Für Patienten und Angehörige

Ernährung & Krebs

Essen und Trinken bei Krebs: Worauf kommt es an?

Im Rahmen einer Tumorerkrankung kann es zu einem Gewichtsverlust und zu einer Unter- bzw. Mangelernährung kommen. Ursache des Gewichtsverlustes ist eine über längere Zeit verminderte Nahrungs- und Energieaufnahme – es wird also weniger gegessen, als der Körper braucht. Auslöser hierfür können tumorbedingte Stoffwechselveränderungen, Therapienebenwirkungen, Verdauungsstörungen, Schmerzen oder psychischen Belastungen sein.

Eine auf Ihre Situation angepasste Ernährung gibt Ihnen die Kraft, mit den Anforderungen der Erkrankung und der Therapie umzugehen. Essen kann aber noch mehr: Essen spendet Trost, macht Freude und hilft dabei, Beziehungen zu Freunden und Familie zu stärken.
 

Ziele der Ernährungstherapie sind:

  • Gewicht halten, um gute Therapievoraussetzungen zu schaffen
  • Wirkung der Therapie erhöhen
  • Lebensqualität erhalten
  • Leistungsfähigkeit und Mobilität erhalten
  • Nebenwirkungen reduzieren
  • Freude am Essen erhalten


Essen und Trinken kann jedoch nicht, was viele Krebsdiäten versprechen: Ein bestehender Tumor kann durch Ernährung nicht direkt beeinflusst oder gar geheilt werden!

Um einer ungewollten Gewichtszu- oder -abnahme rechtzeitig entgegen wirken zu können, sollten Sie sich regelmäßig wiegen: Wiegen Sie sich einmal in der Woche zur selben Uhrzeit. Am besten tun Sie dies morgens vor dem Frühstück und unbekleidet.

Bitte beachten Sie: Mangelernährung kann auch bei Übergewicht bestehen! Wenden Sie sich daher immer an Ihren Arzt oder Ihre Ernährungsfachkraft, wenn sich Ihr Gewicht verändern sollte.

 

Wenn Essen und Trinken Ihnen keine Beschwerden bereitet und Ihr Gewicht stabil ist, halten Sie sich an die allgemeinen Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Das bedeutet:

  1. Essen Sie täglich 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst, z.B. als Salat, Gemüsesuppe, gedünstetes/gebratenes/geröstetes Gemüse, selbst gemachter Obstquark, Rohkost zum Brot, Bircher Müsli, …

  2. Essen Sie reichlich Ballaststoffe. Diese sind enthalten in

    • Vollkornprodukten: z.B. Vollkornbrot/-​brötchen, Vollkornnudeln oder -reis, Hafer-​ oder andere Getreideflocken
      Bitte beachten Sie: Dunkles Brot enthält nicht unbedingt Vollkornmehl! Oft wird das Brot eingefärbt, damit es „gesund“ aussieht. Achten Sie daher auf der Zutatenliste auf die Bezeichnung „Vollkornmehl“ oder den Namen „Vollkornbrot“

    • Obst und Gemüse

    • Samen, Körner, Nüssen: z.B. Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Walnüsse

    • Hülsenfrüchten: z.B. Bohnen, Kichererbsen, Linsen, Erbsen, Sojabohnen

  3. Essen Sie ein- bis zweimal pro Woche bevorzugt weißes Fleisch (Huhn, Pute). Verzichten Sie möglichst auf verarbeitetes Fleisch wie Wurst, Schinken, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch. Auch rotes Fleisch (Rind, Schwein, Lamm, Kalb, Ziege, Schaf) sollte nur einmal pro Woche auf dem Speiseplan stehen.

  4. Essen Sie ein- bis zweimal pro Woche Fisch, sowohl fettarmen wie auch fettreichen (See-) Fisch.

  5. Essen Sie jeden Tag Milch und Milchprodukte, z.B. Joghurt, Quark, Buttermilch, Käse. Diese enthalten viel Eiweiß, aber auch Calcium, was die Knochen stärkt und vor Osteoporose schützt. Hartkäse hat sehr viel Energie, daher sollten Sie hier auf die Portionsgröße achten: Eine Portion ist etwa so groß wie zwei aneinander gelegte Daumen.

  6. Drei bis vier Eier pro Woche bieten Abwechslung auf dem Speiseplan und versorgen Sie mit Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen.

  7. Wählen Sie bevorzugt pflanzliche Öle statt tierischem Fett. Am besten geeignet sind Raps-, Lein- und Walnussöl, da sie viele ungesättigte, „gute“ Fettsäuren enthalten. Olivenöl ist gut für die Herzfunktion. Rapsöl kann auch zum Kochen verwendet werden, Lein- und Nussöl hingegen nur in kalten Gerichten wie Salat oder Kräuterquark.

