Arbeitsgruppe Klinische und psychosoziale Interventionsforschung
Leitung: Prof. Dr. Carmen Uhlmann
Unter klinischer und psychosozialer Interventionsforschung fassen wir alle Projekte zusammen, die eine störungsbezogene Fragestellung haben und in versorgungsnahen Settings überprüft werden. Ziel ist dabei die Erhöhung der Erfolgsquoten in der Behandlung von psychiatrisch-psychotherapeutischen Patientinnen und Patienten. Im Fokus stehen die Untersuchung und Veränderung von positiven und negativen Affekten, von psychophysiologischem Arousal und die Untersuchung von Strategien zur Emotionsregulation.
Schwerpunkte
Neue Interventionsformen in Psychiatrie und Psychotherapie: Methoden, Therapieerfolg und Wirkfaktoren
Innere Unruhe als transdiagnostische Symptomatik
Suizidales und selbstverletzendes Verhalten, suizidale Kommunikation
Umsetzung und Wirksamkeit tiergestützter Interventionen
Anwendung und Wirksamkeit von Biofeedback bei psychischen Störungen
Laufende Projekte
Carmen Uhlmann, Lea Rosenstock, Milka Daiger, Petra Schmid,
Hintergrund: In Untersuchungen haben sich achtsamkeitsbasierte Ansätze in der Behandlung von Suchterkrankten als wirkungsvoll gezeigt. Sie beeinflussen das Erleben von Affekten sowie Craving. Ebenso gibt es Hinweise, dass das eigene Kontrollerleben von Craving veränderbar ist. Die bisher untersuchten Interventionen umfassen mehrere Wochen und sind für den klinischen Alltag in einer qualifizierten Entzugsbehandlung daher nicht geeignet.
Forschungsfragestellung: Verbessert eine einwöchige achtsamkeitsbasierte Intervention via Ecological Momentary Assessment (EMA) die Achtsamkeit, das Erleben von Gefühlen, die Emotionsregulation, das Erleben und die Kontrolle von Craving?
Methode: Untersucht wird soll in einem randomisierten Kontrollgruppendesign, ob sich eine achtsamkeitsbasierte Intervention via EMA (3x/d) über 7 Tage hinweg auf die Outcomevariablen Achtsamkeit, positiver und negativer Affekt, Erleben und Kontrolle von Craving auswirkt. Hierzu werden teilstationär behandelte psychiatrische Suchtpatient*innen in zwei Gruppen eingeteilt (Experimentalgruppe (EG) vs. Standardbehandlung (TAU)) und über 4 Messzeitpunkte (Prä, Post, 3 Monats-Follow-Up, 6 Monats-Follow-Up) untersucht.
Ethikvotum: Ethikkommission der Universität Ulm Nr. 48/24
Geplante Schritte: Die Datenerhebung ist beendet, eine Posterpräsentation ist erfolgt und eine Publikation ist in Vorbereitung.
Carmen Uhlmann, Stefan Tschöke, Anna-Lena Schwab, Claudia Jauch-Ederer, Carmen Nauss, Petra Schmid
Hintergrund: In der Vorgängerstudie (TIER-S) wurde die Wirksamkeit von schafgestützter Intervention bei Suchtpatient*innen untersucht. Die Effekte auf die emotionale Befindlichkeit und Achtsamkeit waren unmittelbar nach der Intervention erstaunlich hoch, jedoch ist es nicht gelungen diese starken Effekte nach einer Woche auf diesem Niveau aufrechtzuerhalten. Das neue Forschungsprogramm untersucht die Wirkung einer tiergestützten Intervention mit zusätzlicher psychotherapeutischen Konsolidierung der Schafbegegnung bei Suchtpatient*innen und Patient*innen in akuten psychischen Krisen.
Forschungsfragestellung: Führt eine einmalige tiergestützte Intervention mit anschließender psychotherapeutischer Konsolidierung zur Verbesserung der emotionalen Befindlichkeit und Achtsamkeit im Unterschied zu TAU und hält sich dieser Effekt bis eine Woche nach der Intervention?
Methode: In einem randomisierten Kontrollgruppendesign (gegen Treatment as usual, TAU) mit vier Messzeitpunkten (Prä, Post, Follow-Up nach 1 Woche, Follow-Up nach einem Monat) werden jeweils N = 20 Suchtpatient*innen und N = 20 Patient*innen in akuten psychischen Krisen untersucht. Als primary outcome wird wieder Emotionalität (STAI) untersucht. Als secondary outcomes werden wie bei der vorangegangenen Studie erfasst: Selbstwirksamkeit, Achtsamkeit, körperliche und psychische Erschöpfung, Nervosität/Anspannung sowie Funktionseinschränkungen im Alltag i. S. v. Vermeidungsverhalten.
