Arbeitsgruppe Psychosomatische Versorgungsforschung

Leitung: Prof. Dr. Juan Valdés-Stauber

 

Die  westliche Medizin unterscheidet, ausgehend vom Leib-Seele Substanzdualismus, zwischen  einem körperlichen und einem seelischem Bereich, welche die Psychosomatische Medizin klinisch versucht zu überwinden (Psychosomatische Anthropologie).

In der Praxis hat sich bewährt, zwischen einer psycho-somatischen (Angst-, Zwangs-, phobische, posttraumatische, somatoforme, Persönlichkeits-, depressive  Störungen etc.) und einer somato-psychischen Position (klinisch relevante seelische Auswirkungen körperlicher Erkrankungen,) zu unterscheiden. Erstere wird vorwiegend im stationären und ambulanten Regelsetting realisiert, das zweite in Institutsambulanzen und Liaisondiensten (Das psychosomatische Paradigma).

Die Psychosomatische Forschung befasst sich mit drei Kernbereichen: a) Klinische Psychosomatik; b) Grundlagenpsychosomatik;  c) Psychosomatische Versorgungsforschung  (Psychosomatik und Versorgungsforschung).
 

Hauptthemen sind:

  • Biographik
  • Einflussfaktoren auf stationären und poststationären Verlauf
  • Analyse von Mikrosystemen in der Psychosomatik
  • Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie und –psychosomatik
  • Psychoonkologische Versorgung
  • Palliativmedizin
  • Somato-Psychosomatik (insbesondere Promotionsarbeiten durch somatisch tätigen Ärztinnen und Ärzte)
  • Psychiatrische Anthropologie, insbesondere „Verstehen“ und „Therapeutische Beziehung“
     


Die laufenden Forschungsprojekte (häufig in Form von betreuten Promotionsarbeiten) (Forschungsangebote)  werden inhaltlich kurz dargestellt  (Laufende Forschungsprojekte) und erscheinen in den jährlichen Forschungsberichten des ZfP Südwürttemberg. Abgeschlossene Projekte sind ebenfalls registriert (Abgeschlossene Projekte), wie auch Lehraufträge an verschiedenen Universitäten (z.B. Lehre Philosophie der Medizin an der Uni Ulm).

 

Laufende Projekte (Stand 11/2018)

M. Ciurus & J. Valdés-Stauber

Hintergrund: Es gibt ausgedehnte Forschung zur primären, sekundären und tertiären Prävention in der Kardiologie, insbesondere bei koronarer Herzerkrankung. Da die Prognose sehr abhängig von der Adhärenz zu den medizinischen Empfehlungen ist, erscheint wichtig zu untersuchen, welche Faktoren –insbesondere persönlichkeitsbezogene und psychosoziale- einen Einfluss auf diese Compliance ausüben.

Anliegen : Bei der vorliegenden Kohortenstudie werden die Patienten nachuntersucht, die sich während des stationären Aufenthaltes aus klinischer Indikation einer Koronarangiographie unterziehen mussten und deren Veränderung der Befindlichkeit vor und nach der Untersuchung mit verschiedenen standardisierten Instrumenten erfasst wurde. Nun soll im Rahmen einer zweiten, ergänzenden und fortsetzenden Studie nachuntersucht werden, ob mittelfristig sich die Befindlichkeit im weiteren Verlauf ändert und von welchen Faktoren diese Veränderung abhängig sein könnte. Ferner soll der Grad der Adhärenz zu den medizinischen Empfehlungen untersucht werden, sowie welchen Einfluss soziodemographische, medizinische, psychiatrische, persönlichkeits- und selbstwirksamkeitsbezogene Faktoren ausüben.

Methode:  Die kardiologische Kohortenuntersuchung, die im Vorbeitrag beschrieben wurde, wird in Form von einer Katamnese (nach jeweils sechs Wochen und sechs Monaten) fortgeführt. Die Dropouts werden ebenfalls erfasst, aber nur mit Routine-Grunddaten. Aussteiger aus der Studie erleiden keine Versorgungsnachteile. Zum Zeitpunkt der Entlassung erhalten die Patienten einen strukturierten Empfehlungsbogen bestehend aus sechs Kategorien zur sekundären bzw. tertiären Prävention. Der Grad der Adhärenz wird im Verlauf gemessen. Gemessen werden etwa 50 Variablen verteilt auf sechs Kategorien, die zum Teil mit standardisierten Instrumenten erfasst werden.

Geplante Schritte: Zunächst Erstellung eines strukturierten Fragebogens und einer strukturierten schriftlichen Empfehlung zur Prävention nach der stationären Entlassung eientlang der Fragestellung; Zweitens die Auswahl von für die Fragestellung geeignete standardisierte Instrumente; drittens, Entwicklung einer geeigneten Katamnese-Logistik und Datenerhebung-Systematik; viertens Konvergenz und Zusammenführung der stationären mit den katamnestischen Daten; fünftens statistische Auswertung.

Vorläufige Ergebnisse: Erhebungsphase abgeschlossen. Die Ergebnisse werden ausgewertet.