  8. Bereiten Sie Speisen mit wenig Salz zu. Kräuter, Gewürze und geschmackvolle Öle geben stattdessen Geschmack.

  9. Genießen Sie sehr zuckerreiche Lebensmittel nur zu besonderen Anlässen.

  10. Trinken Sie täglich mindestens 1,5 – 2 Liter Wasser oder ungesüßten Tee. Wenn Sie Sport machen, Fieber haben oder es sehr heiß ist, sollten Sie noch mehr trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

  11. Alkoholische Getränke sollten nur in Maßen und an maximal fünf Tagen pro Woche getrunken werden. Bei Frauen werden 10 g Alkohol pro Tag toleriert (das entspricht 250 ml Bier oder 125 ml Wein), bei Männern 20 g Alkohol.
    Vorsicht: Bei der Einnahme von Medikamenten in Kombination mit Alkohol kann es zu Neben-​ bzw. Wechselwirkungen kommen. Dies gilt auch für Medikamente und Behandlungen, die im Rahmen einer Antitumortherapie verordnet werden.

Wenn Sie bereits Gewicht verloren haben oder nicht mehr so viel essen können wie früher, ist es oft erforderlich, von den Empfehlungen zu einer „gesunden“ Ernährung abzuweichen. Gesund ist eine Ernährung in diesem Fall dann, wenn sie einen weiteren Verlust von Muskeln und Gewicht verhindert: Eine individuelle Wunschkost ist dann die beste Wahl.

Zwingen Sie sich nicht, besonders große Portionen auf einmal zu essen. Das kann zu Frust, Völlegefühl oder Übelkeit führen. Mehrere kleine Mahlzeiten in „schaffbaren“ Portionen über den Tag verteilt werden besser vertragen und ermöglichen, den Energie-​ und Nährstoffbedarf zu decken.

Das Ziel bei Gewichtsverlust ist, möglichst energiereich zu essen, um das Körpergewicht zu stabilisieren. Wenn Sie z.B. aufgrund von Appetitlosigkeit nur geringe Mengen verzehren können, müssen die einzelnen Mahlzeiten entsprechen energie-​ und eiweißreich sein. Das können Sie erreichen, indem Sie in jede Mahlzeit Lebensmittel einbauen wie:

  • Sahnequark, Sahnejoghurt, griechischen Joghurt, Pudding, Käse, Milchbrei (z.B. Milchreis, Grießbrei, Haferbrei), Sahne, Crème fraîche, Schmand, Frischkäse, …
  • Eier
  • Fleisch und Wurst, Fisch (auch geräuchert oder eingelegt), Geflügel
  • pflanzliche Öle, v.a. Raps-, Lein-, Walnuss-​, Olivenöl
  • Nüsse oder Nussmus
  • getrocknete Früchte

 

Allgemeine Empfehlungen, um Gewichtsverlust zu stoppen:

  • Essen Sie regelmäßig über den Tag verteilt 5 – 8 kleine Mahlzeiten, bei Bedarf auch nachts
  • Essen Sie, wann und auf was Sie Lust haben – Spaghetti schmecken auch zum Frühstück gut
  • Verwenden Sie reichlich Öl, Sahne, Butter, Schmand oder Crème fraîche beim Kochen, z.B. in Suppen, Saucen, Kartoffelbrei
  • Wählen Sie Speisen mit viel Energie und wenig Volumen, z.B. Brat- statt Salzkartoffeln, Pommes frites, Cremesuppen statt Brühen, Sahne-​ statt Magerquark
  • Vermeiden Sie Light-​Produkte oder fettreduzierte Lebensmittel
  • Bevorzugen Sie fettreiche Milch und Milchprodukte mit mindestens 3,5% Fett, Käse ab 45% Fett i.Tr., Sahnejoghurt/-​quark
  • Wählen Sie fettreiche Wurstsorten, z.B. Tee-, Mett- und Leberwurst, Salami, Aufschnitt,
  • Essen Sie fettreichen Fisch: Lachs, Hering, Makrele, Forelle
  • Wählen Sie energiereiche Getränke, z.B. Saft, Malzbier, Kakao, Ovomaltine, Milchshakes
  • Denken Sie an ausreichende Verpflegung, wenn Sie längere Zeit außer Haus gehen

 

Energiereiche Zwischenmahlzeiten sind: Pudding, Milchreis, Grießbrei, Creme-​, Quark-​ und Joghurtspeisen mit Sahne, Eiscreme, Nüsse, Studentenfutter, Trockenobst, Käsewürfel, Kräcker, Kekse, Müsliriegel, Schokoriegel, Obst mit Sahne und/oder Nüssen, Kuchen, gefüllte Pfannkuchen, Waffeln, …

Ihr Eiweißbedarf ist bei Gewichtsverlust erhöht. Reichlich Eiweiß zu essen – in Kombination mit Bewegung – hilft, einen Muskelabbau zu verhindern bzw. zu verlangsamen. So können Sie aktiv und leistungsfähig bleiben. Achten Sie daher darauf, zu jeder Mahlzeit mindestens eine Eiweißquelle einzuplanen und bewegen Sie sich regelmäßig. Ideal sind mindestens 30 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Tag (Fahrrad fahren, schnelles Spazierengehen, Tanzen, …).