Ethikvotum: Ethikkommission der Universität Ulm Nr. 45/23
Geplante Schritte: Erste Publikation ist erfolgt, weitere Publikation in Vorbereitung.
Yalda Forouhideh-Wiesenfarth, Sophie Hirsch, Tilman Steinert
Hintergrund: Ein hoher Anteil psychiatrischer Patienten wird nicht nur von Psychiatern, sondern auch von Heilpraktikern behandelt. Positive und negative Auswirkungen dieser Parallelbehandlungen sind kaum untersucht. Eine Verbesserung der Kommunikation der behandelnden Ärzte und Heilpraktiker ist essentiell, um in Zukunft positive Aspekte besser in den Therapieplan integrieren und negative Aspekte vermeiden zu können.
Forschungsfragestellung: Es soll erforscht werden, ob sich psychisch kranke Menschen in ihrem Krankheits- und Behandlungskonzept unterscheiden, je nachdem, ob sie wegen ihrer psychischen Beschwerden einen Heilpraktiker aufsuchen oder nicht. Die Ergebnisse der Befragungen sollen genutzt werden, um die interdisziplinäre Kommunikation zu verbessern, positive Aspekte zu berücksichtigen und Risiken zu vermeiden.
Methode: Befragung von Patienten mit schweren psychiatrischen Erkrankungen (ICD 10 F2 und F3) im ZfP Biberach und Bad Schussenried mittels Fragebogen im ärztlichen Interview zur Inanspruchnahme und Bewertung psychiatrischer und komplementär-medizinischer Behandlungen
Ethikvotum: Ethikkommission der Landesärztekammer Baden-Württemberg F-2021-120
Geplante Schritte: Aktuell erfolgt die Auswertung der Befragung. Die Veröffentlichung der Ergebnisse ist für 2023 geplant.
Vorläufige Ergebnisse: Die Befragung von 107 Patienten im ZfP Biberach und Bad Schussenried wurde erfolgreich abgeschlossen und die Daten wurden ausgewertet.
Petra Schmid, Anna Dietrich, Magdalena Paterok, Carmen Uhlmann
Hintergrund: Patient*innen in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung klagen häufig über innere Unruhe. Eine medizinisch-wissenschaftliche Definition dieses Symptoms liegt bisher nicht vor. Auch sind die Häufigkeit und die genaue Beschreibung des Symptoms bisher weitgehend unklar. Theoriegeleitet und aufbauend auf den Erfahrungen der Pilotstudie (FeedRuhe 1) wurde ein erster Entwurf zur Fassung des Konstrukts „innere Unruhe“ entwickelt.
Forschungsfragestellung: Wie viele der psychiatrisch-psychotherapeutisch behandelten Patient*innen berichten von innerer Unruhe? Wie beschreiben die Studienteilnehmer*innen innere Unruhe auf den 4 Ebenen „Verhalten“, „Emotion“, „Kognition“, und „Physiologie“? Was sind geeignete Prädiktoren zur Vorhersage innerer Unruhe bzw. gibt es diagnose-, geschlechts- oder altersspezifische Unterschiede bzgl. des Auftretens und der Beschreibung innerer Unruhe? Wie kann innere Unruhe valide operationalisiert werden?
Methode: Befragung von jeweils n=150 psychiatrisch-psychotherapeutisch (teil-) stationär behandelten Patient*innen in zwei Querschnittserhebungen.
Ethikvotum: Ethikkommission der Universität Ulm Nr. 251/21.
Geplante Schritte: Beide Querschnittserhebungen sind abgeschlossen, die Datenauswertung und Publikation der Ergebnisse steht an.
Petra Schmid, Tilman Steinert, Stefan Tschöke, Monika Heisch, Carmen Uhlmann
Hintergrund: Für die psychiatrischen Kliniken ist der Umgang mit Suizidalität bei Borderline Patient*innen im klinischen Alltag ein großes Problem. Leitlinienkonform erfolgt bei Suizidalität eine stationäre (fürsorgliche) Behandlung. Bei depressiven Patient*innen ist dieses Vorgehen indiziert. Bei Patient*innen mit einer Borderline-Störung zeigt sich im klinischen Verlauf häufig Re-Hospitalisierung. Die amerikamische APA gibt in ihren Behandlungsleitlinien vor, dass stationäre Behandlungen für Patient*innen mit einer Borderline-Störung minimiert werden sollten. Es stellt sich jedoch die Frage, was ein geeignetes Vorgehen in der Behandlung von suizidal kommunizierenden Borderline- Patient*innen darstellt.
