.

Laufende Projekte

Yalda Forouhideh-Wiesenfarth, Sophie Hirsch


Hintergrund: Ein hoher Anteil psychiatrischer Patienten wird nicht nur von Psychiatern, sondern auch von Heilpraktikern behandelt. Positive und negative Auswirkungen dieser Parallelbehandlungen sind kaum untersucht. Eine Verbesserung der Kommunikation der behandelnden Ärzte und Heilpraktiker ist essentiell, um in Zukunft positive Aspekte besser in den Therapieplan integrieren und negative Aspekte vermeiden zu können.
Forschungsfragestellung: Es soll erforscht werden, welcher Anteil der Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen eine heilpraktische Behandlung in Anspruch nimmt und ob sich psychisch kranke Menschen in ihrem Krankheits- und Behandlungskonzept unterscheiden, je nachdem, ob sie wegen ihrer psychischen Beschwerden einen Heilpraktiker aufsuchen oder nicht.
Methode: Befragung mittels Fragebogen im ärztlichen Interview zur Inanspruchnahme und Bewertung psychiatrischer und komplementär-medizinischer Behandlungen
Ethikvotum: Positives Ethikvotum der Ethikkommission der Landesärztekammer Baden-Württemberg (F-2021-120) vom 31.08.2021.
Geplante Schritte: Befragung von 107 Patienten mit schweren psychiatrischen Erkrankungen (ICD-10: F2 und F3) im ZfP Südwürttemberg an den Standorten Bad Schussenried, Biberach, Weissenau, Friedrichshafen und Wangen. Die Ergebnisse der Befragungen sollen genutzt werden, um die interdisziplinäre Kommunikation zu verbessern, positive Aspekte zu berücksichtigen und Risiken zu vermeiden.
Vorläufige Ergebnisse: Bislang wurden bereits in einer Pilotstudie 27 Patienten im ZfP Biberach befragt. Nach einer Zwischenauswertung der Antworten und der gezielten Anpassung des Fragebogens wird die Befragung aktuell fortgesetzt.

 

Maren Schießl (Doktorandin), Leonhard Kratzer (Klinik für Psychotraumatologie, Klinik St. Irmingard GmbH, Prien am Chiemsee), Stefan Tschöke


Hintergrund: An biologischen Abwehrreaktionen konnte in Säugetieren eine sympathisch und parasympathisch vermittelte Kaskade identifiziert werden, die aus Einfrieren, Flucht, Kampf, Starre, Sich-Ergeben oder Bewusstlos-Werden besteht. Taylor et al. 2000 ergänzten die Kaskade um Strategien, die vorwiegend Frauen zugeschrieben werden, um sich und ihre Kinder zu schützen. Diese beinhalten v.a. Strategien zur Beschwichtigung, den Aufbau sozialer Netzwerke und Förderung der Bindung.
Die klinische Relevanz der Überlebensstrategien konnte in einer Population von 180 Erwachsenen mit sexuellem Missbrauch in der Kindheit mittels einer latenten Klassenanalyse gezeigt werden. Der für die Studie von Katz et al. 2021 entwickelte Fragebogen in englischer Sprache ist der erste, der diese peritraumatischen Reaktionsmuster standardisiert erfasst, weswegen die aktuelle Studie zum Ziel hat, diesen Fragebogen in die deutsche Sprache zu übersetzen und zu validieren.
Forschungsfragestellung: Weist die deutsche Übersetzung des Fragebogens eine vergleichbare Validität der vorhandenen Teststruktur auf wie das englische Original?
Methode: Es ist eine Online-Befragung von erwachsenen Personen, die in der Kindheit sexuell traumatisiert worden sind, geplant. Hierbei wird eine Studienpopulation von 300-400 Personen angestrebt. Die vorbeschriebene Vier-Faktorenstruktur soll durch eine konfirmatorische Faktorenanalyse (CFA) validiert werden. Um die Gesamtqualität und die Anpassung des hypothetischen Modells an die Daten zu untersuchen, werden folgende Fit-Indizes verwendet: Comparative Fit Index (CFI), Tucker-Lewis-Index (TLI) und Root Mean Square Error of Approximation (RMSEA). Für CFI und TLI bedeuten Werte von mehr als 0,90 eine gute bis sehr gute Übereinstimmung zwischen dem Modell und den Daten. Ein RMSEA-Wert von <0,06 deutet ebenfalls auf eine gute Anpassung hin. Mit der Chi-Quadrat-Analyse wird die Signifikanz des Unterschieds zwischen dem Modell und den Daten berechnet: Ein nicht signifikanter Test deutet auf eine angemessene Modellanpassung hin.
Ethikvotum: Der Ethikantrag wurde eingereicht.
Geplante Schritte: Im ersten Schritt werden die englischen Aussagen/ Fragen ins Deutsche übersetzt. Dabei entspricht das Vorgehen den in „Principles of Good Practice for the Translation and Cultural Adaptation Process for Patient-Reported Outcomes (PRO) Measures: Report of the ISPOR Task Force for Translation and Cultural Adaptation“ von Wild et al. 2005 aufgeführten zehn Schritten der Übersetzung und wird unter anderem rückübersetzt von jemandem, der Englisch als Muttersprache spricht. Anschließend soll die deutsche Version anhand einer Online-Stichprobe validiert werden. Die Präsentation des übersetzten Fragebogens und weiterer Referenzfragebögen erfolgt mittels der Survey-Software „SoSci Survey“. Zusätzlich werden Informationen zur eigenen Person, wie Geschlecht, Alter, Schulbildung, erfasst. Merkmale der Traumatisierung, wie Beginn und Dauer der Traumatisierung, werden ebenfalls abgefragt.
Vorläufige Ergebnisse: Es liegen noch keine Ergebnisse vor.