 

Alexandra Beck (Ravensburg), Juan Valdés-Stauber

Hintergrund: Es gibt Forschungen über die multidimensionale Profile von psychosomatischen Patienten in unterschiedlichen Settings, auch Wirksamkeitsstudien zu stationärer und ambulanter Psychotherapie, aber wenig katamnestische Untersuchungen zum weiteren Verlauf nach stationärer Behandlung, insbesondere der die Besserung im stationären Setting aufrechterhaltende Faktoren.

Anliegen: Welchen Einfluss haben psychosoziale Faktoren, Persönlichkeit und Selbstwirksamkeit auf den Erhalt  der positiven Wirkung einer stationären psychosomatischen Behandlung zwei Jahre nach der Entlassung?

Methode: In die Untersuchung werden alle innerhalb des  Jahres 2014 und 2015 konsekutiv entlassene Patienten aus der Klinik für Psychosomatische Medizin Ravensburg eingeschlossen. Die Untersuchung erfolgt mithilfe eines strukturierten Fragebogens auf der Grundlage von standardisierter Tests und Variablen aus der verbindlichen Qualitätssicherung während des stationären Aufenthaltes. Die Patienten werden zu drei Zeitpunkten untersucht: Ein Jahr nach der Entlassung, 18 Monate  und 24 Monate nach der Entlassung. Die Untersuchung erfolgt ± 4 Wochen zum Katamnesezeitpunkt. Als abhängige bzw. zu erklärenden Variablen gelten die Funktionalität, die Lebensqualität, klinische und Inanspruchnahme-Variablen. Als Kovariaten bzw. unabhängigen Variablen gelten soziodemographische, manche klinische (GAF, Diagnose und Dauer der Erkrankung), persönlichkeits- und ressourcenbezogene Variablen. In multivariaten Modellen wird durch Berücksichtigung von Kontrollvariablen geprüft, welche Regressoren einen signifikanten Einfluss auf die Veränderung der zu erklärenden Variablen haben.

Geplante Schritte: Fortsetzung der Forschung des Verlaufes im ersten Jahr nach der stationären Entlassung; Logistik mit Betonung der Schwierigkeiten des zunehmenden drop-outs; Einhaltung der Patientenkontakte, standardisierte Datenerhebung; Statistische Berechnungen eines zwei-Jahres Zeitraumes.

Vorläufige Ergebnisse: Die Datenerhebung und die statistische Aufarbeitung sind abgeschlossen. Die Ergebnisse werden anhand der Fragestellungen ausgearbeitet.

M. Neß & J. Valdés-Stauber

Hintergrund: Der Dreh-und Angelpunkt der ambulanten medizinischen Versorgung stellt die vertragsärztlich tätige Praxis dar. Sie ist Anlaufstelle aller Patienten mit allgemeinmedizinischen und fachspezifischen Krankheitsbildern und bietet somit einen Querschnitt durch die gesamte Bevölkerungsstruktur. Für den Urologen ist notwendig, bestimmte psychosoziale und psychosomatische Patientenmerkmale zu finden, um die Patienten im oft chronischen Leiden besser zu verstehen und angemessener behandeln zu können.

Anliegen: Erstellung eines multidimensionalen Profils der in einer urologischen Praxis in einer urbanen Region behandelten Patientinnen und Patienten über den Zeitraum eines Abrechnungsquartals und Ermittlung von soziodemographischen, klinischen, versorgungs- und persönlichkeitsbezogenen Unterschieden zwischen verschiedenen diagnostischen Hauptgruppen. Gruppenvergleiche für jede Variable in bivariaten Modellen: a) Hauptdiagnosen als zu vergleichenden Gruppen; b) unterschiedliche Tumore als zu vergleichenden Gruppen; c) Stadien von Benigner Prostatahypertrophie (BPH) verglichen untereinander; d) Harnwegsinfekte bei Männern und Frauen im Vergleich; e) Vergleich von privaten und kassenversicherten Patienten.

Methode: Es handelt sich um eine prospektiv angelegte, naturalistische Querschnittsuntersuchung über den Zeitraum eines Abrechnungsquartals, um sowohl ein multidimensionales Profil zu erstellen, als auch Gruppenunterschiede und klinisch-psychosomatische Zusammenhänge zu ermitteln. In die Studie werden Patienten eingeschlossen, die zu vier vordefinierten Diagnosegruppen (urologische Malignome, BPS, Harnwegsinfekte, sexuelle Funktionsstörungen) zuzuordnen sind und körperlich, geistig und sprachlich dazu in der Lage sind, die Fragebögen auszufüllen. Die Praxis behandelt ca. 1400 Patienten pro Quartal. In die Studie werden ca. 500 Patienten eingeschlossen. Die nicht einwilligenden Patienten, die die diagnostischen Kriterien erfüllen, werden quantitativ erfasst. Es werden ebenfalls standardisierte Tests eingesetzt, so IPSS, SOP-2, IE-4, BRCS, GSW-6, BFI-10, Bf-S, ISR, SF-12

Geplante Schritte: Eingrenzung der Fragestellung, der Kriterien, des Forschungsdesigns und der einzusetzenden Instrumente; Antrag an die Ethikkommission; Logistik der Forschungsdurchführung; Systematik der Datenerhebung und der Datenqualität; statistische Auswertung; Interpretation der Ergebnisse.