Forschungsfragestellung: Wie lässt sich suizidale Kommunikation erfassen? Zeigen sich Unterschiede zwischen den beiden Gruppen depressive Patient*innen und Patient*innen mit einer Borderline-Störung?
Methode: Befragung von jeweils n = 45 diagnostizierter Borderline- Patient*innen und depressiver Patient*innen mit akuter Suizidalität. Eingesetzt werden ein selbst entwickelter Fragebogen zur suizidalen Kommunikation sowie weitere validierte Instrumente zu Suizidalität, kindlicher Traumatisierung, sozialer Eingebundenheit und Hoffnungslosigkeit.
Ethikvotum: Ethikkommission der Universität Ulm Nr. 319/19
Geplante Schritte: Die Befragung ist abgeschlossen. Posterpräsentationen erfolgt, Publikation ist eingereicht.
Vorläufige Ergebnisse: Die Befragung ist abgeschlossen. Erste Ergebnisse wurden auf dem DGPPN-Kongress vorgestellt. Eine Publikation ist in Vorbereitung.
Carmen Uhlmann, Sophia König, Petra Schmid
Hintergrund: Das oben beschriebene Training zur Behandlung von innerer Unruhe ist gut durchführbar, es stellt sich jedoch die Frage, ob die Wirksamkeit zur Reduktion von innerer Unruhe gegeben ist.
Forschungsfragestellung: Reduziert eine kombinierte Therapie von Biofeedback mit verhaltenstherapeutischen Elementen das Erleben innerer Unruhe im Vergleich zu Regelbehandlung während eines stationären psychiatrischen Aufenthalts?
Methode: Studienteilnehmende sind behandelte Patient*innen des ZfP Südwürttemberg am Standort Weissenau. Zu den n = 10 Studienteilnehmenden aus der Machbarkeitsstudie werden n = 10 Patient*innen in Regelbehandlung gematcht und zu 4 Messzeitpunkten mittels Fragebögen befragt (Prä-, Post-, 3- und 6-Monats-Follow-Up).
Ethikvotum: Ethikkommission der Universität Ulm Nr. 388/19
Geplante Schritte: Die Datenerhebung ist abgeschlossen. Die Publikation ist in Vorbereitung.
Carmen Uhlmann, Stefan Tschöke, Anna-Lena Schwab, Claudia Jauch-Ederer, Carmen Nauss, Petra Schmid
Hintergrund: In der Vorgängerstudie (TIER-S) wurde die Wirksamkeit von schafgestützter Intervention bei Suchtpatient:innen untersucht. Die Effekte auf die emotionale Befindlichkeit und Achtsamkeit waren unmittelbar nach der Intervention erstaunlich hoch, jedoch ist es nicht gelungen diese starken Effekte nach einer Woche auf diesem Niveau aufrechtzuerhalten. Das neue Forschungsprogramm untersucht die Wirkung einer tiergestützten Intervention mit zusätzlicher psychotherapeutischen Konsolidierung der Schafbegegnung bei Suchtpatient:innen und Patient:innen in akuten psychischen Krisen.
Forschungsfragestellung: Führt eine einmalige tiergestützte Intervention mit anschließender psychotherapeutischer Konsolidierung zur Verbesserung der emotionalen Befindlichkeit und Achtsamkeit im Unterschied zu TAU und hält sich dieser Effekt bis eine Woche nach der Intervention?
Methode: In einem randomisierten Kontrollgruppendesign (gegen Treatment as usual, TAU) mit vier Messzeitpunkten (Prä, Post, Follow-Up nach 1 Woche, Follow-Up nach einem Monat) werden jeweils N=20 Suchtpatient:innen und N=20 Patient:innen in akuten psychischen Krisen untersucht. Als primary outcome wird wieder Emotionalität (STAI) untersucht. Als secondary outcomes werden wie bei der vorangegangenen Studie erfasst: Selbstwirksamkeit, Achtsamkeit, körperliche und psychische Erschöpfung, Nervosität/Anspannung sowie Funktionseinschränkungen im Alltag i. S. v. Vermeidungsverhalten.
Ethikvotum: Ethikkommission der Universität Ulm Nr. 45/23
Geplante Schritte: Erste Publikation ist erfolgt, weitere Publikation in Vorbereitung.
Mitarbeitende

Dr. biol. hum. Petra Schmid, Dipl-Psych.
Schwerpunkte
Neue Interventionsformen in Psychiatrie und Psychotherapie
Untersuchung und Veränderung von positiven und negativen Affekten, von psychophysiologischem Arousal und die Untersuchung von Strategien zur Emotionsregulation.