 

Petra Schmid, Anna Dietrich, Carmen Uhlmann


Hintergrund: Patient:innen in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung klagen häufig über innere Unruhe. Eine medizinisch-wissenschaftliche Definition dieses Symptoms liegt bisher nicht vor. Auch sind die Häufigkeit und die genaue Beschreibung des Symptoms bisher weitgehend unklar. Theoriegeleitet und aufbauend auf den Erfahrungen der Pilotstudie (FeedRuhe 1) wurde ein erster Entwurf zur Fassung des Konstrukts „innere Unruhe“ entwickelt.
Forschungsfragestellung: Wie viele der psychiatrisch-psychotherapeutisch behandelten Patient:innen berichten von innerer Unruhe? Wie beschreiben die Studienteilnehmer*innen innere Unruhe auf den 4 Ebenen „Verhalten“, „Emotion“, „Kognition“, und „Physiologie“? Was sind geeignete Prädiktoren zur Vorhersage innerer Unruhe bzw. gibt es diagnose-, geschlechts- oder altersspezifische Unterschiede bzgl. des Auftretens und der Beschreibung innerer Unruhe? Und ggfs. kann innere Unruhe valide operationalisiert werden?
Methode: Befragung von n=145 psychiatrisch-psychotherapeutisch behandelten Patient:innen.
Ethikvotum: Ethikkommission der Universität Ulm Nr. 251/21.
Geplante Schritte: Datenerhebung und Auswertung.
Vorläufige Ergebnisse: Die Datenerhebung hat begonnen.

 

Stefan Tschöke, Hans Knoblauch, Tilman Steinert


Hintergrund: Die Beurteilung der Einsichtsfähigkeit ist bei verschiedenen zivil- und strafrechtlichen Fragestellungen relevant. Eine Einschränkung der Einsichtsfähigkeit wird bei Störungen diskutiert, die die kognitiven Funktionen erheblich beeinträchtigen oder zu psychotisch bedingten Realitätsverkennungen führen können. Traditionell waren dies die endogenen und exogenen Störungen im triadischen System, für die eine organische Ätiologie bekannt war oder angenommen wurde. Dagegen wird bei psychogenen Störungen, wie den Traumafolgestörungen, primär von einem Erhalt der Einsichtsfähigkeit ausgegangen. Bei diesen Störungsbildern kann psychotisches Erleben ebenfalls vorliegen und mittlerweile liegt ausreichend Evidenz vor, dass sich das Stimmenhören bei dieser Klientel phänomenologisch nicht von Stimmenhören bei der Schizophrenie unterscheidet. Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Positivsymptomatik traumatischer Genese und dissoziativer Natur ist.
Forschungsfragestellung: Inwieweit existiert Evidenz für eine dissoziativ bedingte Einschränkung der Einsichtsfähigkeit?
Methode: Narratives Review
Ergebnisse: Durch Fortschritte in der Psychotraumatologie existiert zunehmende Evidenz für eine biologische Grundlage von Dissoziation und für eine transdiagnostische dissoziative Positivsymptomatik, v.a. in Form von Halluzinationen und Wahn. Bei der forensisch-psychopathologischen Analyse der psychischen Funktionen sollte, unabhängig von der diagnostische Kategorisierung, eine dissoziative Positivsymptomatik als mögliche Ursache für eine Einschränkung der Einsichtsfähigkeit berücksichtigt werden.