Vorläufige Ergebnisse: Forschungsdesign abgeschlossen. Positives Votum der Ethikkommission liegt vor. Phase der Datenerhebung.

U. Stabenow & J. Valdés-Stauber

Hintergrund:  Die  antizipatorische Daseinsverabschiedung (in der Literatur als „Trauer“ aufgefasst) kann als individueller  Verarbeitungsprozess hinsichtlich dem Erlöschen  des eigenen Daseins als heilsame aufarbeitende Vorwegnahme hinsichtlich einer existentiellen Bewältigungsstrategie einer Grenzsituation aufgefasst werden, die Grenzsituation des Menschseins schlechthin.

Anliegen: Die vorliegende Arbeit geht zunächst der der Frage nach, ob es Zusammenhänge zwischen der Verarbeitungsleistung am Lebensende und verschiedenen medizinischen, psychischen Variablen und Setting bezogenen  bestehen. Zweitens wird geprüft, ob ein psychotherapeutisches Gespräch eine Woche nach der Untersuchung sich auf die psychische Befindlichkeit auswirkt und welche Faktoren einen Einfluss darauf haben könnten. Drittens, der hierfür entworfene Fragebogen zur „Antizipatorischen Daseinsverabschiedung“ soll auf seine Validität hin geprüft werden.

Methode: Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine empirische vergleichende Studie (60 Patienten im Hospiz, 60 in ambulanter aufsuchender Palliativpflege) von Patienten, die allesamt an einer terminalen Erkrankung leiden. Diese Querschnittsstudie ist explorativ angelegt, basierend auf einem strukturierten Fragebogen zur Erfassung soziodemographischer und klinischer Daten, einem Teil des validierten PO-Bado, dem persönlichkeitsfragebogen BFI-10 und einem eigens entwickelte Fragebogen bestehend aus fünf Dimensionen mit zwei Faktoren pro Dimension. Die psychotherapeutische Nachuntersuchung durch dieselbe Person, einer erfahrenen Psychoonkologin, wird vom Einsatz des Moduls „psychische Belastung“ zur Messung möglicher Verschlechterung oder Verbesserung begleitet.

Geplante Schritte: Erstens, Eingrenzung der Fragestellung, Prüfung der Machbarkeit; zweitens, Kontaktaufnahme mit den Verantwortlichen der Institutionen; drittens, Entwurf des theoretischen Modells und eines entsprechenden Fragebogens zur „Antizipatorischen Daseinsverabschiedung“; viertens genaue gesprächstherapeutische Logistik erarbeiten; fünftens, Logistik der konsekutiven Erfassung aller Patienten und  der Nachuntersuchung festlegen.

Vorläufige Ergebnisse: Studie inzwischen von der Ethikkommission genehmigt worden. Datenerhebung der Teilstichprobe im Hospiz abgeschlossen, Teilstichprobe der Palliativstation wird 12/2018 abgeschlossen sein.

U. Kendel & J. Valdés-Stauber

Hintergrund: Zur Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie und Psychosomatik besteht eine sehr ausgedehnte Literatur, die sich international stark mit der Psychosomatik überlappt, denn anders als in Deutschland wird in angelsächsischen Ländern die Psychosomatik am ehesten von Konsiliarpsychiatern ausgeübt. Die Wirksamkeit von KLDs wird intensiv beforscht, ohne dass es klare Ergebnisse gäbe. Daher versucht Dieses Projekt versucht einen Beitrag zu leisten bei der Identifikation von Versorgungsbedürfnissen bei nicht dem Liaisondienst überwiesenen internistischen Patienten verglichen mit elektiv überwiesenen, die bekanntlich diffuser erkrankt sind als Patienten auf anderen Abteilungen. Zu dieser genauen Fragestellung wurde von uns keine Literatur gefunden.

Fragestellung: Bestehen signifikante Unterschiede zwischen der Gruppe der elektiv konsiliarisch untersuchten internistischen Patienten und der Gruppe bestehend aus nicht dem Konsiliardienst überwiesenen Patientinnen und Patienten  hinsichtlich Befindlichkeit, allgemeiner psychischer Belastung, Selbstwirksamkeit und Depressivität sowie im wahrgenommenen Hilfebedarf? Bestehen Unterschiede in der Wahrnehmung der psychischen Belastung und des Hilfebedarfs zwischen Patienten, Bezugspflege, behandelnden Ärzten  und psychiatrischem Experten?