Eiweißreiche Speisen und Getränke sind z.B. Linsen mit Spätzle und Wurst, Chili con Carne, Rührei mit Schinken, Braten, Lachsquiche, Käsespätzle, Käsekuchen, Obstquark, Milch, Kakao, Sojadrink, Tofu, Nüsse, …

Orale Nahrungssupplemente

Wenn Sie nicht genügend essen können, um Ihren Bedarf an Eiweiß oder an Energie zu decken, können sogenannte orale Nahrungssupplemente eingesetzt werden. Diese werden fertig zum Trinken (Trinknahrung, „Astronautenkost“), zum Löffeln in Form von Pudding und Suppe oder als Pulver zum Mischen angeboten. Orale Nahrungssupplemente sind in der Apotheke erhältlich und können bei Bedarf von Ihrem Arzt verschrieben werden.

Es gibt auch Eiweißpulver, die speziell zur Deckung des Eiweißbedarfs gemacht sind, z.B. Fresubin Protein Powder von Fresenius Kabi oder AdPro104 von metaX. Reine Eiweißpulver in hochwertiger Qualität erhalten Sie in der Apotheke. Sie sind jedoch nicht auf Rezept erhältlich.

 

Weitere Möglichkeiten

Manchmal ist eine ausreichende Deckung des Energie-​, Eiweiß-​ und Nährstoffbedarfs über das tägliche Essen und Trinken sowie die Anreicherung und Ergänzung nicht möglich. Dann kann zusätzlich Sondenernährung (sog. enterale Ernährung) oder eine Ernährung über die Vene (sog. parenterale Ernährung) gegeben werden.

Nein. Eine ausgewogene Ernährung versorgt Sie mit allen Nährstoffen, die Sie brauchen. Nahrungsergänzungsmittel sind daher nicht notwendig. Zudem können auch harmlos erscheinende Kräuter-​ oder Lebensmittelextrakte Nebenwirkungen haben und die Wirksamkeit der Therapie herabsetzen (z.B. Johanniskraut). Nehmen Sie Nahrungsergänzungsmittel daher nur auf ärztlichen Rat ein.

Bücher und Zeitschriften, das Internet oder Verwandte und Bekannte verbreiten sehr viele, häufig widersprüchliche und wissenschaftlich nicht fundierte Ernährungstipps. Diese Empfehlungen beinhalten oft Verbote und Einschränkungen, deren Nutzen nicht belegt oder sogar widerlegt ist.

Diese sogenannten Krebsdiäten haben oft Nebenwirkungen: Sie sind meist einseitig und schränken die Lebensmittelauswahl stark ein. Das kann eine Fehl- und Mangelernährung zur Folge haben. Dadurch wiederum verschlechtert sich Ihre Lebensqualität, Ihr Allgemeinzustand und der Therapieerfolg. Wenn Sie Fragen zu Ihrer Ernährung haben, wenden Sie sich an eine Ernährungsfachkraft. Von ihr erhalten Sie fachlich korrekte, auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Ernährungsempfehlungen.

Manchmal kann die Therapie einer Krebserkrankung zu Nebenwirkungen führen, die es erschweren, ausgewogen zu essen. Wenn Sie merken, dass sich Ihr Geschmacksempfinden ändert, Sie an Übelkeit oder Appetitlosigkeit leiden, ungewollt Gewicht zu- oder abnehmen oder andere Beschwerden bestehen, sprechen Sie bitte Ihren Arzt und Ihre Ernährungsfachkraft darauf an. Gemeinsam können Sie entscheiden, was Sie gegen Nebenwirkungen und ihre Folgen tun können.

Ergebnisse des Workshops "Essen bei Krebs - Kann das Spaß machen?", der im Rahmen der Patienteninformationsveranstaltung am 29.03.2023 stattgefunden hat.

Kontakt

  • Profilbild von B. Sc. Diätetik Bärbel Zehatschek

    B. Sc. Diätetik Bärbel Zehatschek

    Schwerpunkte

    Ernährungsberatung

Hilfreiche Adressen und Ansprechpartner

Eat what you need e.V.
www.was-essen-bei-krebs.de

Stiftung Deutsche Krebshilfe
www.krebshilfe.de

Krebsinformationsdienst
www.krebsinformationsdienst.de

Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE
www.dge.de

Psychosoziale Krebsberatungsstelle Ulm
www.uniklinik-ulm.de/krebsberatungsstelle-ulm.html

Selbsthilfebüro KORN (Koordinationsstelle regionales Netzwerk)
www.selbsthilfebuero-korn.de

Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e.V.
www.vdd.de