 

Stefan Tschöke, Sylvain Moser (Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München), Hans Knoblauch, Abigail Powers Lott (Emory University, Atlanta), Bertram Müller-Myhsok (Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München)


Hintergrund: Fortschritte im Bereich der Neurowissenschaften haben in den letzten Jahren das Wissen um biologische Prozesse bei der Dissoziation erweitert. So haben genetische Variationen und epigenetische Veränderungen, die an der physiologischen Stressantwort beteiligt sind, eine zentrale Bedeutung für das Verständnis von stressbedingten Störungsbildern erlangt. Eine Studie mit traumatisierten und nicht-traumatisierten Adoleszenten fand, dass die Entwicklung einer dissoziativen Psychopathologie u.a. mit dem Fehlen des CATT-Haplotyps des FKBP5-Gens assoziiert war. Des Weiteren scheinen genetische und epigenetische Faktoren für die Entwicklung des hyperarousal oder des dissoziativen Subtyps der PTBS maßgeblich zu sein. Weitere Untersuchungen zu Gen x Umwelt Interaktionen könnten dabei helfen, mehr Einsicht in die Pathophysiologie stressassoziierter dissoziativer Phänomene zu erlangen.
Forschungsfragestellung: Existieren Zusammenhänge zwischen traumatischem Stress in der Kindheit, Genvarianten, deren Methylierungsgrades und einer dissoziativen Psychopathologie im Erwachsenenalter?
Methode: Es werden genetische, epigenetische und psychometrische Daten vom „Grady Trauma Project“, einer fortlaufenden Studie zu Risikofaktoren für eine PTBS in einer stark traumatisierten Population in Atlanta (gradytraumaproject.com), ausgewertet. Hierbei erfolgt eine genomweite Betrachtung, um Genloci und deren epigenetischen Veränderungen zu identifizieren, die mit dissoziativen Phänomenen assoziiert sind.
Ethikvotum: Alle Studien wurden von der Ethikkommission der Emory University School of Medicine genehmigt.
Vorläufige Ergebnisse: Ergebnisse einer Clusteranalyse zeigten, dass zwei Cluster unterschieden werden können. Ein Cluster war durch Symptome von Hyperarousal und ein Cluster durch dissoziative Phänomene charakterisiert. Die Auswertungen hinsichtlich möglicher Zusammenhänge mit genetischen und epigenetischen Charakteristika sind noch nicht abgeschlossen.

 

Carmen Uhlmann, Stefan Tschöke, Tilman Steinert, Petra Schmid


Hintergrund: Nicht suizidales selbstverletzendes Verhalten (NSSV) und Suizidversuche sind bekannte Merkmale der Borderline-Persönlichkeitsstörung, kommunikatives Verhalten ist dagegen kaum erforscht.
Forschungsfragestellung: Untersucht wurde die Bedeutung des kommunikativen Verhaltens im Vergleich zu NSSV und Suizidversuchen bei stationären BPS-Patient:innen.
Methode: In einer Sekundäranalyse sollen Angaben zu aktuellen und anamnestischen Selbstverletzungen und Suizidversuchen, aktueller suizidaler Kommunikation und klinischer Symptomatik von stationär behandelten Patient:innen der Jahre 2008 und 2009 ausgewertet werden.
Ethikvotum: Ethikantrag gestellt.
Geplante Schritte: Publikation ist in Vorbereitung.
Vorläufige Ergebnisse: Es liegt ein Datensatz zu 87 Patient:innen vor.

 

Petra Schmid, Tilman Steinert, Stefan Tschöke, Steve Truöl, Monika Heisch, Susanne Meier, Carmen Uhlmann