Methode: Bei der vorliegenden Untersuchung handelt es sich um eine prospektive, im Querschnitt angelegte, vergleichende naturalistische Studie, die hundert unselektiert konsekutiv aufgenommene Patientinnen und Patienten in einer internistischen Aufnahmestation eines Allgemeinkrankenhauses der mittleren Pflichtversorgung mit hundert elektiv dem psychiatrischen Konsiliardienst vorgestellten Patientinnen und Patienten hinsichtlich subjektiv wahrgenommener psychischer Belastung und Hilfebedarf verglichen werden. Primäre Zielvariablen sind die aktuelle Befindlichkeit, die allgemeine psychische Belastung und der wahrgenommene Hilfebedarf. Als unabhängigen Variablen werden soziodemografische und anamnestische Items herangezogen. Die anamnestischen Daten beziehen sich auf Diagnose, Surrogatvariablen für Krankheitsschwere, Inanspruchnahme des Hilfesystems und pharmakologische Behandlung. Persönlichkeitsbezogene Variablen werden als Kontrollvariablen eingesetzt

Geplante Schritte: Antrag an die Ethikkommission. Aufklärung aller Beteiligten Ärzte und Krankenschwester der untersuchten internistischen Abteilung. Erarbeitung des strategischen Plans. Interne Schulung der Interviews. Anpassung der Erhebungsinstrumente. Datenerhebung und Übertrag an Excel-Tabelle. Statistische Auswertung. Ergebnisdiskussion.

Vorläufige Ergebnisse: Empirische Datenerhebung und statistische Aufarbeitung ist abgeschlossen. Phase der Auswertung und Diskussion.

C. Peña-Salazar, S. Simó, J. Pons, F. Arrufat, J. Valdés-Stauber

Hintergrund: Epidemiologische Aspekte und Risikokriterien von Suizidalität und Suizid sind bestens untersucht. Die subjektive Seite des Phänomens auf dem Hintergrund biographischer Lebenslinien ist eine wichtige verstehende Annäherung.

Anliegen: Qualitative Untersuchung von Lebenslinien überlebender Menschen nach ernsten Suizidversuchen, um sowohl psychosoziale Risikofaktoren als auch biographisch verankerte Resilienzfaktoren auszumachen

Methoden: Fünf Patienten einer psychiatrischen Ambulanz in Spanien wurden jeweils sechs Stunden lang verteilt auf 12 Monaten anhand eines halbstrukturierten Fragebogens interview. Dieser Bogen besteht aus 10 Bereichen  und 86 Kernfragen. Angewandt wird die Methode der Parallelen Lebensgeschichten, sowohl im Quer- als auch in Längsschnitt. Die Auswertung wurde mittels des Atlas Ti Programms durchgeführt.  

Geplante Schritte: 1) Patientenauswahl; 2) Interviews über ein Jahr; 3) Transkription der Audio-Dateien; 4) Datenqualität wird geprüft in Zusammenarbeit mit einem Philologen; 5) Datenanalyse mit Atlas Ti; 6) Kategorisierung der Ergebnisse; 7) Illustration der Kategorien mit Patientenaussagen.

Vorläufige Ergebnisse: Die qualitative Auswertung ergibt sechs Kategorien und 62 Themen: (i) Gebrochene Kindheit (15 items); (ii) Schulbildung (9 items); (iii) Beschäftigung als Gesundheits- und Inklusionsförderer; (5 items); (v) psychische Gesundheit und psychische Störung (10 items), und (vi) Erfahrungen um den Suizidversuch (14 items). Diese Kategorien werden illustiert mit passenden Zitaten aus den untersuchten Lebensgeschichten.

M. Eggart, J. Valdés-Stauber

Hintergrund: Funktionelle somatische Beschwerden sind mit dem Schweregrad einer Depression und mit einer verminderten Lebensqualität assoziiert (Woo et al., 2014). Der Depression liegt ein psychosomatischer Krankheitsprozess zu Grunde, der bislang nicht ausreichend verstanden ist. Neuere Befunde belegen einen Zusammenhang zwischen einer gestörten Wahrnehmung des Körperinneren (Interozeption) und dem Schweregrad der Depression. Nach aktuellem Forschungsstand ist davon auszugehen, dass ein gestörtes Körpererleben ein Kernelement der Depression darstellt. Ferner postulieren neue Depressionsmodelle unter anderem Zusammenhänge zwischen Interozeption und körperlichen Beschwerden bei Depressiven (Harshaw, 2015; Northoff, Wiebking, Feinberg & Panksepp, 2011; Paulus & Stein, 2010).

Anliegen: Bislang liegen hauptsächlich Untersuchungen vor, welche objektive Aspekte der Interozeption bei Depressiven erfassen. Neue und fein auflösende Instrumente, welche bestimmte Aspekte der Interozeption mittels Fragebögen ermitteln, kamen innerhalb der Depressionsforschung bislang nicht zur Anwendung. Hier versucht die vorliegende Studie eine Lücke zu schließen und exploriert Zusammenhänge zwischen der subjektiven Interozeption und somatischen Symptomen sowie weiterer klinischer, psychologischer und soziodemographischer Variablen. Ferner soll die Veränderung der Interozeption und weiterer Zielvariablen während der stationären Behandlung untersucht werden.

Methode: Es handelt sich um eine prospektive, naturalistische Studie im Ein-Gruppen-Pretest-Posttest-Design. Konsekutiv wird eine Stichprobe von N=150 stationären Patienten innerhalb einer psychiatrischen Depressionsabteilung rekrutiert, bei denen eine unipolare Depression als Hauptdiagnose vorliegt. Die Patienten werden zu zwei Messzeitpunkten untersucht: T1 = Am Tag der Aufnahme (Baseline); T2 = Zum Zeitpunkt der Entlassung. Primäre Zielvariablen sind: a) Fatigue (MFI-20); b) Interozeption (MAIA); c) allgemeines Funktionsniveau (GAF); d) Somatische Symptombelastung (SCL-90, Subskala SOMAT); e) Suizidalität. Als Kovariaten bzw. unabhängige Variablen werden klinische, psychologische, soziodemografische, anthropometrische und anamnestische Variablen herangezogen. Statistische Assoziationen zwischen den Variablen werden exploriert. Ferner werden Veränderungen innerhalb der Zielvariablen während der stationären Behandlung mit multivariaten Regressionsmodellen modelliert.

Geplante Schritte: Antrag zur Genehmigung an die Ethikkommission der Universität Ulm; Logistik für die Datenerhebung wird aufgebaut; Bildung einer Datenbank mit Zugriff nur durch ermächtigte Personen auf dem Server der Klinik.

Vorläufige Ergebnisse: Phase der empirischen Datenerhebung abgeschlossen. Beginn der statistischen Aufarbeitung und Auswertung.

K. Hummel & J. Valdés-Stauber

Hintergrund: Die psychosomatische Besetzung der Mundregion gewinnt in der Zahnmedizin zunehmend an Bedeutung. Wie jede andere Körperregion drücken sich hier stressbedingte seelische Prozesse aus, wie auch Motivationskonflikte auf der interpersonellen Ebene. Psychosomatisch relevante das orofaziale Schmerz-Dysfunktionssyndrom, Distress und Parafunktion, Psychodynamik der Zahnprothetik, Karies und Compliance, Mundästhetik, kieferorthopädische schmerzen und Dentophobie (H.J. Demmel & F. Lamprecht, 2011). Es gibt aber kaum Untersuchungen über Angstsymptomatik über Dentophobie hinaus, sowie über Assoziationen verschiedener Forman der Angst.

Anliegen: Erstens, Untersuchung von verschiedenen Angstformen (a) Dentophobie; b) interpersonelle Angst im Sinne von Zurückweisungsbefürchtungen; c) subklinische Angst; d) Ängstlichkeit als robuster Persönlichkeitszug) mit Zusammenhängen unter ihnen sowie Unterschiede hinsichtlich einem multidimensionalem Variablenprofil.  Zweitens, Untersuchung von differenziellen Einflussfaktoren auf jede der Untersuchten Angstform. Drittens, Untersuchung von Unterschieden bei vier übergeordneten zahnärztlichen Diagnosen (0=Mundgesundheitskontrolle; 1=Karies/Füllung (konservierende Behandlung); 2= Faziale Schmerzen; 3= Chirurgische Indikation) hinsichtlich der berücksichtigten Angstformen.

Methoden: Prospektive, naturalistische Studie von 150 konsekutiv in die Untersuchung einwilligend aufgenommenen Patienten einer großstädtischen Zahnarztpraxis. Probanden werden über die Studie aufgeklärt und willigen gegebenenfalls schriftlich ein. Die Fragebögen werden im Wartezimmer der Praxis ausgefüllt, gegebenenfalls zu Hause, aber nicht unmittelbar nach der zahnärztlichen Intervention. Das multidimensionale Variablenprofil umfasst: a) Soziodemographische Variablen (5); b) Biographische Variablen (4); c) Zahnärztliche Variablen (3), d) Klinische Variablen (4). Die Dimensionen der Angst werden anhand validierter Fragebögen erfasst: a) Dentophobie: Index of Dental Anxiety and Fear (IDAF-4c+); b) Interpersonelle Angst im Sinne von Zurückweisungsbefürchtungen: Skala der Angst vor negativer Bewertung (SANB-5); c) Subklinische Angst: Skala Subklinische Angst (SubA); d) Angst als Persönlichkeitszug: Das Stait-Trait Angstinventar (STAI). Die Unterschiede zwischen den Diagnosen bzw. zwischen den Angstformen für die einzelnen Variablen werden anhand von Varianzanalysen (Scheffé-Tests) durchgeführt. Assoziationen für jede Zielvariable mit dem multidimensionalen Variablenprofil werden anhand multivariater Tests durchgeführt. Zuordnungsassoziationen mit Zielvariablen im Vergleich werden durch multinomiale Tests ermittelt.

Geplante Schritte: 1) Patientenbögen; 2) Excel-Tabelle; 3) Ethikkommission; 4) Erhebung.

Vorläufige Ergebnisse: Genehmigung Ethikkommission liegt vor. Datenerhebung läuft.

H. Kämmerle, S. Bachthaler & J. Valdés-Stauber

Hintergrund: Prognostische Faktoren des Erfolges von stationärer Psychotherapie haben sich als unspezifisch oder redundant erwiesen. Faktorenanalysen lassen die Variablen meistens auf 1-2 Faktoren reduzieren.

Anliegen: Inwieweit verändern sich die einzelnen Lebenseinstellungen gemessen mit dem Life Attitude Profile-Revised von Reker (LAP-R) während einer stationären psychosomatischen Behandlung und welche klinischen und Persönlichkeitsfaktoren haben einen Einfluss auf den Grad der Veränderung. Es werden 6 Hypothesen aufgestellt und empirisch geprüft.