Hintergrund: Für die psychiatrischen Kliniken ist der Umgang mit Suizidalität bei Borderline Patient:innen im klinischen Alltag ein großes Problem. Leitlinienkonform erfolgt bei Suizidalität eine stationäre (fürsorgliche) Behandlung. Bei depressiven Patient:innen ist dieses Vorgehen indiziert. Bei Patient:innen mit einer Borderline-Störung zeigt sich im klinischen Verlauf häufig Re-Hospitalisierung. Die amerikamische APA gibt in ihren Behandlungsleitlinien vor, dass stationäre Behandlungen für Patient:innen mit einer Borderline-Störung minimiert werden sollten. Es stellt sich jedoch die Frage, was ein geeignetes Vorgehen in der Behandlung von suizidal kommunizierenden Borderline-Patient:innen darstellt.
Forschungsfragestellung: Wie lässt sich suizidale Kommunikation erfassen? Zeigen sich Unterschiede zwischen den beiden Gruppen depressive Patient:innen und Patient:innen mit einer Borderline-Störung?
Methode: Befragung von jeweils n=45 diagnostizierter Borderline-Patient:innen und depressiver Patient:innen mit akuter Suizidalität. Eingesetzt werden ein selbst entwickelter Fragebogen zur suizidalen Kommunikation sowie weitere validierte Instrumente zu Suizidalität, kindlicher Traumatisierung, sozialer Eingebundenheit und Hoffnungslosigkeit.
Ethikvotum: Ethikkommission der Universität Ulm Nr. 319/19
Geplante Schritte: Publikation der Ergebnisse.
Vorläufige Ergebnisse: Die Befragung ist abgeschlossen. Eine Publikation ist in Vorbereitung.

 

Tilman Steinert, Stefan Götzl, Erich Flammer


Hintergrund: Alkoholkonsum ist in Deutschland nach wie vor weit verbreitet und erfolgt in großen Bevölkerungsgruppen regelmäßig. Dies geht oft mit langfristigen körperlichen, seelischen, geistigen oder Sinnesbeeinträchtigungen einher, welche die Erkrankten in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können. Hiernach werden nach der UN-Behindertenrechtskonvention, welche 2008 in Kraft trat, an Alkoholabhängigkeit leidende Patienten zu den Menschen mit Behinderung gezählt. Dieser völkerrechtliche Vertrag soll benachteiligten Menschen den vollen Zugang zu Umwelt, Gesundheit, Bildung, Information und Kommunikation ermöglichen und somit die Chancengleichheit verbessern.

Forschungsfragestellung: Ist das Recht auf Inklusion, also der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gegeben? In welchem Maß ist die öffentliche Mobilität bei Patienten mit Alkoholabhängigkeit beeinträchtigt? Welchen Stellenwert hat Mobilität für die Probanden und in welchem Ausmaß wird diese genutzt?

Methode: Interviews mit N = 153 Personen in Einrichtungen der Eingliederungshilfe, stationärer und ambulanter Behandlung.

Ergebnisse: Die persönliche Mobilität erfolgt wesentlich häufiger als in der Allgemeinbevölkerung mit dem Fahrrad oder zu Fuß. 43,3 % besaßen dennoch ein Kraftfahrzeug. Die Ergebnisse wurden in einer Fachzeitschrift publiziert.

 

Carmen Uhlmann, Laura Brämisch


Hintergrund: Bei Patientinnen und Patienten mit dissoziativen Anfällen mit und ohne zusätzlich bestehende Epilepsie ist der Verlauf der Erkrankung über einen Zeitraum von mehreren Jahren nach Klinikaufenthalt mit Diagnosestellung und Therapieanbahnung unklar. Langzeitstudien hierzu fehlen.
Forschungsfragestellung: Es stellt sich die Frage, ob und wie Patienten mit dissoziativen Anfällen adäquat behandelt werden können und ob eine zusätzlich bestehende Epilepsie die Behandlung erschwert. Häufig wird diesen Patienten nach Diagnosestellung eine Psychotherapie empfohlen. Es ist jedoch unklar, ob diese Behandlung längerfristig tatsächlich im Zusammenhang zu einem auf Dauer entscheidenden Therapieerfolg steht.
Methode: Retrospektive Erhebung über postalische Befragung aller im Zeitraum 2000 bis 2014 behandelten Patienten in der Abteilung Epileptologie in Weissenau mit der Diagnose dissoziative Krampfanfälle. Der Fragebogen enthält Variablen zu Erfassung des Verlaufes der dissoziativen Anfallshäufigkeit, Zeitpunkt der Diagnosestellung, epileptische Komorbidität, Behandlungen, Therapieempfehlung, psychotherapeutischen Maßnahmen, Medikation, soziale Integration und Lebensqualität. Alle 415 in der Studienzeit behandelten Patientinnen und Patienten wurden angeschrieben und um Mitarbeit gebeten.
Ethikvotum: Ethikkommission der Universität Ulm Nr. 37/14
Geplante Schritte: Eine Publikation ist in Vorbereitung
Vorläufige Ergebnisse: Insgesamt wurde von 63 Patientinnen und Patienten der Fragebogen ausgefüllt und zurückgesendet (Rücklauf 15%). Die Häufigkeit dissoziativer Anfälle nahm im zeitlichen Verlauf der Erkrankung deutlich ab, die Betroffenen berichteten überwiegend von weniger als einem Ereignis pro Monat. Ein Drittel der Patient:innen wurde anfallsfrei, über zwei Drittel berichteten von einer deutlichen Anfallsreduktion. Psychotherapie wurde als hilfreich erlebt, wobei 50 % der Befragten eine Psychotherapie nach dem stationären Aufenthalt absolvierten.