Methode:  Prospektive, naturalistische Untersuchung (n=75) die sowohl Veränderung von Zielvariablen sowie auch Einflussfaktoren auf die Zielvariablen untersucht. Datenquellen: Daten und eingebaute Tests in der qualitätssichernden Basisdokumentation und gesonderter Einsatz von Tests: LAP-R auf Deutsch und BFI-10.

Zielvariablen (primäre Endpunkte): 1) Die 6 Dimensionen von Lebenseinstellung 2) Veränderung der Symptombelastung, gemessen mit ISR); 3) Veränderung der Lebensqualität, gemessen mit FLZ-M; 4) Selbstwirksamkeit gemessen mit Health-49, Modul D.

Kontrollvariablen/ Covariaten: 1)Soziodemographische Variablen Alter, Geschlecht, Leben in Partnerschaft, Anteil Personen mit Kindern im Haushalt, Schulbildung, Berufliche Ausbildung, Beschäftigung 2) Klinische Variablen: Erst Diagnose, Komorbidität, Funktionalität (GAF), Lebensnsqualität und Selbstwirksamkeit); 3) Persönlichkeitsvariablen:  BFI-10 Dimensionen 4) Behandlungsvariablen: Einschätzung der Veränderung der Behandlung; Einschätzung der therapeutischen Beziehung.

Statistik: Prä-/ Post-Untersuchung mit paarweisen t-Tests. Die Assoziativen werden mit der bivariaten Regressionsanalyse durchgeführt einschließlich von Angaben der Effektstärke durch beta. Die Untersuchung von möglichen Einflussfaktoren auf den Veränderungsgrad wird mit multivariablen linearen Regressionsmodellen unter Angabe der Determinationskoeffizienten (R²) durchgeführt.

Geplante Schritte: 1) Logistik; 2) Patientenbögen; 3) informed consent; 3) Datenerhebung; 4) Prüfung Datenqualität; 5) Statistische Untersuchung möglicher Assoziationen.

Vorläufige Ergebnisse: Diese Untersuchung geht über die Fragestellungen einer von Frau Kämmerle angefertigten Master-Thesis hinaus, auch der Umfang der Stichprobe ist größer.

J. Valdés-Stauber, H. Kämmerle, S. Bachthaler


Hintergrund: Nicht nur klinische, motivationale, psychosoziale und persönlichkeitsbezoge Faktoren haben einen Einfluss auf den stationären psychosomatischen Verlauf, sondern auch die Lebenseinstellungen

Anliegen: Prüfung der psychometrischen Eigenschaften des LAP-R, deutsche Version, in einer Stichprobe von 120 stationär-psychosomatisch behandelten Patienten, um den international bewährten Fragebogen in künftigen psychosomatischen Patientenstichproben einsetzen zu können.

Methode:  Untersuchung der sechs einzelnen Faktoren und der zwei übergeordneten Faktoren mittels exploratorischer Faktorenanalyse (Hauptkomponentenanalyse und Varimaxrotation) sowie konfirmatorischer Faktorenanalyse (anhand latenter Variablen). Darüber hinaus Itemanalyse und interne Konsistenz der Faktoren anhand von Cronbachs α. Validitätsuntersuchungen mit anderen validierten Tests unter Angabe der Effektstärken.

Geplante Schritte: 1. Erhebung der Daten und Erfassung der Antworten Frage für frage, um konfirmatorische Faktorenanalyse durchführen zu können; 2. Prüfung von Modellvoraussetzungen; 3. Wahl der geeigneten Statistik; 4. Durchführung der Faktorenanalysen und der externen Validierung; 5. Graphische Darstellung der Zusammenhänge.


Bisherige Ergebnisse: Datenerhebung abgeschlossen. Aktuell Prüfung der Datenqualität, der Modellvoraussetzungen und der geeigneten statistischen Modellierung

J. Valdés-Stauber

Hintergrund: Bei dem Begriff des Todes sind semantische und phänomenologische Momente vermengt, die sich auf Zustände und Prozesse um den Zeitpunkt des Ablebens beziehen, die konzeptuell auseinanderzuhalten gilt.


Anliegen: Es wird hier die Position vertreten, dass es sich bei der Auseinandersetzung mit dem Tod und mit dem Sterben um einen anthropologischen Sachverhalt handelt, der eine ontische Annäherung über die Biomedizin und über die Psychologie erlaubt. Als anthropologisch entbehrt dieser Sachverhalt keinesfalls eine ontologische Perspektive über das Wesen des Todes, insbesondere wenn dieses als Nichtsein oder Aufhören-zu-sein aufgefasst wird. Leben und Tod als Grenzbegriffe in dialektischen Bezug verstanden lassen auch den Tod als Seinsweise oder Übergansmoment von einer Daseinsweise in eine andere, die ontologisch näher bestimmt werden müsste, verstehen.


Methode: Der Autor wird in phänomenologischer Perspektive zwischen „Sterben“ und „Tod“ unterscheiden, davon ausgehend, dass jenseits der kulturgebundenen Repräsentationen der „Materialität des Todes“ (Macho, S. 103) und des rituellen Umganges mit der Anwesenheit der Leichen bei Abwesenheit des Gewesenen und der Überwindung der Ergriffenheit, es universell gelten dürfte, dass der Mensch bei Vergegenwärtigung des Todes und spätestens bei Konfrontation mit der eigenen unausweichlichen Endlichkeit in der Krankheit zum Tode sich mit Grundthemen auseinandersetzt bei offenem Ausgang seines Ringens.


Geplante Schritte: Es werden zunächst thanatologische Begriffsbestimmungen unternommen, um danach die philosophischen Positionen zum Tod zu diskutieren; in einem dritten Schritt wird die Einnahme einer anthropologischen Position vertreten und begründet; viertens werden die Transzendierungsmodi erörtert, um schließlich ein Modell der „Antizipatorischen Daseinsverabschiedung“ als anthropologisch in Abhebung von psychologischen Theorien der Bewältigung vorgeschlagen.


Vorläufige Ergebnisse: Literatursuche fortgeschritten; existenzanalytische Beiträge fortgeschritten; Modell der „Antizipatorischen Daseinsverabschiedung“ steht; es fehlen eine Integration der philosophischen Reflexionen und die Abgrenzung von psychologischen Modellen.

 

Juan Valdés-Stauber

Hintergrund:  Die  antizipatorische Daseinsverabschiedung (in der Literatur psychologisch als „Trauer“ aufgefasst) kann als anthropologischer Sachverhalt ausgefasst werden. In der Praxis (ontische Ebene) handelt es sich um einen individuellen  Verarbeitungsprozess hinsichtlich des Erlöschens des eigenen Daseins als heilsame aufarbeitende Vorwegnahme hinsichtlich einer existentiellen Bewältigungsstrategie einer Grenzsituation, die Grenzsituation des Menschseins schlechthin.

Anliegen: Ausgehend von der vorliegenden psychologischen Literatur werden fünf anthropologische Dimension, die jeweils aus zwei Faktoren bestehen, als theoretischer Rahmen entworfen: a) Daseinsversöhnung (1. Daseinserfüllung; 2. Friede); b) Ablauf der Daseinszeit (1. Abschluss; 2. Abschiednehmen); c) Altruistische Selbstaufgabe (1. Hinterlassenschaft; 2. Nächstenliebe); d) Selbsttranszendenz (1. Permanenz; 2. Metaphysisches Aufgehen);  e) Ringen um Akzeptanz (1.Annahmewiderstand; 2. Annahme).

Methode: Literatur zu „antizipatorischer Trauer“ wird gesammelt und systematisch auf Grundthemen untersucht. Das vorgeschlagene Modell wird empirisch und theoretisch begründet. Möglich Erweiterung um eine weitere Dimension und Reduktion aller sechs dadurch entstandenen Dimensionen auf zwei Grunddimensionen.

Geplante Schritte: 1) Literaturrecherche; 2) Ausarbeitung des Grundmodells und Definition der Dimensionen und Faktoren; 3) Erweiterung des Modells; 4) Abgleich mit empirischen Untersuchungen, insbesondere eine Forschung mit einem Fragebogen, welches auf der Basis des ursprünglichen Modells entworfen wurde.

Vorläufige Ergebnisse: Wichtige Literatur gesammelt und erste Definitionen entworfen. Erste Ideen zu einer Erweiterung der Dimensionen.

Hintergrund: Das Konzept der „Antizipatorischen Daseinsverabschiedung“ wurde bereits als anthropologisches und nicht als psychologisches Konstrukt der Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod beschrieben.


Anliegen: Nach der Untersuchung von terminalen Patienten in jeweils einem Palliativ und einem Hospizsetting, soll zum Vergleich eine vom Alter ähnliche Stichprobe von Heimbewohnern untersucht werden. Die Hauptfragestellung besteht darin, ob die Modi der Auseinandersetzung bei Heimbewohnern ohne eine Krankheit zum Tode differieren von Menschen im Angesicht des eigenen Todes durch Krankheit.
 

Methode: geplant ist eine Stichprobe von mindestens 60 Probanden. Erhebung der soziodemographischen und klinischen Daten sowie Anwendung der psychometrischen Fragebögen wie bei den terminalen Patienten zum genauen Vergleich. Anwendung von Gammaregressionen und Sensibilitätsanalysen wegen der Rechtsverschiebung der Verteilungen der Antworten und der ordinalen Struktur der abhängigen Variablen. Zwei geschulte Interview-Durchführenden.
 

Geplante Schritte: 1. Abschluss der Untersuchung der Gruppe der terminalen Patienten, die dann als Gesamtvergleichsgruppe in die Vergleiche eingesetzt wird; 2. Auswahl der Heime; 3. Schulung der Interviewführenden; 4. Aufklärung von Bewohnern oder Betreuern; 5. Prüfung der Datenqualität; 6. Statistische Vergleiche der Faktoren (Facetten) und Dimensionen, sowie multivariate Vergleiche, etwa durch propensity scores.
 

Vorläufige Ergebnisse: Es wurden bereits drei Heime engagiert. Bisher insgesamt 20 Personen interviewt.

 

(Möglichkeit einer Fragebogenvereinfachung)

Hintergrund: Das Konzept der „Antizipatorischen Daseinsverabschiedung“ wurde bereits als anthropologisches und nicht als psychologisches Konstrukt der Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod beschrieben.