 

 

Carmen Uhlmann, Hanna Dzierzega


Hintergrund: Die Lebensqualität ist bei chronischen neurologischen Erkrankungen deutlich verringert. Allerdings scheint die Wahl des Messinstrumentes entscheidend dazu beizutragen, wie die Lebensqualität subjektiv einschätzt wird. Unspezifische, also nicht auf eine spezielle Erkrankung angepasste Instrumente scheinen die Lebensqualität in einer Breite, also mehr als subjektives Wohlbefinden zu erfassen. Ein wissenschaftlicher Vergleich zwischen zwei chronisch-neurologischen Erkrankungen (Epilepsie und MS) auf dieser Ebene fehlt hierzu.
Forschungsfragestellung: Es stellt sich die Frage nach möglichen Unterschieden in der empfundenen Lebensqualität im Sinne des subjektiven Wohlbefindens bei chronischen neurologischen Erkrankungen wie der MS und Epilepsie. Berücksichtigung finden auch Variablen der Krankheitsverarbeitung, objektive Krankheitsfaktoren und psychische Faktoren.
Methode: Prospektive Querschnittstudie mit Erfassung der Lebensqualität und erkrankungsbedingter sowie personenbezogener Merkmale von Patientinnen und Patienten der beiden Erkrankungsgruppen in Selbsthilfeorganisationen.
Ethikvotum: Ethikkommission der Landesärztekammer Baden-Württemberg Nr. 152/15
Geplante Schritte: Publikation ist in Vorbereitung
Vorläufige Ergebnisse: Insgesamt wurden jeweils 45 Patientinnen und Patienten pro Gruppe mit dem erstellten Fragebogen befragt. Nach den Analysen sind erwartungsgemäß die Patienten der MS-Gruppe älter und berichten damit auch von einer körperlich schlechteren Lebensqualität. Im psychischen Bereich der krankheitsbezogenen Lebensqualität sind die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen geringer als erwartet, tendenziell aber in der Gruppe mit an Epilepsie erkrankten schlechter.

 

Michael Müller-Mohnssen, Waltraud Heiserer-Trautmann, Renate Guthardt, Bernhard Widmann, Thomas Fritschi


Hintergrund: Ein Drittel der in Deutschland aufwachsenden Kinder sind von früher emotionaler Vernachlässigung oder emotionalem Missbrauch, von körperlicher Vernachlässigung oder körperlicher Gewalterfahrung oder von sexuellem Missbrauch betroffen (Iffland B. et al., 2013). Erwachsene mit Traumatisierungserfahrungen weisen ein stark erhöhtes Risiko für substanzbezogene Störungen auf, Erwachsene mit substanzbezogenen Störungen berichten signifikant häufiger über Traumatisierungserfahrungen (Wieland N, Klein M, 2018). Der Anteil früh traumatisierter Patienten unter behandelten Suchtpatienten liegt je nach Stichprobe und untersuchter Traumatisierungsform zwischen 30% und 90% (Schäfer I et al., 2015). Nach der S3 – Leitlinie „Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen“ (Mann K, Hoch E, Batra A, 2016) sollte für Patienten mit alkoholbezogenen Störungen und komorbider PTBS „eine integrierte psychotherapeutische Behandlung angeboten werden, die sowohl PTBS- als auch alkoholbezogene Interventionen beinhaltet“.
Forschungsfragestellung:

  1. Wie hoch ist die Belastung unserer Patienten mit belastenden, potentiell traumatisierenden Lebenserfahrungen?
  2. Welche aktuell behandlungsbedürftigen komorbiden psychischen Störungen liegen bei den Patienten vor?
  3. Ist ein integriertes Behandlungsprogramm für Patienten mit einer komorbiden Belastungsstörung oder einer Traumafolgestörung in das Programm einer akutpsychiatrischen Tagesklinik Sucht integrierbar?
  4. Führt die Konfrontation der Patienten mit belastenden/potentiell traumatisierenden Lebenserfahrungen zu einer erhöhten Anzahl von Komplikationen in der Behandlung?
  5. Wird ein solches Behandlungsprogramm von den Patienten der Tagesklinik als hilfreich erlebt?
  6. Wird ein solches Behandlungsprogramm von den therapeutischen Mitarbeitern der Tagesklinik als hilfreich erlebt?
  7. Führt das Behandlungsprogramm zu einer verbesserten Entlassperspektive hinsichtlich einer auf das individuelle Störungsbild abgestimmten Weiterbehandlung?

Methode: Es wurden die allgemeinen Patientenmerkmale erfasst und durch verschiedene Fragebogen die allgemeine aktuelle psychische Belastung, im weiteren Verlauf dann die Belastung durch depressive Symptome und die Belastung durch ungünstige, potentiell traumatisierende Lebenserfahrungen in Kindheit und Jugend und in der bisherigen Lebensspanne, sowie die Belastung durch aktuelle posttraumatische Symptomatik erfragt. Zu den Erfahrungen mit dem Modul erhielten Patienten und Therapeuten ebenfalls Fragebogen, außerdem wurde sechs Monaten nach Behandlungsende eine Fragebogen-Katamnese durchgeführt.
Vorläufige Ergebnisse: Die Zahlen liegen vollständig vor, im März 2018 endete der Katamnesezeitraum. Danach kann der Einsatz eines solchen Moduls empfohlen werden. Die detaillierten Ergebnisse folgen in einer in Vorbereitung befindlichen Publikation.

Behandlungsmodul
Das Behandlungsmodul befindet sich im Anhang. Es darf zur klinischen Verwendung kostenlos heruntergeladen und ausgedruckt werden. Die übrigen Urheberrechte bleiben unberührt.

Behandlungsmodul

Dana Bichescu-Burian, Jürgen Steyer, Stefan Tschöke, Tilman Steinert

Forschungsfragestellung: Das komorbide Auftreten von u.a. dissoziativer und posttraumatischer Symptomatik stellt eine zusätzliche Herausforderung bei der Behandlung von Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen dar. Die Weiterentwicklung sinnvoller psychotherapeutischer Strategien erfordert eine Erweiterung des ätiologischen Wissens. Ziel des Projekts ist das empirische Testen eines theoretischen Modells, in dem Dissoziation unter den Abwehrmechanismen bei lebensbedrohlichen Situationen systematisch integriert wurde. Haupthypothesen: (a) Die Patienten mit einem hohen Dissoziationsniveau werden bei der Präsentation von traumabezogenen Skripten eine ausgeprägtere parasympathische Aktivierung mit reduzierter physiologischer Reaktivität zeigen; (b) Die Ausprägung der peritraumatischen Dissoziativen korreliert positiv mit der posttraumatischen und komorbiden Symptomatik, sowie mit der Frequenz und Schwere der selbstverletzenden Verhaltensweisen und negativ mit dem Funktionsniveau. Die Anzahl und Schwere der traumatischen Ereignissen spielt bei dieser Assoziation eine wesentliche Rolle.

Methoden: Anhand einer Querschnitts-Erhebung in einem Zweigruppen-Vergleichsdesign wurden bei 28 Borderline-Patientinnen und 15 gematchten gesunden Kontrollpersonen klinisch-psychodiagnostische Daten anhand von semistrukturiertem Interviews, Selbst- und Fremdauskunftsbögen erhoben sowie ein Skript-basiertes Experiment zur Messung von physiologischen Reaktionen (Herzfrequenz und Hautleitfähigkeit) durchgeführt.

Vorläufige Ergebnisse: Die Datenerhebung ist abgeschlossen. Die Daten wurden teilweise ausgewertet und auf verschiedene nationale und internationale Fachkongresse präsentiert und in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Bei Borderline-Patientinnen mit ausgeprägter peritraumatischen Dissoziation zeigte sich einen Abfall der Herzfrequenz während der Präsentation von traumabezogenen Stimuli, anders wie bei den Kontrollprobanden und anderen Borderline-Patienten. Das während der traumatischen Erinnerung gezeigte Reaktionsmuster ähnelt den Merkmalen der peritraumatischen Dissoziation.

Geplante Schritte: Weitere Datenauswertungen und Veröffentlichung der Ergebnisse sind geplant.