Anliegen: Nach der Untersuchung von terminalen Patienten in jeweils einem Palliativ und einem Hospizsetting sowie in einem Heim ohne eine zum Tod führenden Erkrankung soll zum Vergleich zwei Gruppen fern vom mit mehr Gebrechlichkeit behafteten Alter untersucht werden, um die Praktikabilität des Fragebogens und die differenzielle Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit prüfen zu vermögen.


Methode: geplant ist eine Stichprobe von mindestens 60 Probanden jeweils für die Gruppe der Jugendlichen und der Menschen im mittleren Alter. Erhebung der soziodemographischen und klinischen Daten sowie Anwendung der psychometrischen Fragebögen wie bei den terminalen Patienten zum genauen Vergleich. Anwendung von Gammaregressionen und Sensibilitätsanalysen wegen der Rechtsverschiebung der Verteilungen der Antworten und der ordinalen Struktur der abhängigen Variablen. Zwei geschulte Interview-Durchführenden.


Geplante Schritte: 1. Abschluss der Untersuchung der Gruppe der terminalen Patienten, die dann als Gesamtvergleichsgruppe in die Vergleiche eingesetzt wird; 2. Abschluss der Untersuchung von Heimbewohnern; 3. Abfassung einer reduzierten Fragebogenversion zum Vergleich; 4. Schulung der Interviewführenden; 5. Prüfung der Datenqualität; 6. Statistische Vergleiche der Faktoren (Facetten) und Dimensionen, sowie multivariate Vergleiche, etwa durch multinomiale Regressionsmodelle.


Vorläufige Ergebnisse: Phase des Studiendesings und der Suche geeigneter Interview-Durchführender.

 

 

Eine multizentrische und multinationale randomisierte Studie.

 

D. Welly, J. Valdés-Stauber


Hintergrund: Die vorliegende  Untersuchung versteht sich als Teil einer umfassenden prospektiven, kontrolliert randomisiert angelegten, europäischen multizentrischen Studie (Kallert et al. 2007) mit dem Ziel, die Effektivität tagesklinischer Behandlung psychiatrischer Patienten mit der Effektivität einer vollstationären Behandlung zu vergleichen.


Anliegen: In dieser Studie wird der unterschiedliche Grad der Erfüllung von Patientenbedürfnissen (met needs) durch die Behandlung in beiden Settings sowohl aus Patienten- als auch aus Behandlerperspektive im Vergleich untersucht. Es wird ferner verglichen, ob die Patientenbedürfnisse im tagesklinischen Behandlungssetting genauso erfüllt werden wie im vollstationären Setting. Diese allgemeine Fragestellung wird anhand von vier operationalisierbaren Teilfragestellungen empirisch angegangen.


Methode: Die vergleichende Studie wurde im Vorfeld randomisiert durchgeführt. Es nahmen in insgesamt 5 Ländern (England, Deutschland, Polen, Slowakei und Tschechien) N=1055 Patienten teil, die randomiesiert einem der beiden Settings (teil- oder vollstationär) zugewiesen wurden. Es werden 4 Messzeitpunkte berücksichtigt: a) Zum Aufnahmezeitpunkt; b) Zum Entlasszeitpunkt; c) 3 Monate nach Entlassung und d) 12 Monate nach Entlassung. Die Follow-Up-Raten für diese Gruppe betrug zum Entlassungszeitpunkt 87.0%, 3 Monate nach Entlassung 76.5% und 12 Monate nach Entlassung 68.1%. In die Auswertung dieser Arbeit gehen Daten zur soziodemographischen Charakteristika sowie zum Krankheitsverlauf der Patienten (CSCHI), Behandlungsbedarf und –bedürfnis (BeBI für Klienten bzw. Behandler), Lebensqualität (MANSA), psychopathologische Symptomatik (BPRS), Ausmaß der sozialen Behinderungen (GSDS), Patientenbewertungen der Behandlung (KliBb) sowie der therapeutischen Allianz (HAS) ein.


Geplante Schritte: Datensätze werden entlang folgender Fragestellungen untersucht: 1. Unterscheiden sich die Patienten beider Settings (Randomisierung) in den verschiedenen Ländern hinsichtlich soziodemographischer und klinischer Variablen zum Aufnahmezeitpunkt?; 2. Gibt es Unterschiede bei einzelnen untersuchten Variablen unterhalb der Zentren zum Aufnahmezeitpunkt?; 3. Inwieweit sind die Patientenbedürfnisse aus Betroffenenperspektive nach der Behandlung erfüllt und gibt es Setting-Unterschiede?; 4. Differieren die Einschätzungen über den Grad der Erfüllung von Patientenbedürfnissen zwischen Therapeuten und Patienten?; 5. Gibt es je nach Setting differentielle Prädiktoren für eine positive Erfüllung von Patientenbedürfnissen durch die jeweilige Behandlung?


Vorläufige Ergebnisse: Datensätze wurden auf Datenqualität geprüft und bereinigt, manche Variablen rekodiert. Statistische Auswertung 12/2018 begonnen.

 

Abgeschlossene Projekte